Theodrada                                       Herzogin von Thüringen
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um 665/70 nach 717
 

Vermutlich Tochter des Grafen Theodardus und Enkelin des dux Theotars
 

Hlawitschka Eduard: Seite 77
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"Die Vorfahren Karls des Großen."

27 Theodrada - Hedeno dux - Thuringus - Irmina

An Echternach, die junge Stiftung Irminas von Oeren (Nr. 12), und an Irminas geistlichen Berater, Willibrord, schenkte bereits im Jahre 704 der Thüringer-Herzog Hedeno II. una cum coniuge mea clarissima Theodrada verschiedene Güter bei Arnstadt und gab 717 bei Hammelburg weitere dazu, wobei jeweils auch Thuringus filius Hedeni, der die donatio patris firmavit, zugegen war; C. Wampach, Echternach 1, 2, Nr. 8, Seite 29ff. und Nr. 26, Seite 64f. Die Tatsache, daß Hedeno und Theodrada mit der Irmina-Stiftung vom fernen Thüringen her in Verbindung traten und daß sie einer Tochter den Namen Irmina gaben (Vita Burchardi II 4, MG. SS. 15, 1, Seite 54), führte schon seit langem zu der Vermutung, daß man in ihnen Verwandte Irminas von Oeren vor sich hat; vgl. die ältere Literatur bei C. Wampach, Echternach 1, 1, Seite 43 Anm. 1, außerdem H. Büttner, Christentum und Kirche zwischen Neckar und Main (St.-Bonifatius-Gedenkausgabe zum 1200. Todestag, Fulda 1954), Seite 372f. Daß die Verwandtschaft hierbei wohl über Theodrada und nicht über Hedeno lief, darf man aus dem Namensargument und aus der Urkunde von 717 schließen, in der Hedeno Hammelburg eigens als res, quas pater meus et mater michi dereliquerunt bezeichnete, wodurch also bereits Hedenos Eltern im Thüringerland ansässig erscheinen. Somit dürfte er auch der Sohn des ihm vorangehenden Thüringer-Herzogs Gozbert (vgl. besonders die Passio S. Kiliani c. 14, MG. SS. rer. Merov. 5, Seite 727, sowie die zitierte Vita Burchardi, wo das auch ausdrücklich angegeben ist) gewesen sein.



Werner, Matthias: Seite 149,152
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"Adelsfamilien im Umkreis der frühen Karolinger. Die Verwandtschaft Irminas von Oeren und Adelas von Pfalzel. Personengeschichtliche Untersuchungen zur frühmittelalterlichen Führungsschicht im Maas-Mosel-Gebiet."

Den beiden Urkunden von 704 und 716/17 ist zu entnehmen, dass Heden mit einer Theodrada verheiratet war und einen Sohn Thuring hatte. Hlawitschka vermutet, dass Hedens Gattin Theodrada eine Enkelin des in Echternach begüterten dux Theotar gewesen sei, den er als Oheim Irminas von Oeren ansieht. Unter den Hinweisen für eine Verwandtschaft Theodradas mit Irmina von Oeren gilt das namenstatistische Argument als das wichtigste.

Werner, Matthias: Seite 28,149,152-156
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"Adelsfamilien im Umkreis der frühen Karolinger. Die Verwandtschaft Irminas von Oeren und Adelas von Pfalzel. Personengeschichtliche Untersuchungen zur frühmittelalterlichen Führungsschicht im Maas-Mosel-Gebiet"

