Ludwig II. der Strenge                              Herzog von Bayern und Pfalzgraf bei Rhein (1253-1294)
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13.4.1229-1./2.2.1294
Heidelberg Heidelberg

Begraben: Kloster Fürstenfeldbruck
 

Ältester Sohn des Herzogs Otto II. der Erlauchte von Bayern und der Agnes von Braunschweig, Tochter von Graf Heinrich I.
 

Lexikon des Mittelalters: Band V Seite 2193
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Ludwig II. der Strenge, Pfalzgraf bei Rhein
---------------------------  Herzog von Ober-Bayern
* 13. April 1229, + 1. oder 2. Februar 1294
Heidelberg            Heidelberg

Begraben: Kloster Fürstenfeldbruck

   2.8.1254
  1. oo Maria, Tochter Herzog Heinrichs II. von Brabant

  24.8.1260
  2. oo Anna, Tochter des Herzogs Konrad II. von Schlesien-Glogau

  24.10.1273
  3. oo Mechthild, Tochter König RUDOLFS I.

Nach zweijähriger gemeinsamer Regierung teilten Ludwig und sein Bruder Heinrich XIII. 1255 die wittelsbachischen Besitzungen, wobei Ludwig die Pfalzgrafschaft bei Rhein, Ober-Bayern und Teile des Nordgaus erhielt. Beide Herzöge vertraten die Ansprüche ihres Neffen Konradin. Der Anfall des konradinisches Erbes brachte dem Herzog Ludwig 1269 den Lechraum und Gebiete im nördlichen Nordgau ein. 1273 setzte er sich nach anfänglicher eigener Kandidatur lebhaft für die Königswahl RUDOLFS von Habsburg ein, den er auch militärisch im Kampf gegen Ottokar von Böhmen unterstützte. Zur Sühne für die Hinrichtung seiner fälschlich der Untreue verdächtigten ersten Gattin stiftete Ludwig II. der Strenge das Zisterzienserkloster Fürstenfeld.

Literatur:
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NDB XV, 357-360 - S. v. Riezler, Gesch. Baierns II, 1880 [Neudr. 1964], 100-167 - Spindler II, 72-109, 540ff.
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Bosl‘s Bayerische Biographie: Seite 495
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Ludwig II., „der Strenge“, Herzog von Ober-Bayern
------------------------------- Pfalzgraf bei Rhein
* 13.4.1229, + 2.2.1294
Heidelberg    Heidelberg

Begraben: Fürstenfeld

Vater:
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Herzog Otto II. (+ 1253)

Mutter:
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Agnes von der Pfalz (+ 1267)

  1. oo Maria von Brabant (um 1226-1256)

  2. oo Anna von Glogau (um 1240-1271)

  3. oo Mechthild von Habsburg (um 1251-1304)

Teilte mit seinem Bruder Heinrich XIII. das Land.
Wurde Herzog von Ober-Bayern und der Pfalz.
Als Sühne für die unberechtigte Hinrichtung seiner Gattin Maria von Brabant in Donauwörth Gründung des Klosters Fürstenfeld bei München.
Feldzüge gegen die Böhmen, die 1257 und 1266 geschlagen wurden.
1277 Krieg gegen seinen Bruder.
Kandidierte bei Königswahl, verlor aber gegen RUDOLF von Habsburg, dessen Tochter Mechthild er jedoch heiratete.

Literatur:
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ADB 19; Riezler.
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Ludwig II. der Strenge war Regent der Pfalz und folgte 1253 seinem Vater. Nach bitterem Zwist teilte er am 28.3.1255 mit seinem Bruder Heinrich I. (XIII.) die WITTELSBACHER Lande, so dass Heinrich XIII. Nieder-Bayern, Ludwig Ober-Bayern und die Pfalz erhielt. Er trat als einziger Reichsfürst dem Rheinischen Städtebund bei und wählte 1257 RICHARD von Cornwall zum deutschen König. Daneben betrieb er mehrmals die Wahl seines Neffen und Mündels Konradin zum König und wurde daher 1266 gebannt. Er förderte aus Eigennutz dessen Italienfeldzug 1267/68 und erhielt aus dessen Erbe Herbruck, Neumarkt, Donauwörth, Ammergau, Hochstädt, Holnstein und Sulzbach. Er stützte wieder König RICHARD und schloss Frieden mit den bayerischen Bischöfen. Er erneuerte alte Landfriedensbündnisse und unterstützte im Salzburger Bistumsstreit den böhmischen Kandidaten. An der Wahl RUDOLFS von Habsburg hatte er wesentlichen Anteil, stand ihm treu zur Seite, nahm an Reichstagen und Heerfahrten teil und ermöglichte mit seinen Machtmitteln König RUDOLFS kraftvolles Königtum. Er erhielt 1275 die böhmische Kurstimme zugesprochen und machte 1278 die Schlacht bei Dürnkrut gegen Ottokar II. von Böhmen mit. Er verzichtete 1291 auf eine eigene Kandidatur und setzte sich als Reichsverweser als einziger für ALBRECHT I. von Habsburg ein, erkannte dann aber ADOLF von Nassau als König an. Er gewann unter anderem Wiesloch, Weinheim, Dossenheim, Lindenfels, Altmanndorf, Nußloch, Hockenheim, Bretten, Caub und Stolzeneck für die Pfalz und baute die herzogliche Macht stark aus. Seine erste Gemahlin ließ er auf den bloßen Verdacht der Untreue in Donauwörth hinrichten. Er erhob München zu seinem Herzogssitz.

