Älteste Tochter des Königs
Philipp I. von Kastilien und der Johanna
der Wahnsinnigen von Kastilien-Aragon, Tochter von König
Ferdinand II.; Lieblingsschwester Kaiser
KARLS V.
Bedürftig Friedemann: Seite 62
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"Taschenlexikon Karl V."
ELEONRE VON FRANKREICH
* 15.11.1498, + 18.2.1558
Brüssel
Badajoz
Das hätte KARL V.
noch gefehlt: Eine Liebesheirat der älteren Schwester Eleonore!
Einm 1517 abgefangeners Billedoux des späteren Pfalzgrafen Friedrich
II. an die blonde Schönheit, die wie der kaiserliche Bruder am
Hof der Tante Margarete von Österreich aufgewachsen
war, alarmierte KARL, der weit höhere
Pläne mit der "Lieblingsschwester" hatte. Schleunigst verheiratete
er sie 1519 mit dem über 50-jährigen König
Emanuel von Portugal, der bereits 1521 starb, so daß
Eleonore für neue Projekte (unter anderem eventuelle Verheirateung
mit Bourbon) zur Verfügung stand.
Nach dem Sieg über den französischen
König Franz I. willigte dieser im Frieden von Madrid
1526 in eine Ehe mit der HABSBURGERIN ein,
widerrief das Versprechen aber, als er wieder frei war. Erst 1529 mußte
er es im Damenfrieden von Cambrai einlösen. Doch wenn sich KARL
von
der Verbindung die Ruhigstellung des unbequemen Gegners verprochen hatte,
so ging die Rechnung nicht auf. Eleonore
gewann keinerlei Einfluß auf ihren zweiten Mann, auch weil sie ihm
keine Kinder gebar. Ihre Versuche, die Stiefkinder aus der ersten Ehe des
Königs mit habsburgischen Verwandten
zu verheiraten, scheiterten ebenso wie der Vorschlag, KARL
V. solle die französische
Prinzessin Margarete zur Frau nehmen. Der Kaiser lehnte
dieses zweitweilig erwogene Projekt 1542 endgültig ab. 1547 erneut
verwitwet, ging Eleonore in ihre Heimatstadt
Brüssel und folgte dem Bruder 1556 nach Spanien.
1. ELEONORE, Erzherzogin
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* 15.11.1498, + 18.2.1558
Brüssel
Talaveruela/Spanien
Grabstätte: Monasterio de San Lorenzo de elö Escorial - Pantheon der Infanten
1. oo 7.3.1519 in Lissabon
MANUEL
I., König von Portugal aus dem Hause
AVIZ 1495-1521
* 1.6.1469, + 13.12.1521
Lissabon Lissabon
Grabstätte: Kirche Santa Maria beim Jeronimuskloster in Lissabon
Eltern: Fernando, Herzog von Viseu, und Beatrix, Infantin von Portugal, Tochter Johannes', Prinz von Portugal
2. oo 5.8.1530 in Paris
FRANZ
I., König von Frankreich aus dem Hause
VALOIS 1515-1547
* 12.9.1494, + 31.3.1547
Cognac Rambouillet
Grabstätte: Kathedrale von Saint Denis bei Paris
Eltern: Karl, Graf von Angouleme,
und Luise, Prinzessin von Savoyen, Tochter Philipps I., Herzog von Savoyen
ELEONORE VON HABSBURG - die Schwester
des Erzfeindes
Zweite Gemahlin Franz' I. (+ 1494; König: 1515-1547)
Geboren: 15. November 1498, Löwen - Heirat: 7. Juli 1530, Mont-de-Marsan - + 18. Februar 1558, Talavera de la Reina
Nachdem Franz I. die
Schlacht von Pavia im Januar 1525 verloren hat, wird er in den Turm des
Alcazar zu Madrid verbracht. Kaiser KARL V.
behandelt ihn keineswegs so ritterlich, wie sich
Franz das vorgestellt hat. Um freizukommen, muß er einen
harten Vertrag unterzeichnen. Er muß seine Söhne dem Feind als
Geiseln nach Spanien ausliefern, wo die Prinzen von Frankreich fortan in
recht üblen Verhältnissen schmachten, und sich verpflichten,
Eleonore,
die Schwester KARLS V., zu heiraten.
