Ältester Sohn des Herzogs
Kasimir I. der Erneuerer von Polen aus dem Hause der PIASTEN
und der Dobrognewa
von Kiew, Tochter von Großfürst
Wladimir I.
Lexikon des Mittelalters: Band II Spalte 364
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Boleslaw II., Smialy (der Kühne), Fürst von
Polen seit 1058
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Polen seit 1076
* um 1042, + 2./3. April 1081/82
Eltern:
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Fürst Kazimierz I. Odnowiciel (Erneuerer) von Polen
(+ 19. März 1058) und Dobroniega, Tochter des Großfürsten
Vladimir von Kiev
Brüder:
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Wladyslaw I. Hermann, Fürst von Polen seit 1081/82
(+ 4. Juni 1102)
Mieszko (+ 1065)
Otto (* 1048)
oo vor 1069 ruthenische Prinzessin
Sohn:
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Mieszko (* 1069, + 1089)
Die Politik des Vaters weiterführend, konzentrierte sich Boleslaw II. auf die Aufgaben des innere Aufbaus des Staates, insbesondere im wirtschaftlichen und kirchlichen Bereich: vor allem hat Boleslaw II. ein Netz von Märkten angelegt, die Münzprägung gefördert, die Benektinerabteien Tyniec bei Krakau und Mogilno in Kujawien entweder gegründet bzw. großzügig ausgestattet. Boleslaw II. mußte aber vom Beginn seiner Regierung an auf die politischen Schwierigkeiten seiner Verwandten Rücksicht nehmen: 1060 intervenierte er in Ungarn zugunsten seines Onkels Béla I., 1063 kam er seinem Vetter Géza I. zu Hilfe, 1077 trat er für seinen Vetter Ladislaus I. von Ungarn ein, und 1069 und 1077 verhalf er seinem Onkel, dem Großfürsten Izjaslav von Kiev zur Rückgewinnung seines Throns. Die guten Beziehungen Boleslaws zu Herzog Vratislav I. von Böhmen, der seit 1062/63 mit Boleslaws Schwester Swietoslawa (Svatava) vermählt war, verschlechterten sich aus unbekannten Gründen um 1070. Der deutsche König Heinrich IV. forderte eine Beendigung der gegenseitigen Raubzüge. Als Boleslaw 1072 gegen diese königlichen Weisung verstieß, wurde ein großer Feldzug gegen Polen vorbereitet, was von der sächsischen Opposition als ein Täuschungsmanöver verstanden wurde und zum Sachsenaufstand von 1073 beitrug. Boleslaw II. nutzte die neue Situation: Er verweigerte den Tribut sowohl dem deutschen König als auch dem böhmischen Herzog. Spätestens nach der römischen Fastensynode vom Februar 1075 wandte sich Boleslaw an Papst Gregor VII., der im April des Jahres seine Legaten nach Polen schickte, um die kirchlichen Verhältnisse zu ordnen und insbesondere um die Gnesener Metropolitanrechte wiederherzustellen. Die politischen Fragen wurden im päpstlichen Schreiben nicht berücksichtigt; sie gehörten offensichtlich zu den mündlichen Aufträgen, die der Papst den Legaten mitgegeben hatte. Unbekannt sind die Bedingungen, unter welchen die Krönung Boleslaws zum König von Polen 1076 vollzogen wurde. Sollte Gregor VII. in Einklang mit den Grundsätzen seiner Lehnspolitik die Absicht gehabt haben, Polen in ein Lehnsverhältnis zum Hl. Stuhl zu bringen, so ist er über bloße Ansprüche nicht hinausgekommen. Man kann dagegen vermuten, daß sich Boleslaw bereit erklärte, den Peterspfennig einzuführen, und daß eben er ihn auch tatsächl. eingeführt hat. Da es sich aber bei dem Peterspfennig um eine Herdsteuer handelte, die von der Bevölkerung bezahlt wurde, konnte seine Erhebung nicht zu einer engeren Bindung des polnischen Königtums an das Papsttum führen. Boleslaws militärische Interventionen 1077 in der Kiever Rus' und in Ungarn zeigten, wie mächtig das neue Königtum war. Die autoritären Züge in Boleslaws Regierung verschärften sich nach der Krönung, wohl in Überschätzung seiner Königswürde. Zu einem offenen Konflikt zwischen Boleslaw und der Adelsopposition kam es spätestens um die Wende 1078/79. Als Boleslaw den Bischof Stanislaw von Krakau als angeblichen Verräter verstümmeln ließ (»truncacioni membrorum adhibuit«, † 11. April 1079), brach der Aufstand aus: Boleslaw mußte schließlich (wohl erst 1081/82) aus dem Lande fliehen und bat Ladislaus I. von Ungarn um Hilfe. Boleslaws rascher Tod nährte das Gerücht von seiner Vergiftung. Spätestens im 14. Jh. entstand die Sage, daß Boleslaw damals nicht gestorben sei, sondern in einem Kloster (in Ossiach/Kärnten oder in Wilten/Tirol) als unbekannter Laienbruder seine Tat gesühnt habe.
