Nachgeborene und einzige Tochter des
Königs Jakob V. von Schottland aus seiner 2. Ehe mit der
Maria
von Guise, Tochter von Herzog Claudius I.
Biographien zur Weltgeschichte. Lexikon: Seite 365
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Maria Stuart, Königin von Schottland
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* 7. oder 8.12.1542, + 8.2.1587
Linlithgow (Schottland) Fotheringhay (England)
Maria Stuart erbte
bei Tod ihres Vaters Jakob V. am 14.12.1542
die Krone; ihre Mutter (Maria von Guise + 1560)
übernahm die Regentschaft.
Maria Stuart wurde
ab 1548 am französischen Hof katholisch erzogen und im April 1558
mit dem Dauphin (ab 1559 König Franz II.,
+ 1560) verheiratet. Sie kehrte im August 1561 nach Schottland
zurück. Marias Herrschaft war
labil wegen der innenpolitischen Opposition der militanten Kalvinisten
unter John Knox und der Feindschaft Elisabeths
I., die Marias von Frankreich
bzw. Spanien unterstützten Anspruch auf die englische Krone fürchtete.
Marias
2. Ehe (1565 bis 1567) endete mit der Ermordung ihres Gatten Lord Darnley;
3 Monate später heiratete sie den des Mordes verdächtigen Lord
Bothwell. Im Juni 1567 erhoben sich die protestantischen Lords unter
dem proenglischen Earl of Murray und setzten Maria
Stuart ab, die 1568 nach England floh. Elisabeth
internierte Maria Stuart
und anerkannte deren minderjährigen Sohn
Jakob als schottischen König unter Murrays Regentschaft.
Maria
Stuart konspirierte während ihrer Haft wiederholt mit dem
Ziel, Elisabeth zu ermorden und mit
Hilfe französischer und spanischer Truppen die Macht in England zu
übernehmen und die Gegenreformation durchzuführen. Ihr Todesurteil
wurde im Oktober 1586 gefällt und 3 Monate später vollstreckt.
Als Prätendentin des in- und ausländischen katholischen Feudaladels
wirkte Maria Stuart gegen die nationalen
Interessen Englands.
MARIA STUART - die Berühmte
* 5. Dezember 1542, + 8. Februar 1587
Schloß Linlithgow
Fotheringhay
Gemahlin Franz' II. (* 1544; König: 1559-1560)
Heirat: 24. April 1558 Paris
In der Schlacht von Solway Moss 1542 gegen Heinrich
VIII. von England werden die mit Frankreich verbündeten
Schotten geschlagen. Kurz darauf stirbt Jakob
V. Stuart, König von Schottland.
Er hinterläßt nur eine wenige Tage alte Tochter, die neue Königin,
und ihre Mutter Maria, eine Französin.
Sie stammt aus dem ultrakonservativen Haus GUISE. Am 9. September
1543 - mit neun Monaten - wird Maria Stuart
in Stirling zur Königin gekrönt. Ihre Mutter führt
die Regentschaft. Maria lebt die ersten
Jahre mit ihren Halbgeschwistern, aus einer ersten nichtehelichen Verbindung
ihrs Vaters, zusammen. Als Regentin von Schottland stellt sich Maria
von Guise natürlich gegen den von Heinrich
VIII. in England eingeführten Reformkurs. Ein Verlobungsprojekt
mit dessen Sohn und Nachfolger Eduard VI.
scheitert. Und Maria verlobt 1548 ihre
Tochter mit dem etwa gleichaltrigen französischen
Dauphin Franz.
Maria wird mit fünf
Jahren und acht Monaten nach Frankreich gesandt, um dort auf die Rolle
als Königin vorbereitet zu werden. Sie wird, wie die Königskinder
Frankreichs, der Mätresse des Königs, Diane de Poitiers, übergeben.
Maria
lernt mehrere Sprachen, schreibt Gedichte und lernt das luxuriöse
und vergnügliche Leben am Hofe kennen. Sie ist stolz, sich ihres königlichen
Blutes bewußt. Sie ist eine impulsive Heranwachsende, die ihre Leidenschaften
nur schwer beherrscht. Sie ist liebevoll und großzügig. Im Alter
wird sie von sich sagen: "Ich litt lieber tausend Tode als mich irgendwem
unterworfen zu fühlen." Andere beschreiben sie als unüberlegt,
aufbrausend,
starrsinnig und beeinflußbar. Sie ist
sportlich, kokett, lebhaft und hübsch.
