Begraben: Stiftskirche Notre-Dame in Clery
Illegitimer Sohn des Herzogs
Ludwig I. von Orleans und der Mariette d'Enghien
Lexikon des Mittelalters: Band III Spalte 1461
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Dunois, Jean, Graf von, „batard d’Orleans“
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* um 1402, + 24. November 1468
Bedeutender französischer Heerführer in der letzten Phase des Hundertjährigen Krieges
Außerehelicher Sohn Ludwigs, Herzogs von Orleans (oo Valentina Visconti), und der Mariette d’Enghien (oo Aubert le Flamenc, Sire de Canny, herzoglicher chambellan)
Reich begabt mit militärischen Fähigkeiten,
diplomatischer Gewandtheit, Beredsamkeit und einer attraktiven äußeren
Erscheinung, durchlief Jean von Dunois
eine brillante Karriere im Dienst der französischen
Könige Karl VII. und Ludwig XI.
Dunois wurde gemeinsam mit seinen legitimen Halbbrüdern Charles
(späterer Herzog von Orleans), Jean
(späterer Graf von Angouleme) und Philipp
(späterer
Graf von Vertus) erzogen. Da seine Halbbrüder
Jean und Charles bald in
englische Gefangenschaft gerieten (1412 bzw. 1415 und Philippe
bereits 1429 verstarb, war Jean von Dunois
das einzige Mitglied des Hauses ORLEANS,
das dessen Interessen wirksam zu verteidigen vermochte. In dieser Zeit
tritt er als sehr junger capitaine unter Karl
(VII.), dem "König von Bourges", auf. Zutiefst der Partei
der Armagnacs verbunden, heiratete Dunois 1422 Marie, die Tochter
von Jean Louvet, der in dieser Zeit bei Karl VII.
eine fast allmächtige Stellung einnahm. Zwei Jahre später mußte
Jean
von Dunois, nachdem sein Schwiegervater die königliche
Gunst verloren hatte, vorübergehend vom Hof weichen. Von 1426 an tritt
er hier jedoch erneut in Erscheinung, sich stützend auf eine Reihe
glanzvoller militärischer Erfolge, die er gleichzeitig mit den Waffentaten
der Jeanne d'Arc, ebenso aber auch vorher und nachher vollbrachte. Nach
dem Friedensschluß von Arras (1435) setzte sich
Jean Graf von Dunois vor allem für die Freilassung seiner
Halbbrüder ein; Charles d'Orleans
kehrte 1440, Jean d'Angouleme 1445
zurück. Danach übte Dunois eine Reihe diplomatischer Missionen
für Karl VII. aus (Burgund, England,
Savoyen). Dies hinderte ihn nicht, bei der Rückeroberung der Normandie
(1449-1450) und bei der ersten Eroberung der Guyenne (1451) eine entscheidende
Rolle zu spielen. Die Quellen legen nahe, daß Dunois während
der letzten Jahre Karls VII. zu den
zwei oder drei bedeutendsten Ratgebern im Conseil royal gehörte. Er
selbst beanspruchte neben dem Titel des grand chambellan auch
den jenigen eines königlichen lieutenant general im
Kriege, also gleichsam den Oberbefehl über alle königlichen Truppen
und festen Plätze. Nach 1461 gelang es ihm im Unterschied zu anderen
engen Ratgebern des alten Königs, auch mit dem Sohn und Nachfolger,
Ludwig
XI., in gutem Einvernehmen zu leben. Noch 1462-1463 befehligte
er einen leineren Feldzug nach Italien (Savona). Dennoch schloß er
sich, stets sensibel für die allgemeine politische Atmosphäre,
der Oppositionsgruppe der Liga Du Bien Public an (1465), in der er als
politischer Kopf Verhandlungsführer und Sprecher stark hervortrat.
Jean von Dunois verstand es, mit Ehren
aus dieser politischen Verstrickung wieder herauszukommen und das Vertrauen
des Königs zurückzugewinnen. Reich an Jahren, Ruhm und Reichtümern,
starb er 1468.
In seiner Jugend fast unbegütert, wurde er von
Karl VII. wie von Charles d'Orleans
mit einer Reihe von Herrschaften und Besitztümern ausgestattet, die
er ständig oder zeitweilig besaß; zu nennen sind die Grafschaften
Gien, Porcien, Vertus, Perigord und Mortain.
Bei den meisten dieser Übertragungen handelt es sich allerdings um
bloße Titel, die Dunois selbst selten führte; bei den Zeitgenossen
war er allgemein als "monseigneur le Batard" bekannt. Seite 1439
besaß er ständig die Grafschaft Dunois (nach der in den
zeitgenössischen Quellen üblicherweise genannt wird), seit 1433
auch die Grafschaft Longueville.
Aus seiner 2. Ehe mit Marie d'Harcourt (1439)
gingen mehrere Kinder hervor; unter ihnen Francois
(oo Agnes, Schwester der Charlotte von Savoyen,
der Gattin Ludwigs XI.), der seinem
Vater als Graf von Dunois folgte.
Ehlers Joachim: Seite 307,310,333-335,339,354,356,358,378
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"Geschichte Frankreichs im Mittelalter."
