Dietrich von Elsaß                                    Graf von Flandern (1128-1168)
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    -4./17.1.1168
      Grevelingen

Begraben: Watten
 

Jüngerer Sohn des Herzogs Dietrich II. von Ober-Lothringen und der Gertrud von Flandern, Tochter von Graf Robert I.
 

Lexikon des Mittelalters: Band III Seite 1022
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Dietrich von Elsaß, Graf von Flandern
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     + 17. Januar 1168

Begraben: Watten

Sohn Dietrichs II., Herzogs von Lothringen und seiner 2. Gemahlin Gertrude von Flandern, der Tochter von Robert I. dem Friesen

  vor 1127
  1. oo Swanehild
                  -4. September 1133

    1134
  2. oo Sibylle von Anjou, Tochter von Fulko V. König von Jerusalem
                -   1165

Dietrich von Elsaß konkurrierte nach der Ermordung des Grafen Karl des Guten (+ 2. März 1127) mit Wilhelm Clito, Sohn von Robert Courteheuse, Herzog von Normandie, um die Grafenwürde von Flandern. Nach einem Bürgerkrieg mit den Anhängern von Wilhelm Clito und dessen Tod konnte Dietrich im Juli 1128 die Macht in der Grafschaft übernehmen. Es gelang ihm, Frieden und Wohlstand wiederherzustellen, und er knüpfte gute Beziehungen mit den Städten wie mit den Prälaten und dem Adel seiner Grafschaft an. Verschiedentlich ergriff er die Initiative zur verstärkten Erschließung der wirtschaftlichen Ressourcen in Flandern (vor allem durch Landesausbau und durch die Gründung von Dörfern). Seine Außenpolitik war durch die Festigung der vasallitischen Bindung an Ludwig VI., König von Frankreich, gekennzeichnet; gleichzeitig lehnte er sich aber auch an den König von England an und unterhielt darüber hinaus gute Beziehungen mit seinem anderen Lehnsherrn, dem deutschen König KONRAD III. und dessen Nachfolger FRIEDRICH BARBAROSSA.
Dietrichs von Elsaß erbitterter Gegner war Balduin IV. Graf von Hennegau, wobei es vor allem um den Einfluss in Ostrevant und im Cambresis ging. In beiden Fällen setzte sich Dietrich von Elsaß gegen seinen Konkurrenten durch. Zeitüblich war Dietrichs Engagement für Kreuz- und Pilgerfahrt: Er fuhr nicht weniger als viermal ins Heilige Land - auf privaten Pilgerfahrten wie als Teilnehmer des zweiten Kreuzzuges (1147-1149), doch erfüllten sich seine Hoffnungen auf Eroberungen in Palästina nicht. Während der Abwesenheit Dietrichs wurde die Regierung der Grafschaft jeweils von Regentschaften ausgeübt, so zeitweise durch die Gräfin allein (1138-1139), zeitweise durch die Gräfin und Dietrichs ältestem Sohn Balduin (+ 1150), zeitweise auch durch Philipp, den zweiten Sohn und (nach 1150) Erben des Grafen (1157-1159,1164-1166). Dietrichs Heiratspolitik war auf Ausdehnung seiner Territorien im Süden, insbesondere auf das Vermandois, gerichtet. Doch war diese dynastische Politik - wegen fehlender männlicher Nachkommenschaft bei Dietrichs Söhnen - zum posthumen Scheitern verurteilt, so dass die Grafschaft Flandern 1191 schließlich an den Grafen von Hennegau Balduin VIII. fiel.


Lexikon des Mittelalters:
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Flandern

