Nach J.P.J. Gewin Tochter des Vogtes Hroudperht III.
von Freising und der Liutswind, Tochter von Graf Liutpald
HERKUNFT UND GESCHICHTE FÜHRENDER BAYERISCH-ÖSTERREICHISCHER
GESCHLECHTER IM HOCHMITTELALTER
(+) 891 März 9 Regensburg. König
ARNULF schenkt der Kirche zu Salzburg den von seiner verstorbenen
Mutter Liutswind als Lehen innegehabten
Hof Erding an der Sempt mit Zubehör: P. Kehr, Die Urkunden der Deutschen
Karolinger, Berlin 1940 bd. 3. S. 129 nr. 87.
895 Juli 16 Regensburg. König
ARNOLF schenkt der Kirche von Freising die Abtei Moosburg unter
Wahrung ihrer Privilegien und der Einkünfte ihrer Kleriker: a.a.O.
Bd. 3. S. 204. 35, nr. 136.
Qu. u. Lit.: S. 295, Personalien: S. 92, Grundbesitz:
Karte von Oberbayern bei S. 81.
Konecny Silvia: Seite 139
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"Die Frauen des karolingischen Königshauses. Die
politische Bedeutung der Ehe und die Stellung der Frau in der fränkischen
Herrscherfamilie vom 7. bis zum 10. Jahrhundert."
Der älteste Sohn Ludwigs des Deutschen, Karlmann, ging zu Lebzeiten seines Vaters möglicherweise zwei Verbindungen ein. Eine erste Ehe schloß er vor 861 mit einer Tochter des Herzogs Ernst wohl gegen den Willen des Vaters. Jedenfalls wurde sein Schwiegervater 861 als Aufständischer des Landes verwisen. Ob gleichzeitig mit der Aussöhnung zwischen Ludwig dem Deutschen und Karlmann auch des letzteren Ehe ein Ende fand, ist zwar fraglich, jedoch immerhin recht wahrscheinlich. Denn der Schwerpunkt der Politik Karlmanns verlagerte sich bald vom N des ostfränkischen Reiches, dem ehemaligen Machtbereich des Herzogs Ernst, nach dem S. Hier mag Karlmann durch Liutswind eine Verbindung mit den LIUTPOLDINGERN gesucht haben, die zu den möchtigsten Adelsgeschlechtern des Raumes zählten. Auch diese Verbindung dürfte kaum die besondere Zustimmung Ludwigs des Deutschen gefunden haben und wurde von diesem vermutlich nur toleriert. Neuerdings wird allerdings auch Liutswinds Abstammung von den SIGHARDINERN behauptet, die der Gruppe um Herzog Ernst zuzuordnen sind. Im Fall der Richtigkeit dieser Hypothese wäre die Identität zwischen Liutswind und jener dem Namen nach nicht bekannten Tochter des Herzogs Ernst zu erwägen [Sigihard wurde 861 gemeinsam mit Ernst abgesetzt. Sofern Liutswind mütterlicherseits von den SIGHARDINERN stammte, wie Mitterauer, Karolingische Markgrafen im Südosten 205 vermutet, könnte in ihr durchaus die namentlich nicht genannte Tochter des Ernst gesehen werden. Sie würde dann einer Ehe entstammen, die ein Bündnis zwischen SIGHARDINERN und ERNSTEN begründet haben könnte.]. Die Zahl der Eheverbindungen Karlmanns würde sich damit auf eine einzige reduzieren. Jedenfalls wäre diese Annahme um nicht weniger stichhaltig als die herrschenden These, daß Karlmann vor der kinderlsoen Ehe mit der Tochter des Herzogs Ernst einen Konkubinat mit Liutswind eingegangen sei. Die Diskrepanz zwischen der urkundlichen Bezeichnung einer Gattin Karlmanns als Königin und der vornehmlich in der westfränkischen Historiographie bezeugten Konkubinenabstammung ARNULFS ist jedenfalls bei weitem nicht auffällig genug, um die These von zwei Ehepartnerinnen Karlmanns zu rechtfertigen. Überhaupt auszuschließen ist Polygamie, die als Eheform des Königssohnes in der KAROLINGER-Zeit keine einzige Entsprechung hätte. Wenn also Karlmann die Verbindung mit Liutswind einging, ist somit ebensowenig eindeutig festzulegen, wie ein allenfalls möglicher Zeitpunkt der Umwandlung dieser Verbindung in eine Vollehe. Kaum erfolgte eine Dotation Liutswinds bereits zu Lebzeiten Ludwigs des Deutschen, wie dies allein für Richgardis, die Gattin KARLS III., bezeugt ist.
Mitterauer Michael: Seite 218,242
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"Karolingische Markgrafen im Südosten"
An der Verwandtschaft Sigihards mit Kaiser
ARNULF ist nicht zu zweifeln. Die Annahme Kimpens, daß
Sigihards Mutter eine Tochter Markgraf Eberhards von Friaul und der
KAROLINGERIN Gisela gewesen sei, hat wenig
Wahrscheinlichkeit. Trotter denkt an eine Vermittlung der Verwandtschaft
durch die ADLAHARDE, erbringt für diesen Vorschlag jedoch keine Argumente.
