Adalbero                                                   Herzog von Kärnten (1011-1035)
------------                                                 Markgraf der Kärntener Mark
um 980-9. oder 28.11.1039                       Graf von Eppenstein
             Ebersberg                                    Graf im Ennstal

Begraben: Geisenfeld/Ilm
 

Ältester Sohn des Markgrafen Markward III. von Eppenstein und der Hadmud von Ebersberg, Tochter von Graf Adalbero
 

Lexikon des Mittelalters: Band I Seite 92
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Adalbero von Eppenstein
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     + 1039

Verheiratet mit Beatrix, einer Tochter Herzog Hermanns II. von Schwaben und durch sie mit Kaiser KONRAD II. verschwägert, besaß wie sein Vater Markward die Kärntner Mark, die Grafschaft Görz und Schutzvogtei über das Patriarchat Aquileia. Von Kaiser HEINRICH II. wurde er mit dem Herzogtum Kärnten und der Mark Verona belehnt. 1019 kämpfte Adalbero gegen KONRAD, vermutlich um das Erbe beider Gemahlinnen. Zwischen 1027 und 1028 gehörte Adalbero zur engeren Umgebung des Kaisers, der jedoch 1035Adalberos Absetzung wahrscheinlich wegen dessen selbständiger Politik gegenüber mehreren Adligen im ostbayerischen Raum und gegenüber Ungarn verfügte.Adalberos gleichnamiger Sohn war seit 1053 Bischof von Würzburg [Richtig: Bischof von Bamberg]. Sein 2. Sohn Markward nutzte den Kärntner Eigenbesitz der Familie; dessen Sohn Liutold erhielt 1077 von Kaiser HEINRICH IV. das Herzogtum Kärnten als Lehen zurück.

Literatur:
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NBI I, 40 - U. Wahnschaffe, Das Hzt. Kärnten und seine Marken im 11. Jh. [Diss. Leipzig 1878] - A. Jaksch, Gesch. Kärntens bis 1335, I, 1928 - K. E. Klaar, Die Herrschaft der Eppensteiner in Kärnten [Diss. Freiburg 1966] - L. Heidrich, Die Absetzung Hzg. A.s v. Kärnten durch Ks. Konrad II., 1035, Hjb 91, 1971, 70-94


Neue Deutsche Biographie 1 1953
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Adalbero, Herzog von Kärnten (1012-1035)
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    + 28.11.1039 Ebersberg, begraben Geisenfeld/Ilm.

Vater: Markwart III. von Eppenstein, Markgraf der Karantanischen Mark
Mutter: Hadmud von Ebersberg

oo Beatrix von Schwaben

Söhne: Markwart IV., Adalbero Bischof von Bamberg
Tochter: Wilbirg oo Markgraf Ottokar I. aus dem Hause der TRAUNGAUER

Adalbero war bereits im Jahre 1000 als Nachfolger seines Vaters, Markwarts III., Markgraf der Karantanischen Mark und wurde Anfang 1012 von HEINRICH II. unter Umgehung der Ansprüche des SALIERS Konrad der Jüngere zum Herzog von Kärnten erhoben. Seither stand er dem salischen Haus feindlich gegenüber. 1019 erlitt er bei Ulm eine Niederlage gegen Konrad den Jüngeren, der von seinem Vetter, dem späteren Kaiser KONRAD II., unterstützt wurde. Der Wahl KONRADS zum König scheint er ferngeblieben zu sein. Dann besserte sich das Verhältnis zu den SALIERN vorübergehend. 1027 fungierte er auf der Synode zu Frankfurt als Schwertträger des Kaisers. Sein Aufenthalt am Hofe ist mehrfach urkundlich belegt. Jedoch im Mai 1035 erwirkte der Kaiser aus nicht näher bekanntem Anlass gegen den Widerstand HEINRICHS III. und des Bischofs Egilbert von Freising die Absetzung und Verbannung Adalberos durch Spruch des Fürstengerichts. Kärnten kam an Konrad den Jüngeren, die Karantanische Mark an Arnold von Lambach. AdalberosVersuch, Kärnten mit kroatischer Hilfe zurückzuerobern, scheiterte; er musste sich nach Ebersberg, dem Stammsitz des Hauses seiner Mutter zurückziehen. Sein reiches Allodialgut verblieb seinem Sohne Markwart und bildete den Grundstock für den Wiederaufstieg der EPPENSTEINER.

Literatur:
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ADB I; U. Wahnschaffe, Das Herzogtum Kärnten und seine Marken im 11. Jh., 1878; H. Breßlau, Jbb d. dt. Reichs unter Konrad II., 2 Bde., 1879-1884; W. von. Giesebrecht, Geschichte der dt. Kaiserzeit 2, 1885, S. 712; A. v. Jaksch, Geschichte Kärntens I, 1928, S. 163 ff.; H. Pirchegger, Geschichte der Steiermark bis 1282, 1936, S. 126 ff.


GENEALOGISCHE TAFELN ZUR MITTELEUROPÄISCHEN GESCHICHTE
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Wegener Dr. Wilhelm: Seite 110
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6. ADALBERO I.

F. nicht erwähnt, doch ist klar, dass er nach seinem mütterlichen Großvater Adalbero benannt und Sohn von 3 war; e.V.
1000 13/4 Quedlinburg Kaiser OTTO III. schenkt auf Verwendung des Herzogs Heinrich IV. von Bayern dem Markgrafen (der Kärntner Mark) Adalbero, die sich dieser nach Belieben aussuchen kann DD 2, 785 n 355
1006 7/12 Merseburg König HEINRICH II. schenkt dem Erzbischof Hartwig von Salzburg das Gut Admont in der Grafschaft des Grafen Adalbero im Ennstal DD 3, 149 n 123
1007 10/5 Bamberg die Güter Nieder-Wölz und Lind (an der Mur bei Scheifling, Obersteiermark) liegen in Kärnten in der Grafschaft des Adalbero DD 3, 163 f. n 137
1012 Counradus dux Carantani filius Ottonis ducis ... obiit et privato filio eius puero Chounrado Adalbero ducatum accepit Herimanni Augiensis Chron SS 5, 119
1013 5/5 bei Verona Gerichtsurkunde des Herzogs Adalbero als Markgrafen von Verona Kärnt. UB 3, 97 n 224
1019 Ulm Counradus adolescens filius Counradi quondam ducis Carentani auxiliante patruele suo Counrado poatea imperatore Adalberonem tunc ducem Carentani apud Ulmam pugna victum fugavit Herimanni Aug. Chron. SS 5, 119
c 1020 (1017/27) Verzeichnis von Tegernsee entfremdeten Gütern und ihrer derzeitigen Inhaber, darunter Adalpero dux: Unholzing AG Landhut und (Dürren-)Hettenbach AG Mallersdorf Archival. Zs. nF 20 (1914), 88 ff;
1035 Juni Bamberg Kaiser KONRAD II. erkennt den Herzog Adalbero von Kärnten des Hochverrats für schuldig, entzieht ihm das Herzogtum und verurteilt ihn und seine Söhne zur Verbannung Wipo ed. Breßlau 53; 1036 (Anfang) iisdem diebus icem Adalbero Willehelmum comitem interfecit et postea in castellum Eresburgh causa latendi confugit Annales Hildesheim. SS 3, 100;
IV. 1039 (nach 4/6 Tod KONRADS II.) Adalpero dux Carintanorum fuga est clapsus de exilio, vita decessit Annal. Altah. maiores Schulausgabe 23
+ 1039 28, 29/11 Freising Dom 11. Jh. 28/11 Adalpero dux Necr. 3, 84; Bamberg Dom: 29/11 12. Jh. Albero dux de quo dantur ... Schweitzer 300.

Gemahlin:

durch sie muss die Verwandtschaft von 10 (siehe da zu 1072 25/12) mit dem salischen Hause begründet worden sein, durch die 6 das Herzogtum Kärnten erlangte. Sie muss eine Tochter des Herzogs Hermann II. von Schwaben und Schwester der Kaiserin Gisela gewesen sein; ihr Name war Beatrix:
1025 12/5 Bamberg König KONRAD II. schenkt cuidam matrone Beatrici Königshufen in Aflenz (Obersteiermark) vgl. 10 zu c 1065 DD 4, 36 f. n 34.


Thiele Andreas:
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„Erzählende genealogische Stammtafeln“

Adalbero war eine treue Stütze des Kaisers HEINRICH II., in dessen besonderer Gunst er stand. Er zog 1004 mit nach Italien und wurde nach dem Tode des Herzogs Konrad I. unter Umgehung von dessen Sohn zum Herzog von Kärnten, Markgraf von Verona mit Friaul/Krain und Trient ernannt. Da der EPPENSTEINER über eine bedeutende Machtposition im Lande verfügte, brachte er gute Voraussetzungen für eine erfolgreiche Verwaltung des Herzogtums mit. Er scheiterte 1012 mit seinen Ansprüchen in Schwaben, was später zum großen Gegensatz zum kaiserlichen Schwager KONRAD II. führte. Als er 1019, vermutlich nach dem Tode seiner Schwiegermutter Gerberga, Ansprüche auf das schwäbische Erbe erhob, wurde er von KONRAD DEM ÄLTEREN und dessen Vetter Konrad dem Jüngeren bei Ulm besiegt und endgültig aus Schwaben vertrieben. 1012 wurde Krain, 1025 die Windische Mark an der Sann ausgegliedert. 1025 wurde das erste Kloster in Kärnten St. Georgen/Längsee gegründet und Adalbero wurde dessen erster Vogt. Er blieb trotz formeller Aussöhnung erbitterter Gegner Kaiser KONRADS II. und verlor durch ihn an die in Kärnten sehr begüterten Bischöfe wichtige Positionen (unter anderem die Kontrolle über die wichtigsten Alpenpässe). Er rebellierte 1035 offen und wurde im Mai 1035 trotz Fürsprache des Kaiser-Sohnes HEINRICH auf der Bamberger Reichsversammlung in einem undurchsichtigen Prozess des Hochverrats angeklagt, des Herzogtums entsetzt und zusammen mit seinen Söhnen in die Verbannung geschickt. Er ermordete 1036 den kaiserlichen Parteigänger Markgraf Wilhelm an der Sann (Haus PLAIN), scheiterte 1038/39 mit Rückeroberungsversuchen, während Kaiser KONRAD II. in Italien weilte und starb als Geächteter.
 
 
 
 

 1019
  oo Beatrix von Schwaben, Tochter des Herzogs Hermann II.
       ca. 990/1000-12.5. nach 1025
 
 
 
 
 

Kinder:

  Markward II. Herzog von Kärnten
  1020-16.4.1076

  Adalbero Bischof von Bamberg (1053-1057)
  um 1021-14.2.1057

  Willibirg
      -21./25.1.

 1045/50
  oo Otakar I. Markgraf der Kärntner Mark
            -29.3.1075

  Tochter
        -

  oo Kuno II. Welf Graf im Sualagau
             -

oder

  oo Otto I. Graf von Dießen
             -17.1.
 
 

Literatur:
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Boshof, Egon: Die Salier. Verlag W. Kohlhammer Stuttgart Berlin Köln 1987, Seite 26,29,41,52,61,66,93,171,199 - Die Salier und das Reich, hg. Stefan Weinfurter, Jan Thorbecke Verlag 1991, Band I, Seite 31-36,44,230,232,235,239,255,258,539/Band III Seite 304,312,318,497 - Erkens, Franz-Reiner: Konrad II. Herrschaft und Reich des ersten Salierkaisers. Verlag Friedrich Puset Regensburg 1998, Seite 28,36,63,91,122,133,136,144,160 - Heidrich, Ingrid: Die Absetzung Herzog Adalberos von Kärnten durch Kaiser Konrad II. 1035, in Historischer Jahrbuch Band 91 (1971) Seite 70-94 - Hlawitschka Eduard: Untersuchungen zu den Thronwechseln der ersten Hälfte des 11. Jahrhunderts und zur Adelsgeschichte Süddeutschlands. Zugleich klärende Forschungen um „Kuno von Öhningen“, Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1987, Seite 51,57,124,169 - Klaar, Karl-Engelhard: Die Herrschaft der Eppensteiner in Kärnten, Klagenfurt 1966 Seite 83-96 - Lechner Karl: Die Babenberger. Markgrafen und Herzoge von Österreich 976-1246,Böhlau Verlag Wien-Köln-Weimar 1992, Seite 66,69,81,110,176,323 A 49,50 - Pohl Walter: Die Welt der Babenberger. Schleier, Kreuz und Schwert, hg. von Brigitta Vacha, Verlag Styria, Seite 83,93,98,123,172,233 - Trillmich Werner: Kaiser Konrad II. und seine Zeit. Europa Union Verlag Bonn 1991 Seite 169,308,310 - Weinfurter, Stefan: Heinrich II. (1002-1024) Herrscher am Ende der Zeiten, Verlag Friedrich Puset Regensburg 1999, Seite 104,113 -



Trillmich Werner: Seite 169,308,310
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"Kaiser Konrad II. und seine Zeit"

