Eleonore                                                 Erzherzogin von Österreich
------------                                               Königin von Portugal
15.11.1498-18.2.1558                             Königin von Frankreich
Brüssel     Talaveruela
 

Älteste Tochter des Königs Philipp I. von Kastilien und der Johanna der Wahnsinnigen von Kastilien-Aragon, Tochter von König Ferdinand II.; Lieblingsschwester Kaiser KARLS V.
 

Bedürftig Friedemann: Seite 62
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"Taschenlexikon Karl V."

ELEONRE VON FRANKREICH
* 15.11.1498, + 18.2.1558
Brüssel               Badajoz

Das hätte KARL V. noch gefehlt: Eine Liebesheirat der älteren Schwester Eleonore! Einm 1517 abgefangeners Billedoux des späteren Pfalzgrafen Friedrich II. an die blonde Schönheit, die wie der kaiserliche Bruder am Hof der Tante Margarete von Österreich aufgewachsen war, alarmierte KARL, der weit höhere Pläne mit der "Lieblingsschwester" hatte. Schleunigst verheiratete er sie 1519 mit dem über 50-jährigen König Emanuel von Portugal, der bereits 1521 starb, so daß Eleonore für neue Projekte (unter anderem eventuelle Verheirateung mit Bourbon) zur Verfügung stand. Nach dem Sieg über den französischen König Franz I. willigte dieser im Frieden von Madrid 1526 in eine Ehe mit der HABSBURGERIN ein, widerrief das Versprechen aber, als er wieder frei war. Erst 1529 mußte er es im Damenfrieden von Cambrai einlösen. Doch wenn sich KARL von der Verbindung die Ruhigstellung des unbequemen Gegners verprochen hatte, so ging die Rechnung nicht auf. Eleonore gewann keinerlei Einfluß auf ihren zweiten Mann, auch weil sie ihm keine Kinder gebar. Ihre Versuche, die Stiefkinder aus der ersten Ehe des Königs mit habsburgischen Verwandten zu verheiraten, scheiterten ebenso wie der Vorschlag, KARL V. solle die französische Prinzessin Margarete zur Frau nehmen. Der Kaiser lehnte dieses zweitweilig erwogene Projekt 1542 endgültig ab. 1547 erneut verwitwet, ging Eleonore in ihre Heimatstadt Brüssel und folgte dem Bruder 1556 nach Spanien.



Reifenscheid Richard: Seite 101
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„Die Habsburger“

1. ELEONORE, Erzherzogin
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* 15.11.1498, + 18.2.1558
   Brüssel           Talaveruela/Spanien

Grabstätte: Monasterio de San Lorenzo de elö Escorial - Pantheon der Infanten

  1. oo 7.3.1519 in Lissabon
         MANUEL I., König von Portugal aus dem Hause AVIZ 1495-1521
          * 1.6.1469, + 13.12.1521
           Lissabon     Lissabon

Grabstätte: Kirche Santa Maria beim Jeronimuskloster in Lissabon

Eltern: Fernando, Herzog von Viseu, und Beatrix, Infantin von Portugal, Tochter Johannes', Prinz von Portugal

  2. oo 5.8.1530 in Paris
         FRANZ I., König von Frankreich aus dem Hause VALOIS 1515-1547
          * 12.9.1494, + 31.3.1547
           Cognac         Rambouillet

Grabstätte: Kathedrale von Saint Denis bei Paris

Eltern: Karl, Graf von Angouleme, und Luise, Prinzessin von Savoyen, Tochter Philipps I., Herzog von Savoyen


Treffer Gerd: Seite 242-246
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"Die französischen Königinnen. Von Bertrada bis Marie Antoinette (8.-18. Jahrhundert)"

ELEONORE VON HABSBURG - die Schwester des Erzfeindes
 

Zweite Gemahlin Franz' I. (+ 1494; König: 1515-1547)

Geboren: 15. November 1498, Löwen - Heirat: 7. Juli 1530, Mont-de-Marsan - + 18. Februar 1558, Talavera de la Reina