Das von Halbedel und Wampach entworfene Bild einer im Trierer Gebiet begüterten und mit den frühen KAROLINGERN versippten "Hugobert-Irmina-Sippe" wurde vond er Forschung weitgehend übernommen und zur Grundlage noch umfassender genealogischer Verknüpfungen gemacht. So verwiesen H. Büttner und W. Metz in Anschluß an Beobachtungen von Halbedel und Glöckner nachdrücklich auf die Verbindungen zwischen der Familie Irminas und den Weißenburger Gründersippen und nahmen an, auch der mainfränkische Herzog Heden (704/17 bezeugt) habe über seine Gemahlin Thoedrada bzw. in eigener  Person dem Verwandtschaftskreis um Irmina von Oeren angehört.
Über Herzog Heden und seine Familienangehörigen liegt eine vergleichsweise reiche Überlieferung vor [498 Vgl. hierzu zuletzt ausführlich Lindner Seite 52ff. und W. Schich, Würzburg im Mittelalter, Studien zum Verhältnis von Topographie und Bevölkerungsstruktur (= Städteforschung. Veröffentlichungen des Instituts für vergleichende Städtegeschichte Münster, Reihe A/3, 1977) Seite 7ff.; hier auch Zusammenstellung der älteren Literatur. In jüngster Zeit widmete sich der Familie Hedens eingehender insbesondere Friese Seite 26ff., der in übergreifender Kombination der einschlägigen Quellenaussagen und bisheriger Forschungsergebnisse ein völlig neues, den neustro-burgundischen Adel, die langobardische Herzogsfamilie von Friaul und südaustrasische, mit den KAROLINGERN verfeindete Adelsfamilien in gleicher Weise miteinbeziehendes Bild der weitreichenden Verwandtschaftsbeziehungen Herzog Hedens und seiner Familie entwirft. Seine überraschenden Ergebnisse, die bereits F.-J. Schmale für seinen Franken betreffenden Beitrag im Handbuch der bayerischen Geschichte 3/1, hg. von M. Spindler (1971) Seite 12ff. ausgewertet und übernommen wurden, führen zu einer von der bisherigen Sicht gründlich abweichenden Neubeurteilung der frühmittelalterlichen Geschichte des thüringisch-fränkischen Gebiets. Sie bedürfen allerdings eingehender Überprüfung und Diskussion, wie sie im Rahmen unserer Untersuchungen, wo lediglich auf einige Einzelprobleme hingewiesen werden soll, nicht geleistet werden kann.]. Den beiden Urkunden von 704 und 716/17 ist zu entnehmen, daß Heden mit einer Theodrada verheiratet war und einen Sohn Thuring hatte. Ihre besitzgeschichtlichen Angaben lassen weiterhin erkennen, daß bereits Hedens Eltern im mainfränkischen Gebiet begütert waren [499 Wie  Anm 496. Zu Thoedrada vgl. Anm. 521; gemeinsam mit ihr unterzeichnet auch der Thuringus filius Hedeni beide Urkunden. Bei dem 716/17 vergabten Zubehör des castellum Hammelburg handelte es sich um res quas pater meus et mater michi dereliquerunt. Zur Frage, inwieweit es sich bei den 704 übertragenen Besitzungen um Erbgüter Theodradas handelte, vgl. unten Seite 154 mit Anm. 521.]. Eine zweite wichtige Quelle zur Familie Hedens ist die vor der Mitte des 9. Jahrhunderts entstandene Passio minor sancti Kiliani. Sie nennt die Eltern Hedens einen dux Gozbert und eine Geila und teilt zu letzterer mit, sie sei zuvor mit einem Bruder Gozberts verheiratet gewesen.