König KONRAD verzieh es Adalbero von Eppenstein nie, dass er die SALIER aus Kärnten verdrängt hatte. Als nun Konrad der Jüngere am Osterfest 1025 in Augsburg auf Entschädigung drängte, wird sich Adalbero in Sorge um seine Zukunft bayerischer Fürsprecher bei Hofe versichert haben. Jedenfalls erhielt Herzogin Beatrix, Giselas Schwester, nach freier Wahl 100 Königshufen bei Afflenz im Mürztal. Der Name ihres Gemahls wurde in der Schenkungsurkunde nicht einmal erwähnt.
Entschiedener Gegner einer risikoreichen deutschen Offensivpolitik war Egilbert von Freising, Bayerns langjähriger Regent, der gewiss mit Königin Gisela und ihrem deutschen Klerus in Verbindung stand, so dass er um die Gefahr einer heidnischen Reaktion im Donaubecken wusste. Ihm muss sich Adalbero von Kärnten anvertraut haben, der gute Beziehungen zu Kroatien und Ungarn unterhielt und durch Markgraf Eberhard von Krain unterstützt wurde. Waren doch die ihm verwandten EBERSBERGER mit Egilberts Familie, den Grafen von Moosburg, versippt. Offensichtlich übten die Gegner des Patriarchen spürbaren Druck auf die ihm ergebene Stadt Capodistria aus. Sie meinten zu Recht, nicht nur im Interesse Bayerns und Kärntens, sondern wie 1031, auch zum Nutzen des Reiches zu handeln, wenn sie Patriarch Poppo zur Mäßigung zwangen, fürchteten aber, dass KONRAD ihre Wendung gegen seinen reichskirchlichen Günstling als heimtückische Auflehnung ansehen würden. Es schien ihnen deshalb ratsam, sich rechtzeitig der Zustimmung des jungen Königs und Bayern-Herzogs zu vergewissern. Im Jahre 1031 hatte HEINRICH auf Egilberts Rat den Friedensschluss mit König Stephan durch einen persönlichen Eid bekräftigt. Nun veranlasste ihn sein kluger Berater zum zweiten Male, sich durch einen Schwur zu verpflichten, er werde niemals etwas gegen Adalberos Güter unternehmen, solange sie dem Herzog nicht durch Gerichtsurteil abgesprochen seien. Offensichtlich fürchteten Poppos Gegner also, durch ihr herausforderndes Vorgehen harte kaiserliche Strafmaßnahmen auf sich zu ziehen.
Sie sollten sich nicht getäuscht haben. Im Mai 1035 ließ KONRAD auf dem vielbesuchten Bamberger Hoftage vor dem Königsgericht ein Hochverratsverfahren gegen Adalbero eröffnen. Uns liegt nur ein indirekter, wenig sachkundiger Bericht vor, der auf Informationen aus dem Kreise des Kölner Erzbischofs beruhen dürfte. Ob eine Vorladung an den Herzog erging, ist unbekannt. Erschienen war er nicht. Allgemein munkelte man, mehr als berechtigte Vorwürfe habe der EPPENSTEINER die Abneigung und das übergroße Misstrauen seines kaiserlichen Schwagers zu fürchten, denn KONRAD verlangte unnachsichtig, dem Beklagten seine Lehen abzuerkennen. Nur zögernd erklärten sich Adalbert von Österreich und Ekkehard von Meißen bereit, als Schöffen an der Urteilsfindung mitzuwirken. König HEINRICH wünschte, unbeteiligt zu bleiben, aber das Gericht verlangte seine Zuziehung, wahrscheinlich, um sich nachdrücklich gegen spätere Vorwürfe abzusichern. Zunächst lehnte der Bayern-Herzog die Aufforderung des Vaters ab, gegen Adalbero Stellung zu nehmen. Da alles Bitten und Drohen vergeblich blieb, geriet der Kaiser über diesen unerklärlich hartnäckigen Widerstand schließlich in so heftige Erregung, dass er ohnmächtig zusammensank. Später tat er vor dem Sohne sogar einen Fußfall und bat, er möge ihm doch nicht - zur Freude seiner Feinde - die Schmach des Ungehorsams antun. Daraufhin gestand HEINRICH endlich, ihm verbiete ein Eid, etwas gegen den Oheim zu unternehmen. Weitere Nachforschungen ergaben, dass Egilbert nicht nur um die geheime Verpflichtung gewusst, sondern sie sogar veranlasst hatte. Der Bischof meinte freilich entschuldigend, sie habe nur Selbstverständliches zum Inhalt gehabt. Man sei bemüht gewesen, Adalberos offensichtlich nicht unbegründete Besorgnis vor Verdächtigungen zu zerstreuen, um ihn von Treubruch und unüberlegten Machenschaften zurückzuhalten. Nun entlud sich der Zorn des Kaisers auf den Bischof, der seine Eigenmächtigkeit und sein bisheriges Schweigen weder rechtfertigen konnte noch wollte. Mit heftigen Worten wurde er aus dem Saale verwiesen. Schließlich fällte das Gericht den verlangten Schuldspruch. Dem Verurteilten wurden Herzogtum, Marken, Grafschaften und Kirchenlehen aberkannt. Mit seinen Söhnen hatte er Kärnten zu verlassen. Nur die Allodien blieben ihm offensichtlich unangetastet erhalten. Adalbero fügte sich dem harten Urteil. Im Vertrauen auf einflussreiche Freunde und Verwandte mag er auf Eigengütern, vielleicht in der bayerischen Steiermark, abgewartet und gehofft haben, wie üblich werde es bald gelingen, den harten Spruch zu mildern oder gar aufzuheben.
In allen Hoffnungen getäuscht, suchte inzwischen Adalbero von Eppenstein an Männern, die ihn zu Fall gebracht hatten, blutige Rache zu nehmen. Wilhelm von Leitzschach-Friesach, den Herrn der Sannmark, und dessen Bruder Hartwig ließ er erschlagen. Dieser grobe Landfriedensbruch hatte zur Folge, dass er sich Asyl suchend unter den Schutz seiner bayerischen Verwandten begeben musste. Graf Adalbero von Ebersberg und dessen Bruder Eberhard von Krain, vielleicht auch Bischof Egilbert, werden dafür gesorgt haben, dass sich der Kaiser mit einer billigen Sühne zufrieden gab. Im folgenden Jahre verfügten die Söhne des Verbannten, Markward und der Kleriker Adalbero, bereits wieder unbeanstandet über Ländereien zugunsten des Frauenklosters Geisenfeld bei Pfaffenhofen, einer Gründung ihres Gastgebers. Offensichtlich waren alle Betroffenen vorsichtig darum bemüht, neue Auseinandersetzungen zu vermeiden. Die verwaiste Mark an der Sann mag unter den Einfluss Krains und damit der EBERSBERGER gekommen sein. Umfangreiche Eigengüter des ermordeten Markgrafen verwandte dessen Mutter Hemma als Letzte ihres Hauses zur Ausstattung eines Nonnenklosters in Gurk und er Abtei Admont.

Heidrich Ingrid: Seite 70-94
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"Die Absetzung Herzog Adalberos von Kärnten durch Kaiser Konrad II." in: Hjb 91 1971

Adalbero entstammt dem im Enns- und Mürztal begüterten Geschlecht der EPPENSTEINER Grafen und besitzt wie sein Vater Markward die Kärntner Mark und die Grafschaft Görz sowie die Schutzvogtei über das Patriarchat Aquileja. Verheiratet ist er mit Beatrix, die als Tochter Herzog Hermanns II. von Schwaben und damit Schwester der Mathilde, Witwe Herzog Konrads I. von Kärnten (+ 1011) und der Gisela, Gemahlin KONRADS II. gilt. Kaiser HEINRICH II. belehnt ihn nach dem Tod Herzog Konrads I. unter Umgehung von dessen unmündigen Söhnen Konrad und Bruno mit dem Herzogtum Kärnten, zu dem, wie Urkunden von 1013 und 1017 bestätigen, auch die Mark Verona gehört. 1019 wird er vom älteren Sohn seines Vorgängers, dem schon erwähnten Konrad dem Jüngeren, und dessen Vetter, dem älteren KONRAD, dem späteren Kaiser, bei Ulm besiegt. Der Kreis der Beteiligten wie der Schlachtort legen es nahe, an Auseinandersetzungen um das Allodialerbe des 1015 verstorbenen Schwaben-Herzogs Ernst I. zu denken, auf das alle drei Beteiligten für ihre Mutter beziehungsweise Gattinnen, die erwähnten Mathilde, Beatrix und Gisela Ansprüche erheben konnten. Gisela war überdies die Witwe Ernsts I. und konnte Forderungen für ihren Sohn Ernst II. stellen, für den sein Onkel Poppo von Trier die Regentschaft führte. Für Adalbero hatte die Niederlage keine aufweisbaren Folgen, wohl aber für den älteren KONRAD, dem die Fehde den Zorn Kaiser HEINRICHS II. eintrug. Bei der Königswahl KONRADS II. 1024 tritt Adalbero nicht hervor. Erst 1027/28 ist er mehrfach in der Umgebung des Kaisers nachweisbar; dann verschwindet er aus den Quellen und taucht erst 1035 im Zusammenhang mit seiner Absetzung dort wieder auf. Die Kärntner Mark erhält nach seiner Absetzung Arnold von Lambach, das Kärntner Herzogtum 1036 Konrad der Jüngere. Adalberos Versuch militärischer Auseinandersetzung bleibt ergebnislos. 1039 wohl nach dem Tod Konrads des Jüngeren und Kaiser KONRADS II. flieht Adalbero aus seinem unbekannten Exil zu seinen bayerischen Verwandten, den EBERSBERGERN, stirbt dort noch im gleichen Jahr und wird im Kloster Geisenfeld beigesetzt.
Vorsicht bei der Annahme, schon 1025 bestehe KONRADS Misstrauen gegen Adalbero, dürfte jedoch nicht zuletzt deswegen geboten sein, weil zugleich mit den Grafen Arnold und Wilhelm die matrona Beatrix, nach wohl gesicherter Annahme der Literatur Adalberos Gemahlin, Landschenkungen aus Königsgut erhält. Dem unvoreingenommenen Beobachter stellen sich die drei gleichzeitigen Schenkungen an Arnold, Wilhelm und Beatrix nicht als Begünstigung, sondern als Versuch dar, starke Adelsgeschlechter durch gleichzeitige Güterverteilung zum Ruhehalten zu bewegen. Dabei ist zu beachten, dass Beatrix die bei weitem größte Schenkung, 100 Hufen erhält; Arnold erhält 50, Wilhelm 30.
Weder für den Zug nach Rom noch für die Kaiserkrönung ist die Anwesenheit Adalberos im Hofgefolge bezeugt, was keinesfalls auffällig ist. Erst bei dem zugunsten Poppos von Aquileia endenden Gerichtsverfahren im Mai 1027 ist ein Zusammentreffen KONRADS und Adalberos nachweisbar. Dass auch dieser Urkunde nicht als Zeugnis kaiserlicher Ungnade Adalbero in der Umgebung des Kaisers bezeugt, und zwar als Schwertträger auf dem Frankfurter Konzil. Ob er ihn auf dem Rückzug von Italien begleitet und dabei der Einsetzung des Thronfolgers HEINRICH im Juni des Jahres zum Bayern-Herzog beigewohnt hat oder erst später wieder zu KONRAD gestoßen ist, muss offen bleiben. Unwahrscheinlich ist die erste Möglichkeit nicht, findet Adalbero sich doch ein Jahr später auch zur Königskrönung des jungen HEINRICH ein. Die Bedeutung der Funktion des Schwertträgers, in der Adalbero im September 1027 auftritt, ist in der Literatur umstritten. Vom April bis September 1028 ist Adalbero im Gefolge KONRADS. Zur Königskrönung HEINRICHS III. fand er sich Ostern 1028 in Aachen ein und zog dann mit KONRAD über Sachsen nach Bayern. Zweimal ist er als Intervenient, einmal als Verhandlungszeuge urkundlich nachweisbar. Diese urkundlichen Erwähnungen heben Adalbero deutlich aus dem Kreis der anderen Herzöge heraus. Die Nennung Adalberos als Verhandlungszeuge in der Magdeburger Urkunde schließlich ist von ganz erheblicher Bedeutung, denn hier wird eine rein sächsische Angelegenheit verhandelt, wie denn alle anderen identifizierbaren Verhandlungszeugen Sachsen oder Mitglieder des Königshauses sind - Verwandter des Königshauses ist ja Adalbero auch. Es ist wohl kein Zufall, dass Adalberos Name unmittelbar nach dem des Herzogs Bernhard von Sachsen und von denen der Stiefsöhne des Kaisers, Herzog Ernst und Graf Liudolf, steht. Dies sind Zeugnisse genug für die ehrenvolle Stellung, die Adalbero derzeit am Hof genoss, und sie bestätigen das zum Frankfurter Konzil gesagte. Man kann sich fragen, warum gerade Adalbero auf dem Frankfurter Konzil so hervorgehoben wurde.
Vom September 1027 bis zum September 1028 scheint Adalbero sich der vollen Gunst des Kaisers erfreut und eine Art Vorrangstellung unter den Herzögen eingenommen zu haben. Dann verschwindet er plötzlich und vollständig aus den Quellen, und sein Name begegnet erst im Zusammenhang mit seiner Absetzung wieder. Die einzige indirekte Nachricht, die wir aus diesem toten Intervall September 1028 bis Juli 1035 haben, ist die über den "Vertrag" mit dem jungen König HEINRICH, den Egilbert von Freising zwischen 1029 und 1033 vermittelt hat; wir kommen darauf zurück.
Eines aber ist bewiesen: derselbe Adalbero, der 1027/28 eine die anderen Herzöge überragende Vertrauensstellung am Hof gewonnen hat, beginnt wenig später seine Stellung in Kärnten selbständig und ohne Wissen des Kaisers abzusichern. Er knüpft Beziehungen zum jungen König HEINRICH und seinem Erzieher Egilbert, lässt sie Verpflichtungen eingehen, die sie an ihn binden und die sie dem Kaiser geheim halten. Auch zu den Kroaten hat er Beziehungen unterhalten und zu den "Mirmidonen". Dieser Adalbero war einer der mächtigsten Fürsten des Reiches, und er spielte ein selbständiges, gewagtes Spiel.
Ist es nach all dem wirklich nur Hypothese zu sagen, hier in Bamberg wurde 1035 jemand spät zur Rechenschaft gezogen, der 1030/31 die Ungarn-Politik des Kaisers missbilligt hatte? Über die Reaktion KONRADS auf den ohne sein Wissen 1031 geschlossenen Frieden erfahren wir nirgendwo etwas. Es scheint, als läge in dem Absetzungsverfahren von 1035 eine späte Reaktion gegen einen der Hauptbeteiligten der Unbotmäßigkeit von 1031 vor, als wäre in der Verstimmung KONRADS von 1031 der "alte Hass" des Kaisers zu suchen. Wie schwer es dem Kaiser gewesen ist, Adalbero zu fassen, zeigt der Briefbericht über die Bamberger Handlung. Adalbero hatte sich geschickt angesichert, sich den Thronfolger verpflichtet. Die Vasallen HEINRICHS, unter ihnen Markgraf Adalbert, wagen nicht, ohne des Königs Rückendeckung vorzugehen, und HEINRICH selbst weicht erst härtestem Druck. Der hier fiel, war ein Mann mit weitreichenden Verbindungen und politischem Geschick. Es ist wohl verständlich, dass der Kaiser ihn für gefährlich hielt.
Die angeführten erzählenden Quellen berichten, dass Adalbero das Herzogtum aberkannt wurde, der Brief, dass er Herzogtum und Mark Kärnten verlor. Über die Veroneser Mark fehlen uns alle Nachrichten. Breßlaus Annahme, dass ihm zumindest auch ein Teil seiner Eigengüter aberkannt wurde, findet in den Quellen keine Stütze. Der im Brief der älteren Wormser Briefsammlung referierte Eid König HEINRICHS scheint mit eine Konfiskation des Eigengutes sogar auszuschließen. Zwar berichtet Wipo, übrigens als einzige Quelle, dass Adalbero mit seinen Söhnen ins Exil ging, aber nach dem Tod des Vaters und KONRADS II. sind diese in ihrem Eigenbesitz offenbar nicht angefochten worden.