Durch ein Bündnis zwischen den Herren von Aalst und der Stadt Gent wurde der aus dem lothringischen Herzogshaus stammende Dietrich von Elsaß, mütterlicherseits Enkel Roberts des Friesen und somit Neffe Karls des Guten, als Graf ins Land geholt. Nach der Anerkennung Dietrichsdurch Brügge (30. März 1128) und einem monatelangen Kampf, in dessen Verlauf  Wilhelm Clito vor Aalst den Tod fand (28. Juli 1128), setzte sich Dietrichallgemein als Graf durch.
Die lange Regierung Dietrichs von Elsaß (1128-1168) ist gekennzeichnet durch ein innenpolitisches wie außenpolitisches Gleichgewicht, das die Grundlage für eine große wirtschaftliche Blüte der Grafschaft bildete. Innenpolitisch erreichteDietrichden Frieden zwischen den Parteien, die sich während der Krise von 1127/28 bekämpft hatten. Außenpolitisch verfolgte er eine Neutralitätspolitik zwischen den König von Frankreich, seinem Lehnsherrn, und dem englischen Königs-Haus der PLANTAGENET, mit dem er durch seine zweite Gemahlin Sibylle von Anjou, Tochter Fulcos V. von Jerusalem, verwandt war. Diese Ehe, die dem Grafen internationales Ansehen einbrachte, erklärt sein Interesse am Heiligen Land. Anläßlich seiner insgesamt vier Jerusalem-Fahrten setzte er jeweils Regentschaften unter Leitung seiner Frau bzw. seines zweiten Sohnes Philipp ein. Vor seinem dritten Zug regelte Dietrich die Heiratsangelegenheiten seiner Familie: 1156 wurde Philipp mit der Erbtochter der Grafschaft Vermandois, Elisabeth, verheiratet, während Elisabeths Bruder Radulf V. mit Philipps Schwester Margarete vermählt wurde. Alles dies weist darauf hin, dass Dietrich von Elsaß 1157 einen dauerhaften Aufenthalt im Heiligen Land anstrebte; dennoch kehrte er 1159 enttäuscht allein nach Flandern zurück, während seine Frau Sibylle im Kloster Bethanien verblieb (dort + 1165). Anläßlich der letzten Palästinareise (1164-1166), zum Besuch seiner Gemahlin) trat der Graf seinem Sohn Philipp endgültig die Regierung ab.
Die Regierung Dietrichs und Philipps von Elsaß sind von außerordentlicher Bedeutung für die Verfassungsgeschichte Flanderns. Obwohl Dietrich seinen Thron den flämischen Städten verdankte, verhielt er sich vor allem den großen Städten gegenüber bei der Verleihung von Privilegien und in der Herrschaftspraxis eher zurückhaltend. Sein Sohn Philipp trat sogar noch strenger gegen sie auf: Die Statuten, die er den Städten Arras, Gent, Brügge, Douai, Lille und Ypern auferlegte, haben die weitere Entwicklung ihrer Autonomie stark gehemmt. Andererseits förderte Philipp den wirtschaftlichen Aufstieg dieser Städte, unter anderem indem er bei den benachbarten Fürsten Zoll- und Jahrmarktprivilegien für sie erwirkte, während er insbesondere die neugegründeten, meist kleineren Hafenstädte wie Gravelines, Dünkirchen, Nieuwpoort, Damme und Biervliet sehr begünstigte, unter anderem durch Zollprivilegien. Demgegenüber drängten die beiden Grafen die Macht des Adels weiter zurück. Den Burggrafen wurde ein großer Teil ihrer Befugnisse entzogen durch Einsetzung von baljuws (Bailli), die nicht gräfliche Lehensträger, sondern besoldete Beamte eines neuen Typs darstellten und mit der Einführung eines modernisierten Straf- und Strafprozessrechts beauftragt wurden. Viele große Lehen (Aalst, Desdin, Lillers, Lens) kehrten in die Hand des Grafen zurück, was die Zentralgewalt stärkte, die überdies durch die Modernisierung der gräflichen Finanzverwaltung an Effizienz gewann.

Brandenburg Erich: Tafel 22 Seite 44
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"Die Nachkommen Karls des Großen"

XII. 185 b. Dietrich genannt von Elsaß, Graf von Flandern 1128 VII.
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                   * ca. 1100, + 1168 17. I.

Gemahlinnen: a) Schwanhilde
                                + 1133 4. IX.

                         b) 1134 Sibille, Tochter Fulcos V. Graf von Anjou (siehe XIII 44)
                                                + 1165 in Jerusalem

                    c) N.N. Konkubine

Anmerkungen:
XII. 185

Vanderkindere 1, 306 f. Schwanhildens Abkunft ist unbekannt, man erfährt nur, daß sie ihrem Gatten in unzulässigem Grade verwandt war. Vielleicht ging diese Verwandtschaft über die BILLUNGER, in deren Familie der seltene Name Schwanhilde vorkommt.