Rall Hans und Marga: Seite 45-49
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"Die Wittelsbacher"

Herzog Ludwig II.
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* 13.4.1229, + 2.2.1294
Heidelberg    Heidelberg

Grabstätte: Kirche des Zisterzienserklosters Fürstenfeld (Fürstenfeldbruck)

   2.8.1254 in Landshut
  1. oo Maria, Herzogin von Brabant und Lothringen
          1226, + 18.1.1256 enthauptet
                    Donauwörth

Grabstätte: Heiligenkreuzkirche in Donauwörth

Eltern: Heinrich II., Herzog von Brabant und Lothringen und Maria, Tochter des Königs PHILIPP von Schwaben

  24.8.1260
  2. oo Anna, Herzogin von Schlesien-Glogau
         * um 1240, + 25.6.1271
                            München

Grabstätte: Kirche des Zisterzienserklosters Fürstenfeld (Fürstenfeldbruck)

Eltern: Konrad II. (Karl), Herzog von Schlesien-Glogau, Sagan und Krossen, und Salome, Tochter des Herzogs Wladislaw Odonicz von Groß-Polen

 zwischen 24. und 27.10.1273 in Aachen (Heidelberg?)
  3. oo Mechthild (Mathilde), Gräfin von Habsburg
          * 1251 oder 1253, + im Juni 1304
          Rheinfelden             München

Grabstätte: Kirche des Zisterzienserklosters Fürstenfeld (Fürstenfeldbruck)

Eltern: RUDOLF I. Römischer König, Graf von Habsburg, und Gertrud Anna, Gräfin von Hohenberg (Zollern - Hohenberg in Schwaben)

