Bernhard                                                   Ostfränkischer Prinz
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ca 876-   891/92 erschlagen
 

Illegitimer Sohn des Kaisers KARL III. DER DICKE
 

Lexikon des Mittelalters: Band I Spalte 1983
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Bernhard
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* ca. 876, + 891/92

Außerehelicher Sohn Kaiser KARLS III.

In der Regelung der karolingischen Thronfolge hatte Bernhard von vornherein einen schweren Stand gegenüber seinem gleichfalls unehelich geborenen Vetter ARNULF VON KÄRNTEN. So scheiterte 885 ein Plan des Kaisers, Bernhard mit päpstlicher Hilfe Anerkennung als Thronfolger zu verschaffen. Nach dem Sturz KARLS III. und der Erhebung ARNULFS zum ostfränkischen König 887 hat Bernhard seine Ansprüche nicht aufgegeben. Vermutlich wegen der Nachfolgeregelung für ARNULF Söhne empörte sich Bernhard zusammen mit Abt Bernhard von St. Gallen und Graf Ulrich von Linz- und Argengau gegen den König. 890 konnte er sich durch Flucht aus Rätien (zu WIDO VON ITALIEN?) der Verfolgung entziehen, doch gelang ein Jahr später ARNULF die Niederwerfung des Aufstands; Bernhard wurde von Markgraf Rudolf von Rätien getötet.

Literatur:
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Dümmler² - W. Sicker, Das Thronfolgerecht der unehelichen Karolinger, ZRGGermAbt 24, 1903, 110-147 - H. Keller, Zum Sturz Karls III., DA 22, 1966 - E. Hlawitschka, Lotharingien und das Reich an der Schwelle der dt. Gesch. (MGH Schr. 21), 1968 - M. Borgolte, Karl III. und Neudingen, ZGO 125, 1977 - E. Hlawitschka, Nachfolgeprojekte aus der Spätzeit Ks. Karls III., DA 34, 1978 -


Werner Karl Ferdinand: Seite 456
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"Die Nachkommen Karls des Großen bis um das Jahr 1000 (1.-8. Generation)"

V. Generation
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Bernhard ist der einzige (uneheliche) Sohn Kaiser KARLS III. Brandenburg hat B. V,14 einen ehelichen Sohn Karlmann eingefügt, der nie existierte, vgl. dazu unsere Anmerkung zu IV,23.


Sein Vater beabsichtigte ihn mit Hilfe des Papstes legitimieren zu lassen. Obwohl Bernhard damals noch recht jung war, scheiterte der Plan daran, dass Papst Hadrian III. im September 885 noch auf der Reise ins Frankenreich starb.

Schieffer Rudolf: Seite 179,185,190
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"Die Karolinger "

Statt ihrer präsentierte sich die Zukunft der Dynastie in Gestalt mehrerer Bastarde, von denen eine reibungslose Thronfolge kaum zu erwarten war: ARNOLF VON KÄRNTEN, dem Friedelsohn des verstorbenen Karlmann, Bernhard, einem Illegitimus des Kaisers selbst, sowie Karl, dem kleinen postumen Stiefbruder der westfränkischen Könige, um ganz zu schweigen von dem "Aufrührer" Hugo, der den lotharischen Mannesstamm fortsetzte.
Nach dem Tod des westfränkischen Adoptivsohns Karlmann hatte KARL III. 885 einen Versuch gemacht, seinen noch heranwachsenden außerehelichen Sohn Bernhard (von einer namentlich nicht bekannten Mutter) zum Erben einzusetzen, war aber am Einspruch von Bischöfen und mehr noch an der bedenklichen Tatsache gescheitert, daß der zur Sanktionierung des heiklen Beschlusses eingeladene Papst Hadrian III. (884-885) auf der Hinreise eines jähen Todes starb.
ARNOLF, als König anscheinend erst seit kurzem mit Oda aus dem in der Lahngegend verwurzelten Geschlecht der KONRADINER vermählt, konnte indes lediglich zwei Söhne aus früheren, kirchlich nicht anerkannten Verbindungen vorweisen, den gerade erwachsenen Zwentibold und einen noch ganz kleinen Ratold, deren Erbrecht ihm die ostfränkischen Großen 889 in Forchheim unter der Voraussetzung zusicherten, daß ihm kein legitimer Sprößling von Oda beschieden sein würde. Vermutlich gegen diesen Beschluß entfachte Bernhard, der außereheliche Sohn KARLS III., 890/81 in Schwaben und Churrätien einen Aufstand, bei dessen Niederschlagung er getötet wurde.