Thiele Andreas:
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„Erzählende genealogische Tafeln“

Dietrich gewann den Erbkrieg 1127/28 mit Hilfe des kaiserlichen Stiefbruders LOTHAR III. gegen die Vettern Loo, Normandie und Hennegau. Obwohl er am 21.6.1128 von Wilhelm Clito bei Axpaele besiegt und von diesem in Alost belagert wurde, konnte er sich nach dessen Tode in Flandern durchsetzen. Er stützte sich auf das Bürgertum der Städte, um den Adel zu schwächen, was eine große Wirtschaftsblüte hervorrief und die Konkurrenz zu Holland vergrößerte. Die enge Bindung der Grafen an die Städte wurde den Nachfolgern nach und nach zum Verhängnis. Er reiste vier Mal ins Heilige Land und half beim 2. Kreuzzug bei der Eroberung von Lissabon. Er verbündete sich später mit England, gewann so gegen französische Interessen Vermandois, Amiens und Boulogne und geriet gegen Holland wegen Hoheitsansprüchen in Seeland. Er war ein Förderer der französischen Kultur und starb auf seiner vierten Reise ins Heilige Land.

Ehlers Joachim: Seite 110
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"Die Kapetinger"

Wilhelm Clito verkannte diese Lage völlig, wollte die Grafschaft als ihr Herr regieren und beschworene Freiheiten zurücknehmen, so daß im nächsten Jahr ein von Gent und Brügge geführter Aufstand losbrach, bei dem Wilhelm am 27. Juli 1128 in Alost getötet wurde. Ludwig VI. hatte ihm nicht helfen können und mußte vor Ende des Jahres dem neuen Grafen, Dietrich vom Elsaß, zur Huldigung annehmen und mit der Grafschaft belehnen.

Favier, Jean: Seite 112
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"Frankreich im Zeitalter der Landesherrschaft 1000-1515."

Alle Welt wandte sich dem vom König ausgeschalteten Vetter des letzten Grafen, dem für sein politisches Augenmaß und seine Festigkeit bekannten Dietrich vom Elsaß zu. Obwohl sich die Bischöfe ins Zeug legten, mußte Ludwig VI. nach einer sinnlosen Kraftprobe, die Wilhelm Clito das Leben kostetete, nachgeben; Dietrich vom Elsaß bewies politisches Fingerspitzengefühl, indem er bereitwillig den Lehnseid für Flandern leistete.

Leo Heinrich Dr.: Seite 45-52
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"Zwölf Bücher niederländischer Geschichten"