Eleonore ist allerdings
eine der prächtigsten Prinzessinnen der Zeit und damit eine Partie,
bei der es mehr um Politik als um Zuneigung geht. Sie ist die ältere
Schwester des mächtigsten Monarchen, den Europa kennt, KARLS
V., des Kaisers, in dessen Reich die Sonne nicht untergeht.
Ihre Geschichte ist von zarter Jugend auf tragisch und dramatisch. Ihr
Vater stirbt 1506, ohne sein dreißigstes Lebensjahr erreicht zu haben,
als sie acht Jahre alt ist. Ihre Mutter Johanna,
Königin von Kastilien, verliert darüber den Verstand.
Man wird sie fortan "Johanna die Wahnsinnige"
nennen. Eleonores Abkommenschaft väterlicherseits
ist vom Feinsten: Kaiser MAXIMILIAN
und Maria von Burgund, Tochter Karls
des Kühnen. Nicht weniger beeindruckend ist ihre Herkunft
mütterlicherseits: die Katholischen Könige Spaniens, Ferdinand
von Aragon und Isabella von Kastilien.
Kein Wunder, daß ihr Bruder KARL zum
Herrscher über ein Weltreich aufsteigt und sie eine überaus begehrte
Prinzessin ist.
Über Eleonores
Aussehen gehen die Meinungen auseinander. Die Spanier rühmen ihre
Schönheit, ihre langen kupferblonden Haare, ihren kleinen, vollen
Mund. Die Franzosen urteilen anders: Sie finden, sie habe eine "feste,
zu tiefe Taille."
Franz hat - ganz
anders als etwa Ludwig XI. Respekt
vor den Frauen. Wer sie beleidigt, riskiert an seinem Hof das Exil. Er
läßt seine Frau nicht spüren, daß allein politische
Gründe zu dieser Ehe geführt haben. Das heißt nicht, daß
er keine anderen Gefährtinnen hätte, Anna de Pisselieu - die
Mätresse en titre - verheiratet er an einen desinteressierten Ehemann
und macht sie zur Herzogin von Etampes. Mit zwanzig war Eleonore
1519 mit dem wenig anziehenden, fünfzigjährigen König
Manuel I. von Portugal verheiratet worden. Sie hatte zwei Kinder
zur Welt gebracht, fand sich schon 1521 als Witwe wieder und kehrte an
den Hof ihres Bruders zurück, der nach dem Tod MAXIMILIANS
und trotz der Gegenkandidatur Franz' I.
zum Kaiser gewählt worden war. Im Juli 1523 hatten sie dann die internationalen
diplomatischen Schachzüge zur Verlobten des ehemaligen Konnetabels
von Frankreich, Charles de Bourbon,
gemacht, dessen Sturz eine der großen - und belastenden - Skandalgeschichten
der Herrschaft Franz' I. darstellt.
Für Charles de Bourbon, den potentiellen
Gemahl seiner Schwester, hätte KARL gar
das Königreich Bourbon neu entstehen lassen. Das wäre der Affront
schlechthin für Frankreich gewesen. Franz'
Gefangennahme
bei Pavia am 24. Februar 1525 ändert alles [Charles
de Bourbon fällt übrigens 1527 beim berühmten
Sacco di Roma.]. KARL erwägt ein
neues Projekt: Franz ist seit kurzem
Witwer, sein Gefangener. Warum ihn sich nicht durch seine Schwester gefügig
machen?
Im Vertrag von Madrid 1526 wird Eleonores
Verlobung
mit Franz I. angekündigt. Die
Brautleute treffen sich zum erstenmal am 2. Februar im Kerker, in dem
Franz I. um ein Haar gestorben wäre. Aber KARL
V. verbietet seiner Schwester, Spanien zu verlassen, bis Franz
ihm nicht den Zankapfel Burgund übereignet hat.
