Berthold IV.                                             Graf von Andechs-Plassenburg-Kulmbach
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    -27.6.1151
 

Einziger Sohn des Grafen Berthold III. von Andechs und der Gisela von Schweinfurt, Tochter von Herzog Otto III. oder des Grafen Arnold III. von Dießen
Prinz Isenburg sieht in Berthold IV. einen Sohn des Grafen Arnold von Dießen und der Gisela von Schweinfurt, Tochter von Herzog Otto III.
 

GENEALOGISCHE TAFELN ZUR MITTELEUROPÄISCHEN GESCHICHTE
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Wegener Dr. Wilhelm: Seite 150
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30. Berthold IV.
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F. u. eV.
c 1110 Graf Perhtold und sein Vaters-Bruder Chounrad von Jasberg siehe 12;
c 1112 Graf um den Ebersberger Forst Hundt, Ebersberg 165 n 25,
(1106/13) Berchtoldus de Andehsin MB 37, 35 ff;
1116 6/1 Vogt von Benediktbeuern MB 7, 46 f,
c 1120 Graf im bayerischen Augstgau MB 22, 25 n 26;
c 1125 Berhtoldus comes de Diezzen

Gemahlin:
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Sophia, Söhne Poppo und Berhtolf MB 8, 131;
c 1130 Vogt von Dießen MB 8, 132;
1135 30/10 Bertoldus comes de Plassinberch Kopialbuch von Michaelsberg
(1143/47) comes Bertoldus de Stein Kärnt. UB. 3, 304 n 770;
+ 1151 27/8 Dießen: Berhtolfus comes, post conversus, nostrae congregationis frater, fundator huius loci (Zusatz 13. Jh. anno 1151, sepultus in capitolio) Necr. 1, 21;
Schäftlarn: Berchtoldus comes Necr. 3, 125.

Gemahlinen:
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1. Sophia siehe oben,
1132 6/2 MB 8/161 f; Tochter des Markgrafen Poppo II. von Istrien Hist. Welf. ed. König S. 24,
+ 6/9 Dießen: Sophia comitissa fundatrix huius loci (Zusatz 13. Jh. sepulta in capitolio, que dedit nobis predia multa) Necr. 1, 25;
Salzburg Dom: Sophia comitissa Necr. 2, 302
Admont: Sophia comitiss Andehs Necr. 2, 302;
7/9 St. Ulrich: Sophia comitissa Necr. 1, 125;

2. Kunigunde
Tochter des Grafen Ekbert II. von Formbach
als ledig erwähnt c 1120 OÖ UB 1, 643 n 56
ebenso c 1130 ebenda 659 n 111,
(1152) als comitissa Chunigunt proficiscens de provincia, also nach dem Tode ihres Gatten OÖ UB 1, 720 n 315, hat also spät geheiratet; kein Nekrolog in Dießen, da sie eine 2. Ehe einging (mit Ulrich von Deggendorf), nirgend als Gattin Bertholdsurkundlich erwähnt; doch in der Genealogia comitum Neuburgensium (frühestens 14. Jh. SS 24, 797) heißt Berthold V., fälschlich dux Dalmatiae genannt, sororius des Ekbert III. Kunigunde heißt auch eine der jüngsten Töchter Bertholds IV.
die Heirat erklärt auch den Übergang des Formbachischen Erbes an Andechs; die Nekrologe von Admont und Millstatt zum 13/4 Chunigunt comitissa Necr. 2, 294, 458 beziehen sich aller Wahrscheinlichkeit nach nicht auf die 2. Gattin Bertholds IV., sondern auf die des Grafen Meinhard von Istrien (und Görz).
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HERKUNFT UND GESCHICHTE FÜHRENDER BAYERISCH-ÖSTERREICHISCHER GESCHLECHTER IM HOCHMITTELALTER
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Gewin Dr. J.P.J.: Seite 142
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34. Berthold
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Graf von Dießen, Graf von Andechs-Plassenburg, c. 1105-1151(+).
1096/1114. Pertholdus comes et eius patruus Chuonradus de Jagobesberg (Jasberg) befehlen ihre Leibeigene Diemout nebst der Mehrzahl ihrer Kinder an das Kloster Weihenstephan zu tradieren: Oefele a.a.O. Reg. 32, M. B. IX. 378.
1122/31. Bertholdus comes de Diezin tradiert "presente uxore sua Sophia et filius Poppone et Bertholfo" die Hailrada mit ihren Kindern als Ministerialen an St. Georg zu Diessen:  Oefele  a.a.O. Reg. 35a.
1132. Febr. 6. Cluny. Papst Innocenz II. erklärt das Chorstift Diessen für nur dem Heiligen Stuhle untergeben. In der Bulle ist erwähnt, dass das Stift gegründet ist "a Bertulfo (F. 34.) et Ottone (F. 35.) comitibus et Sophia ac Lauretta eorum uxoribus et filius": Oefele a.a.O. Urk. 4.
1116-c. 1151. Vogt von Benediktbeuern: Oefele a.a.O. Urkunde 3, M. B. VII. 47 (2), 49, 53, 56, 59.
+ 1151. Juni 27.: Nec. I. 21 (Diessen).