Als dritter Sohn war Karl
erst nach dem Tod seiner beiden älteren Brüder in die Stellung
des Thronfolgers eingerückt und im Alter von zehn Jahren mit
Maria verlobt worden. Aus dem Kreis der ANJOU
bildete sich die erste equipe Karls,
der 1415 auf einer Provence-Reise auch in Beziehung zu
Rene von Anjou getreten ist, der Karl
doch
nahezu sein ganzes Leben verbunden blieb, wie es auch Johann
Graf von Dunois, Bastard des Herzogs von Orleans, seit gemeinsam
verbrachten Kinderjahren war.
Johann, Bastard
von Orleans, konnte im Jahre 1427 den Grafen Warwick bei Montargis
schlagen, doch die militärische Überlegenheit der Engländer
blieb unangefochten. Karl besaß
keinen Feldherrn, der den gestürzten Richemont hätte ersetzen
können und en englischen Kommandierenden Suffolk oder Talbot gleichwertig
gewesen wäre. Johann, Bastard
von Orleans und später Graf von Dunois, war zweifellos
ein tapferer Mann, aber ihm und seinen Gefährten fehlte die strategische
Begabung.
Auf diesem Boden der Unzufriedenheit und der nicht erfüllten
Erwartungen bildete sich um die Herzöge von Bourbon und von Alencon
eine Opposition, der bald selbst Rene von Anjou
und
der 1439 zum Grafen von Dunois erhobene Bastard von Orleans angehörten.
Johann von Alencon hatte seinen in
der Normandie gelegenen Besitz durch den Krieg eingebüßt und
auch andere Güterverluste nach 1435 nicht ersetzt bekommen, der Herzog
von Bourbon sah seine Verteidigung Karls VII.
gegen Philipp den Guten nicht durch
hinreichend Einfluß im Conseil belohnt, Dunois warf dem König
Untätigkeit im Falle des seit Azincourt in englischer Gefangenschaft
festgehaltenen Herzogs von Orleans vor.
Am 20. Juli 1449 begann Dunois den Marsch auf Rouen;
im August erreichte er Lisieux. Fast gleichzeitig nehm der Herzog von Alencon
Seez, und im September erschienen auch Franz I.
von der Bretagne und Richemont auf dem Kriegsschauplatz; Coutances,
Granville, St-Lo wurden kurz nacheinender erobert. Am 9. Oktober stand
die königliche Armee vor Rouen. Zehn Tage später brach der erwartete
Aufstand in der Stadt los, so daß Dunois schon am Abend des 19. Oktober
einmarschieren konnte.
Der Gegensatz zu seinem Vater Karl
VII. blieb allerdings über dessen Tod hinaus bestehen,
zeigte sich im Bruch mit Johann von Dunois,
in der Entlassung Herzog Johanns II. von Bourbon
aus
der Regentschaft über die Guyenne.
Sprecher und politischer Führer dieser Ligue du
Bien public war Johann Graf von Dunois,
ihr nominelles Haupt aber der damals 18-jährige Bruder des Königs,
Herzog
Karl von Berry.
Dieser Rückschlag wurde teilweise dadurch ausgeglichen,
daß bald darauf führende Vertreter der Opposition wieder für
die Krone gewonnen werden konnten, vor allem Herzog
Johann von Bourbon durch Bestätigung seiner Statthalterschaft
und ein geheimes Bündnis gegen Ludwigs
Bruder Karl, Herzog
Johann von Lothringen durch das Versprechen, seine Ansprüche
auf Neapel zu unterstützen und vor allem Johann
von Dunois, der alle seine Güter zurückbekam.
1422
1. oo Marie de Louvet-Thiais, Tochter des Seigneur
Johann
um 1405- 1437
26.10.1439
2. oo Marie d'Harcourt-Montgomery, Tochter des
Baron Jakob II.
-1.9.1465
Kinder:
2. Ehe
Johann
- nach
27.8.1450
Franz I. Graf von Longueville
1447-25.11.1491
Marie
um 1444- nach 13.12.1499
16.6.1466
oo Ludwig de la Haye Seigneur zu Beaumont
-
Katharina
-30.5.1501
16.3.1468
oo Jean de Commercy Graf zu Roucy-Braine
-19.6.1497
Literatur:
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Ehlers Joachim: Geschichte Frankreichs im Mittelalter.
W. Kohlhammer GmbH 1987 Seite 307,310,317,324,333-335,339,342,344,354,
356,358,378 - Ehlers Joachim/Müller Heribert/Schneidmüller
Bernd: Die französischen Könige des Mittelalters. Von Odo bis
Karl VIII. 888-1498. Verlag C. H. Beck München 1996 Seite 326,330,340,346
- Favier, Jean: Frankreich im Zeitalter der Landesherrschaft 1000-1515.
Deutsche Verlagsanstalt Stuttgart 1989 Seite 396,408,436 - Jurewitz-Freischmidt
Sylvia: Die Herrinnen der Loire-Schlösser. Königinnen und Mätressen
um den Lilienthron. Casimir Katz Verlag, Gernsbach 1996 Seite 47,50,55
- Kendall Paul Murray: Ludwig XI. König von Frankreich 1423-1483
Verlag Callway München 1979 Seite 58,71,81,161,164,169,181,203,207,216,226,236,442,526
- Saller Martin: Königin Isabeau. Die Wittelsbacherin auf dem
Lilienthron. Nymphenburger Verlagshandlung GmbH, München 1979 Seite
164, 179,308 - Tuchmann Barbara: Das ferne Mittelalter. Das dramatische
14. Jahrhundert. Deutscher Taschenbuch Verlag 1980 Seite 519 -