Die drei ersten WITTELSBACHER Herzöge Bayerns haben den Bereich ihres unmittelbaren Wirkens für den inneren und äußeren Frieden im Lande verdreifacht, indem sie Grafschafts- und Vogteirechte gewannen und durch Viztume und Richter (Landrichter) wahrnahmen. Natürlich mussten sie zu den Blutgerichtsrechten hinzu die allgemeine Gebotsgewalt des Landesherrn, seine Militärgewalt, seine Steuerhoheit und den Anspruch auf Huldigung haben oder erreichen. Sie retteten dadurch einen sehr erheblichen Bereich des bisherigen Stammesherzogtum in das Landesfürstentum hinüber. Nur als solches konnte nämlich jetzt das Herzogtum bestehen, da das personalgebundene Stammesrecht nun zum territorialgebundenen Landrecht wurde. Außerdem hatte Kaiser FRIEDRICH II. durch die gesetzlichen Regelungen von 1220 und 1231/32 die Entwicklungsmöglichkeiten in Rechtsformen umgeprägt. Diese Leistung der WITTELSBACHERwar auch bedingt durch den günstigen Beginn ihres Wirkens als Herzöge seit 1180. Mit dem Verfügungsrecht der Angehörigen des Herrscher-Geschlechts über das Hausgut, aber auch über die damit verknüpften Rechte wurde spätestens seit 1253/55 ein neuer Abschnitt der Geschichte der Pfalzgrafschaft und des Herzogtums eingeleitet. Denn Otto II. hinterließ im Gegensatz zu seinem Vater zwei Söhne, nämlich Ludwig und Heinrich.
Beide hatten kurz vor seinem Tode im September 1253, als sie mit ihrem Vater in Richtung Steiermark marschierten, das Fest der Schwertleite in Ötting gefeiert. Diese war freilich nicht mehr als eine nachträgliche Bekräftigung ihre Eintritts ins ritterliche Leben. Der nun schon 25-jährige Herzog Ludwig hatte sich bereits mehrfach als Heerführer bewährt; er hatte 1246 an der Seite König KONRADS IV. gegen den Landgrafen von Thüringen gekämpft, 1250 den Feldzug in das Land ob der Enns geleitet und 1251 die Burg Teisbach des kriegführenden Bischofs von Regensburg erobert. Heinrich war mehr als sechs Jahre jünger, aber bereits wie Ludwig verheiratet. Er hielt sich gerade bei seinem Schwiegervater, dem König von Ungarn, auf, als sein Vater aus dem Leben schied.
Die jungen Herzöge regierten zunächst gemeinsam, erwarben vom Erzbischof von Salzburg zahlreiche Lehen und Vogteien und bauten miteinander am Lebenswerk des Vaters weiter. Nach dem Tode König KONRADS IV. 1254 suchten sie ihrem Neffen und Mündel Konradin Schwaben und Sizilien zu erhalten, setzten an die Stelle des als Sachwalter ihres Neffen aufgestellten Markgrafen Berthold von Cham-Vohburg den unehelichen Kaisersohn Manfred von Tarent, der Berthold als Verschwörer verurteilte und einsperrte, und erzielten so zwei Ergebnisse. Papst Alexander IV. wandte sich jetzt an ihre Mutter und damit an sie wegen Konradin, freilich auch an andere. Die WITTELSBACHER Brüder glaubten nicht an eine wirklich Versöhnung der Kurie mit dem jungen STAUFER. Durch die Verurteilung Bertholds fiel aber zum anderen den WITTELSBACHER Brüdern das Erbe an Nabburg zu. Von eben diesem Ort verkündeten die Herzöge gemeinsam die Ausübung des Reichsverweseramtes auf Anfrage aus Bamberg Rechtssätze zur gerichtlichen Erkenntnis, die von allgemeiner Bedeutung waren.