Nachdem Franz I. die Schlacht von Pavia im Januar 1525 verloren hat, wird er in den Turm des Alcazar zu Madrid verbracht. Kaiser KARL V. behandelt ihn keineswegs so ritterlich, wie sich Franz das vorgestellt hat. Um freizukommen, muß er einen harten Vertrag unterzeichnen. Er muß seine Söhne dem Feind als Geiseln nach Spanien ausliefern, wo die Prinzen von Frankreich fortan in recht üblen Verhältnissen schmachten, und sich verpflichten, Eleonore, die Schwester KARLS V., zu heiraten.
Eleonore ist allerdings eine der prächtigsten Prinzessinnen der Zeit und damit eine Partie, bei der es mehr um Politik als um Zuneigung geht. Sie ist die ältere Schwester des mächtigsten Monarchen, den Europa kennt, KARLS V., des Kaisers, in dessen Reich die Sonne nicht untergeht. Ihre Geschichte ist von zarter Jugend auf tragisch und dramatisch. Ihr Vater stirbt 1506, ohne sein dreißigstes Lebensjahr erreicht zu haben, als sie acht Jahre alt ist. Ihre Mutter Johanna, Königin von Kastilien, verliert darüber den Verstand. Man wird sie fortan "Johanna die Wahnsinnige" nennen. Eleonores Abkommenschaft väterlicherseits ist vom Feinsten: Kaiser MAXIMILIAN und Maria von Burgund, Tochter Karls des Kühnen. Nicht weniger beeindruckend ist ihre Herkunft mütterlicherseits: die Katholischen Könige Spaniens, Ferdinand von Aragon und Isabella von Kastilien. Kein Wunder, daß ihr Bruder KARL zum Herrscher über ein Weltreich aufsteigt und sie eine überaus begehrte Prinzessin ist.
Über Eleonores Aussehen gehen die Meinungen auseinander. Die Spanier rühmen ihre Schönheit, ihre langen kupferblonden Haare, ihren kleinen, vollen Mund. Die Franzosen urteilen anders: Sie finden, sie habe eine "feste, zu tiefe Taille."
Franz hat - ganz anders als etwa Ludwig XI. Respekt vor den Frauen. Wer sie beleidigt, riskiert an seinem Hof das Exil. Er läßt seine Frau nicht spüren, daß allein politische Gründe zu dieser Ehe geführt haben. Das heißt nicht, daß er keine anderen Gefährtinnen hätte, Anna de Pisselieu - die Mätresse en titre - verheiratet er an einen desinteressierten Ehemann und macht sie zur Herzogin von Etampes. Mit zwanzig war Eleonore 1519 mit dem wenig anziehenden, fünfzigjährigen König Manuel I. von Portugal verheiratet worden. Sie hatte zwei Kinder zur Welt gebracht, fand sich schon 1521 als Witwe wieder und kehrte an den Hof ihres Bruders zurück, der nach dem Tod MAXIMILIANS und trotz der Gegenkandidatur Franz' I. zum Kaiser gewählt worden war. Im Juli 1523 hatten sie dann die internationalen diplomatischen Schachzüge zur Verlobten des ehemaligen Konnetabels von Frankreich, Charles de Bourbon, gemacht, dessen Sturz eine der großen - und belastenden - Skandalgeschichten der Herrschaft Franz' I. darstellt. Für Charles de Bourbon, den potentiellen Gemahl seiner Schwester, hätte KARL gar das Königreich Bourbon neu entstehen lassen. Das wäre der Affront schlechthin für Frankreich gewesen. Franz' Gefangennahme bei Pavia am 24. Februar 1525 ändert alles [Charles de Bourbon fällt übrigens 1527 beim berühmten Sacco di Roma.]. KARL erwägt ein neues Projekt: Franz ist seit kurzem Witwer, sein Gefangener. Warum ihn sich nicht durch seine Schwester gefügig machen?
Im Vertrag von Madrid 1526 wird Eleonores Verlobung mit Franz I. angekündigt. Die Brautleute treffen sich zum erstenmal am 2. Februar im Kerker, in dem Franz I. um ein Haar gestorben wäre. Aber KARL V. verbietet seiner Schwester, Spanien zu verlassen, bis Franz ihm nicht den Zankapfel Burgund übereignet hat. Franz kommt frei, muß aber seine Söhne als Geiseln stellen. Er verbündet sich mit dem Papst in der Liga von Cognac gegen den Kaiser, und Heinrich von England stellt sich auf seine Seite. Burgund erklärt sich seinerseits für Frankreich mit der interessanten Begründung, es gebe Rechte, die selbst der König nicht übergehen dürfe. In diesem Fall hört Franz es gern (ansonsten wird ihn und seine Nachfolger eine solche "konstitutionelle" Beschränkung kaum scheren).
Der Papst bestätigt ihm, mit Gewalt abgerungene, in Kerkerhaft ertrotzte Verträge haben keine Geltung. Statt Burgund ist Franz bereit, ein fürstliches, ein wahrhaft königliches Lösegeld zu zahlen, um seine als Geiseln genommenen Söhne - und ebventuell seiner Verlobte - zu befreien. Das ist Gegenstand des Damenfriedens von Cambrai. Wenn die Männer keinen Frieden zusammenbringen, ist es Sache der Frauen, ihn auszuhandeln. Die Damen sind Louise von Savoyen, Franz' Mutter, und Margarete von Habsburg, die Tante KARLS. Als Dreijährige hatte man sie als künftige Gemahlin des französischen Königs Karl VIII. an den französischen Hof geholt, sie mit allen Ehren einer aufkommenden  Königin Frankreichs überschüttet und dann plötzlich - weil Karl VIII. Anna von der Bretagne heiraten soll - verstoßen. Mit Louise ist sie - die Beinahe-Königin von Frankreich, eine erprobte, energische, fähige Statthalterin habsburgischer Interessen und Ersatzmutter des Kaisers - nahe verwandt. Die beiden Frauen schließen Frieden. Eleonore und ihre künftigen Stiefsöhne können nach Frankreich reisen.