Klaar Karl-Engelhard: Seite 83-96
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"Die Herrschaft der Eppensteiner in Kärnten" (1966)

Der Aufstieg des bayerischen Vasallen Markwart zum Markgrafen in einer Zeit, zu der gerade die beiden südöstlichen Marken der Gewalt des Bayern-Herzogs durch Errichtung eines eigenen Kärntner Herzogtums entglitten, bezeichnet einen Angelpunkt in der Geschichte der betrachteten Adelssippe. Es gelang, das Kärntner Markgrafenamt zu vererben, wobei es letztlich nicht entscheidend ist, ob man annimmt, Markwarts Bruder  Rüdiger habe es zunächst innegehabt, oder ob man, der meist vertretenen Auffassung folgend, einen unmittelbaren Übergang auf Adalbero, mit aller Wahrscheinlichkeit den Sohn Markwarts, vorzieht, welcher uns als Markgraf direkt bezeugt ist [Nr. 22]. Dieses Zeugnis bietet indes mehr als nur einen Beleg für die Markgrafenwürde Adalberos: Es zeigt ihn als Empfänger einer sehr umfangreichen, durch das Recht freier Wahl ausgezeichneten Schenkung von Reichsgut in seiner Mark. Wurde dieses bisherige Königsland durch den neuen Besitzer erschlossen, so lag darin für ihn eine wichtige Möglichkeit zur Verfolgung eigenständiger politischer Ziele. Einstweilen muss die treibende Kraft bei dem Rechtsakt allerdings noch bei den sonst Beteiligten gesucht werden. Intervenient für Adalbero ist außer des Kaisers Kaplan sein späterer Nachfolger, Herzog Heinrich IV. von Bayern, dem daran gelegen sein mochte, die Stellung eines ihm verbundenen Mannes in der von Kärnten abhängigen Mark zu stärken, nachdem der SALIER Otto dieses Herzogtum neuerlich - und nun endgültig - in die Hand bekommen hatte. Dieser Rückblendung der Kärntner Mark an Bayern konnte auch die Schenkung eines Hofes in der bayerischen Herzogsstadt Regensburg an Adalbero dienen, die Herzog Heinrich IV. kaum zwei Monate später beim Kaiser erwirkte (Nr. 23). Zum Königtum aufgestiegen, war der Bayern-Herzog dann noch zu sehr auf Unterstützung durch die SALIER angewiesen, als dass er den Übergang Kärntens auf den Sohn Ottos nach dessen Tod (im Jahre 1004) hätte hindern können. Es ist aber wohl kaum Zufall, dass wir von der immerhin siebenjährigen Tätigkeit dieses Herzogs Konrad von Kärnten - abgesehen von Münzprägungen - in keiner Quelle erfahren. Dagegen wissen wir, dass HEINRICH II. während Konrads Amtszeit seinen eigenen Einfluss in den Marken zu stärken suchte, insonderheit durch reiche Schenkungen an die Kirche seines ersten Kanzlers, Egilbert, nachdem er diesen zum Bischof von Freising erhoben hatte, wobei bemerkt sei, dass eine dieser Schenkungen Güter in der Nachbarschaft von solchen Adalberos in dessen Markgrafschaft zum Gegenstand hatte [Nr. 25].
Als dann Herzog Konrad gegen Ende des Jahres 1011 starb, war die Königsherrschaft HEINRICHS II. ausreichend gefestigt, um zu unterbinden, was sieben Jahre zuvor hatte hingenommen werden müssen, nämlich eine Vererbung der Kärntner Herzogswürde im SALIER-Hause, wobei nach Hermanns von Reichenau wenig spätere Darstellung ein klarer Anspruch Konrads "des Jüngeren" auf seines Vaters Herzogtum übergangen wurde - zugunsten des Markgrafen Adalbero [Nr. 26]. Sein Aufstieg brachte nach außen hin erhebliche Kräfteverlagerungen mit sich, indem einmal der Kärntner Dukat durch einen im Gegensatz von seinen Vorgängern dort wohlbegüterten Herzog an Gewicht im Reiche gewann, und zum anderen der salische Einflussbereich im Sinne HEINRICHS II. beschränkt wurde. Im vorliegenden Zusammenhange wesentlicher noch ist die Erlangung des Herzogtums durch Adalbero für ihn und die Zukunft seiner Familie. Es mag zwar das Jahr 1012 an den faktischen Machtverhältnissen in Kärnten nicht viel geändert haben [Jaksch, Kärnten 1,163f., betont die ohnehin vorhandene Machtüberlegenheit Adalberos in Kärnten], Adalbero aber hatte damit eine praktisch nicht mehr zu übersteigende Ebene hoheitsrechtlicher Teilhabe am Reiche betreten. Aus diesem Schritte erwuchs gleichermaßen die Tendenz zur Ausbildung eigener Herzogsherrschaft, wie mit ihm wesentliche Ansatzpunkte zur Verfolgung dieses Zieles gegeben waren.
Hatten die "EPPENSTEINER"als Vasallen des Bayern-Herzogs während des 10. Jahrhunderts in nur gelegentlich fassbaren Widerspiel gegen gleichgeordnete Kräfte [Nr. 7] ihre Geltung soweit mehren können, dass sie um die Jahrtausendwende in den unmittelbaren personalen Wirkungskreis des deutschen Königtums zu treten vermochten, so hatten sie sich seitdem, also etwa für die 2. Hälfte ihres historischen Auftretens, in diesem größeren Raume, unter der kleinen Zahl der dem Reiche nächsten Familien, zu behaupten.
Den letzten LIUDOLFINGER-Herrschern verdankte Adalbero dieses Emporkommen, dessen nähere Umstände schon ein Andauern des Gegensatzes zur Familie seiner beiden Vorgänger im Herzogsamte erwarten ließen. Noch zur Zeit Kaiser HEINRICHS II. zeigen die Quellen denn auch ein akutes Stadium dieser Spannung, deren Ursache nicht allein in Kärnten lag. Hatte nämlich Adalberos Vater eine Tochter aus vornehmer gräflicher Familie Bayerns geheiratet, so entsprach es durchaus dem seitherigen Aufstieg, wenn er selbst eine Herzogs-Tochter zur Frau nahm: Beatrix, eine der drei Schwestern des im Jahre 1012 jung verstorbenen Herzogs Hermann III. von Schwaben [Nr. 21 c]. Leider ist dabei nicht auszumachen, ob die Eheverbindung vor oder nach Adalberos Erhebung zum Kärntner Herzog erfolgte. Die beiden anderen Schwestern Hermanns III. waren Mathilde, die Mutter Konrads des Jüngeren, und Gisela, die Gattin KONRADS DES ÄLTEREN, die spätere Kaiserin. So konnte es geschehen, dass außer den salischen Vettern auch Herzog Adalbero Ansprüche auf das südwestdeutsche Allodialerbe des Vaters jener vier Geschwister, Herzog Hermanns II. von Schwaben (+ 1003), erhob. Im Jahre 1019 kam es zur bewaffneten Auseinandersetzung, wobei der jüngere Konrad, von seinem Vetter unterstützt, den Kärntner zwar zu vertreiben vermochte (bei Ulm; Nr. 30), ohne ihn aber damit, wie es scheint, vom schwäbischen Erbe ausschließen zu können (vgl. Nr. 75); vielmehr wird sogar eine spärlich bezeugte Verbannung des älteren KONRAD durch HEINRICH II. als die kaiserliche Reaktion auf die Ulmer Vorgänge aufgefasst.
Adalberos Stellung im Südosten jedenfalls dürfte durch seine Niederlage gegen die Konrade nicht gelitten haben, wenn wir auch über seine dortige Amtstätigkeit - wie bei allen frühen Kärntner Herzögen - nicht eben viel erfahren. Immerhin ist er nicht nur als Gerichtsherr (Nr. 28 a-b), sondern - nächst seinem Vorgänger als zweiter Kärntner Herzog überhaupt - als Münzherr nachzuweisen (Nr. 27). Des weiteren ist anzunehmen, dass der 1103 in der Hand eines Enkels Herzog Adalberos befindliche (Nr. 82), vor 1087 bereits bestehende Mark Judenburg auf ein entsprechendes Privileg für den Herzog von Kaiser HEINRICH II. zurückgeht, wie dieser es 1016 auch dem Sanntal-Grafen Wilhelm ausgestellt hatte. Die Herrschaft über einen Marktort brachte finanzielle und jurisdiktionelle Vorteile ein und war für die Macht ihres Inhabers von erheblichem Wert, zumal, wenn die Gründung tatsächlich schon so früh erfolgt ist. Abgesehen von der nicht näher datierten Ausübung des herzoglichen Münzrechtes führen alle diese Dinge freilich, ebenso wie die wahrscheinliche Teilnahme Adalberos an der Bekämpfung Arduins von Ivrea durch HEINRICH II., in eben dessen Regierungszeit. Ihr Ende musste auch für Adalbero folgenschwer sein, um so mehr. Als er nicht nur im Westen des Reiches, sondern auch in Kärnten selbst Gegner hatte. Genauer bekannt ist darunter der eben schon genannte Graf Wilhelm. Dessen Vorfahren waren sehr wahrscheinlich vor jenen des Herzogs, spätestens zur selben Zeit ins Land gekommen, und wiederholt begegnen die "WILHELMINE" in Beziehung zu den "MARKWARTEN", denen sie an Rang zumindest gleich waren. Auch sie erlangten von den letzten sächsischen Kaisern reiche Vergünstigungen, waren aber spätestens seit 1012 an öffentlicher Stellung gegenüber den "EPPENSTEINERN" benachteiligt. Ob die daher naheliegende Spannung sich noch unter HEINRICH II. zu offenem Gegensatz entwickelte, ist den Zeugnissen eben so wenig zu entnehmen wie ein Hinweis darauf, dass sie etwa 1017 (Nr. 28 b) noch nicht bestanden habe. Wahrscheinlicher ist doch, dass KONRAD II. durch seine Gunsterweise gegenüber dem Sanntal-Grafen gelegentlich des Königsumrittes Zwietracht nicht erst sähen, sondern nähren wollte, um so mehr, als er, wohl um schwäbischen Erbansprüchen von Seiten Adalberos die Grundlage zu entziehen, Tags darauf dessen Gattin reich begabte (Nr. 32). Graf Wilhelm erhielt - wohl nach seiner Huldigung in Regensburg - neben der Möglichkeit, sein Allod zu Lasten des Königsgutes mit 30 Königshufen nach eigener Wahl zu arrondieren, eine Erhöhung seiner Stellung, indem seine Grafschaft als zur Mark erhoben erscheint, worin zugleich eine unmittelbare Beschränkung Kärntens liegt. Der nunmehrige Markgraf scheint sich als Gegenspieler des Kärntner Herzogs im Sinne KONRADS II. bewährt zu haben; drei Jahre nach jenen großen Schenkungen erhielt er eine ausführliche Besitzbestätigung. - Dieser Stärkung von Gegenkräften in Adalberos Machtbereich entspricht eine gleichzeitige in der Ostmark, dem nördlichen Nachbargebiet der Kärntner Mark, wo KONRAD den Traungau-Grafen Arnold - eben jenen, der ein Jahrzehnt später Adalberos Nachfolger in der Kärntner Markgrafschaft werden sollte - mit Königsgut im Marchfelde beschenkte.
Die eben besprochenen Zeugnisse unserem Zusammenhange einzufügen, ist natürlich nur möglich in Hinblick auf das, was wir über die unmittelbaren Beziehungen Adalberos zu KONRAD II. erfahren. Diese waren bei des letzteren Regierungsantritt mindestens durch gegenseitiges Misstrauen belastet; denn ebenso, wie der König befürchten mochte, der Herzog werde die zur Zeit HEINRICHS II. sozusagen mehr private Gegnerschaft nunmehr auf reichspolitische Maßstäbe erweitern, hatte Adalbero eine Ausnutzung von KONRADS neuer Machtstellung zu seinen Ungunsten zu gewärtigen. - An der Wahl von 1024 hat der Kärntner anscheinend nicht teilgenommen [Nr. 31]. die frühestüberlieferte direkte Berührung danach fällt in die Zeit von KONRADS Heimweg aus Italien nach seiner Kaiserkrönung. Sie bietet zugleich den ersten, noch vereinzelten Beleg für den Titel dux de Carinthia anstatt dux Carantanorum o.ä. [Nr. 33]. Weder der Anlass dieser Begegnung - Ansprüche Adalberos gegenüber Aquileia, dessen Patriarch Poppo sich der Gunst des Kaisers erfreute - noch ihr Ergebnis - die Abweisung dieser Ansprüche durch das Hofgericht - waren dazu angetan, das Einvernehmen zwischen KONRAD und Adalbero zu bessern. Gleichwohl ist letzterer in diesem und dem folgenden Jahre wiederholt - sehr wahrscheinlich auch bei der Krönung HEINRICHS III. - in der Umgebung des Kaisers anzutreffen [Nrn. 33-37]. Eine Annäherung zwischen beiden könnte durch den Anschluss des jüngeren Konrad an die Opposition gegen KONRAD II. unmittelbar erleichtert worden sein, doch muss bedacht werden, dass der Kaiser von Adalbero eine Unterstützung des Wormsers  kaum zu besorgen brauchte, und dass dieser sich ebenso wie Graf Welf noch 1027 unterworfen hatte. Ein Zusammenhang mit den oberdeutschen Verhältnissen ist indes wahrscheinlich. Die zweite Welle der dortigen Unruhen, während KONRADS Italienzug, fiel in Bayern zusammen mit einer Vakanz des Herzogtums, welcher der heimgekehrte dadurch ein Ende setzte, dass er seinen damals 10-jährigen, im Jahre zuvor zum Könige designierten Sohn HEINRICH zum Herzog wählen ließ. Zu dessen und des Herzogtums Betreuung hatte er dabei einen festen Bundesgenossen in seines Vorgängers Bruder und zeitweiligen Gegner, Bischof Bruno von Augsburg. Um den Frieden im Lande herzustellen und zu erhalten, musste dem Kaiser aber daran liegen, gerade auch diejenigen bayerischen Großen auf seiner Seite zu sehen, die vormals dem ja aus Bayern stammenden HEINRICH II. besonders nahegestanden hatten, und er war dabei nicht erfolglos. Bischof Egilbert von Freising namentlich konnte KONRADS Vertrauen so weit erwerben, dass dieser ihm nach dem Tode Brunos von Augsburg, welchen Egilbert gegen Welf unterstützt hatte, die Betreuung des jungen HEINRICH III. übertrug. Die späterhin erkennbare enge politische Verbindung Herzog Adalberos mit den Grafen von Ebersberg [Nr. 38/I,b,2] und dem diesen wohl verwandten Bischof Egilbert [Nr. 38/II] legt ein gemeinsames Vorgehen des Kärntners mit diesen bayerischen Kräften schon in den ersten Jahren von KONRADS II. Regierung nahe. So lassen sich die äußerlich günstigen Beziehungen Adalberos zum Kaiser in diesen Jahren erklären, denen der Ausgang des Aquilejer Prozesses eben so wenig Abbruch getan zu haben scheint wie andererseits das zuungunsten des Kaisers und für Freiding gefällte Urteil beim Streit dieser Parteien um die Abtei Moosburg im Grafengericht des EBERSBERGERS Adalbero.