Ludwig und Heinrich besaßen das gleiche allodiale Recht auf ihre Landes-Fürstentümer, die Pfalzgrafschaft und das Herzogtum. Trotz der gemeinsamen brüderlichen Erfolge teilten sie am 28. März 1255 das Herzogtum in einer bloßen Nutzteilung. Sie handelten damit bereits nach dem in einer WITTELSBACHER Urkunde von 1288 ausgesprochenen Grundsatz, unter den Berechtigten gleichwertig zu teilen. Die Pfalzgrafschaft bei Rhein, die aus punktweisen, sich gegenseitig bedingenden Positionen bestand, blieb ungeteilt, ihr Hauptrecht der Königswahl blieb bei den Brüdern gemeinsam. Schon um das Jahr 700 hatte der AGILOLFINGER Herzog Theodo Teile seines Herzogtums Bayern an seine Söhne zur selbständigen Regierung gegeben. Vielleicht schon damals, jedenfalls aber 1255 gingen die Interessen und Entwicklungstendenzen O-Bayerns und der westlichen Landesteile stark auseinander. Das wurde den Herzogen Ludwig und Heinrich 1255 und erst recht im Laufe der Jahre durch die Gegensätze unter ihrer beiderseitigen Gefolgschaften stark bewusst: "Was als Streit der Brüder bezeichnet wird, war häufig Streit der beiderseitigen Edlen und Ministerialen" (Forschung Spindler). Beide Herzöge nannten sich auch weiterhin nach dem ganzen Herzogtum Bayern. Die in Landshut geprägten Denare hatte noch 1253 ihr Vater als für das ganze Land gültig erklärt. Die Brüder arbeiteten auch weiterhin durch die Landfriedensgesetzgebung für das ganze Land. Freilich wurden sie dabei oft durch die Streitigkeiten gestört, dir durch entgegengesetzte Interessen nicht zuletzt ihrer eigenen beiderseitigen Gefolgschaften verursacht wurden.
Das Herzogtum wurde 1255 in das Obere Bayern und das "Niederland" geteilt. Beide Gebiete bestanden nur aus den Kernen der heute so genannten Regierungsbezirke. Ober-Bayern, das Ludwig II. bekam, reichte vom Süden des heutigen Oberpfälzer Waldes und der mittleren Naab bis zu den Alpen bei Kitzbühel, von Amberg und Schwandorf über Ingolstadt und München, das sich Ludwig II.als Residenz wählte, Wasserburg, Aibling bis nach Kufstein und barg in seinem Bereich den alten wittelsbachischen Hausbesitz vom Süden der Donau bis in den Nordgau hinein und war nach dem Westen und dem Reich orientiert. Bei Eger sowie bei Füssen und Schongau grenzte Ober-Bayern an staufisches Reichsland. Diese Orientierung zum Westen und zum Reich wird durch die Tatsache unterstrichen, dass Ludwig II. die Pfalzgrafschaft bei Rhein ungeteilt erhielt, wenn auch sein Bruder ebenso wie später alle Inhaber des Herzogtums, ja der Teilherzogtümer Bayerns den Titel eines Pfalzgrafen bei Rhein führten.
Das gegenüber Ober-Bayern wirtschaftlich reichere niederbayerische Bauernland mit seiner Hauptstadt Landshut hatte sich mit der Emanzipation der Bistümer Freising, Regensburg, Passau und Salzburg vom Herzogtum weg zu eigenen Landesfürstentümern auseinander zu setzen. Die Inhaber Österreichs und Böhmens begünstigten diese Emanzipationen. Herzog Heinrich musste hier mehr um Landesgrenzen ringen, die durch diese Emanzipationen neu gesetzt wurden, als sein Bruder. Heinrich konnte die Grenze seines Bereichs hart an die Mauern des Bischofssitzes Passau vorschieben. Durch Jahrhunderte war diese Grenze von großer Bedeutung. Natürlich blieben ihm die Probleme des Ostens mit Böhmen und Ungarn. Das Ringen um die verlorenen Marken des alten Herzogtums Bayern selbst blieben immer eine besondere Aufgabe, die Heinrich klar erkannte.
Die beiden Brüder hatten sich vor der Teilung mit den Oberhirten von Freising, Regensburg, Passau und Salzburg verglichen und förderten wesentlich die Klöster, die in den Wirren unter Kaiser FRIEDRICH II. sehr gelitten hatten; beide entwickelten ihre jungen Städte, vor allem ihrer Hauptstädte fortschrittlich. Heinrich gewährte Landshut 1256 und 1279 Stadtrechte. Ludwigs neue Hauptstadt München erhielt noch in seinem Todesjahr, aber jetzt schon durch seinen Sohn Rudolf, 1294 das Stadtrecht. Beide Herzöge stellten Geistliche und Bürger in den Kreis ihrer Mitarbeiter in Kanzlei und Rat. In Nieder-Bayern lässt sich seit 