Franz kommt frei, muß aber seine Söhne als Geiseln
stellen. Er verbündet sich mit dem Papst in der Liga von Cognac gegen
den Kaiser, und Heinrich von England
stellt sich auf seine Seite. Burgund erklärt sich seinerseits für
Frankreich mit der interessanten Begründung, es gebe Rechte, die selbst
der König nicht übergehen dürfe. In diesem Fall hört
Franz
es gern (ansonsten wird ihn und seine Nachfolger eine solche "konstitutionelle"
Beschränkung kaum scheren).
Der Papst bestätigt ihm, mit Gewalt abgerungene,
in Kerkerhaft ertrotzte Verträge haben keine Geltung. Statt Burgund
ist Franz bereit, ein fürstliches,
ein wahrhaft königliches Lösegeld zu zahlen, um seine als Geiseln
genommenen Söhne - und ebventuell seiner Verlobte - zu befreien. Das
ist Gegenstand des Damenfriedens von Cambrai. Wenn die Männer keinen
Frieden zusammenbringen, ist es Sache der Frauen, ihn auszuhandeln. Die
Damen sind Louise von Savoyen, Franz' Mutter,
und Margarete von Habsburg, die Tante
KARLS.
Als Dreijährige hatte man sie als künftige Gemahlin des französischen
Königs Karl VIII. an den französischen Hof geholt,
sie mit allen Ehren einer aufkommenden Königin Frankreichs überschüttet
und dann plötzlich - weil Karl VIII. Anna
von der Bretagne heiraten soll - verstoßen. Mit Louise
ist sie - die Beinahe-Königin von Frankreich, eine erprobte, energische,
fähige Statthalterin habsburgischer Interessen
und Ersatzmutter des Kaisers - nahe verwandt. Die beiden Frauen schließen
Frieden. Eleonore und ihre künftigen
Stiefsöhne können nach Frankreich reisen.
Vier Tonnen Gold tauscht Franz
I. am 1. Juli 1530 an den Ufern des Grenzflusses Bidassoa gegen
zwei Söhne und eine Königin. Auf der spanischen Seite eilt man,
den sagenhaften Schatz in sicheren Gewahrsam zu bringen. Man taucht in
den Schatten der Geschichte und verschwindet. Das französische Ufer
dagegen wird zur politischen Bühne. Die Prinzen werden ehrenvoll begrüßt.
Und schon nähert sich von Spanien her eine Flottille. Sie bringt Eleonore
und
ihre Damen. Jetzt betritt die neue Königin von Frankreich zum
erstenmal Frankreichs Boden.
Nunmher gibt es im Süden Frankreichs zwei Reiterzüge,
die einander durch die "Landes" entgegenreisen: den der Kinder Frankreichs
und der künftigen Königin einerseits - und den des stolzen erwartungsvollen
Königs. Franz zieht von Bordeaux
nach Langon, weiter nach Bazas. Am 6. Juli begegnen sie sich in der Klarisssinnenabtei
Saint-Laurent-de Deyrie, nahe Mont-de-Marsan, einer Stadt, die zur Seigneurie
der ALBRETS, mithin denm König
von Navarra gehört. Franz schließt
seine Söhne in die Arme. In der Nacht zum 7. Juli - gegen zwei Uhr
- heiratet er Eleonore, ohne die Ankunft
des "Grand Aumoniers" von Paris her erwartet zu haben. Die Chronisten berichten:
"Während der ganzen Messe haben die Brautleute getuschelt." In Langon
schiffen sich am nächsten Tag König, Königin und Kinder
auf herrlich bemalten und vergoldeten Schiffen ein, die große Geschütze
tragen - "die einen herrlichen Lärm verursachten" - und segeln, begleitet
von Kriegs- und Handelsschiffen - "alle wundersam gerüstet" - nach
Bordeaux. Madame Eleonore hält
ihren ersten Einzug in einer großen Stadt ihres neuen Reiches. Am
Stadttor wartet die Sänfte, die Mulis mit goldbestickten Schabracken
zur Kathedrale Saint-Andre tragen. Die Straßen sind von wertvollen
Stoffen überspannt. Mysterienspiele an allen Straßenkreuzungen.