Schienen die ersten Beobachtungen über das Verhältnis zwischen Kaiser KONRAD II. und Adalbero von Kärnten nach 1024 seiner ungünstigen Vorgeschichte zu entsprechen, so überwiegt im Ganzen dann doch ein positiver Eindruck - bis zum Jahre 1028 [Nr. 37]. Dass genau seit diesem Zeitpunkt die Beziehungen zwischen den beiden Männern sich neuerdings verschlechtert hätten, ist damit angesichts der insgesamt nicht sehr zahlreichen Quellen nicht gesagt, es fehlt nur seitdem jegliches Zeugnis über den Herzog. Wie dagegen der Kaiser versuchte, seine Einflussmöglichkeiten in Kärnten zu mehren, zeigt das Beispiel des rheinfränkischen Grafen Siegfried, der sicher nicht ohne Zutun KONRADS die Erb-Tochter des in Kärnten über ausgedehnten Eigenbesitz verfügenden Grafen Engelbert heiratete. Siegfried begründete damit den Kärntner Zweig seiner früh schon ausgebildeten Familie, der SPANHEIMER, die später eine ernsthafte Konkurrenz für die Nachfahren Herzog Adalberos werden und diesen schließlich im Herzogtum folgen sollten. Damit ist der Geschichte weit vorausgeeilt; wir stehen noch bei Adalbero, von dem, wie gesagt, erst wieder Kunde vorliegt für Mai 1035, als der Kaiser es bereits für dringend notwendig erachtete, ihm Herzogtum und Mark zu entziehen [Nr. 38]. So ausnahmsweise gut wir über den äußeren Hergang dieser Absetzung unterrichtet sind, so wenig Genaues sagen die Zeugnisse über den Inhalt der gegen Adalbero erhobenen Anklagen, welche seiner Verurteilung durch das in Bamberg zusammengetretene Fürstengericht zur Folge hatten. Der Prozess ist mehrfach und unter verschiedenen Aspekten behandelt worden, ohne dass Einhelligkeit ereicht worden wäre; die Beurteilung schwankt zwischen der Annahme einer Rechtsbeugung zugunsten des jüngeren Konrad und jener landesverräterischer Beziehungen des Herzogs zu auswärtigen Reichsfeinden, auch von abweichender Italien-Politik Adalberos ist zu lesen. Die einschneidende Bedeutung, welche dem Sturz des EPPENSTEINERS für dessen Familie zukommt, erfordert eine neuerliche Betrachtung unter eben diesem Gesichtspunkte, wobei von dem wichtigen Zeugnis auszugehen ist.
Diese Hauptquelle, der Bericht über den Verhandlungsverlauf an Bischof Azeko von Worms, dem Sitze des jüngeren Konrad, zeigt uns innen- und außenpolitische Zusammenhänge [Nr. 38/II]. Der Schreiber des Briefes, ein nicht identifizierbarer Wormser Kleriker G., erwähnt zunächst Verhandlungen zwischen Erzbischof Pilgrim von Köln, Bischof Brun von Würzburg und mehreren Ungenannten zu Mainz, deren Ergebnis er nicht kennt. Dagegen haben jene ihm Einzelheiten von der Verurteilung des Herzogs und Markgrafen Adalbero berichtet, welche G. anschließend wiedergibt. Da nichts für bewusste Entstellung des ihm zur Kenntnis Gelangten durch G. spricht, lesen wir eben da, was die beiden Kirchenfürsten, welche über ihre Mainzer Verhandlungen offensichtlich keinerlei Angaben zu machen bereit waren, dem Wormser Geistlichen auf dessen Begehren hin von den Bamberger Vorgängen mitzuteilen für gut befunden haben - und das ist recht äußerlich und vordergründig. Folgen wir immerhin diesem Bericht: Durch das Hervortreten der Ursache alten Hasses war Kaiser KONRAD II. derart heftig aufgebracht gegen Adalbero, dass er die Fürsten - nur Ekkehart von Meißen und Adalbert von Österreich, die beiden Markgrafen, werden namentlich genant - anwies (preceperat), ihm Herzogtum und Mark durch Gerichtsurteil abzusprechen. Dies verweigern die Fürsten nach entsprechender Beratung, solange nicht König HEINRICH an der Gerichtsversammlung teilnehme. Dieser wurde herbeigerufen. Sein Vater setzte ihn das erfahrene Unrecht auseinander, teilte ihm die Notwendigkeit der Amtsenthebung des Herzogs mit und forderte ihn auf, mit allen Mitteln gegen jenen vorzugehen. Das wies HEINRICH im Bewusstsein eines von ihm mit Adalbero geschlossenen Vertrages standhaft ab. Erst nach einer aufgeregten Szene mit Ohnmachtsanfall des Kaisers und seinem Fußfall vor dem Sohne lenkte HEINRICH ein. Er informierte jetzt den Vater über einen Eid, welchen er auf Anregung Bischof Egilberts von Freising dem Herzog geleistet hatte. Erzürnt stellte der Kaiser den Bischof deswegen zur Rede; dieser leugnete keineswegs, gab aber an, er habe dadurch Adalbero zu Treue gegen den König veranlassen wollen, und übrigens enthalte der Eid nur die auch ohnedem bestehende Verpflichtung, Adalbero an seinen Gütern nicht zu schädigen, er hätte sie denn durch Urteilsspruch verwirkt. Durch diese Eröffnung aufs äußerste gegen Egilbert aufgebracht, wies ihm der Kaiser unter gröbsten Beschimpfungen die Türe. Sodann wandte er sich wieder der Verhandlung zu, welche im Sinne seines Antrages endete. Weiter erfuhr G. von seinen Gewährsleuten, dass der abgesetzte Herzog im Vertrauen auf Kroaten und Ungarn beabsichtigte, der Reichsgewalt Widerstand zu leisten - aufgrund deswegen gehegter Befürchtungen nahmen die Bayern von einer Teilnahme am angesagten Liutizenfeldzug Abstand -, und dass die Mark an Arnold von Lambach übertragen, das Herzogtum dagegen noch unbesetzt sei. Anscheinend aus eigener Kenntnis führt G. bei, dass gerade in der Woche, da er den Brief schreibt, Konrad der Jüngere auf dem Wege zum Kaiserhof sei, um sich um Kärnten zu bemühen.
Dieser Bericht ist nicht frei von inneren Widersprüchen. Ein Eid, der nur die Einhaltung selbstverständlicher Rechtsnormen gegen Adalbero durch HEINRICH III. zum Gegenstand hatte, wäre weder - wie Egilbert es hingestellt haben soll - ein geeignetes Mittel gewesen, des Herzogs Treue für den jungen König zu festigen, noch konnte er selbst dem heftig erregten Kaiser Anlass sein, den Bischof unter Schmähworten hinauszuweisen. Hier dürften also die Mitteilungen, welche G. erlangte, Wesentliches verschwiegen haben. Weiter ist ausdrücklich von einem zwischen Adalbero und HEINRICH geschlossenen Vertrage die Rede, an den letzterer sich gebunden fühlte, aber wir erfahren nicht von den Verbindlichkeiten, die ersterer seinerseits dem König gegenüber eingegangen war. Bleibt demnach der Inhalt des von Egilbert zustande gebrachten Abkommens verborgen, so ist dagegen klar ersichtlich, dass dieses selbst erst im Verhandlungsverlauf zutage kam und den Kaiser zwar zutiefst empören, aber nicht Ursache seines Einschreitens gegen Adalbero sein konnte. Diese Ursache liegt nach der Formulierung des G. vielmehr in der veteris existente causa odii, das heißt in der von Adalbero dem Kaiser angetanen iniuria, welche letzterer dem Sohne auseinandersetzt (exposuit). Der Zusammenhalt beider Stellen macht es wahrscheinlich, dass tatsächlich die salisch-eppensteinische Auseinandersetzung aus der Zeit HEINRICHS II. den Anstoß zu des Kaisers Vorgehen gegeben haben. - Als Hinweis darauf, dass demgegenüber aktuelle politische Entwicklungen ausschlaggebend waren, und dass solche in landesverräterischen Beziehungen des Kärntner Herzogs zu suchen sein könnten, ist vielfach jene Stelle unseres Briefes an Azeko gewertet wurden, wonach Adalbero confisus Cruvvatis er Mirmidonibus regie potestati valle resistere. Derlei Pläne unterstellt die Quelle aber erst den abgesetzten Herzog, und wohl mit Recht, sowohl was den Widerstand an sich anlangt [siehe Nr. 38/I/b2], als auch hinsichtlich des Vertrauens auf Kroaten und Ungarn, von deren Gegnerschaft zum Reiche Adalbero die nötige Rückendeckung für sich erhoffen durfte. Letzteres gilt auch ohne die Annahme einer vorausgegangenen Verständigung Adalberos mit diesen fremden Völkern. Unabhängig davon, ob es eine derartige Verständigung gegeben hat oder nicht, ist zu ersehen, dass die Anklage nicht - auch nicht im Sinne eines Vorwandes - auf Landesverrat gelautet hat. Hätten die bischöflichen Gewährsmänner des Briefschreibers solchen unter dem Begriff iniuria verstehen wollen, so hätten sie den konkreten Gegenstand nicht erst gleichsam Anhangs weise noch benannt. Andererseits erfolgte Adalberos Verurteilung endlich als reus maiestatis, doch ist zu beachten, dass dies erst nach Offenbarung des von Egilbert zustande gebrachten Vertrages geschah und nicht unbedingt Landesverrat, sondern eben so gut Hochverrat bezeichnen kann.
Nimmt man eine solche Doppelschichtigkeit des Prozesses an, so ergibt sich die Frage, worin das vorwerfbare Treiben Adalberos bestanden haben soll. Handlungen, wie das Vorbereiten offenen Aufstandes gegen den Kaiser und Aufreizung der Kärntner hierzu, würden die Tatbestandmerkmale des Hochverrates durchaus aufweisen, allein nicht nur "sehr wenig", sondern gar nichts wird quellenmäßig von solchen Machenschaften gemeldet [Die angeführten, die Zeugnisse doch überfordernden Behauptungen hat Jaksch, Kärnten 1,178, vorgetragen. Dass Adalbero 1036 - nach seiner Amtsenthebung - bewaffneten Widerstand zu leisten versuchte, trifft zu (Nr. 38/I/b2 und f), rechtfertigt aber nicht die Annahme, er hätte in Kärnten schon vor dem Bamberger Prozess einen Aufstand - mit welcher Zielsetzung? - vorbereitet; vollends nirgends ist den Zeugnissen zu entnehmen, er habe dabei auf die Hilfe der "unzufriedenen Elemente in den zu Kärnten gehörigen Marken" gehofft (ebd., 179).]. Ob derart ins Einzelne gehende Aussagen je möglich sein werden, hängt von einer Verwirklichung der stets vorhandenen, aber doch äußerst geringen Aussicht auf Entdeckung bisher unbekannter Quellen ab. Einstweilen sind nur allgemeinere Erwägungen anzustellen. - Die Bamberger Vorgänge des Sommers 1035, die in den auf uns gekommenen Zeugnissen ein so breit gestreutes Echo hinterlassen haben, zeigten den angeklagten Herzog in enger, schwerlich in vollem Umfange heute bekannter Beziehungen zu König HEINRICH III. und Bischof Egilbert von Freising. Von diesen beiden Männern - und das heißt bei deren Stellung zueinander: hauptsächlich dem letzteren - darf daher eine wichtige Rolle in der Vorgeschichte des Adalbero-Prozesses zugeschrieben werden. Während 4 Jahren war Egilbert der junge König und Herzog zu  besonderer Obsorge anvertraut. Der Kaiser belohnte seine erzieherische Tätigkeit durch reiche, ausdrückliche Anerkennung - ein gutes Einvernehmen, das auch durch die Bamberger Enthüllungen nicht ernstlich gelitten zu haben scheint. Demnach hat es Egilbert verstanden, sich hinlänglich im Hintergrunde zu halten, wenn anders  er überhaupt selbständig politische Ziele verfolgte. Dafür aber ist seine Verbindung zu Herzog Adalbero nicht das einzige bekannte Beispiel. Besonders die Ungarn-Politik des jungen Königs wurde von Egilbert, der über gute Beziehungen dorthin verfügte, bestimmt. So beendete HEINRICH III. den angeblich durch bayerisches Verschulden entfesselten Ungarn-Krieg der Jahre 1030-1031 patre nesciente durch einen wohl mit Gebietsabtretungen verbundenen Freundschaftsvertrag mit König Stephan dem Heiligen. Dieses von KONRAD II. sachlich wohl gebilligte Bemühen um günstige Beziehungen nach Osten erklärt sich aus der unmittelbaren Nachbarschaft der bayerischen Ostmark mit Ungarn. es steht zugleich in der Tradition des zur Zeit HEINRICHS II. als ehemaligem Bayern-Herzog sehr freundlichen Verhältnisses zu diesem Nachbarn, das auch von Bischof Bruno von Augsburg gepflegt wurde. Jetzt, unter KONRAD II., scheint gerade dessen Versuch, durch Übertragung Bayerns an seinen Sohn die enge Bindung dieses wichtigen Herzogtums ans Reich aufrechtzuerhalten, bayerischem Streben nach eigener Politik Auftrieb gegeben zu haben. Freising war vergleichbar zur Zeit Herzog Heinrichs des Zänkers das Zentrum derartiger Tendenzen gewesen (unter Bischof Abraham), ähnlich konnte jetzt ein Mann wie Egilbert seinen Einfluss in diesem Sinne geltend machen. Dabei hat ihn vielleicht sogar zeitweise die Absicht geleitet, einen Konflikt zwischen dem Kaiser und seinem Sohne heraufzubeschwören. Eine Auswirkung solcher Bestrebungen innerhalb Bayerns und der ihm noch immer dicht zugeordneten südöstlichen Nebenländer darf auch im Adalbero-Prozess gesehen werden. Dieser zielte, wie die Einordnung in diese Zusammenhänge zeigen kann, nicht darauf ab, eine für sich allein ebenso sinn- wie aussichtslose Kärntner Auflehnung zu unterdrücken, sondern eher auf die Niederwerfung einer bayerischen Fronde von Männern, die unter KONRADS II. Vorgänger aufgestiegen waren. Dass es dabei um mehr als das Murren einiger Unzufriedener ging, zeigt die Durchführbarkeit eines von älteren familiären Rivalitäten ausgehenden, erfolgreichen Hochverratsprozesses gegen den Exponenten dieser Bewegung, deren Gefährlichkeit angesichts einer auch von der Hauptquelle angedeuteten ungarisch-kroatisch-venezianischen Allianz vom Kaiser offensichtlich nicht gering veranschlagt wurde. Herzog Adalbero verlor Ämter und Lehensbesitz, und das bayerische Aufgebot nahm zur Sicherheit am folgenden Liutizen-Feldzug nicht teil - kaum freilich in dem Sinne, wie es G. darstellt, aus eigener Angst wegen eventueller Unruhen Adalberos. Dieser aber wurde, als er wenige Jahre später starb - 3 Wochen nach Bischof Egilbert von Freising - in das Totengedächtnis der dortigen Domkirche aufgenommen [Nr. 39b].
Den Adalbero und seinen Söhnen angewiesenen Verbannungsort kennen wir nicht. Es scheint, als habe der abgesetzte Herzog von Kärnten erst 1036, nach dem Scheitern bewaffneten Widerstandes, verlassen, wobei er jedenfalls zunächst latendi causa Ebersberg aufsuchte [Nr. 38/I/b2]. Dass ihm letzteres ermöglicht wurde, lässt vermuten, es haben ihn dort nicht nur die Verwandten, sondern zugleich die Gesinnungsgenossen aufgenommen. Seine enge Beziehung dorthin wird dadurch unterstrichen, dass er in dem ebersbergischen Kloster Geisenfeld bestattet wurde [Nr. 41], als er nach seinen beiden salischen Gegnern und, wie gesagt, seinem Freisinger Verbündeten, im gleichen Jahre mit diesen allen, starb, anscheinend beim Versuch, das 4 Jahre zuvor Verlorene wiederzuerlangen [Nr. 39, spez. b.]. Insgesamt hat Adalberos Streben, von seiner Kärntner Position aus über Bayern stärkeren politischen Einfluss im Reich zu gewinnen, nicht nur ihn sein Amt gekostet, sondern zugleich seine Familie auf dem Wege zu einer eigenen Herzogsherrschaft um Jahrzehnte zurückgeworfen. Den Richtpunkt, den er durch sein Aufsteigen den Nachkommen gesetzt hatte, hat sein Sturz fraglich und jedenfalls zu einer erheblich erschwerten Aufgabe gemacht.