1258, in Ober-Bayern seit 1265 ein ziemlich ständig tätiger Rat des Herzogs nachweisen. In Ober- wie in Nieder-Bayern reifte eine neue weltliche Oberschicht der Ritter zu Landherren heran, in Nieder-Bayern errangen diese in der Hofordnung ihrer Herzöge von 1293, dass jeweils nur zwei Räte aus dem Kreis der Landherren am Hof sein sollten, der Herzog im übrigen Räte aus der Gegend heranzog, in der er sich gerade zu seiner landesfürstlichen Tätigkeit aufhielt. Solche Räte wirkten auch als Schiedsrichter und Bürgen für die Herzöge und wurden gegebenenfalls auch zur Mitbesiegelung von Herzogsurkunden herangezogen. Die herzoglichen Residenzen erscheinen aber immer mehr als Ausstellungsorte der Herzogsurkunden Ludwigsund Heinrichs.
Ludwig weilte im Januar 1256 in landesherrlicher Tätigkeit am Rhein. Da wurde er durch Umstände, die bis heute nicht eindeutig geklärt sind, zu einer furchtbaren Tat hingerissen. Mehrere Versionen sind darüber niedergeschrieben worden, meist in viel späterer Zeit. Eine davon erzählt: Ein Brief seiner Gattin Maria von Brabant geriet in die Hände Ludwigs, als er sich am Rhein aufhielt. Er war - nach einem nicht gleichzeitigen Bericht - an ein Mitglied des Hauses der Rau- oder Wildgrafen von Kyburg auf dem Hunsrück gerichtet. Zwei seiner bayerischen Ministerialen bestärkten Ludwig in dem angeblich aus dem Brief hervorgehenden Verdacht, dass seine Frau in einen Ehebruch verstrickt sei. Nach dem im 13. Jahrhundert niedergeschriebenen Schwabenspiegel war die Strafe für eine Ehebrecherin die Enthauptung. Ludwig ritt in jähem Zorn Tag und Nacht, bis er in Donauwörth seine Frau antraf. Er ließ sie sofort enthaupten. Wenn nicht als Ehemann, so hatte er doch als Herzog das Recht, einen Urteilsspruch über eine Ehebrecherin zu fällen. Ludwiggewann aber offenbar keine Beweise für die Schuld der hingerichteten Gattin und begann die jähe Tat als schwere Untat zu erkennen und schwer zu bereuen. In Erfüllung der ihm von der Kirche auferlegten Buße stiftete er das Zisterzienserkloster Fürstenfeld (Fürstenfeldbruck). Sein Beiname "der Strenge" wurde ihm erst in einem späteren Jahrhundert gegeben.
Bei der Königswahl von 1257 wählten die beiden WITTELSBACHER Brüder RICHARD von Cornwall. Ludwig, der auf England hoffte, versuchte vergebens, seinem Neffen Konradin die Belehnung mit dem Herzogtum Schwaben zu erwirken. Er gewann für sich auch keine englische Prinzessin als Gattin und heiratete 1260 Anna, die Tochter Herzog Heinrichs II. des Großmütigen von Schlesien-Glogau. 1261/62 erreichte er aber über schwäbische Große, dass dem staufischen Neffen sein angestammtes Herzogtum wenigstens zugesichert wurde. Ludwig unterstützte Konradin mit seiner ganzen Tatkraft, aber auch mit großen Geldmitteln, ließ sich dafür allerdings staufisches Gut aus allodialem Besitz oder Reichsbesitz verpfänden oder vermachen. Das Eintreten für seine Neffen trug dem WITTELSBACHER die Exkommunikation durch den Papst selbst ein, der ihm sogar das Interdikt androhte, das heißt das Verbot der Spendung der Sakramente in seinen landesfürstlichen Bereichen. Erst lange nachdem 1268 Konradin in Neapel enthauptet worden war, vermochte sich Ludwig 1273 von der kirchlichen Strafe zu lösen. Aus dem mit Umsicht gesicherten Erbe Konradins im Westen und Norden Bayerns gewann Ludwig außerordentlich viel.