Die glänzenden Heirat findet am 24. April 1558 in
Anwesenheit des ganzen Hofes in Notre-Dame de Paris statt. Das Fest dauert
drei Tage. Man munkelt von einem geheimen Zusatz zum Heiratsvertrag. Sollte
Maria
kinderlos sterben, fallen ihre Rechte auf Schottland und England dem Hause
VALOIS zu.
Der Turniertod Heinrichs II.
macht sie im Juni 1559 zur Königin von Frankreich, das Ableben
ihrer Mutter im Juni 1560 auch zur Königin von Schottland.
Franz
II., ihr Gemahl, hat weder die Zeit noch die Kraft, seiner Mutter
Katharina die Zügel aus der Hand
zu nehmen. Er stirbt bereits eineinhalb Jahre nach seiner Krönung
kinderlos, am 5. Dezember 1560 in Orleans. Auch
Maria
hatte keinerlei Chancen, sich gegen ihre dominante Schwiegermutter durchzusetzen.
Die Onkel der achtzehnjährigen Witwe, die GUISE,
wollen Maria umgehend an einen neuen
Gemahl verkuppeln: den Infanten Don Carlos,
Sohn Philipps II. von Spanien. Aber
Katharina
verhindert dieses für das europäische wie innenpolitische
Gleichgewicht gleichermaßen gefährliche Vorhaben. Auch mit anderen
Prätendenten - dem neuen
König Karl
IX., Franz' II. Bruder,
dem Herzog von Anjou, dem jungen Prinzen Conde - kommt es zu keiner Ehe.
Maria kehrt statt dessen im Mai 1561, zum Vergnügen ihrer
Schwiegermutter, politisch völlig unerfahren nach Schottland zurück.
In den dreizehn Jahren ihrer Abwesenheit hat sich vieles
ereignet. In England herrscht seit 1558 Elisabeth
I., und die Schotten haben 1560 durch den Vertrag von Edinburgh
ihre Thronbesteigung anerkannt, während Maria
ihrerseits
ihre Ansprüche aufrecht erhält. Das Parlament von Edinburgh hat
1560 den Protestantismus zur Staatsreligion erklärt, die John Knox
eifrig predigt. Maria ist und bleibt
katholisch. Sie umgibt sich aber, diplomatisch, mit protestantischen Beratern.
Heiratsangebote der europäischen Höfe lehnt sie ab, um sich am
29. Juli 1565 in der Schloßkapelle von Holyrood mit einem schottischen
Verwandten, Heinrich Stuart, Lord Darnley zu vermählen,
der allerdings kein besonders starker Charakter ist. "In der Blüte
ihres Alters, geschätzt und geliebt von ihren Untertanen", bringt
sie am 19. Juni 1566 einen Sohn zur Welt - Jakob
VI. von Schottland und künftigen
Jakob I. von England.
Zwischen Maria und
ihrem Mann entwickelt sich ein Klima der Gewalt. Maria
erlebt die Ermordung ihres Favoriten David Rizzio, die wohl von Darnley
angestiftet ist. Seinen Höhepunkt findet der Ehekrieg im Februar 1567,
als Darnley auf Anstiftung Marias
und ihres neuen Favoriten Bothwell ermordet wird. Darnley
fliegt mit seinem Haus in Kipk O'Field in die Luft. Maria
heiratet Bothwell am 15. Mai 1567 nach protestantischem Ritus, was
Rom, die katholischen Höfe Europas und ihren Adel enstetzt. Neue politische
und religiöse Probleme und die Folgen der Darnley-Affäre stellen
den schottischen Adel gegen die Königinm, die bei Carberry Hill geschlagen
wird. Gefangengenommen muß sie am 26. Juli in Lochleven zugunsten
ihres Sohnes abdanken. Ihr Halbbruder Moray wird Regent. Maria
hat die Macht verloren. Sie kann fliehen, begeht nunmehr den Fehler, sich
in England unter den Schutz ihrer Cousine Elisabeth
I. stellen zu wollen. Marias
Anwesenheit in England birgt aber das Risko, daß sich die starke
katholische Minderheit gegen Elisabeth
verbündet. Da Elisabeth selbst
keine Kinder hat, könnte Maria Thronansprüche
erheben. Kurz: sie ist eine Rivalin. Achtzehn Jahre lang wird Maria
von Elisabeth deshalb in verschiedenen
Schlössern gefangengehalten. Intrigen, Pläne zu ihrer Befreiung,
um sie auf den Thron zu heben, Interentionen Roms, Spaniens, Heiratsprojekte
um die Gefangene (etwa mit Don Juan d'Austria,
Barbara Blombergs und KARLS V. Sohn)
folgen. Elisabeth mißhandelt
ihre Cousine nicht, ist sich aber stets der Gefahr bewußt, die sie
darstellt. Eine letzte Verschwörung im Mai 1586 führt in die
Tragödie. Das katholisch-spanische Unternehmen sieht eine Landung
von Truppen bei gleichzeitiger Erhebung der Katholiken in England, die
Befreiung Marias und die Ermordung
Elisabeths
vor. Am 20. September 1586 werden der Urheber Babington und seine Komplizen
hingerichtet.