Drei große Theater - geziert mit dem Wappen von Monsieur und Madame
- säumen den Weg. Die Bordeleser huldigen ihrer neuen Herrin. Nach
spanischer Art gekleidet, trägt sie eine eine edelsteinbesetzte, von
einer weißen Feder überragte Haube aus golddurchwirktem Brokat,
die Schmetterlinge bildet, und aus der ihre Haare, von Schleifen gebändigt,
bis zu den Fersen fallen. An ihren Ohren baumeln zwei nußgroße
Edelsteine. Ihr Kleid ist aus purpurnem Samt mit weißem Taffetas
an den Armen gerafft, die Ärmel mit Silber- und Goldstickerei übersät.
der Kanzler Frankreichs, Duprat, empfängt Madame, umgeben von Kardinälen,
Prälaten, den Botschaftern Venedigs, Ferraras, Englands. Die Stadt
Bordeaux macht ihr ein goldenes Schiff zum Geschenk.
Um zwei Uhr nachts ist am 5. Juli der reitende Bote des
Königs in Paris eingetroffen, um die freuige Nachricht von der Freilassung
der Geiseln, der Söhne des Königs, zu überbingen. Um sieben
Uhr morgesn werden die Pariser von Fanfarenstößen geweckt. Am
königlichen Palast und auf allen Wegekreuzen der Stadt verkündet
der Schreiber, Meister Jean Lormier: "Vom König, unserem Herrn: man
tut Euch kund und zu wissen, daß unsere Herren, die Kinder Frankreichs,
mit Gottes Hilfe befreit sind. Auf daß jeder von uns, als treuer
Untertan dafür Gott Dank und Lobpreis bringe, wird befohlen, daß
den ganzen Tag über die Läden geschlossen bleiben und jede Arbeit
ruhe und man Freudenfeuer entzünde." Währenddessen zieht der
königliche Korso von Bordeaux über die Herkunftsprovinz des Königs,
Angouleme, nach Loches, Amboise, ins Loiretal. Das Volk begrüßt
mit gleicher Begeisterung die Rückkehr der Prinzen wie die Ankunft
der neuen Königin. Es sieht in der Schwester des Kaisers eine Garantin
des Friedens. Am 3. März 1531 wird Eleonore
in Saint-Denis gekrönt. Zwei Tage später zieht sie feierlich
n Paris ein. Von einem Fenster aus betrachtet
Franz das Schauspiel. Neben ihm steht seine "maitresse en titre",
Anna de Pisselieu.
Der König bringt seiner Frau Respekt, ja eine gewissen
Zuneigung entgegen. Franz übersieht,
daß Eleonores Bruder sein ärgster
Gegner ist. Sie bewundert ihren Mann, schreibt ihm lange Briefe, wenn er
reist, beteuert ihm ihre Eile, ihn wiederzusehen. Ihr glücklichster
Tag wird jener sein, an dem sich in Aigues-Mortes die beiden Souveräne
persönlich begegnen und einen brüchigen, aber herzlichen Waffenstillstand
schließen. Nichts wäre schöner, als sie vereint zu sehen.
Aber Eleonore hat diesbezüglich
keinen Einfluß auf ihren Mann und vermag nicht, seine politischen
Orientierungen zu verändern, obgleich die Höflinge sie als "Schmuck
der Feste bei Hofe" bezeichnen. Trotz ihrer Jugend kann sie Frankreich
auch keine neuen Erben schenken.
Am 31. März 1547 stirbt Franz
I. in Rambouillet. Nach seinem feierlichen Begräbnis verläßt
Eleonore
Frankreich. Sie kehrt nach Flandern zurück, wo sie ihre Jugend verbracht
hat. Dann reist sie nach Talavera de la Reina nahe Bajadoz, wo sie am 18.
