Otakar II.                                                 Markgraf der Steiermark (1082-1122)
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    -28.11.1122
 

Jüngerer Sohn des Markgrafen Otakar I. von Steiermark und der Willibirg von Kärnten, Tochter von Herzog Adalbero
 

GENEALOGISCHE TAFELN ZUR MITTELEUROPÄISCHEN GESCHICHTE
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Dr. Wilhelm Wegener: Seite 86
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10. Otakar II. (VII.)

F. s. 9 zu c 1075;
seit 1082 als Markgraf bezeugt;
1094 16/12 Vornbach Graf Ekbert I. stiftet bei seiner Burg Vornbach ein Benediktinerkloster, Spitzenzeuge Otachar marchio, Dietricus comes de Fornbach OÖ UB 1, 626 f. n 1
c 1110 (Otachar) marchio spricht iusto iudicio Lambach Hörige zu, die das Hochstift Würzburg dem Kloster bestreitet; in eodem iudicio werden Lambach weitere Hörige bestätigt; die ersten 4 Zeugen sind nobiles OÖ UB 2, 126 n 89 (auf der Rückseite seiner Urkunde).
1112 16/7 Mainz Kaiser HEINRICH V. urkundet für das Kloster St. Georgen im Schwarzwald auf Intervention quorundam nostri regni principum sc. Liupoldi, Odalchori et Hermanni de Badun marchionum Stumpf 3088
+ 1122 Otachir marchio obiit, qui fratrem habuit Alberonem, cuius comitatus erat ab Enswald usque ad Geizaerwald Annales s. Rudberti SS 9, 776
Tag 27/11 Melk (1140/43) Otakchar marchio
28/11 St. Andreas: Otachar marchio Necr. 5, 558, 362.
Gemahlinnen
1.)  N.N., Tochter des Markgrafen Gottfried von Wels-Lambach,
2.) Elisabeth, Tochter des Markgrafen Liutpold II. von Österreich, + 9/10.
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GENEALOGISCHES HANDBUCH ZUR BAIRISCH-ÖSTERREICHISCHEN GESCHICHTE
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Prof. Dr. Otto Dungern: Seite 63
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16. Otakar II.

Seit 1082 als marchio bezeugt (OÖ.UB. II., S. 116: Falsifikat, vgl. Strnadt, Arch. ö. G. 94, S. 565, doch das Jahr unverdächtig), so bei Kaiser HEINRICH V. (Meiller Bab. Reg., S. 12, n.8; Strnadt, Arch. ö. G. 94, S. 570 ff. dagegen; Uhlirz, Gött. Gel. Anz. 1909, S. 720 ff. dafür), daher alle Kombinationen Strnadts gänzlich haltlos - leider nahm sie auch Jaksch in seine Geschichte Kärntens auf. Reformator Garstens (Pez SS. Austr. II, c. 88 ff.)
seit 1117 Vogt Nonnbergs (Salzb. UB. II, n. 119). Vgl. noch MG. Chroniken III. 706.
Gattin: Elisabeth, Tochter Markgraf Leopolds II. von Österreich, + 10.X. (Krones, Arch. ö. G. 84, S. 193, A. 1.)
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Lexikon des Mittelalters: Band VI Seite 1555
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OTAKARE
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Im Investiturstreit kam es zum Bruderkampf: Adalbero (+ vor 1082) war kaiserlich, Otakar II. (1082-1122; oo Elisabeth, Schwester Markgraf Leopolds III. von Österreich) gregorianisch. Otakar II. gründete um 1082 das Kollegiatstift Garsten (seit ca. 1108 Benediktiner), übernahm die Mitgift seiner Frau im (nieder)österreichischen Traisen- und Gölsental und schützte Erzbischof Konrad I. von Salzburg vor dem kaisertreuen Kärntner Adel.
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Andres Thiele:
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"Erzählende Stammtafeln"

Otakar II. folgte 1082 seinem ermordeten Bruder Adalbert und war Vogt von Garsten, das er gründete, und seit 1117 Vogt von Nonnberg. Er fiel vom Kaiser ab, wurde daher bis 1090 abgesetzt und war danach eine treue kaiserliche Hilfe. Er ging 1105 im Thronkrieg zu HEINRICH V. über und stritt ständig mit geistlichen Gewalten und Nachbarn.
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Karl Lechner: Seite 115,127,338 A 28
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"Die Babenberger"