Unter diesen Umständen kamen die Abgeordneten der Stadtgemeinden von Arras, Gent, Brügge, St. Omer, Ypern, Lille und Douay heimlich zusammen, und Daniel van Dendermonde schlug vor, man solle Dietrich, den Landgrafen von Elsaß, auffordern, sein Erbe Flandern zu suchen. Ungeachtet auch er näher dem flämischen Fürstenhause verwandt war als Markgraf Wilhelm, hatte er früher doch keinen namhaften Versuch gemacht, demselben die Markgrafschaft streitig zu machen. Der Vorschlag ward zum Beschluss und sobald Dietrich für sein Recht auftrat, schlossen jene sieben Städte Wilhelm die Tore. Mit Hilfe des zusammengebrachten Geldes warb der Markgraf Truppen; auch der König sandte ihm Beistand, und Gottfried der Bärtige von Nieder-Lothringen, der sich inzwischen mit ihm ausgesöhnt hatte, unterstützte ihn ebenfalls. Als Dietrich noch in Lille war, kam König Ludwig nach Arras und lud den Markgrafen vor seinen Gerichtsstuhl; aber Dietrich verachtete die Vorladung, weshalb ihn die französischen Bischöfe in den Kirchenbann erklärten. Er wehrte sich tapfer gegen die Angriffe des Königs in Lille, dessen Bürger erklärten, er sei ihr Fürst, sie wollten mit ihm leben und sterben. Unverrichteter Sache musste Ludwig Flandern verlassen. Gottfried der Bärtige hatte inzwischen das Aalsterland feindlich überzogen und Markgraf Wilhelm leistete ihm Beistand, seit er vor Lille mit dem König hatte abziehen müssen. Auch Dietrich zog nun zu den bedrängten Aalstern, wagte aber nicht, in der schwachbefestigten Stadt zu bleiben. Durch die feindliche Überzahl zurückgeworfen, als er sich durchschlagen wollte, siegte er dennoch, denn Markgraf Wilhelm verfolgte die Fliehenden zu hitzig und ward vor dem Tore der Stadt durch einen Bürger so verwundet, dass er infolge davon am 16. August 1128 starb. Dietrich von Elsaß ward allgemein als Fürst in Flandern anerkannt, mit Ausnahme von Sluys und der Umgebung, wo sich Wilhelm van Loo noch mehrere Jahre hielt, endlich nach England floh, dann sich ebenfalls zu einem Frieden bequemte und seinen Sohn als Geisel gab.
Im September 1133 starb Dietrichs erste Gemahlin Suanehilde mit Hinterlassung einer einzigen Tochter Laurentia. Schon im folgenden Jahre heiratete er Sybillen, Tochter Fulcos von Anjou, des Königs von Jerusalem. Ein Zug, den Dietrich 1138 nach dem Heiligen Land unternahm, gab Gelegenheit zu Erneuerung des gebotenen Landfriedens (Heerlyke Vrede) auf einem Herrentage. Die Regierung führte während Dietrichs Abwesenheit seine Gemahlin Sibylla, und es scheint, dass der Umstand, dass der Fürst des Landes ausgezogen war, einen neuen Angriff Stephans von Blois, der durch seine Gemahlin Erbe der Grafschaft Boulogne war und welchem Balduin von Hennegau und Hugo von St. Pol Hilfe leisteten, veranlasste; wenigstens musste Dietrich, als er zurückkam, sein Gebiet erst von diesen Gästen reinigen.
Der Tod Gottfrieds des Bärtigen von Nieder-Lothringen im Jahre 1139 verflocht den Markgrafen von Flandern in Händel, die ursprünglich seinem Interesse ganz fremd waren. Die mächtige und hochangesehene Familie van Grimberg, an deren Spitze zwei Männer, Walter und Gerhard standen, wollte sich nämlich dem jungen Herzog Gottfried, der fast noch ein Kind war, nicht unterwerfen, und der Markgraf Dietrich musste demselben 1140 zweimal zu Hilfe ziehen. Nach vielem Blutvergießen siegte endlich der junge Herzog doch über die ihm feindliche Faction. Rechte, die der Herzog von Nieder-Lothringen noch in und auf Dendermonde hatte, scheinen damals der Preis der von Flandern geleisteten Hilfe gewesen zu sein. Neue Angriffe Stephans von Blois, mit welchem immer noch Balduin von Hennegau und Hugo von St. Pol verbündet waren, riefen Dietrich nach der entgegengesetzten Grenze, wo er hennegauisches und saintpolisches Gebiet verwüstete. Einige Zeit nachher, im Jahre 1142, schleifte der Markgraf auch die feste Burg des Vogtes Arnulph (des Sohnes des Eustachius) in Therouenne, weil Arnulph sich Bedrückung gegen das Stift erlaubt und seine Verfahren von seiner Burg aus geschützt hatte. Weder in noch um Therouenne sollte fernerhin eine Veste gebaut werden.
Einen neuen Kreuzzug unternahm Dietrich gegen Ende Mai 1147 mit König KONRAD, indem er die Regierung abermals seiner Gemahlin Sybilla und diesmal auch seinem Sohn Balduin übertrug. Während der Markgraf noch abwesend war, fiel Balduin IV. von Hennegau abermals ins Land und verwüstetet Artois. Sybilla schickte ihm ein Heer entgegen; inzwischen ward auf sechs Monate ein Waffenstillstand geschlossen und Dietrich kehrte im April 1150 aus dem Heiligen Lande heim.
Sobald der Waffenstillstand zu Ende gelaufen war, begann der Kampf von neuem, wobei Bischof Heinrich von Lüttich und Markgraf Heinrich von Namur dem Hennegauer zu Hilfe kamen und den Flämingern eine gewaltige Schlacht lieferten, in welche die Letzteren Sieger blieben. Die Schlacht brachte den Frieden; Balduin V., des Grafen von Hennegau Balduins IV. Sohn, ward Margarethen, der Tochter Dietrichs, verlobt. Bald nach diesem freudigen Ereignis starb Dietrichs ältester Sohn Balduin am 1. August. Dietrichs zweiter Sohn, Philipp, heiratete im Jahre 1156 Elisabeth von Vermandois.
Im Jahre 1157 trat Dietrich, diesmal von Sybillen begleitet, seinen dritten Kreuzzug an, indem er die Administration des Landes seinem Sohn Philipp übertrug. Wegen eines Zolles, den Kaiser FRIEDRICH dem Grafen von Holland zu Lehen gegeben hatte, und den dieser zu Bedrückung der flämischen Kaufleute missbrauchte, erhielt die früher zwischen Holländern und Flämingern wegen des Besitzes der zeeländischen Inseln obwaltende Feindschaft neue Nahrung, und führte während des Markgrafen Abwesenheit zur Fehde; denn Philipp war jung und kriegslustig, überzog das Waesland mit Krieg und plünderte und schleifte Beveren. Vielleicht brauchte der junge Graf seine Gewalt zu rücksichtslos; als Dietrich im September 1159 zurückkehrte, war das Land voller Freude, obwohl er seine Gemahlin zu Jerusalem in einem geistlichen Hause hinterlassen hatte, wo sie als Nonne eingetreten war. Er gründete um diese Zeit eine neue Hafenstadt, welche Anfangs den Namen Nieupoort, nachher aber den andern: Grevelingen, erhielt, welcher ihr blieb. Der Tod des Königs Balduin führte den Markgrafen schon 1163 wieder nach Palästina. Philipp führte wieder die Regierung, und hatte so Gelegenheit, Grevelingen, was eben von seinem Vater gegründet war, sein Stadtrecht zu geben. Auch finden sich aus dieser Zeit die ersten Nachrichten von unruhigen Bewegungen der Weber, Walker, Fischer und anderer Zünfte in Gent, die aber bald wieder müssen gedämpft worden sein.
Noch ehe Dietrich aus Palästina zurückkehrte, traf Philipp in Aachen mit Kaiser FRIEDRICH zusammen, und ward von diesem mit den kaiserlichen Rechten in Cambrai, welches übrigens eximierte Herrschaft des Bischofs war, belehnt; im Jahre 1164.
Da inzwischen die Fehde mit Graf Florenz von Holland immer gedauert hatte, rüsteten sich im folgenden Jahre die beiden Söhne Dietrichs: Philipp von Flandern und Matthias von Boulogne, mit Hilfe Herzog Gottfrieds von Nieder-Lothringen und Brabant, zu einem Seezuge gegen Holland. Florenz selbst ward 1165 gefangen nach Brügge gebracht und zu St. Donat bewahrt, bis im Jahre 1167 der Friede zwischen Flandern und Holland zustande kam, welcher besonders den flämischen Kaufleuten große Vorteile in Holland zusicherte. Als aber Graf Florenz die Freiheit wieder erhalten hatte, brach er alsbald den Frieden; worauf der Fürst von Flandern alle Territorien, welche der Graf von Holland damals als flämische Lehen besessen, nämlich alle Besitzungen desselben auf den zeeländischen Inseln und das Waesland, zur markgräflichen Domäne einzog. Im Januar 1168 starb Markgraf Dietrich zu Grevelingen.