Februar 1558 stirbt, im gleichen Jahr wie ihr kleiner Bruder, der große
Kaiser. Sie wird neben ihm im Escorial begraben.
Treffer Gerd: Seite 185
***********
"Franz I. von Frankreich Herrscher und Mäzen"
Am 13. Februar treffen die beiden Souveräne erneut
zusammen. Einige Tage später begegnet Franz
auch Eleonore, der Schwester des Kaisers,
die nun Königin von Frankreich werden soll. Franz
hatte
die verwitwete Königin von Portugal am 19. Januar per procurationem
geehelicht; sein Vertreter bei der Zeremonie war Lannoy gewesen. KARL
hatte seiner Schwester als Mitgift die Grafschaften Macon, Auxerre und
die Seigneurie Bar-sur-Seine versprochen. Und was Bourbon
anlangt, dem Eleonore ja ursprünglich
versprochen war, so stellte ihm KARL
als "Entschädigung" das Herzogtum Mailand in Aussicht.
Eine Schönheit ist Eleonore
nicht. Ein Zeitgenosse schreibt: "Sie schien den Körper einer Riesein
zu haben, so groß und lang war er. Aber sie hatte so kurze Beine
und Schenkel, daß sie eher einer Zwergin glich."
Leitner Thea: Seite 89,93-95,116,124,134
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"Schicksale im Hause Habsburg. Habsburgs verkaufte Töchter.
Habsburgs vergessene Kinder."
Der Pakt wurde durch eine weiteren Brautschacher besiegelt.
Der als ausschwiefend übel beleumdete Franz
bekam die feinsinnige Schwester des Kaisers, Eleonore,
zur Frau.
Während zwei weitere Kinder aus der Ehe von
Philipp und Juana, FERDINAND
und Katharina, in Spanien lebten, wurden
Eleonore,
Isabella,
KARL
und Maria in Mecheln durch eine Schar
von Erziehern, Lehrern, Geistlichen, Hofdamen, Kavalieren, Pagen und anderen
Bediensteten betreut. Dieselben Lehrer, die
KARL
und seine Gefährten unterrichteten, waren auch für die kleinen
Erzherzoginnen zuständig. Alle drei lernten leicht und waren - wie
ihre Tante und ihr Großvater, Kaiser MAXIMILIAN
I. - hochmusikalisch. Sie spielten ausgezeichnet Klavichord,
Laute und Harfe. Auch die typischen weiblichen Unterrichstfächer beherrschten
sie perfekt, und schon mit ihren kleinen Kinderfingern vermochten sie feine
Stickereien und Spitzen zu fertigen.
Das Schicksal der Schwester Eleonore
war
zwar erheblich leichter, doch auch nicht von der Art, daß sich Maria
zu
einer neuerlichen Eheschließung animiert gefühlt hätte.
Eleonore, die man mit dem greisen König
von Portugal verheiratet hatte, wurde schon nach zwei Jahren Witwe, und
man erwog, die Dreiundzwanzigjährige mit ihrem 18-jährigen Stiefsohn
und Vetter, dem Infanten Juan, zu vermählen.
Einer der Gründe für diese Verbindung war der Wunsch, sich eine
zweite Mitgift zu ersparen - allerdings war noch nicht einmal die erste
bezahlt. Der Plan wurde dann doch verworfen, und
Juan bekam Eleonores 15-jährige
Schwester Katharina, die nicht in Mecheln,
sondern in Spanien aufgewachsen war. Eleonore
wurde 1526 mit dem Erzfeind des Hauses HABSBURG,
dem französischen König Franz I.,
verlobt, den sie vier Jahre später heiraten mußte. Ihre einzige
Tochter blieb in Portugal zurück, die Mutter sollte sie bis knapp
vor ihrem Tod nicht wiedersehen.
Der Kaiser gab seinen Segen zu dem Treffen, beglückt
konnten Maria und ihre Schwester
Eleonore, die französische Königin, einander in die
Arme schließen. Maria war eine
beherrschte Frau. Mit keiner Miene zeigte sie ihr Entsetzen beim Anblick
Eleonores, die einstmals eine berühmte Schönheit gewesen,
nun aber unförmig dick geworden war. Ihr Gesicht war über und
über mit einem abstoßenden, rotpusteligen Ausschlag bedeckt.