Vier Tonnen Gold tauscht Franz I. am 1. Juli 1530 an den Ufern des Grenzflusses Bidassoa gegen zwei Söhne und eine Königin. Auf der spanischen Seite eilt man, den sagenhaften Schatz in sicheren Gewahrsam zu bringen. Man taucht in den Schatten der Geschichte und verschwindet. Das französische Ufer dagegen wird zur politischen Bühne. Die Prinzen werden ehrenvoll begrüßt. Und schon nähert sich von Spanien her eine Flottille. Sie bringt Eleonore und ihre Damen. Jetzt betritt die neue Königin von Frankreich zum erstenmal Frankreichs Boden.
Nunmher gibt es im Süden Frankreichs zwei Reiterzüge, die einander durch die "Landes" entgegenreisen: den der Kinder Frankreichs und der künftigen Königin einerseits - und den des stolzen erwartungsvollen Königs. Franz zieht von Bordeaux nach Langon, weiter nach Bazas. Am 6. Juli begegnen sie sich in der Klarisssinnenabtei Saint-Laurent-de Deyrie, nahe Mont-de-Marsan, einer Stadt, die zur Seigneurie der ALBRETS, mithin denm König von Navarra gehört. Franz schließt seine Söhne in die Arme. In der Nacht zum 7. Juli - gegen zwei Uhr - heiratet er Eleonore, ohne die Ankunft des "Grand Aumoniers" von Paris her erwartet zu haben. Die Chronisten berichten: "Während der ganzen Messe haben die Brautleute getuschelt." In Langon schiffen sich am nächsten Tag König, Königin und Kinder auf herrlich bemalten und vergoldeten Schiffen ein, die große Geschütze tragen - "die einen herrlichen Lärm verursachten" - und segeln, begleitet von Kriegs- und Handelsschiffen - "alle wundersam gerüstet" - nach Bordeaux. Madame Eleonore hält ihren ersten Einzug in einer großen Stadt ihres neuen Reiches. Am Stadttor wartet die Sänfte, die Mulis mit goldbestickten Schabracken zur Kathedrale Saint-Andre tragen. Die Straßen sind von wertvollen Stoffen überspannt. Mysterienspiele an allen Straßenkreuzungen. Drei große Theater - geziert mit dem Wappen von Monsieur und Madame - säumen den Weg. Die Bordeleser huldigen ihrer neuen Herrin. Nach spanischer Art gekleidet, trägt sie eine eine edelsteinbesetzte, von einer weißen Feder überragte Haube aus golddurchwirktem Brokat, die Schmetterlinge bildet, und aus der ihre Haare, von Schleifen gebändigt, bis zu den Fersen fallen. An ihren Ohren baumeln zwei nußgroße Edelsteine. Ihr Kleid ist aus purpurnem Samt mit weißem Taffetas an den Armen gerafft, die Ärmel mit Silber- und Goldstickerei übersät. der Kanzler Frankreichs, Duprat, empfängt Madame, umgeben von Kardinälen, Prälaten, den Botschaftern Venedigs, Ferraras, Englands. Die Stadt Bordeaux macht ihr ein goldenes Schiff zum Geschenk.
Um zwei Uhr nachts ist am 5. Juli der reitende Bote des Königs in Paris eingetroffen, um die freuige Nachricht von der Freilassung der Geiseln, der Söhne des Königs, zu überbingen. Um sieben Uhr morgesn werden die Pariser von Fanfarenstößen geweckt. Am königlichen Palast und auf allen Wegekreuzen der Stadt verkündet der Schreiber, Meister Jean Lormier: "Vom König, unserem Herrn: man tut Euch kund und zu wissen, daß unsere Herren, die Kinder Frankreichs, mit Gottes Hilfe befreit sind. Auf daß jeder von uns, als treuer Untertan dafür Gott Dank und Lobpreis bringe, wird befohlen, daß den ganzen Tag über die Läden geschlossen bleiben und jede Arbeit ruhe und man Freudenfeuer entzünde." Währenddessen zieht der königliche Korso von Bordeaux über die Herkunftsprovinz des Königs, Angouleme, nach Loches, Amboise, ins Loiretal. Das Volk begrüßt mit gleicher Begeisterung die Rückkehr der Prinzen wie die Ankunft der neuen Königin. Es sieht in der Schwester des Kaisers eine Garantin des Friedens. Am 3. März 1531 wird Eleonore in Saint-Denis gekrönt. Zwei Tage später zieht sie feierlich n Paris ein. Von einem Fenster aus betrachtet Franz das Schauspiel. Neben ihm steht seine "maitresse en titre", Anna de Pisselieu.
Der König bringt seiner Frau Respekt, ja eine gewissen Zuneigung entgegen. Franz übersieht, daß Eleonores Bruder sein ärgster Gegner ist. Sie bewundert ihren Mann, schreibt ihm lange Briefe, wenn er reist, beteuert ihm ihre Eile, ihn wiederzusehen. Ihr glücklichster Tag wird jener sein, an dem sich in Aigues-Mortes die beiden Souveräne persönlich begegnen und einen brüchigen, aber herzlichen Waffenstillstand schließen. Nichts wäre schöner, als sie vereint zu sehen. Aber Eleonore hat diesbezüglich keinen Einfluß auf ihren Mann und vermag nicht, seine politischen Orientierungen zu verändern, obgleich die Höflinge sie als "Schmuck der Feste bei Hofe" bezeichnen. Trotz ihrer Jugend kann sie Frankreich auch keine neuen Erben schenken.
Am 31. März 1547 stirbt Franz I. in Rambouillet. Nach seinem feierlichen Begräbnis verläßt Eleonore Frankreich. Sie kehrt nach Flandern zurück, wo sie ihre Jugend verbracht hat. Dann reist sie nach Talavera de la Reina nahe Bajadoz, wo sie am 18. Februar 1558 stirbt, im gleichen Jahr wie ihr kleiner Bruder, der große Kaiser. Sie wird neben ihm im Escorial begraben.