Im Oktober 1586 findet in Westminster der Prozeß
statt. Die Anklageschrift lautet: "Besagte Maria
Stuart, die Ansprüche auf den Thron des Königreiches
England erhebt, hat Pläne ausgearbeitet und gebilligt, die zum Ziel
hatten, die königliche Person unseres Souveräns, der Königin
von England zu zerstören oder zu töten." Nach dieser Beschuldigung
kann das Urteil nur auf Tod durch Enthauptung lauten. Die Könige von
Farnkreich und Spanien entsenden Botschaften, um gegen das Verdikt zu protestieren.
Aber sind sie zu einem diplomatischen Bruch, zum Krieg bereit, um die Verurteilte
zu retten? Auch der schottische König, ihr Sohn, protestiert, ist
aber über die Neutralisierung einer für seine dynastische Zukunft
störenden Mutter nicht unglücklich.
Elisabeth tut alles,
damit ihr Opfer ein Gnadenegsuch unterzeichnet.
Maria, aufrecht und tapfer, lehnt das ab. Stefan Zweig meint,
Maria
Stuart hatte weniger Angst zu sterben als
Elisabeth, sie zu töten. Dieses Ringen dauert mehrere Monate.
Dann legt Maria Stuart am 8. Februar
1587 mit vierunfvierzig Jahren ihren Hals auf den Richtblock. In England
gibt es Freudentänze, in Frankreich trägt der neue
König Heinrich III. Trauer. Die katholischen Länder
preisen die "Märtyrerkönigin", die "Heldin des Glaubens". Sechs
Monate nach der Hinrichtung wird sie in der Kathedrale von Peterborough
begraben. Ihr Sarg wird 1612 nach Westminster überführt. Ihr
Sohn Jakob wird
Elisabeth I. 1603 auf dem Thron nachfolgen.
Gelassen betrat Maria Stuart
am 8. Februar 1587 die Halle, in der das Blutgerüst stand,
und stieg erhobenen Hauptes die Stufen zum Schafott empor. So war sie im
Jahre 1557 als 15-jährige Königin zum Thronwechsel Frankreichs
emporgestiegen, und so wäre sie zum Thronsessel Englands geschritten,
wenn andere Gestirne über ihrem Geschick gewaltet hätten. Demütig
und stolz zugleich beugte sie ihr Haupt unter dem Henkersbeil, das erst
nach 3 Schlägen das Haupt vom Rumpf trennte. In dieser Stunde starb
die Königin zweier Reiche, die Herrscherin, die auf die Königskronen
von Frankreich, England und Schottland Anspruch erhoben hatte und die beinahe
auch die Krone Spaniens getragen hätte. Nach dem Tode ihres 1. Gemahls,
des französischen Königs Franz II.,
heiratete Maria, die aus dem schottischen
Königsgeschlecht der STUARTS stammte,
Lord
Darnley und erhob ihm zum König von Schottland. Er war einer der
vielen, die ihretwillen das Leben lassen mußten. Ihr 3. Gemahl war
Lord Bothwell, der Mörder Darnleys. Als sie schließlich
als angebliche Mitwisserin an diesem Morde und aus religiösen Gründen
zur Flucht nach England gezwungen wurde, ahnte sie nicht, dass sie damit
den Weg in die Freiheit für immer hinter sich verschloß. Bei
ihrer Verwandten, der Königin Elisabeth von
England, fand sie nicht den erhofften Schutz; hier erwartete
sie eine 19-jährige Gefangenschaft und schließlich die Verurteilung
zum Tode, da man sie der Verschwörung gegen Elisabeth
bezichtigte. Kein Genius, sondern ein Dämon war der ihr Leben bestimmende
Geist. Eine unkontrollierte Leidenschaftlichkeit raubte ihr oft die politische
Besonnenheit und Weitsicht. Mutig und ungebrochen jedoch, in wahrhaft königlicher
Haltung, unterwarf sie sich dem Tod.