Diese Beziehungen seien wahrscheinlich verwandtschaftlicher Art gewesen, da der Name der Gattin Hedens, Theodrada, dem im Umkreis Irminas von Oeren gebräuchlichem Namengut entsprochen habe. Wampach fügte als weiteres Argument hinzu, Hedens Tochter Immina habe denselben Namen getragen wie Irmina von Oeren. Er hielt eine Verwandtschaft zwischen den Familien Irminas und Herzog Hedens angesichts der gemeinsamen Förderung Willibrords und der gemeinsamen Namenkombination Irmina/Theod- für gesichert. Die Verbindung sei über Hedens Gattin Theodrada gelaufen, die Wampach der Familie Irminas zuwies. Die weitere Forschung hat sich dieser Auffassung zum großen Teil angeschlossen [514 Vgl. etwa Sprandel Seite 97, Schmale (wie Anm. 504) Seite 58 Anm. 82, Prinz Seite 234f., Ders. Stadtrömisch-italienische Märtyrerreliquien und fränkischer Reichsadel im Maas-Moselraum (HJb 87, 1967) Seite 7: "Heden wie Irmina gehörten jedoch zur Gründersippe von Kloster Weißenburg, zu der auch die berühmte Gönnerin Willibrords, die Äbtissin Irmina von Ören zählte", und Hlawitschka, Vorfahren Seite 78 Anm. 27 und Seite 72f. (Stemma). Hlawitschka vermutet, daß Hedens Gattin Theodrada eine Enkelin des in Echternach begüterten dux Theotar gewesen sei, den er als Oheim Irminas ansieht. Bestimmter noch hält Friese Seite 31 unter Berufung hierauf Theotars Sohn Theodard für den "Vater der Herzogin Theodrada"; vgl. auch sein Stemma Seite 29.]. Noch weiterreichende Familienbeziehungen nahm Metz an. Ihm zufolge gehörte Irmina zusammen mit den HEDENEN, den WIDONEN, den Gründerfamilien von Weißenburg und den frühen KAROLINGERN einem gemeinsamen größeren Familienverband an.
Bedenken erhoben hingegen Schlesinger und Lindner. Sie wiesen vor allem darauf hin, daß die Namen Irmina und Immina nicht identisch seien, daß Heden und seine Gattin nach Aussage ihrer Urkunden bereits länger in Mainfranken bzw. in Thüringen ansässig waren und daß dem nur einmal bezeugten Namensglied Theod- keine größere Beweiskraft beigemessen werden könne.
Den Bedenken gegenüber eine Verwandtschaft Theodradas mit Irmina ist zunächst entgegenzuhalten, daß die Namen Irmina und Immina durchaus Varianten ein und desselben Personennamens sein konnten bzw., sofern sie als eigenständige Namen verwandt wurden, auf den gemeinsamen Stamm Ermin- zurückgingen und daß weiterhin allein aus der Urkunde Hedens von 704 schwerlich auf eine thüringische Herkunft Theodradas geschlossen werden kann [521 Wampach 1, 2 Nr. 8 Seite 29ff. Die Schenkung betraf Besitzungen des Thüringer Waldes. In der Intitulatio tritt Heden una cum coniuge clarissima Theodrada als Schenker auf. Aussteller der Urkunde war jedoch, wie das Eschatooll zeigt, allein Heden, der den Befehl zur Niederschrift der Urkunde gab, gemeinsam mit seiner Frau hanc donationis cartam a me factam unterzeichnete und dessen Sohn Thuring gleichfalls die donationem patris mei firmierte. Schlesinger (wie Anm. 502) Seite 339, Lindner Seite 65 und in Anschluß daran Wenskus Seite 378 unnd Ebling Seite 107 schlossen aus der Beteiligung Theodradas darauf, daß die Schenkgüter wohl Besitzungen Theodradas umfaßten und daß diese somit vermutlich thüringischer Herkunft gewesen sei. Wie die oben Anm. 313 zitierten Beispiele zeigen, wird man jedoch kaum in Anschluß an Schröder (wie Anm. 417) Seite 130f allein aus dem gemeinsamen Auftreten beider Ehegatten in der Intitulatio schließen können, daß die Schenkgüter aus dem Vermögen der Frau stammten. Es kann sich auch um gemeinsamen Besitz wie auch um Güter aus dem Vermögen des Mannes gehandelt haben, zu deren Vergabung die Ehefrau ihre Zustimmung erteilte. Bei seiner Schenkung von 716/17, die Erbgüter Hedens betraf, wird in der Intitulatio allein Heden genannt; wie 704 unterzeichnete aber auch Theodrada die Urkunde, womit