S. Trawkowski
BOLESLAW II. "DER KÜHNE"
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* um 1042, + 1081
Boleslaw II. der Kühne war martialisch, barbarisch, hemmungslos hedonistisch. Er griff in die böhmischen und ungarischen Thronkriege ein, verweigerte Tribute für Schlesien und stützte den ungarischen Cousin Ladislaus I., dem er Asyl gab. Er gewann Tscherwenien zurück und besetzte 1076 sogar Kiew, wo er wild hauste. Er ging brutal gegen die Kmeten (Leibeigenen) vor, schüttelte die deutsche Oberhoheit ab und ließ sich 1076 mit päpstlicher Zustimmung zum König krönen. Er unterwarf die Preußen wieder und gründete das Bistum Plozk. Er geriet aus macht- und kirchenpolitischen Gründen mit Bischof Stanislaus Sczepowski in Streit, der ihn bannte und den deshalb Boleslaw ermorden ließ. 1079 wurde er durch Kirche und Adel, deren Macht damit erstmals klar hervortrat, verjagt, was eine Schwächung der Monarchie auf Dauer zur Folge hatte. Er floh nach Ungarn und starb in einem Kloster in Kärnten eventuell wahnsinnig.
oo N.N. (?WZESLAWA VON KIEW)
Tochter des Großfürsten Swjatoslaw II. von
Kiew
Ähnlich ungünstig für das Reich verlief
die Entwicklung in Polen. Der Herzog Boleslaw
II. hatte sich bereits seit dem Beginn der siebziger Jahre aus
der Abhängigkeit vom Reich zu lösen begonnen; am Weihnachtsfest
1076 nahm er den Königstitel an und ließ sich nach einer
Selbstkrönung von seinen Bischöfen die Weihe erteilen - für
Lampert von Hersfeld eine unverschämte Anmaßung, die den Prestigeverlust
des deutschen Reiches im Osten nicht eindringlicher hätte dokumentieren
können.
oo Wzeslawa von Kiew, Tochter des Großfürsten
Swjatoslaw II.
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Kinder:
Mieszko Erb-Prinz
1069- 1089 ermordet
Literatur:
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Annalista Saxo:
Reichschronik. Seite 56 - Boshof, Egon: Die Salier. Verlag W.
Kohlhammer Stuttgart Berlin Köln 1987, Seite 230 - Lampert
von Hersfeld: Annales/Annalen. Wissenschaftliche Buchgemeinschaft Darmstadt
2000 Seite 152,394 - Palacky Franz: Geschichte von Böhmen 1842
-
Rhode Gotthold: Kleine Geschichte
Polens. Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt 1965 Seite 21-26,34,35,37,39
- Sanders A.: Osteuropa in kontinentaleuropäischer Schau. Hoheneichen-Verlag
München 1944 Seite 79 - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische
Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band II, Teilband 2 Europäische
Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser II Nord-, Ost- und Südeuropa,
R.G. Fischer Verlag 1994 Tafel 333 -