Eleonore, die schönste der Schwestern, fand in ihrer Jugend Gefallen am Pfalzgrafen Friedrich, dem Lehrer ihres Bruders KARL. Als ein Brief des Pfalzgrafen an Eleonore abgefangen wurde, mußten die Liebenden vor versammelten Hof wie arme Sünder erscheinen und feierlich beschwören, keine heimliche Ehe eingegangen und bereit zu sein, aufeinander zu verzichten. Eleonore wurde auf der Stelle mit einem unbedeutenden BOURBONEN-Prinzen verlobt und später mit dem 30 Jahre älteren Manuel I. von Portugal verheiratet. Nach dem Tode Manuels plante man eine Ehe der 23-jährigen Eleonore mit ihrem 18-jährigen Stiefsohn und Vetter Juan, um eine zweite Mitgift zu sparen. Sie wurde 1526 mit dem Erzfeind ihres Hauses, Franz I. von Frankreich, verlobt, den sie vier Jahre später heiraten mußte. Ihre einzige Tochter Maria blieb in Portugal zurück, die Mutter sollte sie bis knapp vor ihren Tod nicht wiedersehen und wurde von ihr brüsk abgewiesen. Sie kam im Juli 1530 nach Frankreich und mußte sich mit einer politisch untergeordneten Rolle begnügen, da die Herzogin von Etampes den König völlig beherrschte. Obwohl Franz das eheliche Beisammensein auf das absolut notwendige Mindestmaß beschränkte, bezweifelte niemand, dass Eleonore ein Opfer der "Lustseuche" geworden war.