Klaar Karl-Engelhard: Seite 22-33
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"Die Herrschaft der Eppensteiner in Kärnten" (1966)

Die Herrschaft der Eppensteiner in den Zeugnissen
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Nr. 21          Markgraf und Herzog Adalbero

a)
Über die verwandtschaftlichen Beziehungen Adalberos sind wir allgemein recht gut, über seine Herkunft dagegen nur spärlich unterrichtet. Seine Abstammung von Markgraf Markwartund Hadmud ist nicht bezeugt, doch ist zumindest engste Verwandtschaft aufgrund der Amts- und Besitznachfolge sowie der Namengebung in der nächsten Generation gesichert; vgl. Tyroller, Genealogie, 110 nr. 6

b)
Auch Adalberos Geburtsjahr ist nicht überliefert; da er 1039 unter Hinterlassung erwachsener Söhne starb [Nr. 39] und bei seiner ersten Nennung im Jahre 1000 bereits als Markgraf erscheint, mag er gegen 980 geboren sein. In diesem Sinne ist wohl auch das "* ca. 972" bei Uhlirz, Otto III., Register, zu verstehen.

c)
Wie unter anderem durch einen Eintrag in einem Bamberger Dom-Nekrolog (Reg. Bambg. 1 nr. 263: Beatrix mater Adalberonis episcopi Babenbergensis obiit zu Febr. 23) in Verbindung mit einer Schenkungsnotiz für Kloster Geisenfeld [Nr. 41] gesichert ist, war Adalbero mit einer Beatrix vermählt, und zwar wohl bereits 1019 [Nr. 30]. Nach Tangls von  ihm selbst (Eppensteiner 3, 290) zurückgenommenen Versuch, sie mit der gleichnamigen Tochter Kaiser KONRADS II.  zu identifizieren, sieht man in ihr heute allgemein vielmehr dessen Schwägerin, also die Schwester der Kaiserin Gisela und  eine der drei Töchter Herzog Hermanns II. von Schwaben und der Gerberga von Burgund; dazu hpts. Brandenburg, Kaiserin Gisela, 29f., sowie Tyroller, a.a.O. - Ein Registervermerk des 14. Jh., wonach Brigida comitissa mater Marquardi comitis  av(i)a Wolrici patriarche Gut in Mernico (b. Cormons) an Rosazzo geschenkt hat (Jaksch, Rosazzo, 237, nr. 1 =  Reg. Görz 1 nr. 152), hat gelegentlich Verwechslungen und die sonst nicht zu stützende Annahme einer weiteren Ehe Adalberos  veranlasst; könnte man derselben Quelle chronologisch trauen, so hätte Beatrix 1070 noch gelebt, aber in der  Seelgerätstiftung der Adalbero-Söhne [Nr. 41] wird sie nicht genannt.

d)
Als Kinder Adalberos sind zwei Söhne, Markwart und Adalbero, quellenmäßig belegt [Nr. 41 uö.]. Eine Tochter Willibirg, verheiratet mit Ottokar I., Markgrafen der Steiermark, ist hinlänglich überzeugend zu erschließen (s. Pirchegger, Otakare,  64, nr. 13, und, diesem folgend, Tyroller, Genealogie, 112 nr. 12). Die Annahme einer zweiten Tochter, Gattin des Sualafeldgrafen Kuno (Tyroller, a.a.O., nr. 13), ist aus dessen möglicher Zeugenschaft in Nr. 41a kaum sicher zu  gewinnen. Zum Ansatz einer Tochter Gerbirg siehe unten 100.

e)
Herzog Adalbero starb, seines Amtes seit 4 Jahren enthoben, 1039 November 9: Nr. 39. Vgl. unten 86, 97-102, 106 Anm. 63, 109 Anm. 77, 129f.
 
 

Nr. 22          1000 April 13, Quedlinburg

Adalberoni marchioni schenkt Kaiser OTTO III. auf Intervention seines Verwandten, Herzog Heinrichs IV. von Bayern, des späteren Kaisers), und seines Kaplans Ulrich 100 in provincia Karinthia ac in marchia comitatuque memorati marchionis Adalberonis gelegene Hufen nach des Empfängers eigener Wahl samt allen Zugehör zu freiem Eigen.

D: UB. Stmk. 1 nr. 33, D O III. nr. 355, MdC 3 nr. 201. - R: RI 2/III nr. 1357.

