OTAKARE
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EUROPÄISCHE STAMMTAFELN NEUE FOLGE BAND III TEILBAND 1 TAFEL 27
 

Lexikon des Mittelalters: Band VI Seite 1555
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OTAKARE
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Steierische ('Traungauer'), seit der Mitte des 10. Jh. im Chiemgau als Grafen bezeugt (unmittelbare Verbindung zu den 'älteren' OTAKAREN der KAROLINGER-Zeit nicht herstellbar. Ende des 10. Jh. erscheint Graf Otakar (Oci) als Gewaltbote in Kärnten und in der Mark Verona; um 1024 gründete er Kloster Ossiach. Sein Sohn Ozinus schuf im friulanischen Naun den Sitz der Herren von Cordenons. Otakar ([I.]; oo Willibirg von Eppenstein, 1048 noch Graf im Chiemgau, Herr über den Traungau, wurde nach Aussterben der Grafen von Wels-Lambach mit der im bayerischen Stammesverband gelegenen Kärntner Mark belehnt. Im Investiturstreit kam es zum Bruderkampf: Adalbero (+ vor 1082) war kaiserlich, Otakar II. (1082-1122; oo Elisabeth, Schwester Markgraf Leopolds III. von Österreich) gregorianisch. Otakar II. gründete um 1082 das Kollegiatstift Garsten (seit ca. 1108 Benediktiner), übernahm die Mitgift seiner Frau im (nieder)österreichischen Traisen- und Gölsental und schützte Erzbischof Konrad I. von Salzburg vor dem kaisertreuen Kärntner Adel. Markgraf Leopold I. der Starke übernahm 1122 das Erbe der EPPENSTEINER, gründete 1129 das Zisterzienserkloster Rein und war 1123 Mitbegründer des Benediktinerklosters Gleink. Seine Pfalzen waren zu Grauscharn/Pürgg und Hartberg. Unter Otakar III. (1129-1164) war der durch Erbfälle stark vergrößerte Herrschaftsbereich zu einem Land im Rechtssinn geworden, das im Norden über die Donau und im Süden vereinzelt über die Save reichte. Im Osten und Nordosten bildeten die Flüsse Lafnitz und Piesting die Grenze. Unter Otakar IV. (I.) wurde die Landesherrschaft reichsrechtlich anerkannt und die Steiermark zum Herzogtum erhoben, das aufgrund der Vertrages von Georgenberg 1192 an die BABENBERGER gelangte. Die OTAKARE stützten sich anfangs auf die Herrschaft Steyr um Traungau und auf das spätere Salzkammergut; durch ihre Ministerialen beherrschten sie weite Teile des heutigen Ober-Österreich. Diese Dienstmannen wurden in Zusammenhang mit der politischen Schwerpunktverlagerung zum Teil vom Traungau in die Mark versetzt, mit Rodungsland begabt und zum grenzsichernden Burgenbau gegen Ungarn verpflichtet. Seit der 1. Hälfte des 12. Jh. waren die OTAKARE auch in Kärnten, Krain und Friaul begütert und besaßen die Vogtei über zahlreiche Klöster in der Mark, in Kärnten und im heutigen Ober-Österreich. Ihre Münzstätten lagen in Enns (vor 1303?), Neunkirchen (1136/41) und (Bad) Fischau.

Literatur:
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F. Posch, Die Entstehung des steir. Landesfsm.s, MIÖG 59, 1951, 109ff. - Das Werden der Steiermark, hg. G. Peerschy, 1980 - 800 Jahre Steiermark und Österreich 1192-1992, hg. O. Pickel, 1992.
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Werner Trillmich:  Seite 106
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"Kaiser Konrad II. und seine Zeit"

Aus dem Chiem- und Isengau stammen die OTAKARE, die in Salzkammergut, Traungau und Steiermark Grafenrechte und Grundherrschaften erwarben, um sie durch Kolonisation auszugestalten. In der Nähe ihrer Burg Steyr und Enns lag das Hauskloster Garsten. Die Nonnenabtei Traunkirchen beruht ebenfalls auf ihrer Stiftung. Die Bistümer Passau, Salzburg und Bamberg, die Klöster Kremsmünster und Lambach übertrugen ihnen Kirchenlehen und Vogteien. Als Kolonisatoren rivalisierten sie mit den EPPENSTEINERN.