Gemahlin:
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Sophie, Tochter des Markgrafen Poppo von Istrien: M. G. SS. 21, 462.

Note:
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Berthold F. 34. und Otto F. 35., resp. aus den Linien Andechs und Wolfratshausen waren Geschlechtsvettern. Sie gründeten das Stift in dem Ort Diessen, wo bereits ihr Ur-Großvater Graf Berthold F. 8. und dessen Bruder Graf Friedrich F. 10. und in der 6. und 7. Geschlechterfolgen zwei Arnolde (F. 13. und 21.) eine Grafschaft verwaltet hatten.
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Berthold IV. war Mitstifter des Hausklosters Diessen, wurde dessen Vogt und Graf im Augstgau. Er war STAUFER-Stütze und stand gegen die WELFEN-Herzöge in Bayern.

Ausstellungskatalog Kloster Andechs:
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"Herzöge und Heilige"

Berthold war der Sohn des Grafen Arnold III. von Dießen und der Gisela von Schweinfurt, Tochter von Herzog Otto III. von Schwaben.
Graf Arnolds Besitz wurde nach seinem Tod allem Anschein nach unter seine Söhne Gebhard und Berthold geteilt. An Graf Berthold II.fielen bei der Teilung neben Rechten am Inn, die er teilweise gemeinsam mit seinem Onkel Konrad, einem dem geistlichen Stand angehörenden Bruder seines Vaters, besaß, vor allem die um Ammersee und Starnberger See gelegenen Güter, dazu offenbar der gesamte fränkische Besitz .
Graf Berthold II. verstand es, sein väterliches Erbe rasch zu mehren. Er heiratete Sophie, die Tochter Markgraf Poppos I. von Istrien, die durch ihre Mitgift erstmals Besitz im östlichen Alpenraum einbrachte. Dieser Güterkomplex wurde einige Jahre später erheblich erweitert, als Sophies Bruder, Markgraf Poppo II., offenbar kinderlos nach 1141 starb, und sich die SPONHEIMER, BOGENER und ANDECHSER das markgräfliche Erbe teilten. Den größten Teil des Erbes aber konnte sich Graf Berthold II.sichern, der damit den Grundstock für die Besitzungen seines Hauses in Krain, der unteren Steiermark sowie Kärnten legte. Aber auch in Altbayern gelang es ihm, sich zusätzlich Einfluss zu verschaffen. Im nahen Kloster Benediktbeuern lag die Vogtei im 11. Jahrhundert in den Händen der "SIGIMARE", einer gräflichen Familie, über die nur wenig bekannt ist. Dieses Geschlecht starb - der genaue Zeitpunkt ist unbekannt - gegen Ende des 11. Jahrhunderts aus. Seine Nachfolge in der Vogtei über Benediktbeuern trat Graf Berthold II. von Dießen an. Dieses Amt, das das Haus ANDECHS bis zu seinem Aussterben um die Mitte des 13. Jahrhunderts innehaben sollte, lag spätestens seit dem 2. Jahrzehnt des 12. Jahrhunderts in seiner Hand.
Der Besitz zweier wichtiger Vogteien, ein ausgedehnter Güterbesitz in Altbayern und in den östlichen Alpenländern, im Inntal und in Franken, dazu Grafschaftsrechte zwischen Donau und Alpen hatten somit eine schon um die Mitte des 11. Jahrhunderts reiche Familie im Verlauf von nicht mehr als zwei Generationen zu einem zweifellos höchst einflussreichen Geschlecht werden lassen. Die Familie hatte sich im 11. Jahrhundert in zwei Linien geteilt, die zu Beginn des 12. Jahrhunderts offenbar ihren gemeinsamen Stammsitz auf dem Schönenberg bei Dießen aufgaben, um neue Herrschaftsmittelpunkte zu schaffen. Nun bürgerte es sich ein, zwischen den beiden Familienzweigen, deren Angehörige in früheren Zeiten häufig unterschiedlos nach ihrem Hauptort Dießen benannt worden waren, zu unterscheiden.Graf Berthold II. und seine Kinder wurden jetzt in altbayerischen Quellen nach Andechs benannt, während bei den Nachkommen ihres Verwandten, Graf Ottos II., stets Wolfratshausen als Herkunftsort angegeben wurde. Das lässt darauf schließen, dass Graf Berthold II. bald nach der Jahrhundertwende auf dem Andechser Berg eine neue Burg errichtete oder eine schon bestehende Anlage erweiterte, während die Wolfratshausener Verwandten gleiches an ihrem neuen Herrschaftssitz am Zusammenfluss von Isar und Loisach taten.
