Pippin II.                                                   König von Aquitanien (838-864)
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823-   865
       Senlis

Ältester Sohn des Franken-Königs Pippin I. von Aquitanien und der Ringart von Madrie, Tochter von Graf Theudbert
 

Lexikon des Mittelalters: Band VI Spalte 2170
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Pippin II., König von Aquitanien 838-848/64
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* um 823, + nach 864

Nach Pippins I. Tod 838 versuchte Kaiser LUDWIG DER FROMME, die Nachfolge Pippins II. zu verhindern und Aquitanien seinem Sohn KARL zuzuweisen. Ein Feldzug des Kaisers brachte zwar nur Teilerfolge (839), doch wandten sich einige aquitanische Adlige KARL zu (unter anderem Pippins I. Kanzler Ebroin). In den Auseinandersetzungen der Kaisersöhne nach LUDWIGSTod ergriff Pippin II. LOTHARS Partei, unterlag mit ihm 841 bei Fontenoy und blieb von den Verhandlungen der Brüder, die 843 zum Vertrag von Verdun führten, ausgeschlossen. Pippin II. konnte sich zunächst in Aquitanien behaupten und 844 KARL bei einem Vorstoß in den S besiegen. Trotz eines 845 in Fleury geschlossenen Friedensvertrags kam KARL 848 der Einladung aqitanischer Adliger nach und ließ sich in Orleans krönen; 849 drang er bis Limoges und Toulouse vor. Pippins II. Macht schwand, 852 wurde er an KARL ausgeliefert und in St-Medard/Soissons in Klosterhaft genommen. Als der ostfränkische Königssohn Ludwig der Jüngere 854 einen Aquitanienfeldzug unternahm, entkam Pippin aus der Haft und gewann Teile der aquitanischen Herrschaft zurück, wurde aber 855 erneut von KARL angegriffen, der seinen Sohn Karl das Kind in Limoges zum aquitanischen König erheben ließ. In die Defensive gedrängt und schließlich mit den Normannen im Bund, wurde Pippin II. 864 endgültig in Senlis in Klosterhaft genommen.

Quellen:
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Recueil des actes de Pepin I et de Pepin II rois d'Aquitaine, ed. L. Levillain, 1926 - Ernold le Noir, Poeme sur Louis le Pieux et epitres au roi Pepin, ed. E. Farai, 1932 -

Literatur:
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ADB XXVI, 164-168 - B. Simson, JDG L.d.Fr. I-II, 1874 - F. Lot-L.Halphen, Le regne de Charles le Chauve, I, 1909 - L. Auzias, L'Aquitaine carolingienne, 1937 - J. Martindale, The Kingdom of Aqitaine and the 'Dissolution of the Carolingian Fisc', Francia 11, 1983, 131-191 - R. Collins, Pippin I and the Kingdom of Aquitaine (Charlemagne's Heir, 1990), 363-389 - R. Schieffer, Die Karolinger, 1992, 114ff. -


Pippin II. konnte sich nach dem Tode seines Vaters gegen den Willen LUDWIGS DES FROMMEN in Aquitanien behaupten. Da dieser Aquitanien seinem Sohn KARL vererbt hatte, kämpfte Pippin an der Seite seines Onkels LOTHAR I. 841 in der Schlacht bei Fontenoy, der ihn anschließend jedoch fallen ließ, um sich mit seinen siegreichen Brüdern Ludwig und KARL einigen zu können. Im Vertrag von Verdun (843) nicht bedacht, setzte er, gestützt auf zahlreichen Anhang, KARL DEM KAHLEN erfolgreich Widerstand entgegen. Im Jahre 844 besiegte er das Aufgebot König KARLS bei Angouleme, der ihm im Frühjahr 845 in einem in Fleury abgeschlossenen Friedensvertrag gegen ein allgemeines Ergebenheitsversprechen die Hoheit über fast ganz Aquitanien zugestand. Nach einem Sieg KARLS DES KAHLEN bei der Normannenabwehr (848) wurde er von vielen Großen zum König von Aquitanein gewählt. Pippin II. sah seinen Anhang schwinden und fiel 852 - wie schon 849 sein jüngerer Bruder Karl- in die Hände KARLS DES KAHLEN, der ihn im Kloster Saint-Medared in Soissons festsetzte. Als Anfang 854 Ludwig der Jüngere, von aquitanischen Großen herbeigerufen, bis in die Gegend von Limoges vorstieß, entkam Pippin II., vielleicht mit KARLSstillschweigender Duldung, aus seiner Haft und eilte nach Aquitanien, wo er den stärkeren Anhang als Ludwig mobilisierte und den ostfränkischen Vetter im Herbst 854 zum eiligen Rückzug nötigen konnte. Pippin verlor ohne die Aussicht auf Unterstützung durch andere KAROLINGER mehr und mehr an Boden und machte zuletzt im Bunde mit den Normannen das Land unsicher. Er unterlag 864 nach langen, wechselvollen Kämpfen seinem Onkel, wurde von Ramnulf von Poitou gefangengenommen und verschwand für immer im Kloster von Senlis.
 
 
 
 

Literatur:
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Deutsche Geschichte Band 1 Von den Anfängen bis zur Ausbildung des Feudalismus Mitte des 11. Jahrhunderts. VEB Deutscher Verlag der Wissenschaften Berlin 1982, Seite 330 - Dümmler Ernst: Die Chronik des Abtes Regino von Prüm. Verlag der Dykschen Buchhandlung Leipzig Seite 11,12 - Dümmler Ernst: Geschichte des Ostfränkischen Reiches. Verlag von Duncker und Humblot Berlin 1865 Band I Seite 128,132,138,149,164,175,178,196,210,244,274,286,320,322,337,368,392,400,429,544 - Hlawitschka Eduard: Lotharingien und das Reich an der Schwelle der deutschen Geschichte. Anton Hiersemann Stuttgart 1968, Seite 50 - Riche Pierre: Die Karolinger. Eine Familie formt Europa. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG, München 1991, Seite 196,207,227,230,275 - Schieffer Rudolf: Die Karolinger. W. Kohlhammer GmbH Stuttgart Berlin Köln 1992, Seite 137,139-141,143,145,151-153,158 - Schneidmüller Bernd: Die Welfen. Herrschaft und Erinnerung. W. Kohlhammer GmbH Stuttgart Berlin Köln 2000, Seite 57,59,61 - Schnith Karl Rudolf: Mittelalterliche Herrscher in Lebensbildern. Von den Karolingern zu den Staufern. Verlag Styria Graz Wien Köln 1990, Seite 57,63 -
 
 
 
 
 
 


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