Zu den mit den KAROLINGERN mehrfach
versippten WELFEN läßt sich
bei den SIGHARDINGERN keine Beziehung aufzeigen. Am ehesten kommt Kaiser
ARNULFS Mutter Liutswind
als Bindeglied in Frage, von der wir wissen, daß sie einem bayerischen
Adelsgeschlecht entstammte [Vgl. dazu das Paar Liutsind Sigihart (Reichenau
338). Das vermutete auch J. P. J. Gewin, der in ihr eine Tochter des Freisinger
Vogtes Hruodperht und einer älteren Liutswint sieht. Seine
Kombinationen stützen sich jedoch auf einige willkürliche Gleichsetzungen,
wie die zwischen Graf Ratold, den er ohne besonderen Grund zum Vater Sigihards
macht, und Ratolf, dem Gatten einer Ellanswint. Vgl. J. P. J. Gewin, Herkunft
und Geschichte, a.a.O., 38].
Bisher versuchte man, den Zusammenhang der LIUTPOLDINGER
mit
den KAROLINGERN dadurch zu erklären,
daß man ARNULFS Mutter Liutswind,
von der wir wissen, daß sie aus einem vornehmen bayerischen Geschlecht
stammte, als Tante Markgraf Liutpolds betrachtete. Allerdings läßt
sich für deise These nur ein einziges nicht allzu beweiskräftiges
Argument beibringen, nämlich die Übereinstimmung der ersten Namenssilbe
zwischen Liutswind und Liutpold. Im
Vergleich dazu sind die Beziehungen zu den KAROLINGERN
über die WELFEN bedeutend klarer
erfaßt.
Schieffer Rudolf: Seite 135
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"Karl III. und Arnolf"
Zwar trug dieser ARNOLF
einen nicht-königlichen Namen, der an den bischöflichen Ahnherrn
Arnulf
von Metz gemahnen sollte und zuverlässig anzeigt, daß
die Verbindung Karlmanns mit der Mutter
zum Zeitpunkt der Geburt ARNOLFS um
850 nicht als dotierte, vollgültige Ehe mit erbrechtlichen Konsequenzen
betrachtet wurde; aber jene Mutter mit Namen Liutswind
[In keiner erzählenden Quelle, sondern nur in ARNOLFS
DD. 87, 136 genannt.] ist als nobilissima femina bezeugt, was ihr
bei der modernen Forschung zu einer hypothetischen Einordnung unter die
LIUTPOLDINGER verholfen hat, jedenfalls aber eine Herkunft bezeichnet,
die für die Braut eines karolingischen
Prinzen vollkommen standesgenmäß war. Eine nachträgliche
Rangerhöhung bze. Formalisierung ihres Verhältnissers zu Karlmann
(mit Folgen für ARNOLFS Rechtsstellung)
dürfte so wenig ausgeschlossen sein wie in denselben Jahren bei Angilberga
und Waldrada im Mittelreich, die 860/62
zu Ehegattinnen im vollen Sinne erhoben wurden, nachdem sie LUDWIG
II. und Lothar II. längst
schon Nachwuchs geschenkt hatten. Selbst als sich Karlmann
dann doch von Liutswind abwandte [Nach
der Quellenlage ist übrigens auch nicht auszuschließen, daß
sie früh gestorben ist.] und vor 861 förmlich eine (namentlich
unbekannte) Tochter des mächtigen bayerischen Grafen Ernst heiratete,
verzog sich die "Gefahr" keienswegs, die ARNOLFS
Existenz ausging.
Kinder:
Illegitim
Arnulf Markgraf von Kärnten
850-8.12.899
Literatur:
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Dümmler Ernst: Geschichte des Ostfränkischen
Reiches. Verlag von Duncker und Humblot Berlin 1865 Band II Seite 141,393,478
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Konecny Silvia: Die Frauen des karolingischen Königshauses.
Die politische Bedeutung der Ehe und die Stellung der Frau in der fränkischen
Herrscherfamilie vom 7. bis zum 10. Jahrhundert. Dissertation der Universität
Wien 1976, Seite 139 - Mitterauer Michael: Karolingische
Markgrafen im Südosten. Archiv für österreichische Geschichte
Band 123. Hermann Böhlaus Nachf./Graz-Wien-Köln 1963, Seite 218,226,242
- Schieffer Rudolf: Die Karolinger. W. Kohlhammer GmbH Stuttgart
Berlin Köln 1992, Seite 156,160 - Schieffer Rudolf: Karl III.
und Arnolf. in Festschrift für Eduard Hlawitschka zum 65. Geburtstag.
Verlag Michael Lassleben Kallmünz Opf. 1993, Seite 135 - Schnith
Karl Rudolf: Mittelalterliche Herrscher in Lebensbildern. Von den Karolingern
zu den Staufern. Verlag Styria Graz Wien Köln 1990, Seite 71,80 -