Stälin Paul Friedrich: Seite 124
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"Geschichte Württembergs"

Ohne Zweifel um sich den Besitz Schwabens zu verschaffen, erhob sich gegen den neuen Herrscher im Jahre 890 in der Bodenseegegend ein natürlicher Sohn des verstorbenen Kaisers, Bernhard, welcher wohl die von seinem Vater angewiesenen Güter in Schwaben geerbt hatte. Er trat in Verbindung mit dem Linz- und Argengaugrafen Ulrich und dem Abte Bernhard von St. Gallen, mußte jedoch fliehen und wurde im Winter 891 auf 892 von Markgraf Rudolf von Rätien aus dem Wege geräumt, während Abt Bernhard seine Abtei und Ulrich einen Teil seiner Eigengüter in Schwaben und im Elsaß verlor.

Hlawitschka Eduard: Seite 27-30,99,107
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"Lotharingien und das Reich an der Schwelle der deutschen Geschichte"

KARL selbst hatte nur einen illegitimen Sohn, Bernhard, den ihm eine Konkubine niederer Herkunft geboren hatte [Zu Bernhards Abstammung vgl. Regino, Chron. ad 887, MG SS rer. Germ. Seite 128: ex pellice; Ann. Fuldens. ad 885 Seite 103: ex concubina. - Wenn E. Brandenburg, Die Nachkommen Karls d. Gr. (1935) Tafel 1, (V, 14a), KARL III. noch einen Sohn Karlmann zuweist, den ihm sogar Richgardis geboren haben soll und der freilich schon 876 verstorben sei, so verträgt sich dies in keiner Weise mit der Tatsache, daß Richgardis sich 887 erbot, ihre Jungfräulichkeit zu erweisen ( Regino, Chron. ad. 887 Seite 127). Vgl. auch den bis 881 nicht in Erfüllung gegangenen Wunsch Notkers des Stammlers nach ehelicher Nachkommenschaft des Kaisers; siehe unten Anm. 9. Mit dem 876 verstorbenen Karlomannus filius KAROLI der Ann. Alamannici ist vielmehr KARLS DES KAHLEN Sohn Karlmann gemeint; vgl. schon E. Dümmler, Gesch. d. ostfränk. Reiches II. Seite 359 Anm 1.]. Diesen gedachte er im Spätsommer oder Herbst 885 als haeredem regni post se constituere; et hoc, quia per se pose fieri dubitavit, per pontificem Romanum quasi apostolica auctoritate perficere disposuit. Aber dieser Plan schlug  nach ausgiebigen am Hof abgehaltenen Beratungen, bei denen sich harter Widerstand von seiten der Bischöfe erhob [Die Ann. Fuld. sagen: Voluit (imperator) enim, ut fama vulgabat, quosdam episcopos inrationabilter deponere et Bernhartum filium suum es concubina heredem regni post se constituere. Die Zusammenhänge liegen hier offen auf der Hand. Warum sollte KARL wohl auch sonst an die Absetzung mehrerer Bischöfe zugleich denken? W. Schlesinger; Die Anfänge d. dt. Königswahl Seite 391 Anm. 45 (bzw. Wege I Seite 326 Anm. 45), bezweifelt dies, - meiens Erachtens zu Unrecht.], fehl: Der Papst, dem eine ähnliche legitimierende Rolle zugedacht war wie beim Thron- und Dynastiewechsel von 751 und der offenbar den im W-Reich seit KARL DEM KAHLEN spürbarer in den Vordergrund getretenen Krönungs- und Weihebrauch auch im Osten einführen sollte, starb auf dem Wege nach Frankfurt bzw. Mainz, wo dieser Akt stattfinden sollte.