Niemand bezweifelte, daß Eleonore
ein Opfer der heftig grassierenden, aus den neuen Überseekolonien
eingeschleppten "Lustseuche" geworden war, obwohl König
Franz das eheliche Beisamemnsein auf das absolut notwendige
Mindestmaß beschränkte.
Die ab nun unzertrennlichen Damen nahmen in Jarandilla,
einige Kilometer von Yuste entfernt, Quartier. Am 14. Dezember verabschiedeten
sei sich von ihrem Bruder, um nach Badajoz an der portugiesischen Grenze
zu reisen. Eleonore wollte endlich
ihr einziges Kind, die nun bereits 36-jährige Maria,
wiedersehen, die sie verlassen mußte, als die Kleine fast noch in
den Windeln lag. Die Infantin hatte alle Einladungen, ihre Mutter in Jarandilla
zu besuchen und vielleicht auch mit ihr zu leben, brüsk abgelehnt.
Zögernd stimmte sie zu, ihre Mutter an der Grenze zu treffen - um
sie dann dort einen vollen Monat warten zu lassen. Eleonore
fieberte dem Wiedersehen entgegen, sie schlief kaum eine Nacht, und als
es soweit war, begegnete ihr keine zärtliche, nicht einmal höfliche
Tochter, sondern eine hochnäsige, abweisende Fremde. Vergeblich warb
Eleonore
um ein wenig Freundlichkeit, vergeblich um die Zusage, einenander wieder
zu treffen. Maria hörte sich die
mütterlichen Klagen eine Weile ungerührt an, dann reiste sie
abrupt ab.
Die Schwestern machten sich am 10. Februar 1558 auf den
Heimweg. Schon am ersten Reisetag brach Eleonore
zusammen. Man schleppte die Bewußtlose in die nächste Bauernkate
und setzte sie, so wie sie war, auf einen Stuhl. So wie sie war, in ihren
unbequemen Reisekleidern, blieb sie sitzen und starb langsam dahin. Am
achten Tag lag sie tot in Marais Armen.
Brandi Karl: Seite 36,68,182
**********
"Kaiser Karl V. Werden und Schicksal einer Persönlichkeit
und eines Weltreiches."
Hier war ihnen am 15.November 1498 das erste Kind geboren,
eine Tochter, die nach MAXIMILIANS
Mutter Eleonore genannt wurde.
KARL verfügte
sehr vorsichtig nicht nur über seine eigene Hand, sondern als majorennes
Haupt seines Hauses auch über diejenige seiner ältesten Schwester
Eleonore,
die man noch immer als kostbare Reserve zurückbehalten hatte. Sie
zählte nun 18 Jahre, und es waren bereits ebensoviele Fürsten
als Bewerber aufgetreten, wie man in Brüssel und Wien Möglichkeiten
für sie erwogen hatte. Aber es schien als wollte die Prinzessin alle
politischen Berechnungen durchkreuzen durch das, was man eine Liebesheirat
zu nennen pflegt. Der
Pfalzgraf Friedrich, früher an burgundischen
Hofe erzogen, lebte seit 1513 aufs neue mit ihm in naher Verbindung. Die
spärlichen Gelegenheiten, die sich bei Hoffesten und Jagden boten,
muß der Pfalzgraf benutzt haben, sich der Prinzessin zu nähern.
Schließlich drängte er bei ihr auf eine Entscheidung durch einen
Brief, bei dessen Empfang
Eleonore
überrascht wurde. Sie barg ihn im Busen. Aber ihr königlicher
Bruder, alsbald verständigt, verlangte von ihr die Herausgabe und
nahm ihn an sich. Der Brief wurde Beweisstück und geriet unter die
Notariatsinstrumente, in denen die beiden Liebenden vor Zeugen erklärten,
daß sie keine heimliche Ehe geschlossen hätten und daß
sie verzichteten. Eleonore fügte
sich, als man ihr die Ehe mit ihrem Onkel, dem Könige von Portugal,
zumutete.
