Ekkehard                                                 Abt von Reichenau (1072-1088)
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um 1040-24.11.1088
              Kloster Reichenau
 

Jüngerer Sohn des Grafen Eberhard der Selige von Nellenburg und der Ita
 

GENEALOGISCHES HANDBUCH DER SCHWEIZER GESCHICHTE Band IV
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Hans Kläui: Seite 191
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21. Ekkehard
Geboren um 1035/40, + 1088 Nov. 24.

Nach der Wahl durch die Mönche und auf Bitte seines Vaters Eberhard von Nellenburg vom Kaiser als Abt der Reichenau eingesetzt (1071/72). Erneuert Mark und Münze zu Allenspach am Bodensee. Konflikt mit Bischof Otto von Konstanz, dem 1075 Mrz. 13. Aussöhnung mit Abt Ekkehard befohlen wird. Nach Ausbruch des Investiturstreites steht er als Angehöriger der päpstlichen Partei im Krieg mit Abt Ulrich III. von St. Gallen (1079); weitere Kämpfe Abt Ekkehards und Herzog Bertholds von Zähringen gegen die bischöflich-konstanzischen und st. gallischen Streitkräfte (1084).
1086 Apr. 1. anwesend, als Bischof Gebhart III. von Konstanz (ein ZÄHRINGER) auf einer Diözesansynode die Stiftung und Bewidmung des Klosters Sankt Georgen im Schwarzwald bestätigte. Stirbt 1088 Nov. 24.
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Kurt Hils: Seite 105,106
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"Grafen von Nellenburg"

In freier Wahl ernannten darauf die Reichenauer Mönche einen Abt aus ihrer Mitte, und zwar den Mönch Ekkehard, den Sohn Eberhards von Nellenburg und Bruder Burkhards und des Erzbischofs Udo von Trier. Im Frühjahr des nächsten Jahres, 1073, zog Ekkehard nach Rom und ließ sich nach Ostern in einer der ersten Amtshandlungen des gerade gewählten Papstes Gregor VII. zum Abt weihen. In dem Brief Gregors an Ekkehard vom 8. Mai 1074 schreibt der Papst, dass er ihn vor seiner Weihe sorgfältig geprüft habe. Man kann herauslesen, dass sich Ekkehard als Vertreter der extremsten kirchlichen Anschauungen bekannt hat. Zunächst mußte der neue Abt für die Wiederherstellung des Klosterbesitzes sorgen. Vom Jahr 1077 an steht Ekkehard eindeutig auf der Seite des Papstes und der süddeutschen Fürstenopposition. Zu einer kriegerischen Auseinandersetzung gegen St. Gallen ließ sich Ekkehard aber erst hinreißen, als HEINRICH IV. noch 1077 für St. Gallen Ulrich von Eppenstein zum Abt ernannte, der ein Bruder des Herzogs von Kärnten war. Die Kämpfe, die sich in den folgenden Jahren rings um den Bodensee abspielten, sind in erster Linie Auseinandersetzungen zwischen dem Reichenauer Abt Ekkehard, der den Abt des Gegenkönigs, Lütold, in St. Gallen einsetzen wollte, und Ulrich III. von St. Gallen, der die Angriffe zurückschlug und schließlich von HEINRICH IV. zum Abt von Reichenau ernannt wurde. In diesen Kriegen wurde Ekkehard hauptsächlich von den ZÄHRINGERN tatkräftig unterstützt, die wegen des Verlustes des Herzogtums Kärnten mit den EPPENSTEINERN verfeindet waren.
Auf der Reise nach Rom zur Fastensynode des Jahres 1079 wurde Ekkehard bei Borgo Donnino (zwischen Piacenza und Parma) von Soldaten des Bischofs Eberhard von Parma gefangen und in Gewahrsam gehalten. Erst auf das energische Einschreiten Gregors VII. wurde Ekkehard nach längerer Gefangenschaft unter Zahlung eines Lösegeldes wieder freigelassen.
In der Folgezeit bekämpfte er das Kloster St. Gallen mit beinahe pathologischem Haß und im 4. Anmarsch gelang ihm 1081 dessen Unterwerfung.
In den Quellen wird Ekkehard noch 1088 anläßlich der Neubesetzung des Augsburger Bischofsstuhles erwähnt. Augsburg war durch die Feinde des Kaisers eingenommen und Bischof Siegfried gefangengenommen worden. Als Gegenbischof wurde nach Wigolts ein Werner erhoben, den jedoch auf dem Weg nach Augsburg der Tod ereilte. Daraufhin erhielt Ekkehard von Reichenau dieses Bischofsamt übertragen, doch erkrankte auch er auf der Reise nach Augsburg und mußte in sein Kloster zurückkehren, wo er am 24. November 1088 starb.
Ekkehard ist der 2. Angehörige der Nellenburger Familie neben Burkhard, der kompromißlos und mit vollem Einsatz für die Sache des Papstes eingetreten war.
 
 
 
 

Literatur:
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Hils, Kurt: Die Grafen von Nellenburg im 11. Jahrhundert. Ihre Stellung zum Adel, zum Reich und zur Kirche, Eberhard Albert Verlag Freiburg 1967, Seite 16,27,38,58, 69,82,91,102,105-112,119,127 -