Jedoch in KARL III. hatte ARNULF einen mißgünstigen Onkel beschieden, der von vornherein seinen eigenen Sohn Bernhard als Nachfolger zu sehen gewünscht hatte und der ARNULF deswegen auch stets in seiner Wirksamkeit zu beschränken gewesen war.
Bedenklich gegen diese Verbesserung muß vor allem stimmen, daß gerade im Sommer 890 Bernhard, der Sohn Kaiser KARLS III., von Rätien aus seinen Aufstandsversuch unternahm, wo er 891 schließlich auch erschlagen wurde; vgl. unten Seite 108. Eine Absendung des Churer Bischofs nach Valence, auch wenn dieser nicht mit Bernhard sympathisiert haben sollte - was gar nicht einmal feststeht -, konnte sich wohl ARNULF in deiser Situation kaum leisten.
Das Scheitern dieser burgundisch-provencalischen Pläne muß für ARNULF um so bedauerlicher gewesen sein, als er schon im Sommer 890 im eigenen südwestlichen Herrschaftsgebiet, in Alemannien, einen Aufstand niederzuwerfen hatte, nämlich eine Erhebung Bernhards, des unehelichen Sohnes KARLS III. [BM² nr. 1847a; E. Dümmler, Gesch. d. ostfränk. Reiches III² Seite 341f. - Nach B. Berthold, Die Kirchenpolitik der deutschen Könige von Arnulf v. Kärnten bis zu Heinrich I. (Diss. Masch. Halle 1944) Seite 11ff., habe dieser Aufstand des Jahres 890 in Schwaben ARNULF bewogen, sich gegen den weltlichen Adel mehr und mehr auf die Kirche zu stützen, was schließlich - besonders für die Jahre 893 bis 895 - zu einem ganz engen Bündnis ARNULFS mit der Geistlichkeit (gegen den weltlichen Adel) geführt habe. Was man von einer solchen Ansicht zu halten hat, ist bereits von G. Tellenbach, Zur Geschichte Kaiser Arnulfs, in: HZ 165 (1942) Seite 239ff. (= Wege d. Forschung I Seite 145ff.), gegen J. Schur, Königtum und Kirche im ostfränkischen Reich vom Tode Ludwigs d. D. bis Konrad I. (1931) Seite 44f., dessen Thesen B. Berthold im wesentlichen zu rechtfertigen sucht, dargelegt worden. Ihre Argumente sind gegenüber G. Tellenbach jedenfalls nicht durchschlagend]. Alemannien blieb dadurch ein für seine Herrschaft unsicheres Land, zumal Bernhard zu entfliehen vermochte. Im Septenmber 891 konnte schließlich der aufständische Bernhard, der vielleicht eine Zeitlang bei Rudolf von Hochburgund oder auch bei WIDO VON ITALIEN Zuflucht gefunden hatte [Beachtlich ist immerhin, daß die Ann. Alamann. ad. 890, MG SS I Seite 52, in dunkler Kürze melden: Berenhart filius KAROLI vix de Retia evasit und daß der spätmittelalterliche Kompilator Gobelinus Person (1358-1421), dem heute verlorene Quellen zur Verfügung gestanden haben müssen, schreib: Postqiam ARNULFUS electus erat in regem, Bernhardus filius KAROLI GROSSI fugit in Italien ad WITTONEM, cui pars Italie commissa fuerat. Vgl. hierzu K. A. Kehr, Ein verschollenes karolingisches Annalenwerk, in: NA 28 (1903) Seite 330f.], vom Grafen Rudolf von Rätien aus dem Wege geräumt werden.

