Sohn des Hunnen-Königs Attila
Schreiber Hermann: Seite 208
****************
"Auf den Spuren der Goten."
Das Heer seiner Söhne, wie einzelne Forscher es genannt haben, mag zunächst zwei Dutzend Namen vereint haben. Bedeutung erlangten aber nur der tapfere Ellak und der unbändig zähe, ja beinahe heroisch weiterkämpfende Denghizik, während der strahlende Prinz Gheism, den Attila mit einer Schwester des Gepiden-Königs Ardarich gezeugt hatte, die Linie bis weit ins sechste Jahrhunder herauf fortleben läßt.
Schreiber Hermann: Seite 312,319-322
*****************
"Die Hunnen. Attila probt den Weltuntergang."
Wer aber wie die Mutter von Attilas
Lieblingssohn Ernak,
dem ein weiches und verbindliches Gemüt nachgerühmt wird? Mit
welcher Frau zeugte Attila die harten
Kämpfer, die ihm beide so ähnlich waren, nämlich
Ellak und Denghizk? Oder
andersherum gefragt: Wie kam es, daß jener Sohn Gheism,
den Attila aus seiner Verbindung mit
der Schwester des Gepiden-Königs Ardarich
hatte, keine größere Rolle spielte?
Zwei Parteien werden unter ihnen erkennbar. Die eine
tritt, da Ellak am Nedao gefallen ist,
nun unter der Führung Denghiziks
auf, des Sohnes, der - von Ellak abgeshen
- König Attila am ähnlichsten
gewesen sein soll. Die andere Gruppe ist vertreten durch Ernak,
den Lieblingssohn. Er hat neben sich die jüngeren Brüder
Emnedzar
und Uzendur,
die von der gleichen Mutter stammen wie er und mit ihm für den Frieden
und den Übergang zu einer seßhaften Lebensweise stimmen.
Dem Temperamenten entsprechend, begab sich die Friedenspartei
Ernaks
und seiner Vollbrüder nach dieser zweiten Niederlage (gegen die Ostgoten)
unter den Schutz des Oströmischen Reiches, während die Kriegspartei
seines Halbbruders Denghizk sich für
das kriegerische Nomadenleben nördlich der Donau entschied.
Denn als sich nun die Ostgoten für den Überfall
vom Jahr 455 revanchierten und im Sommer 462 über das neue Siedelgebiet
an der unteren Donau herfielen, konnten die friedliebenden Hunnen unter
Ernak
und die Alanen unter Candax offensichtlich
nicht allein mit ihnen fertig werden. Und es war zwar ein schöner
Beweis halbbrüderlicher Treue, daß Denghizik
sogleich aus Bessarabien heranstürmte und sich auf die bereits mit
der Beute abziehenden Ostgoten warf.
Niederlagen, die vielleicht einen romantischen Denghizik-Biographen,
aber nicht mehr die Geschichte interessieren, trieben die Hunnen aus dem
eroberten Serdika (Sofia) wieder hinaus und brachten sie in den engen Balkantälern
in eine so aussichtslose Position, daß sie sich vom Gegner verköstigen
lassen mußten. Dies führte schließlich zu dem wohl kaum
vermeidbaren Ende: dem tüchtigen gotischen Feldherrn des Kaisers,
den wir unter seinem römischen Namen Anagastus kennen, fiel es nicht
sonderlich schwer, abermals eine Falle für den ungestümen
Denghizik vorzubereiten, in die der Heerführer, der offenbar
von Aufklärung und Flankensicherung gleichermaßen wenig hielt,
denn auch blindwütig hineinrannte.
Das Chronikon Paschale zum Jahr des Herrn 469
meldet:
"Dinzirchus, Attilas
Sohn, wurd getötet von Anagastus, dem General des Kaisers in Thrakien.
Das Haupt des Hunnen wurde nach Konstantinopel gebracht, in einer Freudenprozession
durch die Große Straße getragen und schließlich am Zirkus
auf eine Stangegesteckt. Die ganze Stadt war auf den Beinen, um es zu betrachten."
Literatur:
-----------
Schreiber Hermann: Auf den Spuren der Goten. List
Verlag München 1977 Seite 208 - Schreiber Hermann: Die Hunnen.
Attila probt den Weltuntergang. Econ Verlag Wien-Düsseldorf 1990 Seite
312, 319,320,321,322 -