Kenyon J.P.: Seite 125
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"Die Stuart" in Die großen Dynastien:
Der zu frühe Tod Jakobs
V. im Jahre 1542 läutete die bis dahin längste Minderjährigkeiten-Regentschaft
ein, denn seine Tochter Maria war damals
erst eine Woche alt. Als man ihm die Nachricht von der Geburt seiner Tochter
übermittelte, wandte er sich ab und faßte die Geschichte seiner
Familie mit folgenden Worten zusammen: "Sie begann mit einem Kind und wird
mit einem Kind zu Ende gehen."
In Wirklichkeit wurde Maria,
die Königin von Schottland (1542-1567), eine der berühmtesten
STUART.
Ihr Name wurde der Inbegriff für Liebesabenteuer und Liebesaffären.
Sie hatte eine französische Mutter (Maria
von Guise) und wurde am französischen Hof großgezogen.
Nach Edinburgh kehrte sie erst im Jahre 1561 zurück, nachdem sie bereits
eine Ehe mit König Franz II. von Frankreich,
der im Jahr zuvor gestorben war, hinter sich hatte. Als damit der französische
Thron in weite Ferne gerückt war, winkte ihr gleichzeitig der von
England, denn Königin Elisabeth,
das letzte überlebende Kind Heinrichs VIII.,
hatte verlauten lassen, sie wolle niemals heiraten. Auf diese Weise kam
Maria als Enkelin der ältesten
Schwester Heinrichs VIII., die Margarete
hieß und mit König Jakob IV.
von Schottland verheiratet gewesen
war, in der Erbrangfolge der nächste Platz zu.
Unglücklicherweise gelang es ihr aufgrund ihres
überzeugten Katholizismaus nicht, sich in Schottland eine Machtgrundlage
zu schaffen. In dem Strudel schottischer Politik bediente sie sich zuerst
ihres weiblichen Charmes und mit Hilfe von Eheversprechen, um die Adligen
ihres Landes gegeneinander auszuspielem. Sie warf diese Waffe aber über
Bord sobald sie sich 1565 für Lord Darnley entschieden hatte.
Sie gebar ihm im darauffolgenden Jahr einen Sohn; ihre Ehe aber ging auf
spektakuläre Weise auseinander. Als Darnley 1567 auf mysteriöse
Art und Weise umgebracht wurde, fiel der erste Verdacht auf sie. Ihre anschließende
Flucht mit James Hepburn, dem Earl von Bothwell, der als
widerwärtiger Abenteurer galt, wurde als eine für die Krone unwürdige
Tat eingestuft, worauf Maria mit Hilfe
eines überraschenden Staatsstreiches durch ihren 1-jährigen Sohn
ersetzt wurde, der als Jakob VI. (1567-1625) zum
König von Schottland ernannt wurde. 1568 gelang es ihr, dem Gewahrsam
zu entkommen und nach England zu reisen, wo sie sich lediglich eine dauernde
Gefangennahme einhandelte. Königin Elisabeth
war nur zu froh, die Thronerbin unter ihrer Kontrolle zu haben,
die zu gefährlich war, um freigelassen zu werden; außerdem lastete
auf Maria immer noch der noch nicht
entkräftete Verdacht, Mörderin ihres Ehegatten zu sein. Ihr Glaube
war natürlich Anlaß dafür, dass wegen ihr etliche Katholikenaufstände
gegen Elisabeth angezettelt wurden.
Im Jahre 1587 beugte sich die Königin schließlich dem Druck
ihres Parlamentes und ihrer Minister und ließ Maria
hinrichten.