sie ihhr Einverständnis erklärte; vgl. hierzu bereits Gockel, Verwandtschaft Seite 49 Anm. 203. Aufschlußreich für Beziehungen nach Thüringen bleibt freilich der Name von Hedens Sohn Thuring vgl. Schlesinger Seite 339. Gegen eine zu starke Bewertung dieses Arguments sprechen jedoch Namen wie etwa der des Thurincbert bei den mittelrheinischen RUPERTINERN, vgl. Glöckner, CL 2 Nr. 167 - ihn zählt Wenskus Seite 164 freilich zu den Belegen für eine "thüringische Tradition der RUPERTINER" - oder die der beiden im 7. Jh. in Le Mans  bezeugten Namenträger Thuringus und Turingus, vgl. Busson/Ledru Seite 111,151.]. Unter der Voraussetzung, daß die Echternacher Grundbesitzer Theotar und Theodard mit Irmina verwandt waren, verblieben also die Argumente, daß in der Familie Irminas von Oeren und Theodradas jeweils Namen mit den Namengliedern Ermin- und Theuda/Theud- bezeugt sind bzw. sogar die sprachlich gleichen Namen Irmina und Immina begegnen und daß darüber hinaus sowohl Heden und Theodrada wie auch Irmina zu den Föderern Willibrords zählten. Heden und Irmina gehörten zudem gemeinsam der austrasischen Führungsschicht an, für die durchaus mit weitreichenden Heiratsverbindungen zu rechnen ist [522 Folgt man den Beobachtungen von Metz Seite 257ff. und Wenskus Seite 163f., wonach Irmina und Heden den nämlichen, auch am Mittelrhein begüterten austrasischen Adelskreisen angehört hätten bzw. die Familie Hedens mit den mittelrheinischen RUPERTINERN in einem gemeinsamen Traditionsverband gestanden habe, so wäre nicht einmal von derart weitgespannten Heiratsverbindungen auszugehen. Der nachweisbare  Güternbesitz von Familienangehörigen Irminas reichte mit den Besitzungen Irmintruds bei Boppard bis in das Mittelrheinn-Gebiet hinein, vgl. oben Seite 123.]. Hält man aufgrund  dieser Übereinstimmungen verwandtschaftliche Beziehungen für möglich, so wäre nach den chronologischen Angaben zur Familie Hedens davon auszugehen, daß die Verbindungen zwischen der Familie Irminas und den mainfränkischen Herzögen im letzten Viertel des 7. Jahrhunderts geknüpft worden waren [523 Da Hedens Sohn Thuring die Schenkung von 704 mit unterzeichnete, die Klostergründung für Hedens Tochter Immina vor 701/13 anzusetzen ist und Hedens Vater Gozbert 688/89 noch im Amt war, dürfte die Heirat zwischen Heden und Theodrada am wahrscheinlichsten in die Zeit 685/95 zu datieren sein.]. Hedens Gattin gehörte bei einer solchen Annahme sehr wahrscheinlich der Generation nach Irmina an. Die nächstliegenden Möglichkeiten verwandtschaftlicher Beziehungen wären dann, daß Theodrada eine Nichte, eine Cousine zweiten Grades oder auch eine Tochter Irminas war [524 Zu bisherigen Versuchen einer genaueren genealogischen Einordnung vgl. Anm. 514.].
 
 
 
 

685/95
  oo Heden II. Herzog der Thüringer
           719
 
 
 
 

Kinder:

  Thuringus
        nach 717

  Irmina (Immina)
     
 
 
 
 

Literatur:
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Hlawitschka Eduard: Die Vorfahren Karls des Großen. In: Braunfels Wolfgang: Karl der Große Lebenswerk und Nachleben. Verlag L. Schwann Düsseldorf Band I Seite 78 - Werner, Matthias: Adelsfamilien im Umkreis der frühen Karolinger. Die Verwandtschaft Irminas von Oeren und Adelas von Pfalzel. Personengeschichtliche Untersuchungen zur frühmittelalterlichen Führungsschicht im Maas-Mosel-Gebiet, Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1982 Seite 28,149,152-156,160,169 -