Als Pfalzgraf bei Rhein war Ludwig immer wieder in die Dienste nicht nur seines staufischen Neffen getreten, sondern auch nach dessen Tod in die Dienste des Reiches. 1272 starb König RICHARD von Cornwall. ALFONS von Kastilien war im Reich als König gescheitert. Papst Gregor X. wollte wegen eines Kreuzzuges ein kraftvolles Königtum im Reich. Die Städte am Rhein und in der Wetterau erklärten, sie würden nur einem einmütig gewählten König ihre Tore öffnen. Der Mainzer Kurfürst und Erzbischof Werner von Eppenstein wollte den Pfalzgrafen und Herzog Ludwig in das Königswahlbündnis der geistlichen Kurfürsten einbeziehen. Dazu musste er natürlich Ludwig und seine landesfürstlichen Bereiche von dem 1272 noch einmal erneuerten Bann und dem inzwischen auferlegten Interdikt befreien. Das gelang Werner ebenso wie die Beilegung der territorialen Streitigkeiten Ludwigs mit Köln und Trier, in denen ihm der Pfalzgraf die Entscheidung übertrug. Ludwig verband sich am 11. September 1273 zu Boppard am Rhein mit den drei geistlichen Kurfürsten zu einer Einmütigkeit der Wahl; wenn drei der vier auf einen sich einigten, sollte der vierte diesen ebenfalls wählen. Ludwig verzichtete auf seine eigene Wahl, sorgte aber dafür, dass Graf RUDOLF von Habsburg auch von den übrigen weltlichen Kurfürsten im Reich gewählt wurde. König Ottokar II. von Böhmen widersprach zwar, aber Ludwig stimmte sowohl als Pfalzgraf wie mit einer Hälfte der Stimme von Bayern für den HABSBURGER und sorgte dafür, dass sein Bruder die andere Hälfte aufgrund des Herzogtums ebenfalls Graf RUDOLF zuwandte. Am 1. Oktober vollzog Pfalzgraf Ludwig, in dieser Eigenschaft der erste weltliche Reichsfürst, im Namen der 7 wahlberechtigten Kurfürsten des Reiches die Wahl. Ludwig erwarb auch weiterhin durch Kauf und auf den Wegen des Lehensrechtes, des Heimfallrechtes und des Erbrechtes sowohl im Herzogtum wie in der Pfalgrafschaft unermüdlich viele Jurisdiktionsbereiche. Er arbeitete umsichtig und elastisch, gab zum Beispiel dem Bischof von Regensburg nach, um seine ganze Kraft 1261 am Rhein gegen den Bischof von Speyer erfolgreich zum Ausdruck zu bringen. Unter seinen Burgmannen war sogar ADOLF von Nassau, der spätere König. Wie sein Vater förderte er das WITTESLBACHER Hauskloster Schönau bei Heidelberg.
Aus seiner zweiten Ehe mit der Prinzessin von Schlesien hatte der Pfalzgraf und Herzog einen ältesten Sohn Ludwig, der 1267 geboren, als wohlerzogen und elegant galt, und 1288 Elisabeth, die 16-jährige Tochter des Herzogs Friedrich III. von Lothringen heiratete. Der Pfalzgraf selbst war damals bereits zum dritten Mal, nämlich seit 1273 mit der Tochter Mechthild des Königs RUDOLF, verheiratet, von der er zwei Söhne hatte, Rudolf, der 1274, LUDWIG, der 1282 geboren wurde. Von seinen Töchtern aus der 3. Ehe heiratete Mechthild 1288 den Herzog Otto IV. den Strengen von Braunschweig-Lüneburg, Agnes noch zu Lebzeiten des Vaters den Landgrafen Heinrich II. von Hessen. Das westliche Mittel- und N-Deutschland waren damit in die Familienbereiche des Pfalzgrafen und Herzogs Ludwig einbezogen. Da traf ihn 1290 ein schwerer Schlag. Ludwig, sein ältester, noch kinderloser Sohn, erhielt auf einem Turnier in Nürnberg, eine tödliche Wunde. Er wurde neben seiner Mutter im Kloster Fürstenfeld begraben. Schon 1288 hatte Ludwig II. für seinen eigenen Todesfall vorgesorgt. Er hatte damals noch drei Söhne. Deshalb hatte er veranlasst, dass der älteste in einer Urkunde im Zusammenwirken mit dem Vater und unter Anerkennung durch König RUDOLF eine gleichwertige Landesteilung unter den Brüder allodialrechtlich verankerte. Damit wollte der alte Pfalzgraf eventuellen Streitigkeiten unter seinen Söhnen zuvorkommen. Er starb 1294 in Heidelberg und hinterließ aus der Ehe mit der HABSBURGERIN zwei Söhne, Rudolf und LUDWIG, der eine 20, der andere 12 Jahre alt.