Zur Intervention des Kaplans Ulrich siehe Görlitz, Hofkapelle, 47 und 117f., der aufgrund dieses Diploms vornehme bayerische Abkunft vermutet und Bresslaus Annahme einer Identität mit dem gleichnamigen Kanzler HEINRICHS II. und  KONRADS II. für wahrscheinlich hält. - Der Nachfolger des Markgrafen Markwart begegnet zuerst in diesem kaiserlichen Gunsterweis, der ihn zugleich in naher Stellung zum bayerischen Herzog zeigt, und der wohl dazu dienen sollte, die Position des Beschenkten in seinem Amtsbereich allodial zu festigen; vgl. Uhlirz, Otto III., 329 und RI 2/III nr. 1357. - Zur Schenkung selbst und ihrem Ausmaß s. Gladiss, Schenkungen zu privatem Eigen, 88, und ders. Wirtsch. Inhalt, 157; es ist demnach, abgesehen von Zuwendungen an BABENBERGER, eine der letzten Schenkungen, welche die Auswahl der Hufen dem Empfänger freistellen (ein späterer Fall: D K II. nr. 32, dazu unten 88). Klebel, Volksaufbau, 419, verbindet die Anzahl von 100 Hufen mit Vermutungen über die Wehrverfassung. - Wo Adalbero dieses neu zu erschließende Gebiet genau wählte, bleibt offen: Jaksch, Kärnten 1, 162: Gebiet des späteren St. Lambrecht/Stmk.; Pirchegger, Steiermark 1, 127, und ders. Eigenkirchen, 281, sowie Uhlirz, RI 2/III nr. 1357: Gebiet Voitsberg-Piber, östlich des Überganges über die Stubalpe; Wonisch, Graslupptal, 14, legt sich weniger fest, erwägt indes angesichts der Bestimmung in comitatu marchionis, dass Adalbero die Friesacher Grafschaft, worin St. Lambrecht später liegt, innegehabt haben könnte. Im übrigen ist die Annahme eines geschlossenen Areals nicht erforderlich; die große Schenkung (über 500 Quadratkilometer) kann vom Empfänger aufgeteilt worden sein. Jedenfalls kam der Besitz mindestens zu Teilen später an das genannte Kloster, durch welche das Diplom überliefert ist. - Tremel, Steiermark, 37, scheint das Diplom auf HEINRICH II. zu beziehen oder die Rolle des herzoglichen Intervenienten zu überschätzen. - Vgl. unten 84, 134 Anm. 207.
 

Nr. 23          1000 Juni 11, Hohentwiel

cuidam fideli [suo] Adalberoni comiti in provintia Bawariorum schenkt Kaiser OTTO III. auf Bitten seines Vetters, Herzog Heinrichs IV. von Bayern in civitate Ratisbona nominata in comitatu Pabonis comitis curtiferum V perticarum in longitudine et in latitudine IIII perticarum, habens viam aditumque unius pertice ad legitimam stratam samt Zugehör, welchen Adalburg innehat, situm prope locum Superius monasterium sanctimonialium ferminarum dictum, zu freiem Eigen.

D: MB 31/1, 271 nr. 138, D O III. nr. 370. - R: RI 2/III nr. 1377

Das Diplom ist kopial durch Regensburg-Obermünster überliefert, wonach der diesem benachbarte Hof später an das Stift gekommen ist. Hirsch, Heinr. II. 1, 115 Anm. 6, denkt dabei an die Konfiskation von 1035 [Nr. 38]; dagegen mit guten Gründen Bresslau, Konr. II. 2, 139. - Zur Person des Beschenkten Uhlirz, RI 2/III nr. 1377 und dies. Otto III., 338: "ohne Zweifel der Markgraf der Karantanenmark" und weiter: "offenbar als Unterkunftsstätte für den Besuch der bayerischen Hoftage". Zu diesem war der Markgraf jedenfalls verpflichtet (vgl. Mell, Steiermark, 27), und in eben jener Zeit wurden auch die Reichs- oder Landeslehnbarkeit der bayerischen Grafschaften und Markgrafschaften Tellenbach, Reichsadel, 46, sowie mit zahlreichen weiterer Literatur, Lieberich, Feudalisierung, 246 ff. - Tyroller, Genealogie, 67 nr. 20, erblickt im Empfänger den EBERSBERGER Adalbero, doch ist obige Deutung vom Sachzusammenhang her wahrscheinlicher. - Trotz den genauen Angaben ist eine nähere Fixierung des Hofes anscheinend bisher nicht gelungen; siehe Klebel, Regensburg. - Dass Adalbero "eine Hofstatt und das Besitztum einer Frau Adalburg" erhalten habe (RI 2/III nr. 1377), widerspricht dem Wortlaut der Quelle. - Vgl. unten 84.
 
 

Nr. 24         1006 Dezember 7, Merseburg

Sein in comitatu Adalberonis comitis in pago Ensitala gelegenes predium Adamunta gibt König HEINRICH II. dem Erzbischof Hartwig von Salzburg zu lebenslänglicher Nutzung, wonach es an St. Peter in Salzburg fallen soll.

D: UB. Sbg. 2 nr. 68, D H II. nr 123

Die Urkunde steht in inhaltlichem Zusammenhang mit D H II. nr. 122, einer weiteren Schenkung an Salzburg vom gleichen Tage; vgl. Holter, Ulsburggau, 160-165. - Der genannte Graf ist sehr wahrscheinlich der Markgraf, zu dessen Mark das heutige steiermärkische Ennstal jedenfalls gehörte. In dieser  Identifizierung stimmen mit Jaksch, Kärnten 1, 162, auch Pfeffer, Land ob der Enns, 205 m. Anm. 21, und Holter, Ulsburggau, 163, gegen Holtzmann (Im Namenregister der DD H II.) überein. Noch 1229 wird Admont urkundlich als in comitatu quondam Adalberonis comitis in pago Ensitala gelegen bezeichnet (Wichner, Admont 2, 291f., nr. 130).
 
 

Nr. 25          1007 Mai 10, Bamberg

Seine in provincia Karinthia et in comitatu Adalberonis gelegenen predia Uueliza et Linta samt Zugehör schenkt König HEINRICH II. der Freisinger Kirche unter Bischof Egilbert auf unter anderem dessen eigene Bitte.

D: UB. Stmk. 1 nr. 36, D H II. nr. 137. - R: MdC 3 nr. 220, Reg. Bambg. 1 nr. 23.

Die beiden genannten Orte suchte Tangl, Eppenstein 1, 181 f., an der Drau, doch ist mit Zahn, UB Stmk. 1 nr. 36, Jaksch, Kärnten 1, 162, Holtzmann (im Namenregister der DD H II.) der Bezug auf Oberwölz und Lind (beide BH. Murau/ Stmk., also in der Nachbarschaft von Besitzungen Adalberos) vorzuziehen. Für die am gleichen Tage erfolgte Schenkung des unweit der obigen Güter gelegenen predium Chatsa (Katsch, BH. Murau/Stmk.) an Freising wurde ein gesondertes Diplom (D H II. nr. 136) ausgefertigt, welches für das vorliegende als Vorurkunde diente und in dem die Grafschaft Adalberos nicht erwähnt ist. Dies mag sich durch die Entstehung des Kontexes dieser Vorurkunde außerhalb der Kanzlei erklären. Eine andere, gerade im Hinblick auf Adalberos Nennung im vorliegenden Falle kaum haltbare Möglichkeit greift Pirchegger, Steir.-Lungau, 323, auf: Das Murauer Gebiet könnte zu einer anderen, erledigten Grafschaft - Friesach - gehört haben. - Allgemein zu diesen Schenkungen Hirsch, Heinr. II. 1, 249. - Zwischen Bischof Egilbert (1005-1039), dem Kanzler der ersten Regierungsjahre HEINRICHS II. und dem Markgrafen bestand eine enge Verbindung, welche bis in ihre letzten Zeiten anhielt (s. Nr. 38/II), und obwohl mit Verwandtschaft (über die EBERSBEREGER?) zu erklären ist, wie solche schon von Hirsch, a.a.O., 217, und neuerdings von Mikoletzky, Egilbert, 337, angenommen und von Jaksch, Kärnten 1, 162, definitiv behauptet wird; zurückhaltender Strzewitzek; Sippenbeziehungen, 165 f. Die Schenkungen dürfen daher im besten Einvernehmen mit dem vom König auch selbst begünstigten Markgrafen erfolgt sein, dessen Stellung im Lande zu festigen sie wenigstens mittelbar sicher beitragen konnten (vgl. Jaksch, a.a.O.). - Egilberts Bruder Heinrich war 1002 als Truchseß bei der Krönung der Königin Kunigunde ums Leben gekommen; ihn selbst hatte HEINRICH II. gegen einigen Widerstand zum Bischof erhoben. - Vgl. unten 85.
 
 

Nr. 26          1012

Conradus dux Carentani filius Ottonis ducis fraterque Brunonis dudum pape obiit et privato filio eius puero Cuonrado Adalbero ducatum accepit.

D: Herim. Aug. chron. ad a. 1012, ed. Pertz, 119, ed. Buchner, 658; MdC 3 nr. 223

Die zeitlichen Grenzen für den Aufstieg des bisherigen Markgrafen zur Herzogswürde sind 1011 Dez. 12 (Todestag Herzog Konrads I. von Kärnten: MdC 3 nr. 222, dazu Hirsch, Heinr. II. 2, 311) und 1013 Mai 5 [Nr. 28 a]. Bernoldi chron. ad a. 1012 (ed. Pertz, 424) bringt die Stelle in der folgenden, den Sinn in schwerlich zutreffender Weise verschiebenden Verkürzung: Chounradus dux Carentani moriens, Adalberoni ducatum reliquit. Siehe auch Holtzmann, Sächs. Kaiserzeit, 440 f. - Vgl. unten 85, 129.
 
 

Nr. 27          [1012-1035]
A D A L P (E R O)  D U X

D: Menadier, Pfennige, Sp. 2066, Dannenberg, Münzen 1 nr. 1147.

Münzinschrift eines Silberpfennigs. Der Herzog dürfte als Vertreter des Königs gemünzt haben; vgl. Luschin, Münzkunde, 244 f. Eine eigene Münzverleihung ist daher nicht zu erwarten. Wann Adalbero näher hin vom herzoglichen Münzrecht Gebrauch machte, ist nicht festzustellen; die Prägung scheint jedenfalls quantitativ nicht sehr umfangreich gewesen zu sein. Auch aus D H II. nr. 347 (1016 April 18, für den Sanntal-Grafen Wilhelm; vgl. Nr. 16) ergibt sich - entgegen Menadier - kein genauerer Zeitansatz, da das in jenem Diplom erscheinende Münzrecht auf Interpolation beruht. - Vor Adalbero hatte bereits Herzog Konrad I. von Kärnten Münzen schlagen lassen. - Vgl. allg. Menadier, Pfennige, Jaksch, Kärnten 1, 176, und unten 87.
 
 

Nr. 28          (1013,1017, Mark Verona)

Herzog Adalbero von Kärnten fungiert als Richter in der Markgrafschaft Verona.

a)
Dum [...] in iudicio resideret domno Adalpero dux istius marchie in comitatu Veronense [...] residentibus cum eo domno Adalberto marchio et Ugone germanis marchionis u.a., wird der Rechtsstreit um ein Gut Petriolo zwischen dem Kloster St. Zacharias in Venedig einerseits und den Bischöfen von Padua und Vicenza andererseits zugunsten des ersteren entschieden;  an erster Stelle unterfertigt: Adalbertus qui Azo vocatur marchius m(anu) m(ea) subscripsi. Datiert: St. Zeno bei Verona, 1013  Mai 5.

b)
Adalpeyro dux iustius marchia Carentanorum, Raimbaldus comes istius comitatu Tervisianense [...], residentibus cum eo Walpertus, Wyllelmus comitibus ua. halten Gericht im Rechtsstreit zwischen den Klöstern St. Zacharias in Venedig und St. Justinus in Padua um eine Kapelle in Montesilice; er wird zugunsten des ersteren, dessen Vertreter sich bereits wiederholt an den Herzog gewandt hatten, entschieden; sodann sichert der Herzog per fuste, quam suam tenebat manus, das Urteil durch den kaiserlichen Bann; die erste Unterfertigung: + Signum manus suprascripto domnus Adelpero dux interfuit et manu sua rucem fecit. Datiert: Asolo bei Treviso, 1017 Januar 18.

D: Ficker, Forschungen 4 nr. 47 (zu 1017 Januar 19), CdP 11 nr. 102. - R: MdC 3 nr. 228.