Mahoney Irene: Seite 46,57,62,75,85,369-372
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"Katharina von Medici"
Die Anteilnahme Frankreichs an schottischen Angelegenheiten
steigerte sich noch, als die Tochter Marias von
Guise, die fünf Jahre alte schottische
Königin Maria Stuart, nach Frankreich als die angelobte
Braut des Dauphins gebracht wurde, um sie vor den Wirren in ihrem eigenen
Land zu schützen. Die nächsten zehn Jahre weilte sie am französischen
Hof unter Aufsicht ihrer Onkel, des Herzogs von Guise und des Kardinals
von Lothringen. Von Anfang an wurde sie wie eine Art heiliges Kind angesehen,
fehlerfrei an Körper und Geist. "Sie ist das schönste Kind, das
ich jemals gesehen habe", soll Heinrich II. angeblich
gesagt haben, als Maria im Oktober
1548 ankam. Vier Jahre später schrieb der Kardinal, dass sie täglich
an Güte, Schönheit und Weisheit zunehme, und dass "der König
Gefallen an ihr findet", während sie wiederum weiß, wie man
mit ihm umzugehen habe, "wie eine Frau von 25".
Lange vor ihrer Vermählung mit dem Dauphin hatte
Maria
Stuart - hübsch, intelligent, gebieterisch,
und unter sorgfältiger Obhut ihrer Onkel - das Gleichgewicht am Hof
ins Wanken gebracht. "Die Königin der Schotten und ihr Haus ... geben
am Hof den Ausschlag", schrieb der englische Gesandte im Winter 1551.
Nach dem Tode Heinrichs II.
war
seine ihm seit 15 Monaten angetraute Gemahlin, ihm in so mancher Hinsicht
überlegen, unfähig, ihn zu trösten, denn
Maria
Stuart, weiß wie der Tod, schien durch die plötzliche
Wende der Dinge verwirrt. Die Tage der Ungewißheit hatten beide an
den Rand der Erschöpfung gebracht, während sie mit Furcht und
Bestürzung auf die Krone warteten, die auf sie übergehen sollte.
Sogar die schlanke, lyrische Anmut der
jungen Königin blieb während der Krönung nicht unbeeindruckt,
denn einige Wochen vorher ging unter den Gesandten das Gerede, Maria
Stuarts Gesundheit wäre angegriffen. "Die junge Königin
leidet am Schwindsucht; sie hat nicht mehr lange zu leben", hatte
der toskanische Gesandte Ricasoli nach Florenz berichtet.
Der französische Hof mit seiner Vorliebe für
schöne Frauen rechnete es sich als Stolz und Freude an, den Thron
der Königin durch ein Mädchen geziert zu sehen, das als eines
der schönsten in Europa galt. Ihre Schönheit war dergestalt,
dass sie "die Sonne verdunkelt", schrieb Brantone und fügte hinzu:
"Und was ihren Geist anbelangt, so suchte er seinesgleichen."
Schon im November des vorausgegangenen Jahres hatte Killigrew
an Elisabeth von England geschrieben,
dass der junge König und die Königin ihren feierlichen Einzug
in Chatellerault unter einem karmesinrotem Damast mit den darauf gestickten
Wappen von England, Frankreich und Schottland gehalten und den Titel Franciscus
et Maria, Dei gratia, Rex et
regina Franciae, Scotiae, Angliae, et Hiberniae
gebraucht hätten. Im folgenden Frühjahr ging eine weitere Depesche
nach England, die Maria Stuarts anmaßendes
Verhalten beschrieb: "Sie hat sich in Ansprachen, von Zeremonienmeistern,
in Schriftstücken, Siegeln und bei Widmungen auf Triumphzügen
und von Herolden als Königin von England titulieren lassen."
Maria Stuart tat
trotz ihrer zerbrechlichen Gesundheit was sie konnte, um ihren todkranken
Gatten zu pflegen. Nach dessen Tode wurde sie jetzt selbst, nachdem sie
17 Monate Königin gewesen war, in die Ecke gedrängt. Zweifellos
weinte sie um eine verlorene Krone und wegen einer ungewissen Zukunft,
aber es ist sicher nicht übertrieben, anzunehmen, dass sie auch um
einen dahingegangenen und ihr zugetanen Gefährten weinte, der für
kurze Zeit ihr Gemahl gewesen war. Es wäre töricht, aus ihrer
Ehe eine Romanze oder gar eine Leidenschaft zu machen, aber Maria
und Franz hatten eine kleine Weile
ihres Lebens miteinander verbracht. Es besteht keinerlei Anlaß zu
glauben, dass Marias Schluchzen, das
ihre Zeitgenossen beobachtete hatten, etwa nicht aufrichtig gewesen sei.