GESCHICHTE MIT PFIFF Heft 10 2001 Seite 26-27

Der Mörder Ein WITELSBACHER sieht rot
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Eine schreckliche Moritat wussten Bänkelsänger über den Jahresanfang 1256 aus Bayern zu berichten - wieder war einem WITTELSBACHER sein cholerisches Temperament zum Schicksal geworden ,,,

Doch war es nicht die hohe Politik, die den Bayern-Herzog Ludwig II. in einer kalten Januarnacht zum Amoklauf reizte, sondern - zur Freude aller Moritatendichter - die Liebe und die Eifersucht! Da der Stoff das Ausmaß einer Shakespearschen Tragödie erreichte, ist es nicht verwunderlich, dass sich aus den verschiedenen, zum Teil viel später entstandenen Aufzeichnungen nicht mehr eindeutig rekonstruieren lässt, was in der Nacht vom 17. auf den 18. Januar 1256 auf der Burg Mangoldstein in Donauwörth genau geschah. Sicher ist nur, dass Ludwig II., dem späteren Chronisten seiner Untat wegen den Beinamen "der Strenge" verpassten, nach seinem Wutanfall Witwer war - er hatte seine junge Frau Maria von Brabant ins Jenseits befördert!
Dabei hatte alles so schön begonnen: Prächtig war am 2. August 1254 in Landshut die Hochzeit zwischen dem Bayern-Herzog Ludwig II., und Maria, der Tochter Heinrichs II., des Herzogs von Brabant und Lothringen, geschlossen worden. Die spätere Überlieferung hat ein liebevolles Bild von der jungen Frau gezeichnet, die nur für anderthalb Jahre Herzogin von Bayern war. Fromm sei sie gewesen, großzügig den Armen gegenüber und ihrem Mann treu ergeben. Offenbar aber fühlte sie sich bei den häufigen Abwesenheiten ihres Gatten, der als Pfalzgraf des öfteren in Heidelberg weilte, einsam und vernachlässigt. So wird es auch gewesen sein, als Ludwig am Jahreswechsel 1255/56 in die Pfalzgrafschaft reiste und seine Frau samt Gefolge in Donauwörth zurückließ. Die sehnsüchtig wartende Maria hoffte den Aufenthalt ihres Mannes mittels zweier Briefe zu verkürzen. Der eine war an ihren Ehemann gerichtet, der andere an den befreundeten Wildgrafen Heinrich von Kyburg, den Maria bat, Ludwig zur Heimkehr zu bewegen. Dafür, so hieß es vage an den Minnediener, werde sie ihm gewähren, was er lange erbeten habe ...
Unseligerweise verwechselte der Bote die beiden Schreiben und händigte Ludwig den Brief an den Kyburger aus. Der Herzog witterte hinter dem Brief ein Angebot zur Liebesnacht und lechzte nach Rache. Zwei seiner Hofleute bestärkten ihn in dem Verdacht auf Ehebruch. Zornerfüllt stach der 27-jährige Fürst zunächst den Boten nieder und ritt in fünf Tagen und Nächten vom Rhein nach Donauwörth. Entnervt stürzte er in die Burg, rammte dem Burgvogt das Messer in den Bauch, stach eine Hofdame, die er der Mitwisserschaft bezichtigte, nieder und ließ die Zofe seiner Frau in hohem Bogen von den Burgzinnen fliegen. Danach machte er kurzen Prozeß mit seiner Gemahlin: Sie wurde noch in der gleichen Nacht im Burghof enthauptet, nach anderen Quellen soll er sie eigenhändig erstochen haben.
Nach dem Blutrausch kam jedoch die Reue. Für die Schuld seiner Frau fand Ludwig keinerlei Beweise; sie hatte dem Kyburger lediglich das "Du" angeboten. Über Nacht, so will es die Legende, soll das herzogliche Haupt schneeweiß vor Gram geworden sein. Die Seelenpein konnte nur noch der Papst lindern: Alexander IV. forderte ihn auf, entweder ins Heilige Land zu ziehen oder ein Kloster zu bauen und lebenslang am Hals ein dolchdurchbohrtes Herz zu tragen. Ludwig entschied sich für den bequemeren Weg und stiftete ein Kloster in Aibling, das 1266 nach Bruck verlegt wurde - die Gründungsstunde von Zisterzienserkloster und WITTELSBACHER-Grablege Fürstenfeldbruck. Das Kunstjuwel, das im 18. Jahrhundert neu errichtet wurde, zählt heute wegen seiner herrlichen Asam-Fresken zu den großartigsten Kirchenbauten Ober-Bayerns und bietet. in der Klostergalerie Kurioses wie zum Beispiel die größte Maßkrugsammlung Oberbayerns mit 341 Exemplaren.
Während der strenge Ludwig samt Ehegattinnen Nummer zwei und drei in Fürstenfeldbruck bestattet wurde, erhielt die ermordete Maria und ihre beiden ebenfalls umgebrachten Hofdamen in der Heilig-Kreuz-Kirche in Donauwörth ihre Ruhestätte, wo sie von der Bevölkerung hoch verehrt wurden. Auf der Freilichtbühne am Mangoldfelsen zu Donauwörth, dort wo einst die Burg stand, wird bis heute die schaurige Geschichte ihrer Ermordung nachgespielt.
Dem wilden Ludwig hat seine wüste Eheszene zu Lebzeiten aber nicht geschadet, denn 1260 heiratete er Anna von Schlesien-Glogau und nach deren (natürlichem) Tod (1271) die HABSBURGERIN Mechthild, die ihm sozusagen als Dank für die Wahl ihres Vaters RUDOLF I. zum deutschen König 1273 ins Brautbett gelegt wurde - schließlich war der Bayern-Herzog trotz seines Jähzorns eine begehrte Partie. Obwohl er die Herrschaft über das Herzogtum Bayern mit seinem Bruder Heinrich teilte, hatte sich Ludwig mit Oberbayern und der begehrten Pfalzgrafschaft bei Rhein doch den prestigeträchtigsten Teil gesichert. Die pfalzgräflichen Besitzungen lagen damals vor allem im Hunsrück, um Alzey und Heidelberg. Mit diesem Amt verbunden war das Recht zur Königswahl, die Reichsverweserschaft bei Thronvakanz und der Vorsitz im Hofgericht bei Abwesenheit des Königs.
Kein Wunder, dass Heinrich XIII. von Nieder-Bayern der Verzicht auf die Pfalzgrafschaft bald reute. Wer durfte überhaupt den König wählen? Nur der Pfalzgraf oder auch die Bayern-Herzöge? Hatten die WITTELSBACHER gar zwei Stimmen? Auf die Solidarität des älteren Bruders konnte Heinrich nicht zählen. Eifersüchtig wachte er über seine Rechte, und dass mit dem "Strengen" nicht gut Kirschen essen war, hatte er ja bewiesen.
So durfte Heinrich 1257 bei der Wahl RICHARDS von Cornwall zum deutschen König zwar teilnehmen, doch blieb unklar, mit welchem Rechtstitel. In der Wahlbekanntmachung hatteLudwig darauf geachtet, dass im Kreis der wahlberechtigten Fürsten nur der Pfalzgraf, nicht aber der Bayern-Herzog erwähnt wurde. Ebenso verhielt es sich bei der Wahl RUDOLFS I. von Habsburg 1273, zu der Heinrich zwar zugelassen, seine Stimme aber nicht ausschlaggebend anerkannt wurde.
Zudem mußte der Niederbayer im Streit mit seinem Bruder auf seinen Mitbesitz an der Pfalz verzichten und die Klärung der Rechtstitel vertagen. Dies machte es dem neuen König RUDOLF leicht, die Frage offen zu haltenund schließlich das Kurrecht des Königs von Böhmen - der sein Schwiegersohn war - zu bestätigen.
Ludwig der Strenge hatte sich im kleinkarierten Streit zwar durchgesetzt, doch Bayern verlor für Jahrhunderte sein Königswahlrecht. Aber das Glück hält es bekanntlich mit dem Sieger: Während Heinrich 1290 ob seines politischen Versagens "in großer Zerknirschung eines schönes Todes starb" wie die Altaicher Chronik berichtet, fand ein Mönch von Fürstenfeld zum Tod seines Herrn Ludwig 1294 noch lobende Worte für dessen Taten: "Solange er lebte, erfreute sich sein Land reicher Ernten, ersprießlichen Friedens und vieler anderer Güter .."
 