Runciman, Steven: Seite 532,558,577,585,587,653-654,673-674
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"Geschichte der Kreuzzüge"

Während des Sommers 1139 war der Graf von Flandern, Thierry d’Alsace, zu Besuch gekommen, dessen Gemahlin Sibylle Fulks Tochter aus erster Ehe war; und mit Thierrys Hilfe war er nach Gilead  eingefallen und hatte mit einiger Mühe in der Nähe von Ajlun eine kleine Festung erobert und ihre Verteidiger umgebracht.
König Ludwig nahm das Kreuz als erster; und seine Vasallen vergaßen im Eifer, es ihm nachzutun, ihre vormalige Kühle. Unter ihnen befanden sich Ludwigs Bruder, Graf Robert von Dreux; Graf  Alfonso-Jordan, der selbst im Osten geboren war; Graf Wilhelm von Nevers, dessen Vater einen der unseligen Kreuzzüge des Jahres 1101 geführt hatte; Heinrich, der Erbe der Grafschaft Champagne; Thierry von Flandern, der bereits im Osten gekämpft hatte und dessen Gattin die Stieftochter Königin Melisendes war.
So folgten Thierry von Flandern und Archimbald von Bourbon dem Beispiel ihres Königs, schifften sich mit ihren Freunden und den verbliebenen Berittenen ein und wiesen die Fußtruppen und Pilger an, sich, so gut sie es vermochten, irgendwie auf dem Landweg durchzuschlagen.
In König Ludwigs Gefolge waren sein Bruder Robert von Dreux, sein künftiger Schwiegersohn Heinrich von der Champagne, Graf Thierry von Flandern und der junge Bertrand, Alfonso-Jordans Bastardsohn. Die Versammlung beschloss nach einigem Widerspruch, ihre gesamten Streitkräfte zu einem Angriff auf Damaskus zusammenzufassen.
Thierry von Flandern jedoch hatte es auf Damaskus abgesehen, das er als halb-unabhängiges Lehen, von der gleichen Art wie die Grafschaft Tripolis, zu übernehmen wünschte. Er verschaffte sich die Unterstützung KONRADS und Ludwigs sowie König Balduins, dessen Halbschwester seine Gattin war. Der Ärger der Barone, als sie erfuhren, dass die Könige Thierry begünstigten, bewog sie, in ihren Anstrengungen nachzulassen.
Im Jahre 1157 kehrte Graf Thierry von Flandern mit einer Schar von Rittern nach Palästina zurück, und in jenem Herbst beschloss Balduin III., seine Ankunft und die Erkrankung Nur ed-Dins zu nutzen, nun die fränkischen Stützpunkte am mittleren Orontes wiederherzustellen. Balduin versprach die Stadt Schaizar und das dazugehörige Gebiet Thierry von Flandern, und zwar als Kernstück eines Kronlehen-Fürstentums; aber Rainald von Chatillon erklärte, die Munqidhiten seien Antiochia tributpflichtig gewesen und verlangte, Thierry müsse ihm für Schaizar den Lehnseid leisten. Dem Grafen erschien der Gedanke, einem Mann von so unbedeutender Herkunft zu huldigen, völlig unvorstellbar.
Während Amalrich nach Norden eilte, schloss sich ihm Thierry von Flandern an, der auf seiner vierten Pilgerfahrt nach Palästina gekommen war.
 