Schieffer Rudolf: Seite 138,142
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"Karl III. und Arnolf"
in: Festschrift für Eduard Hlawitschka zum 65. Geburtstag

Als sich diese Hoffnungen durch den Tod der jungen Könige (882/84) zerschlagen hatten und neben KARL überhaupt kein muntehelich geborener Anwärter aus der stirps regia übrig zu sein schien, richteten sich die Pläne des Kaiseers 885 zeitweilig auf den eigenen, illegitimen Sohn Bernhard, der im Vergleich mit ARNOLF jedoch den empfindlichen Mangel hatte, noch nicht erwachsen und überdies von einer namenlosen Mutter eindeutig während der Ehe KARLS mit Richgard zur Welt gebracht worden zu sein. So mag ein Teil der Widerstände, an denen das Vorhaben bald scheiterte, bereits in deisen Defiziten seinen Grund gehabt haben.
Sein illegitimer Sohn Bernhard, der schon 885 als Nachfolgekandidat überspielt worden war, stand 890 im Mittelpunkt eines in den Zielen unklaren Aufstandes, zu dem sich geistliche und weltliche Große in Schwaben gegen ARNOLF verbanden. Mit Namen genannt sind Abt Bernhard von St. Gallen, der sein Amt vor Jahren vom alten Kaiser persönlich empfangen hatte und es nun als Rebell gegen den Nachfolger einbüßte, ferner ein Priester Isanrich, der enteignet wurde, sowie Udalrich, als Inhaber mehrerer alemannischer Grafschaften und Sohn eines nepos Ludwigs des Deutschen einer der Mächtigsten im Lande.
Zu denen, die aus der Entwicklung Gewinn zogen, gehörte, soweit wir sehen, auch der rätische dux Rudolf, der den unglücklichen Prätendenten Bernhard gewiß mit Billigung ARNOLFS umbrachte,als er im Winter 891/92 nach zeitweiliger Flucht wieder im Alpenraum auftauchte. Rudolf entstammte dem WELFEN-Hause.
 
 
 
 

Literatur:
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Borgolte Michael: Die Grafen Alemanniens in merowingischer und karolingischer Zeit. Eine Prosopographie. Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1986, Seite 226,263,265 - Borgolte Michael: Geschichte der Grafschaften Alemanniens in fränkischer Zeit. Vorträge und Forschungen Sonderband 31 Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1984, Seite 196,205,256 - Borgolte Michael: Karl III. und Neudingen. Zum Problem der Nachflgeregelung Ludwigs des Deutschen. Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins - Dümmler Ernst: Geschichte des Ostfränkischen Reiches. Verlag von Duncker und Humblot Berlin 1865 Band II Seite 245-247,289,293,341-343 - Hlawitschka Eduard: Lotharingien und das Reich an der Schwelle der deutschen Geschichte. Anton Hiersemann Stuttgart 1968, Seite 27-30,33,38,40, 53,68,99, 107,123,209 - Hlawitschka, Eduard: Nachfolgeprojekte aus der Spätzeit Kaiser Karls III., in Stirps Regia von Eduard Hlawitschka, Verlag Peter Lang Frankfurt am Main - Bern - New York - Paris, Seite 123-155 - Mühlbacher Engelbert: Deutsche Geschichte unter den Karolingern. Phaidon Akademische Verlagsgesellschaft Athenaion - Rappmann Roland/Zettler Alfons: Die Reichenauer Mönchsgemeinschaft und ihr Totengedenken im frühen Mittelalter. Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1998, Seite 426,483 - Schieffer Rudolf: Die Karolinger. W. Kohlhammer GmbH Stuttgart Berlin Köln 1992, Seite 179,185,190 - Schneidmüller Bernd: Die Welfen. Herrschaft und Erinnerung. W. Kohlhammer GmbH Stuttgart Berlin Köln 2000, Seite 72,117 - Schnith Karl Rudolf: Mittelalterliche Herrscher in Lebensbildern. Von den Karolingern zu den Staufern. Verlag Styria Graz Wien Köln 1990, Seite 78,80,84 -
 
 
 
 
 
 
 
 


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