Die Grafen von Andechs hatten sich im Gegensatz zur Wolfratshausener Linie nicht in die kriegerischen Händel hineinziehen lassen, die letztlich im Konkurrenzkampf zwischen den STAUFERN und den WELFEN gründeten; sie waren vielmehr bestrebt gewesen, ihren Besitz zu sichern und zu mehren. Dass dabei gerade den Gütern in Oberfranken, die Graf Arnold durch seine Ehe mit Gisela von Schweinfurt erworben hatte, eine besondere Bedeutung zukam, lag auf der Hand: Das Land, mit dessen Erschließung man erst unter den Grafen von Schweinfurt begonnen hatte, bot noch vielfältige Möglichkeiten des Ausbaus und der Machterweiterung.
Die Anfänge einer zielstrebigen Andechser Territorialpolitik in Franken lassen sich bis in die Zeit um 1110 zurückverfolgen, als Graf Berthold II.ein Gut im fränkischen Werngau, das als Streubesitz wohl aus dem Erbe seiner Mutter Gisela gestammt haben dürfte, an das Hochstift Würzburg vertauschte. Nicht viel später, vielleicht als Antwort auf die Burgenpolitik Bischof Ottos I. von Bamberg, scheint Berthold II.seine Besitzungen im Zweimaingebiet durch die Anlage von Befestigungen gesichert zu haben; spätestens zu Beginn der 30-er Jahre dürfte die Plassenburg errichtet worden sein, nach der er und seine Kinder seit 1137 des öfteren als "Grafen von Plassenburg" bezeichnet wurden. Auch Andechser Ministerialen wurden bald nach ihr benannt, und wohl um die gleiche Zeit dürfte auch das am Fuß des Berges liegende Kulmbach gegründet worden sein, auch wenn der Ort nicht vor 1174 in den Quellen auftaucht. Daneben scheint man damals auch schon in der Gegend des 1194 zum 1. Mal genannten Bayreuth mit dem Landesausbau begonnen zu haben, wie eine Güterschenkung Graf Bertholds II. an die Zelle St. Getreu in Bamberg im Jahr 1137 vermuten lässt.
Neben den Gütern des Hauses in Franken vergaß Berthold II. freilich nicht den in anderen Gegenden gelegenen Besitz. Er war häufig als Vogt von Benediktbeuern tätig; auch dem Kloster Dießen galt seine Fürsorge. Darüber hinaus scheint man sich um den Besitz in den östlichen Alpenländern gekümmert zu haben; besonders enge Beziehungen unterhielt er zu dem 1074 wieder errichteten Kloster Admont in der Steiermark. Dorthin schenkte der Graf 15 Hufen in Moosburg in Kärnten, als er der geistlichen Gemeinschaft seine Tochter Kunigunde übergab.
Seit Beginn der 40-er Jahre hielt sich Graf Berthold II. auffallend häufig am königlichen Hof auf. Nun wurde er nahezu jedes Jahr in mindestens einer Urkunde König KONRADS III. als Zeuge genannt. Es ist nicht bekannt, was Berthold II. veranlasste, den Herrscher so oft aufzusuchen; aber die Vermutung ist nicht von der Hand zu weisen, dass der Grund in den Auseinandersetzungen lag, die er und noch mehr sein Sohn, Graf Poppo I., mit Bischof Egilbert von Bamberg (1139-1146), dem Nachfolger Bischofs Ottos I., hatten. Graf Poppo I. war, wohl seit den 30-er Jahren, mit Kunizza, der Tochter Graf Reginbotos von Giech, verheiratet. Diese hatte die Burgen Giech und Lichtenfels, dazu Scheßlitz sowie zahlreiche Güter im fränkischen Jura in ihre Ehe eingebracht. Mit Kunizzas Gütern, die ebenso wie Giselas Mitgift aus dem Schweinfurter Erbe stammten, war der Andechser Besitz in Ober-Franken noch einmal erheblich gewachsen; nun stellte er auch eine Gefahr für die weltliche Herrschaft der Bamberger Bischöfe dar; denn jetzt schoben sich die Andechser Besitzungen zwischen die hochstiftischen Gütergruppen um Banz und Burg- beziehungsweise Altenkunstadt sowie die hochstiftischen Burgen im Jura. Außerdem ließ sich vomandechsischenLichtenfels aus die wichtige Talstraße von Bamberg nach Kronach hinauf leicht sperren. Solange Bischof Otto I. regierte, hatte es darüber keinen Streit gegeben. Unter seinem Nachfolger, Bischof Egilbert, änderten sich die Verhältnisse rasch.
 
 
 
 

  1. oo Sophie von Weimar-Istrien, Tochter des Markgrafen Poppo III.
                  -6.9.1132

  2. oo Kunigunde von Pütten-Formbach, Tochter des Grafen Ekbert II.
                  -13.4.1151

         Erbin von Formbach
 
 
 
 

Kinder:
1. Ehe

  Poppo I.
          -11.12.1148

  Berthold II.
        -14.12.1188

  Otto VII. Bischof von Brixen (1165-1170)
        -2.5.1196   Bischof von Bamberg (1177-1196)

  Gisela
        -8.4. nach 1150

  oo Diepold II. Graf von Berg-Schelklingen
             -19.5.1160/65

2. Ehe

  Mathilde Äbtissin von Edelstetten 1153/54
        -31.5.1160

  Eufemia Äbtissin von Alto-Münster
        -19.6.1180

  Kunigunde Nonne im Kloster Admont
       -10.12. um 1139