Nach dem Tode Franz' II.
war sie von Frankreich in See gestochen, um die Herrschaft im "eigenen
Land" anzutreten. Damals, kaum 19 Jahre alt, hatte sie sich nach Schottland
eingeschifft mit der ganzen Arroganz der Jugend, stolz auf ihre
Schönheit und Anmut, die Tragödie des vorzeitigen Todes ihres
Gatten überstrahlt von Gedanken an zukünftigen Ruhm. Es war ein
Ruhm, der sich ihr freilich ständig entziehen sollte. Von Anfang an
stand ihre Art im krassen Widerspruch zu der ihrer berockten schottischen
Höflinge. Sie hielten sie für überheblich, eitel,
herrisch;
sie war halb französisch - und sie war katholisch. In einem von der
Theologie des John Knox beherrschten Landes waren dies erhebliche Nachteile.
Sie war außerdem (obwohl ihre Bewunderer dies niemals zugeben wollten)
ein wenig töricht. Sie hatte sich vorgenommen, Königin
nach französischer Art zu sein, und ihr
autokratisches Gebaren
wirkte oft abweisend auf diejenigen, die vorhatten, ihr die Wahrheit zu
sagen, und ließ sie oft in die Netze derjenigen gehen, die ihr schmeicheln
wollten. Sie beging sehr viel Fehler, zwiespältig und schlecht beraten
fiel sie von einer Torheit in die andere. Sie war wahrscheinlich weder
bösartig noch unfehlbar. Wäre sie keine Königin gewesen,
so hätte es sicher in jenen Tagen ausgereicht, würde sie ihr
Gemahl von Zeit zu Zeit angefahren oder unter Hausarrest gestellt haben,
sobald ihre Launen für ihr besseres Ich die Vorhand gewannen.
Königinnen sind unglücklicherweise nicht so
leicht lenkbar. Verantwortlich gemacht für die Ermordung ihres zweiten
Gemahls und zwangsweise vom dritten geschieden war sie im Vertrauen darauf
nach England geflohen, dass ihre Base Elisabeth
sie vor ihren aufsässigen Untertanen retten würde. Statt dessen
erlitt sie eine Haft von 19 Jahren Dauer und war in dieser Zeit unaufhörlich
in Verschwörungen verwickelt, um ihre Freiheit wiederzuerlangen -
Verschwörungen, die ganz unvermeidlich ElisabethsStellung
bedrohten. Im Zusammenhang mit der Babington-Verschwörung im Jahre
1586 wurde sie schließlich des Hochverrats für schuldig
befunden und trotz des einhelligen Widerstandes der katholischen Christenheit
hingerichtet.
Im Juli 1586 hatte Maria,
die nicht wünschte, dass der Thron auf ihren protestantischen Sohn
überging, Philipp II. von Spanien durch
Mendoza schon davon in Kenntnis setzen lassen, dass sie, wenn er zu ihrer
"Unterstützung" entschlossen sei, "meine Nachfolgerechte auf die Krone
abtreten und testamentarisch auf den König, Ihren Herrn, übergehen"
lassen würde. Es war ein ungewöhnliches Versprechen, noch außergewöhnlicher,
wenn man sich vergegenwärtigt, dass die Krone, auf die sie anspielte,
ja nicht nur die von Schottland, sondern auch die von England war. Infolgedessen
betrachtete sich Philipp nach Marias
Tod als der rechtmäßige Erbe des englischen Thrones.
DAS NEUE vom 11.12.1999
Maria Stuart
Sie heiratet den Mörder ihres Mannes
Als blutjunge Witwe des französischen
Thronerben Franz II. kehrt sie, erst 17 Jahre alt, nach Schottland
zurück. Vorbei die glanzreichen Tage am Hof von Paris. Maria
Stuart, Königin von Schottland, starrt hinaus in
düsteres Hochmoor und trübe Regentage, Reiten und Bogenschießen
sind ihr neuer Zeitvertreib.
Das ändert sich, als sie dem 19-jährigen Lord
Henry Darnley begegnet, einem jungen Mann mit kultivierten Umgangsformen,
femininen Gesichtszügen und imposanter Statur.
Maria Stuart, selbst
mit 1,80 Metern ungewöhnlich groß, findet Gefallen an diesem
Mann, der so vorzüglich auf der Laute spielen und französische
Gedichte vorlesen kann. Pläne ihres Bruders, sie mit dem spanischen
Thronerben Don Carlos zu verheiraten, ignoriert sie. Sie will
nur einen: Lord Darnley. Sie bittet Königin
Elizabeth I. von England, deren Günstling Darnley ist,
um die Einwilligung. Doch Elizabeth
wittert Verrat: Will die Schottin etwa auch die englische Krone an sich
reißen? Antrag abgelehnt.