Um 1090 war es Markgraf Leopold II. gelungen, seine älteste Tochter Elisabeth mit Markgraf Otakar II. der Karantanischen Mark (Steiermark) zu vermählen. Dieser war seinem Bruder Adalbero im Jahre 1082 als Markgraf gefolgt und starb 1122. Aus dieser Ehe gingen die nächsten 3 Generationen der Traungauer Markgrafen der Steiermark hervor. So wurde jene Verbindung angeknüpft, die 100 Jahre später, 1192, das Erbe der Steiermark bringen sollte.
Im übrigen hat sich Markgraf Leopold III. im Jahre 1102 auch an der durch seinen Schwager Markgraf Otakar der Steiermark erfolgten  Umwandlung des weltlichen Chorherrenstiftes Garsten (bei Steyr) in ein Benediktinerkloster beteiligt.
Nach dem sogenannten "Landbuch von Österreich und Steier" (ca. 1240/45) hätte Markgraf Leopold zur Ausstattung seiner Tochter dem Markgrafen Otakar eine Reihe von Eigengütern gegeben, darunter Wilhelmsburg und Herzogenburg an der Traisen, Rappoltenkirchen und Gumpoldskirchen. Dem widerspricht, dass die meisten der genannten Orte in der 2. Hälfte des 11. Jahrhunderts noch nicht in den Händen der BABENBERGER waren und das "Landbuch" die grundsätzliche Tendenz hat, später an den Landesfürsten gekommenes Gut als ursprünglich babenbergisch hinzustellen, das erst als Heirats- und Ausstattungsgut babenbergischer Töchter an andere hochedle Herren gekommen sei! Übrigens hat Otakar schon 1083 Gut in Wilhelmsburg an seine Gründung Garsten gegeben. Der Name Elisabeth, der dem Hause der BABENBERGER fremd war, dürfte durch die Verwandtschaft der Mutter Itha in das Geschlecht gekommen sei. Tyroller, Genealogie, setzte die Heirat "kaum viel früher als ca. 1100" an. Er nimmt an, dass Markgraf Otakar schon vorher ein 1. Mal in kinderloser Ehe mit einer (unbekannten) Tochter des Markgrafen Gottfried von Wels-Lambach verheiratet war, welchem Umstand die Traungauer die Nachfolge in der Karantanischen Mark verdankten - und nicht die FORMBACHER, von denen Graf Ekbert nachweislich mit Mathilde, der bekannten Tochter Markgraf Gottfrieds verheiratet war. Diese Kombination enthält allerdings zu viele Unbekannte. Helleiner, Gölsental, setzt die Hochzeit Otakar-Elisabeth schon zu ca. 1080, vermutlich wegen der schon 1083 erfolgten Übergabe Wilhelmsburg an Garsten.
 