Treffer Gerd: Seite 185
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"Franz I. von Frankreich Herrscher und Mäzen"

Am 13. Februar treffen die beiden Souveräne erneut zusammen. Einige Tage später begegnet Franz auch Eleonore, der Schwester des Kaisers, die nun Königin von Frankreich werden soll. Franz hatte die verwitwete Königin von Portugal am 19. Januar per procurationem geehelicht; sein Vertreter bei der Zeremonie war Lannoy gewesen. KARL hatte seiner Schwester als Mitgift die Grafschaften Macon, Auxerre und die Seigneurie Bar-sur-Seine versprochen. Und was Bourbon anlangt, dem Eleonore ja ursprünglich versprochen war, so stellte ihm KARL als "Entschädigung" das Herzogtum Mailand in Aussicht.
Eine Schönheit ist Eleonore nicht. Ein Zeitgenosse schreibt: "Sie schien den Körper einer Riesein zu haben, so groß und lang war er. Aber sie hatte so kurze Beine und Schenkel, daß sie eher einer Zwergin glich."

Leitner Thea: Seite 89,93-95,116,124,134
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"Schicksale im Hause Habsburg. Habsburgs verkaufte Töchter. Habsburgs vergessene Kinder."

Der Pakt wurde durch eine weiteren Brautschacher besiegelt. Der als ausschwiefend übel beleumdete Franz bekam die feinsinnige Schwester des Kaisers, Eleonore, zur Frau.
Während zwei weitere Kinder aus der Ehe von Philipp und Juana, FERDINAND und Katharina, in Spanien lebten, wurden Eleonore, Isabella, KARL und Maria in Mecheln durch eine Schar von Erziehern, Lehrern, Geistlichen, Hofdamen, Kavalieren, Pagen und anderen Bediensteten betreut. Dieselben Lehrer, die KARL und seine Gefährten unterrichteten, waren auch für die kleinen Erzherzoginnen zuständig. Alle drei lernten leicht und waren - wie ihre Tante und ihr Großvater, Kaiser MAXIMILIAN I. - hochmusikalisch. Sie spielten ausgezeichnet Klavichord, Laute und Harfe. Auch die typischen weiblichen Unterrichstfächer beherrschten sie perfekt, und schon mit ihren kleinen Kinderfingern vermochten sie feine Stickereien und Spitzen zu fertigen.
Das Schicksal der Schwester Eleonore war zwar erheblich leichter, doch auch nicht von der Art, daß sich Maria zu einer neuerlichen Eheschließung animiert gefühlt hätte. Eleonore, die man mit dem greisen König von Portugal verheiratet hatte, wurde schon nach zwei Jahren Witwe, und man erwog, die Dreiundzwanzigjährige mit ihrem 18-jährigen Stiefsohn und Vetter, dem Infanten Juan, zu vermählen. Einer der Gründe für diese Verbindung war der Wunsch, sich eine zweite Mitgift zu ersparen - allerdings war noch nicht einmal die erste bezahlt. Der Plan wurde dann doch verworfen, und Juan bekam Eleonores 15-jährige Schwester Katharina, die nicht in Mecheln, sondern in Spanien aufgewachsen war. Eleonore wurde 1526 mit dem Erzfeind des Hauses HABSBURG, dem französischen König Franz I., verlobt, den sie vier Jahre später heiraten mußte. Ihre einzige Tochter blieb in Portugal zurück, die Mutter sollte sie bis knapp vor ihrem Tod nicht wiedersehen.
Der Kaiser gab seinen Segen zu dem Treffen, beglückt konnten Maria und ihre Schwester Eleonore, die französische Königin, einander in die Arme schließen. Maria war eine beherrschte Frau. Mit keiner Miene zeigte sie ihr Entsetzen beim Anblick Eleonores, die einstmals eine berühmte Schönheit gewesen, nun aber unförmig dick geworden war. Ihr Gesicht war über und über mit einem abstoßenden, rotpusteligen Ausschlag bedeckt. Niemand bezweifelte, daß Eleonore ein Opfer der heftig grassierenden, aus den neuen Überseekolonien eingeschleppten "Lustseuche" geworden war, obwohl König Franz das eheliche Beisamemnsein auf das absolut notwendige Mindestmaß beschränkte.
Die ab nun unzertrennlichen Damen nahmen in Jarandilla, einige Kilometer von Yuste entfernt, Quartier. Am 14. Dezember verabschiedeten sei sich von ihrem Bruder, um nach Badajoz an der portugiesischen Grenze zu reisen. Eleonore wollte endlich ihr einziges Kind, die nun bereits 36-jährige Maria, wiedersehen, die sie verlassen mußte, als die Kleine fast noch in den Windeln lag. Die Infantin hatte alle Einladungen, ihre Mutter in Jarandilla zu besuchen und vielleicht auch mit ihr zu leben, brüsk abgelehnt. Zögernd stimmte sie zu, ihre Mutter an der Grenze zu treffen - um sie dann dort einen vollen Monat warten zu lassen. Eleonore fieberte dem Wiedersehen entgegen, sie schlief kaum eine Nacht, und als es soweit war, begegnete ihr keine zärtliche, nicht einmal höfliche Tochter, sondern eine hochnäsige, abweisende Fremde. Vergeblich warb Eleonore um ein wenig Freundlichkeit, vergeblich um die Zusage, einenander wieder zu treffen. Maria hörte sich die mütterlichen Klagen eine Weile ungerührt an, dann reiste sie abrupt ab.
Die Schwestern machten sich am 10. Februar 1558 auf den Heimweg. Schon am ersten Reisetag brach Eleonore zusammen. Man schleppte die Bewußtlose in die nächste Bauernkate und setzte sie, so wie sie war, auf einen Stuhl. So wie sie war, in ihren unbequemen Reisekleidern, blieb sie sitzen und starb langsam dahin. Am achten Tag lag sie tot in Marais Armen.