 
 
 

  1. oo Swanhild
                 -4.9.1133
 

  2. oo 2. Sibylle von Anjou, Tochter des Grafen Fulco V.
               1110-   1165
 
 
 
 

Kinder:
1. Ehe

  Lauretta
  um 1125- um 1175 als Nonne

   1144/46
  1. oo Iwan Graf von Alost und Gent
                 -   1145

  2. oo Heinrich II. Herzog von Limburg
                  - 8.1167

  3. oo 3. Rudolf I. Graf von Valois-Vermandois
                    -14.10.1152

  4. oo Heinrich Graf von Luxemburg-Namur
                 -   1196

  Balduin
       - vor 1154

2. Ehe

  Philipp
  um 1136-1.6.1191

  Margarethe Gräfin von Flandern
  1145-15.11.1194

    um 1160
  1. oo Rudolf II. Graf von Vermandois
          1145-17.6.1167

   1169
  2. oo Balduin V. Graf von Hennegau, Cousin
          1150-17.12.1195

  Matthäus Graf von Boulogne
  um 1140/42-25.7.1173

  Peter Bischof von Cambrai
  um 1140-   1176 Graf von Nevers

  Gertrud
        - als Nonne

  1. oo Humbert III. Graf von Savoyen
        1.8.1136-4.3.1189

  2. oo Hugo III. Seigneur d'Oisy
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   Mathilde Äbtissin von Fontevraul
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Literatur:
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Brandenburg Erich: Die Nachkommen Karls des Großen Verlag Degener & Co Neustadt an der Aisch 1998 Tafel 22 Seite 44 - Ehlers Joachim: Die Kapetinger. W. Kohlhammer GmbH Stuttgart Berlin Köln 2000 Seite 110,120 - Ehlers Joachim/Müller Heribert/ Schneidmüller Bernd: Die französischen Könige des Mittelalters. Von Odo bis Karl VIII. 888-1498. Verlag C. H. Beck München 1996 Seite 136 - Erbe Michael: Belgien, Niederlande, Luxemburg. Geschichte des niederländischen Raumes. W. Kohlhammer GmbH Stuttgart Berlin Köln 1993 Seite 51 - Favier, Jean: Frankreich im Zeitalter der Landesherrschaft 1000-1515. Deutsche Verlagsanstalt Stuttgart 1989 Seite 112 - Leo Heinrich Dr.: Zwölf Bücher niederländischer Geschichten, Eduard Anton Verlag Halle 1832 Seite 45-52 - Mayer, Hans Eberhard: Geschichte der Kreuzzüge, Verlag W. Kohlhammer GmbH 1995 Seite 105 - Runciman, Steven: Geschichte der Kreuzzüge, Sonderausgabe in 1 Band Verlag H.C. Beck München 1978, Seite 532,558,577,585,587,653-654,673-674,679,687,716 -
 
 
 
 
 


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