Zu beiden Stellen kurz Tangl, Eppenstein 1, 183 f., und allgemeiner bei Behandlung des Amtsbereiches der Kärntner Herzöge Ficker-Puntschart, Reichsfürstenstand 2/III, 119. - Jaksch, Kärnten 1, 165, scheint aus der Unterschrift in a) zu erschließen, dass Adalbero "mit dem Kosenamen Azo genannt" wurde, doch bezieht sich diese Unterfertigung zweifellos auf den unter den Anwesenden genannten Markgrafen Adalbert wie besonders aus dem Schlusssatz von a) hervorgeht: Ego Iohannes notarius ex iussione domni Adalperio dux et Azoni et Ugoni marchionis et Todello comes scripsi et complevi. (Der Irrtum u.a. übernommen von Pirchegger, Steiermark 1, 127: "Azzo, wie ihn meist die Italiener nannten"). - In dem Mitunterfertiger von b), dem Grafen Wilhelm, vermuten Hirsch, Heinr. II. 1, 164 m. Anm 2, und Jaksch, a.a.O., den später gegen Adalbero gefallenen Sanntal-Grafen (vgl. Nr. 38/I b). Siehe auch Tyroller, Genealogie, 118 nr. 5 und ebd. nrn. 1-2 sowie unten 86 f., 102 Anm. 43, 110.
 
 

Nr. 29          [1019-1035]

Hec cartula descriptione manifestat loca de Tegerinse ablata cum nominibus eorum, qui eadem habent in beneficium:[..], Adalpero dux: Vnholzinga, Hedinpah.

D: Beck, Tegernseeische Güter, 90 nr. 6, Reindel, Luitpoldinger, nr. 49 (S. 87).

Datierung nach weiteren in der Liste aufscheinenden Personen: Burggraf von Regensburg ist bereits Ruprecht, welcher zu dieser Würde zwischen 1019 Mai 10 und 1010 Juni 10 (DD H II. nrn 408 und 432) aufstieg, andererseits ist Adalbero selbst noch Herzog (vgl. Nr. 38; siehe auch Hirsch, Heinr. II. 1, 94 Anm 3, und Beck, a.a.O., 84. - Vnholzing: Unholzing, LK. Landhut/Ndb., Hedinpah: Dürrenhettenbach, Gde. Penk, LK Mallersdorf/Ndb.; vgl. die Karte, a.a.O.
Die Liste verzeichnet die unter Herzog Arnulf von Bayern säkularisierten Güter Tegernsees, Tyroller, Säkularisation, 306, erwägt die Möglichkeit, dass die Güter über des Herzogs Mutter (s. Nr. 10 a) in seine Hand gelangt sind; jedenfalls waren die mit Herzog Arnulf verwandten Vorfahren der EBERSBERGER aus tegernseeischem Konfiskationsgut besonders reichlich bedacht worden. - In einer gleichartigen Zusammenstellung um 1060 (Beck, a.a.O., 89 und 91; Reindel, a.a.O.) erscheinen allein die beiden Güter, mit denen Herzog Adalbero in der älteren belastet war, nicht mehr. Sie wurden ihn vermutlich 1035 entzogen (s. Nr. 38) und 1054 durch HEINRICH III. dem Kloster zurückerstattet, welches sich beim Kaiser mit einer prächtigen Bibelhandschrift bedankte, da er retulit nobis predia in Unholczing et in Hettinpach per rapinam Arnoldi impii Noricorum ducis. olim alienata: Cronica dominorum abbatum Tegernseensis monasterii, Sp. 512. Vgl. dazu Schmeidler, Geschichtsschreibung Tegernsee, 25, 37, 72.
 
 

Nr. 30          1019, bei Ulm

Counradus adolescens, filius Cuonradi quondam ducis Carentani, auxilante patruele suo Counrado, postea imperatore, Adalberonem, tunc ducem Carentani, apud Ulman pugna victum fugavit.

D: Herim. Aug. chron. ad a. 1019, ed. Pertz, 119, ed. Buchner, 660.

Entsprechende Berichte in knapper Form bieten zum selben Jahre Bernoldi chron., 424, Ann. August., 125, Chron. Suev. univ., 70; vgl. MdC 3 nr. 229 und RI 3/I/1 nr. Og. - Anlass der Auseinandersetzung dürften Erbansprüche von Adalberos Gattin Beatrix gewesen sein; vgl. Nr. 21 c und unten 86, 129.
 
 

Nr. 31          1024 Sommer

Duces autem supra dictis viris (sc. den Mitgliedern des dt. Episkopats z. Zt. d. Todes Kaiser HEINRICHS II.) contemporanei hi fuerant: Penno dux saxoniae, Adelbero dux Histriae, Hezzilo dux Baioarise, Ernestus du Alamanniae, Litharingorum dux Fridericus, Ribuariorum dux Cozelo, Chuono Wormatiensis dux Francorum, Uodalricus dux Boemiae.

D: Wipo; Gesta Chuonr. II., ed. Bresslau, 12, ed. Trillmich, 534. - Vgl. MdC 3 nr. 235.

Eine Anwesenheit Adalberos bei der Wahl KONRADS II. ist aus Wipos Zusammenstellung nicht zu entnehmen; vgl. Wahnschaffe, Kärnten, 15 f., und Bresslau, Konr. II. 1, 19 f., dazu RI 3/I/1 nr. Om. - Wahnschaffe, a.a.O., erwägt eine Teilnahme der Kärntner an der Wahl indem er sie als unter den Norici (Wipo, Gesta Chuonr. II., ed. Bresslau, 14) mit zusammengefasst annimmt. Vgl. unten 88.
 
 

Nr. 32   1025 Mai 25, Bamberg

cuidam matronae Beatrici schenkt König KONRAD II. auf Bitten der Königin Gisela und des Erzbischofs Aribo von Mainz centum mansos nostrae proprietatis samt Zugehör in comitatu Dvrgouuues in loco Auelniz sitos.

D: UB. Stmk. 1 nr. 44, D K II. nr. 34. - R: MdC 3 nr. 237, RI 3/I/1 nr. 34.

Auelniz: Aflenz/Stmk.: vgl. Zahn, Ortsnamenbuch, 3. - Der Name des Grafen wurde auf Rasur in dafür gelassener Lücke nachgetragen; vgl. den Parallelfall D H II. nr. 488. - In der Empfängerin sieht man allgemein die Gattin (Werler, Titelherzogtum, 246, irrtümlich: Witwe) Herzog Adalberos; dazu Nr. 21 c. Anders anscheinend Gladiss, Schenkungen zu privatem Eigen, 91, der die Urkunde im Zusammenhang mit Schenkungen an königliche Hörige behandelt; dagegen spricht schon der vergleichsweise (mit DD K II. nrn. 161 und 214) riesige Umfang der Schenkung. Die Handlung dieses und jener der DD K II. nrn. 32-33 vom Vortage ist mit Bresslau, Konr. II. 1, 59-62, noch für den Regensburger Hoftag Anfang Mai 1025 (RI 3/I/1 nr 25 a) anzusetzen; seiner Annahme, es handle sich um Schenkung nach freier Wahl, bietet der Wortlaut keinen Anhalt. - Werle, a.a.O., schließt aus der Wendung nostrae proprietatis auf salisches Eigengut. Wäre solches indes im fraglichen Umfange vorhanden gewesen, so hätte das salische Herzogtum in Kärnten wohl eine stärkere Position gehabt, als sie sich aus den Quellen dafür ergibt; vgl. unten 85 Anm. 28. - Zum inhaltlichen Zusammenhang der erwähnten Diplomata-Gruppe Schmidt, Königsumritt, 158 f. Vermutungen anhand der Hufenzahl bei Klebel, Volksaufbau, 419. - Siehe unten 87, 134 Anm. 207.
 
 

Nr. 33          1027 Mai 19, St. Zeno bei Verona

dominus Adalpero dux de Carinthia una cum Wecellino advocato suo qui et walpoto vocatur erhebt im Königsgericht vor KONRAD II. und zahlreichen namentlich aufgeführten Großen gegen den Patriarchen Poppo von Aquileja und dessen Vogt Walpert Anspruch auf de curtis et castellis su villis et de omnibus tam servis quam liberis ipsi sancte Aquileiensis ecclesie pertinentibus et supra eiusdem ecclesie pertinentias habitantibus ex parte ipsius ducatus fotrum et angaria seu publicum servitium, id est panem et vinum, carnes et annonam et alias angarias et functiones publicas; der Patriarch bestreitet diese Rechte, wobei ihn sein Vogt unter Heranziehung von vier namentlich genannten Aquilejer Vasallen als Eideshelfern durch entsprechende eidliche Aussage unterstützt; nunmehr verzichtet Adalbero und verpflichtet sich und seine heredes et proheredes et posteri zu einer Pön von 100 Pfund Goldes, sollte dem Verzichte zuwidergehandelt werden; diese Regelung findet den Beifall des Hofgerichtes.

D: MdC 3 nr. 239, D K II. nr. 92. - R: Reg. Görz 1 nr. 32, RI 3/I/1 nr 5, Reg. Augsbg. 1/II nr. 252.

Zum Kampfe des Patriarchen gegen die (bei Ficker-Puntschart, Reichsfürstenstand 2/III, 8, 119, 126 behandelten) Rechte des Kärntner Herzogs in Oberitalien siehe Schmidinger, Patriarch, wo 45 f. die vorliegende Urkunde im Zusammenhang dieser Auseinandersetzungen erörtert wird, in welchen sie einen erheblichen Fortschritt der Aquilejer Unabhängigkeits-Bestrebungen bezeichnet. Vgl. auch Nr. 37. - Pirchegger, Liutpoldinger, 43 f., vergleicht die Stellung jenes Walpoto mit jener des bayerischen palatinus. Der in dem Stück noch mehrfach genannte Graf Wezelin (Friaul; s. D K II. nr. 132) erscheint einmal geradezu als eius ducatus advocatus; er war mit einer Cousine des Herzogs verheiratet (vgl. Pirchegger, a.a.O., und Tyroller, Genealogie, 68 f. nr. 26). - Siehe allg. Bresslau, Konr. II. 1, 182 f. und Jaksch, Kärnten 1, 175, sowie unten 88 f., 103.
 

Nr. 34          1027 September, Frankfurt am Main

excepto Adelberone Carentinorum duce, qui spatarius imperatoris ei pedetenus assidebat, wohnt kein Laie der von Kaiser KONRAD II. abgehaltenen Synode bei.

D: Vita Godehardi prior c. 31, ed. Pertz, 190. - MdC 3 nr. 240 RI 3/I/1 nr. 112 d, Reg. Köln 1 nr. 728, Reg. Augsbg. 1/II nr. 254.

Zur Verpflichtung des Schwert- oder Schildtragens vor dem König siehe Waitz, Verfassungsgeschichte 6, 46 f., und 335, wo 47 Anm. 2 die Belege für Ausübung durch fremde, lehensabhängige Fürsten zusammengestellt sind. Die Funktion gilt teils als Ehrenamt, teils als Demonstration der Unterordnung. Hierzu ist mit Bresslau, Konr. II. 1, 226, u. 2, 133, sowie Jaksch, Kärnten 1, 176, wohl zu denken. Adalberos Stellung war keineswegs derart, dass ihm ein besonderer Ehrenvorzug zukommen konnte. - Vgl. unten 89.
 
 

Nr. 35          1028 April 19, Aachen

Auf Bitten u.a. Adalberonis Carentani ducis verleiht Kaiser KONRAD II. der Marienkirche zu Säben die dortigen Klausen samt Zoll und allen Einkünften.

D: D K II. nr. 115, Urkk. Brixen 1 nr. 19. - R: MdC 3 nr. 241, RI 3/I/1, nr. 118.

Mit Bresslau, Konr. II. 1, 240 Anm. 2 und 242, ist aus vorliegendem Diplom die Anwesenheit Adalberos bei der Krönung König HEINRICHS III. (1028 Ostern, Aachen) zu entnehmen. Ihm folgen auch Jaksch, Kärnten 1, 176, und Schetter, Intervenienz, 101, die eine kurzfristige Besserung des Verhältnisses zwischen Herzog und Kaiser annehmen (im Hinblick auf die Auflehnung Konrads des Jüngeren gegen KONRAD II.; vgl. auch Nrn. 36-37). - Außer diesem Falle ist nur noch eine Intervention Adalberos überliefert [Nr. 37]; Schetter, a.a.O., meint, man habe ihn in beiden Fällen lediglich zugezogen, um eine Übergehung in seinem Amtsbereich (dazu Ficker-Puntschart, Reichsfürstenstand 2/III, 120) und damit eine Brüskierung zu vermeiden, nicht, weil seine Zustimmung an sich erforderlich gewesen sei. - Vgl. unten 89.
 
 

Nr. 36          1028 Juli 1, Magdeburg

Adalbero dux unter den Zeugen eines von Kaiser KONRAD II. herbeigeführten Vergleiches in einem Rechtsstreit um Güter der Abtei Corvey.

D: D K II. nr. 124. - R: MdC 3 nr. 242, RI 3/I/1 nr. 127.

Adalbero hat sich wohl seit dem Aachener Reichstag den ganzen Sommer hindurch im Gefolge des Kaisers befunden; vgl. Nrn. 35 und 37, dazu Bresslau, Konr. II. 1, 251, der darauf hinweist, dass D K II. nr. 124 die 1. überlieferte Königsurkunde mit der später in der Reichskanzlei üblichen Zeugen-Liste darstellt. Zu dieser selbst Brandenburg, Kaiserin Gisela, pass., und speziell zu Ernst von Schwaben Schmidt, Umritt, 176-182 (Exkurs).
 