GENEALOGISCHE TAFELN ZUR MITTELEUROPÄISCHEN GESCHICHTE
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Dr. Wilhelm Wegener: Seite 87-88
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Bemerkungen zu den Ehen Otakars II.
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Dass Elisabeth, eine Tochter Liutpolds II. von Österreich, Otakars II. Gemahlin war, ist eine bekannte Tatsache. Dabei ist aber folgendes zu beachten. Liutpold folgte auf seinen Vater Ernst 1075, also fast zur selben Zeit wie die Brüder Adalbero und Otachar auf ihren Vater, das heißt Liutpolds Tochter Elisabeth lebte eine Generation später als ihr Gatte, der allerdings ein hohes Lebensalter erreichte. Die Heirat wird kaum früher als c 1100 geschlossen worden sein. Das bedeutet aber mit Sicherheit, dass Otakar II. zuvor in kinderloser Ehe vermählt gewesen sein muss. Wer war die 1. Gemahlin? Als Graf Ekbert I. das Kloster Vornbach gründete, war Otakar II. 1. Zeuge und verdrängte als solcher Ekberts Vetter Dietrich. Otakar hatte in Vornbach keine obrigkeitliche Funktion, den Ehrenplatz muss er Familienbanden verdanken. Es kommt hinzu, dass wir zu erklären haben, warum die OTAKARE nach den Grafen von Wels und Lambach mit der Kärntner Mark belehnt wurden. Die LAMBACHER waren als Markgrafen nicht abgesetzt worden, sondern ausgestorben. Nach dem Rechtsbrauch hatten die nächsten Verwandten Erbansprüche, und wir können uns nicht denken, warum sie in diesem Fall unberücksichtigt geblieben sein sollten. Es taucht da die Frage auf, warum nicht Ekbert I. von Formbach als Schwiegersohn des Markgrafen Gottfried (+ 1050) die Mark erlangt hat. Alle solche Fragen lassen sich glatt beantworten, wenn man annimmt, dass Otakar II. mit einer dem Namen nach unbekannten älteren Tochter des Markgrafen Gottfried verheiratet war.
Man muss sich dabei vergegenwärtigen, dass zwar Gottfried ein plötzliches gewaltsames Ende genommen hatte, dass ihn aber sein Vater Arnold II. offenbar um einige Jahre überlebte und dass nach dessen Tode die Obsorge für die Nachkommen und das Vermögen Gottfrieds dessen Bruder Bischof Adalbero von Würzburg (seit 1045) anheim fiel, also in besten Händen war. Die Töchter Gottfrieds standen bei seinem Tode im zartesten Kindesalter. Nach des Großvaters Tod musste es des Bischofs Aufgabe sein, für die Zukunft seiner Nichten auch in den Falle seines eigenen Todes zu sorgen. Das geschah am zweckmäßigsten durch eine frühzeitige Verlobung der älteren beiden Erbinnen, da die Familie des Bräutigams das lebhafteste Interesse an dem Wohlergehen der Braut haben musste. So kam es zu einem Vertrag zwischen Bischof Adalbero und dem Grafen Otakar VI., durch den die Verlobung der älteren Nichte mit einem der beiden Söhne Otakars und der Übergang der Hälfte des Gottfriedischen Erbes an diesen ausbedungen und Otakar selbst als Vormund der Verlobten aufgestellt wurde. Erst durch die Auswirkungen dieses Vertrages kamen die OTAKARE zu Besitz und Ansehen im Traungau, was besonders für die dortige Grafschaft (s. 10 zu c 1110) von Bedeutung war, und erst dadurch konnte Otakar VI. in seiner Eigenschaft als Vormund seiner Söhne mit der Markgrafschaft in der Kärntner Mark belehnt werden.
Wenn ich somit annehme, dass in dem Vertrag offengelassen wurde, welcher der beiden Söhne Otakars die Braut heimführen sollte, so tue ich es mit vollem Bedacht, weil wir auch noch das ungewöhnliche Verhältnis zwischen den Brüdern Adalbero und Otakar II. (VII.) zu klären haben. Adalbero war ohne Zweifel der Ältere und folgte deswegen dem Vater unmittelbar in der Markgrafschaft. Dass er im Investiturstreit für HEINRICH IV. Partei nahm, ist bei seiner nahen Verwandtschaft mit den königlich gesinnten EPPENSTEINERN nicht zu verwundern. Er war nicht starrsinnig und leistet dem Salzburger Erzbischof willig Sühne. Er tat aber mehr, indem er auf die Markgrafschaft zugunsten seines jüngeren Bruders verzichtete und sich mit der Grafschaft im oberen Ennstal begnügte. Dieses Ergebnis hätte sein Bruder kaum mit Gewalt erreichen können, da Kärnten stets treu zu HEINRICH IV. hielt und die päpstlich gesinnten Markgrafen von Österreich die meiste Zeit froh sein mussten, sich selbst in ihrem Land zu behaupten, daher kaum in der Lage waren, Otakar gegen seinen Bruder zu unterstützen. Otakar ist offenbar ganz friedlich in den Besitz der Markgrafschaft gekommen und wird auch 1112 als Inhaber derselben von HEINRICH IV. zu den Reichsfürsten gezählt. Grund für die Nachgiebigkeit Adalberos war, dass schließlich sein lebenstüchtiger Bruder die Braut heimführte und dadurch Erbe der Gottfriedischen Allode und der Markgrafschaft wurde. Doch blieb die Erhaltung des Gewonnenen durch die Kinderlosigkeit der Ehe gefährdet. Rechtlich musste das Erheiratete an die Verwandten der kinderlosen Gattin nach deren Tod heimfallen. Doch war üblich, durch besonders Abkommen dem überlebenden Gatten die lebenslängliche Nutznießung zu gewähren. Daher der enge Anschluss Otakars II. an seinen Schwager Ekbert I. von Formbach, der aus seiner 2. Ehe mit Mathilde, der jüngeren Tochter des Markgrafen Gottfried, Nachkommenschaft hatte. Es ist auch nicht zu bezweifeln, dass ihm die FORMBACHER Verwandtschaft das gewünschte Zugeständnis machten. Aber es bedeutete für sie den völligen Verlust der anderen Hälfte der Gottfriedischen Güter. Otakar II. wurde sehr alt. Er überlebte seinen Schwager Ekbert und gewann durch seine 2. Heirat an den Markgrafen von Österreich einen mächtigen Rückhalt. Die Familie blieb 1122 in dem Besitz des vor 70 Jahren Erworbenen. Dagegen wurde Ekberts I. gleichnamiger Sohn durch Vermählung mit einer ihm nicht blutsverwandten Tochter Otakars II. aus seiner 2. Ehe wieder in das Familieninteresse gezogen und wohl auch materiell entschädigt. Willibirg, seine Gattin, ist nirgends ausdrücklich als Tochter Otakars II. beglaubigt, sie gilt aber allgemein mit Recht als solche.
 
 
 
 

  1. oo NN von Wels-Lambach, Tochter von Markgraf Gottfried
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    1090
  2. oo Elisabeth von Österreich, älteste Tochter des Markgrafen Leopold II.
                 -10.10.1105
 
 
 
 

Kinder:
2. Ehe

  Leopold I. der Tapfere
         -24.10.1129
 
  Kunigunde
        -28.7.1161
 
  oo Bernhard Graf von Sponheim-Marburg
             -16.11.1147
 
  Willibirg
       -18.1.1145
 
  oo Ekbert II. Graf von Formbach-Pitten
            -24.11.1144