Nach einem Vertrage vom 4. August verbanden sich der
Kaiser, England, Erzherzog FERDINAND
und Bourbon; sie verpflichteten sich
alle, nichts ohne einander zu tun. Im übrigen soll Bourbon
eine der Schwestern des Kaisers heiraten, in erster Linie Eleonore.
7.3.1519
1. oo 3. Manuel I. König von Portugal
1.6.1469-13.12.1521
5.8.1530
2. oo 2. Franz I. König von Frankreich
x
12.9.1494-31.3.1547
Kinder:
1. Ehe
Maria
8.6.1521-10.10.1577
Kloster Maria da Luz
Literatur:
-----------
Bedürftig Friedemann: Taschenlexikon Karl
V. Piper Verlag GmbH München 1999 Seite 62 - Brandi Karl: Kaiser
Karl V. Werden und Schicksal einer Persönlichkeit und eines Weltreiches.
F. Bruckmann Verlag München 1938 Seite 36,39,41,68,88,115,182,188,203,207,
221,242,296,334,436,445,451,503,542,549 - Brouwer Johan: Johanna
die Wahnsinnige. Glanz und Elend einer spanischen Königin. Eugen Diederichs
Verlag München 1995 Seite 22,128,131,177 - Giardini Cesare:
Don Carlos. Infant von Spanien. Eugen Diederichs Verlag München 1994
Seite 14,31 - Hartmann P.C.: Französische Könige und Kaiser
der Neuzeit. Von Ludwig XII. bis Napoleon III. 1498-1870. Verlag C. H.
Beck München 1994 Seite 52,57,65,69 - Horst, Eberhard: Die
spanische Trilogie Isabella-Johanna-Teresa Claasen Verlag GmbH Düsseldorf,
1989 Seite 165,196,228,230,249 -
Jurewitz-Freischmidt Sylvia: Die
Herrinnen der Loire-Schlösser. Königinnen und Mätressen
um den Lilienthron. Casimir Katz Verlag, Gernsbach 1996 Seite 182,184,188,190,194,209,218,228,238
- Leicht Hans: Isabella von Kastilien. Königin am Vorabend
der spanischen Weltmacht. Verlag Friedrich Pustet Regensburg 1994 Seite
251 - Leitner Thea: Schicksale im Hause Habsburg. Habsburgs verkaufte
Töchter. Habsburgs vergessene Kinder. Verlag Carl Ueberreuter Wien
1994 Seite 76,77,89,93-95,115,116,121,124,127,132, 134 - Mahoney
Irene: Katharina von Medici. Königin von Frankreich. Eugen Diederichs
Verlag München 1994 Seite 27,35 - Seibt Ferdinand: Karl V.
Der Kaiser und die Reformation.Wolf Jobst Siedler Verlag 1990 Seite 41,99,130,135,219,223,228
- Tamussino Ursula: Margarete von Österreich. Diplomatin der
Renaissance Verlag Styria Graz Wien Köln 1995 Seite 78,81,85,130,133,147,149,163,
166,177,197,202,245,251,258,264,287 - Tamussino Ursula: Maria von
Ungarn. Ein Leben im Dienst der Casa de Austria Verlag Styria Graz Wien
Köln 1998 Seite 9,35,156,165,178,181,194,196,203,206,217,224,233,
237,244,257,267,272,275,278-281,285,299,302 - Treffer Gerd: Die
französischen Königinnen. Von Bertrada bis Marie Antoinette (8.-18.
Jahrhundert) Verlag Friedrich Pustet Regensburg 1996 Seite 242-246 - Treffer
Gerd: Franz I. von Frankreich Herrscher und Mäzen Verlag Friedrich
Pustet Regensburg 1993 Seite 44,98,134,176,182,185,188,218,220,232,234,244,
247,263,275,281,310,314,318 -