 

Nr. 37          1028 September 11, Imbshausen/Harz

Auf Intervention ua. Adalberonis ducis verlieht Kaiser KONRAD II. der Kirche von Aquileja unter Patriarch Poppo das Münzrecht mit näheren Bestimmungen.

D: D K II. nr. 131. - R: MdC 3 nr. 243, RI 3/I/1 nr. 134

Zum Aufenthalt Adalberos in der Umgebung des Kaisers und zu seiner Intervention siehe Nrn. 34-36. Bresslau, Konr. II. 1, 254, nimmt an, es müsse seit dem Veroneser Gerichtstag vom Vorjahre [Nr. 33] wieder ein gutes Einvernehmen zwischen Patriarch und Herzog hergestellt worden sei. Dies war wohl mehr äußerlicher Art, indem Adalbero gerade nach jenem verlorenen Prozess seine Rechte in Aquileja demonstrieren wollte. Es ist auch zu beachten, dass wenig später (1028 Dez. 30; D K II. nr. 134; dazu Bresslau, a.a.O., 259f.) Patriarch Poppo zugunsten des Grafen Wilhelm, des Kärntner Hauptgegners Adalberos, intervenierte, der sich seine früher erhaltenen Schenkungen bestätigen ließ. Übrigens intervenierte der Herzog in der Wildbannverleihung an Aquileja von 1028 Okt. 9 (D K II. nr. 132) schon nicht mehr. - Zum Rechtsinhalt vorliegender Urkunde Schmidinger, Patriarch, 52 f. und 1103 f. Vgl. unten 89 f.
 
 

Nr. 38         (1035 Mai - 1036 März)

Adalbero verliert durch Hofgerichtsurteil sein Herzogtum mit den Marken und wird samt seinen Söhnen verbannt (Bamberg 1035 Juni). Um das erledigte Herzogtum bemüht sich des Kaisers Vetter, Konrad der Jüngere, dem es dann auch gelegentlich eines Hoftages zu Augsburg zugesprochen wird (1036 Febr. 2). Zur selben Zeit tötet der abgesetzte Adalbero seinen heimischen Hauptgegner, den Grafen Wilhelm, und sucht alsdann in Ebersberg Zuflucht.

Die mehrfach sich überschneidenden, z. T. zeitlich Auseinanderliegendes zusammenziehenden Quellen zu diesen Ereignissen werden hier gemeinsam vorgeführt. Übersichten, teilweise mit Abdruck der Quellen, bieten MdC 3 nrn. 248-252, Reg. Bambg. 1 nr. 209 und RI 3/I/1 nrn. 225d, 225f, 227, 232 a.

I.  Allgemeine Zeugnisse zum Bamberger Prozess und seinen Folgen.

a1) Paulo post (bezieht sich auf die Ereignisse des Jahres 1027) Adelbero, dux Histrianorum sive Carintanorum, reus maiestatis  victus ab imperatore cum filiis suis exulatus est, et ducatum eius iste Chuono ab imperatore suscepit, quem ucatum pater eiusdem Chuononis dudum habuisse perhibetur.

D: Wipo, Gesta Chuonr. II. c. 21, ed. Bresslau, 41, ed. Trillmich, 578.

a2) Eodem anno Adelbero dux Carantanorum imperatoris gratiam perdens ducatum amisit et in exilium missus est.

D: Wipo, Gesta Chuonr. II. c. 33, ebd. 53 bzw. 598.

b1)
(Kaiser KONRAD II.) pentecosten vero Bavenberg egit; unde expeditionem suam in Liutizios serio mandavit.

D: Ann. Hildesh. ad a. 1035, ed. Waitz, 39

b2)
(Kaiser KONRAD II.) purificationem vero sanctae Mariae Augustburg egit; ubi et publicum cum cunctis circumiacentium  regionum primoribus conventum habuit, in quo patrueli suo Chuonrado ducatum Carentinorum commisit. Adalberonem maiestatis reum priori anno dimovit. Hisdem diebus idem Adaelbero Willehelmum comitem interfecit et postea in castellum Eresburgh causa latendi confugit.

D: Ann. Hildesh. ad a. 1036, ebd. 40

b3)
Beide Stellen der Hildesheimer Annalen übernimmt fast buchstäblich der Annalista Saxo ad a. 1035 und ad a. 1036, ed.
Waitz, 679

c1) Adalbero dux Carentani et Hystrie amissa imperatoris gratia ducatu quoque privatus est.

D: Herim. Aug. chron. ad a. 1036, ebd. 122 bzw. 670

d) Imperator CHONRADUS placitum suum in Papinperc habuit, ubi Adalpero dux Karintanorum deponitur, Chonrado in
      ducatum succedente illi.

D: Ann. Altah. maior. ad a. 1035, ed. Oefele, 19.

e) CHUONRADUS imperator [...] Chuonradus patrueli suo ducatum Adalberonis in Carentano illo deiecto commisit.

D: Ann. Sangall. maior. ad a. 1036, ed. Arx, 84.

f)
Imperator natalem Domini Argentine feriavit, purificationem [...] Mariae Augustae peregit, ubi publicum conventum tenuit, in quo Conradum patruelem suum ducem Carenrinorum constituit, a quo ducatu priori anno Adelberonem maiestatis reum amovit. Hoc tempore Adelbero Willhelmum comitem interfecit, sicque in castellum suae munitionis confugit.

D: Ann. Magdeburg. ad a. 1036 (nach Ann. Hildesh., s. o.), ed Pertz, 170.

II. Zum Ablauf des Bamberger Prozesses im einzelnen ist die Hauptquelle ein Schreiben eines in Mainz weilenden Wormser Geistlichen G. an seinen Diözesan-Bischof Azecho vom Sommer 1025:

Dignissimo dilecte filiole Wormatie patri, domno suo A. episcopo, G. infirmus er inutilis, summi patrisfamilias vespertinum denarium. - Mallem aures domini mei prosperis semper letificare, quam adverso quolibet nuntio quod non decet unctum Domini inquietare. Sed quia vos mihi iam dudum presepisse memini, ne qua vos celem, que mihi alicubi innotescant, precepto et voluntani vestre in huiusmodi parere non ignoro oportere. A proxima que nuper fuit dominica principes regni, scilicet H. Coloniensis archiepiscopus, B. Werzeburgensis episcopus, cum ceteris compluribus nunc usque Mogontia se continent, multa consiliantes, multa tractantes, multa confrerentes. Huius conventus summam quia intimare vobis certam non possumus, quedam, que ipsis referentibus reperire nos contigit, vobis scribere curavimus. Ferunt domnum imperatorem augustum veteris existente causa odii vehementer animatum esse in A. ducem et marchionem. Et ita animatum, quod convocatis coram se principibus scilicet E., A. marchionibus ceterisque princibus, qui tunc ibi intererant, quatinus ipsi A. ducatum suum et marcam iudicio abdicarent, preceperat. Sed ipsi non id nisi in presentia et iudicio filii sui H. regis fieri debere accepto consilio responderunt. Quo vocato, imperator iniuriam suam exposuit, filium suum, quantinus A. omnimodis insequeretur, ut ipse eum se diligere cognosceret, postulavit, simulque ducatum sibi iudicio abdicandum et nunciavit et rogavit. Domnus vero H. rex etsi patri per omnia obedire vellet et deberet, memor tamen suisdam pacti, quod cum A. pepigerat, quod pater rogavit, se non posse nec debereexequi constanti animo iuravit. Quod cum diu tractarent, patre semper et monitionibus et minis, prece omnibusque huiuscemodi exhortationibius incumbente, filio vero econtra obstinato animo et nil a priori sententia mutato recalcitrante, tandem imperator huius doloris inmedicabili vulnere tactus, cum ita filium sue voluntati deesse videbat, ante ora omnium iam prorsus elinguis sibi excidebat, et neque loquens neque videns neque quemquam presentium ut videbatur agnoscens et ita in extasy mentis sositus, inter brachia tollentium in lectum collocatur. Post aliquanta ad se ipsum rediens, convocari iterum iubet filium ad se principes. Quibus convocatis, sciens quia cor contritum et humiliatum Deus non despicit, sese ad pedes filii sui homotenus proiecit, lacrimis multum obtestatus, quantinus recordari dignaretur patris, ne inimicis gaudium augeret, ne regno dedecus, ne sibi infamiam pararet, dum a patre discordaret, ne discordando fieret Absalon, dum pacifice vivere posset Salomon. Motus tandem filius piis lacrimis patris ad se rediit, rediit inquam ad se, quia exivit a se, rediit vero ad se, dum rediit ad obedientiam, ad preceptum, ad voluntatem patris. Sed ita rediit, iuramentum, quid A. fecit, patri aperuit eiusque iuramenti E. episcopum auctorem fuisse retulit. Quod cum imperator vehementer iratus ab E. episcopo an ita esset requireret, ille non dissimulavit, non negavit, sed se id ea causa fecisse menomavi, quatinus A. regi fidum faceret, qui non aliud esse iuramentum dixit, ni quod absque iuramento custodori oporteret, scilicet ne sibi in bonis sui dampno esset, ni forte es iudicio perdedisset. Quo percepto imperator vehementissime in episcopum animatus, inconvenientibus et multimodis convicios cum magna verecundia et pudore limen excedere, caminadam egredi precepit. Quo facto, redivit ad iudicium abdicaturque A. ducatus et marcha. Ergo dicunt ipsum A. confisum Cruvvatis et Mirmidonibus regie potestati velle resistere. Cuius occasionis timore cessabunt domi Bavvarii ab indicta expeditione, marcham vero ipsius A. ferunt commissam esse cuidam A. de L., ducatum autem nulli adhuc esse commissum, pro quo petendo domnus Cuono in ista epdomada ad curtium proficiscitur. - Ad ultimum nisi infirmitas corporis me maxima detineret, videre vos tam diu non distulissem. Verum tamen, vita comite, videbo vos citissime, et que nunc non scribo, tunc presens loquor vobis. Valete.

D: MdC 3 nr, 250, Ält. Wormser Briefslg. nr. 27. Nur ältere Drucke verzeichnet Lhotsky, Quellenkunde, 170.

Der Empfänger des Schreibens, Bischof Azecho von Worms (1025-1044), war von KONRAD II. eingesetzt und stand dessen Gattin sowie HEINRICH III. und der Königin Gunhild nahe; er war demnach allgemein bemüht, über die Geschehnisse am Kaiserhof informiert zu sein. Vgl. Bulst, Ält. Wormser Briefslg., 4 Anm. 14, und ders. Azecho, in: Neue Deutsche Biographie 1, 1953, 474. - Die Gewährsleute des Verfassers sind Erzbischof Pilgrim von Köln (1021-1036); vgl. Bulst, Ält. Wormser Briefslg., 50 Anm. 1) und Bischof Bruno von Würzburg (1034-1045, vorher Kanzler KONRADS II.; er war ein Bruder Konrads des Jüngeren!). - Bei dem erwähnten Markgrafen handelt es sich um Ekkehart von Meißen und den BABENBERGER Adalbert. - A. sw L. ist Arnold II. von Lambach; vgl. unten 88. - Unsicher bleibt die Deutung des Volksnamens Myrmidonen. Die bei griechischen Autoren der Antike vorkommende Bezeichnung hat Jaksch, Kärnten 1, 179, auf die Kärntner selbst bezogen, Bulst, Ält. Wormser Briefslg., 51 Anm. 3, auf die Ungarn; Wahnschaffe, Kärnten, 22 Anm. 68, denkt allgemein an Freunde oder Verbündete des EPPENSTEINERS und spricht, sicher zutreffend, von einer "gelehrten Reminiscenz". Die parallel mit den Kroaten genannten Myrmidonen sind aber doch sehr wahrscheinlich gleichfalls als Volk aufzufassen, und da ein gewisser Rückhalt Adalberos an den Kärntnern zu selbstverständlich ist und allenfalls an erster Stelle zu erwarten wäre, dürfte die Deutung von Bulst das Richtige treffen, wie sie auch der historischen Situation am besten entspricht. - Vgl. allg. unten 90-96, 129, 131.
 
 

Nr. 39          1039 November 28

Der abgesetzte Herzog Adalbero von Kärnten stirbt, nachdem er zuvor seinen Verbannungsort verlassen hat. - Quellenübersicht: MdC 3 nr. 256.

a) COUNRADUS etiam dux CafrentaniI, et Adalbero aemulus eius, qui ante eum ducatum eundem tenuerat, ipso anno obierunt.

D: Herim. Aug. Chron. ad a. 1039, ed. Pertz, 123, ed. Buchner, 672.

b) Adalpero dux Carintanorum, (qui) fuga est elapsus de exilio, vita decessit.

c) Chonradus dux et Adalbero dux obierunt.

D: Chron. Suev. univ. ad a. 1039, ed. Bresslau, 71.

d) Adalpero dux obiit zu IV. kal. dec.

D: Notae necrol. Frising., ed. Baumann, 84.

Paralleleinträge zum Todestag aus Bamberger Überlieferung zusammengestellt Reg. Bambg. 1 nr. 263 (wo irrig gesagt wird, HEINRICH III. habe Adalbero abgesetzt.)