 
 
 

   2.8.1254
  1. oo Maria von Brabant, Tochter des Herzogs Heinrich II.
          1226-18.1.1256 enthauptet
                   Donauwörth

  24.8.1260
  2. oo Anna von Schlesien-Glogau, Tochter des Herzogs Konrad II.
           um 1240-25.6.1271
                         München

 24.10.1273
  3. oo Mathilde von Habsburg, Tochter des Königs RUDOLF I.
        1251 oder 1253-23.12.1304
        Rheinfelden    München
 
 
 
 

Kinder:
2. Ehe

  Maria Nonne in Boppard
  1261-

  Agnes
  um 1262-21.10.1269
  München

  Ludwig Elegans
  13.9.1267-23.11.1290 gefallen
                  Nürnberg

3. Ehe

  Rudolf I.
  4.10.1274-12.8.1319

   Mechthild
   Ende 1275-28.3.1319
   München   Lüneburg

28.10.1288
    oo Otto II. Herzog von Braunschweig-Lüneburg
        1266-9.4.1330

  Agnes
  um 1276/77-22.7.1345
  München    Sangershausen

  15.1.1290
  1. oo Heinrich Landgraf von Hessen
           um 1264-23.8.1298

   1303
  2. oo Heinrich Markgraf von Brandenburg-Landsberg
          21.3.1256-10.7./14.8.1319

  Anna Nonne
  um 1280- ?

  LUDWIG IV. König des Deutschen Reiches
  1.4.1282-11.10.1347
 
 
 
 

Literatur:
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Hoensch, Jörg K.: Premysl Otakar II. von Böhmen. Der goldene König. Verlag Styria Graz Wien Köln 1989 Seite 46,50,81,84,109,130, 143,145,170,200,212,215,221,225,231,233,242 - Franzl, Johann: Rudolf I. Der erste Habsburger auf dem deutschen Thron, Verlag Styria 1986, Seite 82,90,92,95,98,104,108,112,116, 125,133,137,146,150,178,212,216, 244,274,280,286 - Krieger, Karl-Friedrich: Die Habsburger im Mittelalter. Von Rudolf I. bis Friedrich III. Verlag W. Kohlhammer Stuttgart Berlin Köln 1994, Seite 18,32,40,68,77,84 - Rall, Hans und Marga: Die Wittelsbacher. Von Otto I. bis Elisabeth I., Verlag Styria Graz/Wien/Köln 1986 Seite 45-49 - Reifenscheid, Richard: Die Habsburger. Von Rudolf I. bis Karl I., Verlag Styria Graz/Wien/Köln 1982 Seite 21 - Spindler Max: Handbuch der bayerischen Geschichte Erster Band Das alte Bayern. Das Stammesherzogtum bis zum Ausgang des 12. Jahrhunderts. C. H. Beck'sche Verlagsbuchhandlung München Seite 72-109, 540ff. -