Gunther (Gundhareus)                   Graf um 722
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Sohn des N.N.
 

Lexikon des Mittelalters: Band VII Seite 1620
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Schwarzburg, Grafen von
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Ob die späteren SCHWARZBURGER mit dem 722 in einem Schreiben Papst Gregors II. genannten thüringischen Adligen Asulf, Gundar und anderen verwandt waren und "als fremde, wohl fränkische Grafen (802) in Thüringen geboten haben" (Patze), bleibt ungewiß. Der Allodialbesitz der Grafen von Schwarzburg lag im Gebiet um Käfernburg, Remda, Ilmenau, Stadtilm und Plaue. Schwarzburg, Königssee und Ehrenstein waren Reichslehen, Arnstadt war Lehen des Klosters Hersfeld.



Eberl Immo: Seite 80
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"Die frühe Geschichte des Hauses Schwarzburg und die Ausbildung seiner Territorialherrschaft."

Papst Gregor II. richtete im Dezember 722 ein Schreiben an die fünf thüringischen Adeligen Asulf, Godolaus, Wilareus (= Willeher), Gundhareus (= Gunther) und Alvoldus sowie an alle christlichen Thüringer, das in der Briefsammlung des Bonifatius überliefert ist [2 Das Schreiben vgl. MGH Epistulae III, Seite 268 Nr. 19; Regesta diplomatica necnon epistolaria historiae Thuringiae, bearb. von Otto Dobenecker, Band I, Jena 1896, Seite 6 Nr. 10; vgl. auch den Hinweis auf die Umstände der Abfassung in: Briefe des Bonifatious, hrsg. von Rudolf Buchner (Ausgewählte Quellen zur deutschen Geschichte des Mittelalters, Band IV b), Darmstadt 1968, Seite 71.]. Der Papst war über die ihm - vermutlich von Bonifatius selbst - berichtete Standhaftigkeit der von ihm angeschriebenen viri magnifici in ihrem erst vor kurzer Zeit erworbenen christlichen Glauben sehr erfreut und empfahl ihnen und allen christlichen Thüringern den Bischof Bonifatius, der sich zu diesem Zeitpunkt an der Kurie aufgehalten hat. Der Name Gundhareus (= Gunther) aus dem päpstlichen Schreiben trat später in der Form Günther bis ins 20. Jahrhundert als Leitname im Hause SCHWARZBURG auf, während er beim übrigen thüringischen Adel kaum festzustellen ist. Nach der Forschung zeigt der Name jedoch keine thüringisch-anglische Herkunft, sondern eine burgundische Komponente [3 Vgl. dazu Wenskus, R.: Sächischer Stammesadel und fränkischer Reichsadel, Göttingen, 1976, Seite 506; dazu vgl. auch Geschichte Thüringens (wie Anm. 1) Seite 147.], was in gleicher Weise auch für den 722 neben ihm genannten Wilareus (= Willeher) gilt.

Patze, Hans/Schlesinger, Walter: Seite 147-149
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"Geschichte Thüringens"

4. DIE GRAFEN VON SCHWARZBURG-KÄFERNBURG

Wahrscheinlich sind die Grafen von Schwarzburg das älteste edelfreie Geschlecht Thüringens. Für die schon früher ausgesprochene Vermutung (Erichsen), daß die Familie bis ins 8. Jahrhundert zurückreicht, lassen sich gute Gründe beibringen. Eine zusammenhängende Genealogie setzt freilich erst im 11. Jahrhundert ein.
In dem von Papst Gregor II. 722 an Bonifatius gerichteten Brief werden die einheimischen Adligen Asulf, Godolaus, Wilar, Gundar und Alvold genannt. Günther begegnet als Leitname der SCHWARZBURGER. Von den fünf Namen läßt sich weiter Alvold aufgreifen. Nach Otloh von St. Emmeram (11. Jahrhundert) stattet Albold die von Bonifatius gestiftete Zelle Ohrdruf aus, für die der Grundherr Hugo Grund und Boden zur Verfügung gestellt hatte. Merkwürdigerweise taucht im Raum Ohrdruf im Namen der Wüstung Asolveroth, die zur Ausstattung des schwarzburgischen Hausklosters Georgenthal (1143) gehörte (siehe oben Seite 12), auch der Name Asolv aus der Gruppe von 722 wieder auf. Unter den Grafen, die 802 in Erfurt ihre Eigenkirche in Kölleda dem Kloster Hersfeld übertrugen, befanden sich zwei Günther und ein Asulf. Man darf annehmen, daß es sich bei den an der Schenkung von 802 beteiligten Personen sämtlich um Agnaten oder Cognaten handelte. Zu den Leitnamen und dem alten Hausgut im Raum Ohrdruf-Georgenthal tritt als weiteres Beweisglied für den Zusammenhang dieser Edelfreien des 8. und 9. Jahrhunderts mit den späteren SCHWARZBURGERN die 802 in eben jener Schenkung der Eigenkirche in Kölleda sichtbare Verbindung mit Hersfeld. 1006 übertrug - wieder - ein Günther (nobilis homo) Eigengüter in Thüringen, Günserode, Ichtershausen und an anderen Orten dem Wigbert-Altar in Göllingen, das nahe dem genannten Kölleda liegt; dafür erwarb er die Vogtei über hersfeldische Güter unter anderem in Ohrdruf, Wechmar, Emleben, Schwabhausen (alles im Raum Ohrdruf-Gotha). Die zweite wichtige Position der späteren SCHWARZBURGER, Arnstadt, war hersfeldischen Lehen (über Heden und Arnstadt vgl. Band I Seite 339.)
Diese Beobachtungen legen den Schluß nahe, daß die späteren SCHWARZBURGER seit dem Anfang des 8. Jahrhunderts als fremde, wohl fränkische Grafen (802) in Thüringen geboten haben. Der Leitname Günther ist, wie R. Wenskus vermutet, nicht thüringisch-anglischer Herkunft.
Die Genealogie bleibt auch im hohen Mittelalter zunächst noch unsicher. Als SCHWARZBURGER sind auf Grund der Namen mit einiger Sicherheit der Eremit Günther, der bei Niederaltaich die Zelle Rinchnach im Böhmerwald gründete, und sein 1106 [Schreibfehler für 1006.] als verstorben bezeichneter Bruder zu betrachten.
 
 
 

Literatur:
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Eberl Immo: Die frühe Geschichte des Hauses Schwarzburg und die Ausbildung seiner Territorialherrschaft. in: THÜRINGEN IM MITTELALTER. DIE SCHWARZBURGER. Beiträge zur schwarzburgischen Kunst- und Kulturgeschichte Band 3. Thüringer Landesmuseum Heidecksburg Rudolstadt Seite 80 - Patze, Hans/Schlesinger, Walter: Geschichte Thüringens, Böhlau Verlag Köln/Graz 1967 Seite 147 -