Maria Stuart setzt
ihren Kopf durch: Ohne Elizabeths Einwilligung,
ohne das Einverständnis ihres Bruders heiratet sie am 29. Juli 1565
auf Holroyd Castle ihren geliebten Lord Darnley. Schon bald verblaßt
der Glanz. Darnley entpuppt sich als eitel und auch ziemlich beschränkt,
vielleicht auch eine Folge der vielen durchzechten Nächte. Maria
erkennt:
Sie hat nicht das große Los gezogen, sondern eine Niete. Von der
sie das Schicksal allerdings schnell befreit: Mit 21 kommt Lord Darnley
auf mysteriöse Weise ums Leben.
Unter Verdacht, der Mörder zu sein, gerät der
Earl of Bothwell. Maria heiratet
ihn trotzdem - nur 3 Monate nach Darnleys Tod. Unmöglich, findet der
schottische Adel und verbündet sich gegen das skandalöse Paar.
Bothwell flieht, Maria begibt sich
nach England. Ein Fehler. Denn Königin Elizabeth
läßt sie festsetzen, nach 18 Jahren Haft wird Maria
Stuart enthauptet. Offizieller Grund: Beteiligung am Tod ihres
Gatten, Lord Darnley.
24.4.1558
1. oo Franz II. König von Frankreich
x 19.1.1544-5.12.1560
29.7.1565
2. oo Heinrich Stuart Lord Darnley
7.2.1545-10.2.1567
15.5.1567
3. oo Jakob Hepburn Graf von Bothwell
x 1536-14.4.1578
Kinder:
2. Ehe
Jakob VI.
19.6.1566-27.3.1625
Literatur:
-----------
Ferdinandy Michael de: Philipp II. Bechtermünz
Verlag Augsburg 1996 Seite 136,186,194,204,240,285,363,373,403 - Fraser
Antonia: Die sechs Frauen Heinrichs VIII. Claasen Verlag GmbH Hildesheim
1995 Seite 116,404,405,419,452,474,476,483 - Hartmann Peter Claus:
Französische Könige und Kaiser der Neuzeit. Von Ludwig XII. bis
Napoleon III. 1498-1870. Verlag C. H. Beck München 1994 Seite 77,91,102
- Jurewitz-Freischmidt Sylvia: Die Herrinnen der Loire-Schlösser.
Königinnen und Mätressen um den Lilienthron. Casimir Katz Verlag,
Gernsbach 1996 Seite 223,231,249-251,256,259,267,271-274,356,395,412 -
Lavater-Sloman
Mary: Elisabeth I. Herrin der Meere, Gustav Lübbe Verlag GmbH Bergisch
Gladbach 1988 - Mahoney Irene: Katharina von Medici. Königin
von Frankreich. Eugen Diederichs Verlag München 1994 Seite 46,57,62,73,75,85,89,105,164,166,281,369-372,409
- Neale John E. Elisabeth I. Königin von England. Eugen Diederischs
Verlag München 1994 Seite 99-456 - Ridley Jasper: Heinrich
VIII. Eine Biographie. Weltbild Verlag GmbH Augsburg 1995 Seite 97,340,414-415,417,424
- Schreiber Hermann: Die Stuarts. Genie und Unstern einer königlichen
Familie. Bechtermünz Verlag GmbH Eltville am Rhein 1995 Seite 17,23-78,79,89,91,93,236,316
- Taillander Saint-Rene Madeleine Marie Louise: Heinrich IV. Der
Hugenotte auf Frankreichs Thron. Eugen Diederichs Verlag München 1995
Seite 12,14,22,25,109,147, 158,224,311,351,368,373 - Tamussino Ursula:
Maria von Ungarn. Ein Leben im Dienst der Casa de Austria Verlag Styria
Graz Wien Köln 1998 Seite 143,205 - Treffer Gerd: Die französischen
Königinnen. Von Bertrada bis Marie Antoinette (8.-18. Jahrhundert)
Verlag Friedrich Pustet Regensburg 1996 Seite 256-259 - Treffer
Gerd: Franz I. von Frankreich Herrscher und Mäzen Verlag Friedrich
Pustet Regensburg 1993 Seite 296,311 -