Brandi Karl: Seite 36,68,182
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"Kaiser Karl V. Werden und Schicksal einer Persönlichkeit und eines Weltreiches."

Hier war ihnen am 15.November 1498 das erste Kind geboren, eine Tochter, die nach MAXIMILIANS Mutter Eleonore genannt wurde.
KARL verfügte sehr vorsichtig nicht nur über seine eigene Hand, sondern als majorennes Haupt seines Hauses auch über diejenige seiner ältesten Schwester Eleonore, die man noch immer als kostbare Reserve zurückbehalten hatte. Sie zählte nun 18 Jahre, und es waren bereits ebensoviele Fürsten als Bewerber aufgetreten, wie man in Brüssel und Wien Möglichkeiten für sie erwogen hatte. Aber es schien als wollte die Prinzessin alle politischen Berechnungen durchkreuzen durch das, was man eine Liebesheirat zu nennen pflegt. Der Pfalzgraf Friedrich, früher an burgundischen Hofe erzogen, lebte seit 1513 aufs neue mit ihm in naher Verbindung. Die spärlichen Gelegenheiten, die sich bei Hoffesten und Jagden boten, muß der Pfalzgraf benutzt haben, sich der Prinzessin zu nähern. Schließlich drängte er bei ihr auf eine Entscheidung durch einen Brief, bei dessen Empfang Eleonore überrascht wurde. Sie barg ihn im Busen. Aber ihr königlicher Bruder, alsbald verständigt, verlangte von ihr die Herausgabe und nahm ihn an sich. Der Brief wurde Beweisstück und geriet unter die Notariatsinstrumente, in denen die beiden Liebenden vor Zeugen erklärten, daß sie keine heimliche Ehe geschlossen hätten und daß sie verzichteten. Eleonore fügte sich, als man ihr die Ehe mit ihrem Onkel, dem Könige von Portugal, zumutete.
Nach einem Vertrage vom 4. August verbanden sich der Kaiser, England, Erzherzog FERDINAND und Bourbon; sie verpflichteten sich alle, nichts ohne einander zu tun. Im übrigen soll Bourbon eine der Schwestern des Kaisers heiraten, in erster Linie Eleonore.
 
 
 
 

   7.3.1519
  1. oo 3. Manuel I. König von Portugal
              1.6.1469-13.12.1521

   5.8.1530
  2. oo 2. Franz I. König von Frankreich
     x       12.9.1494-31.3.1547
 
 
 
 
 
 

Kinder:
1. Ehe

  Maria
  8.6.1521-10.10.1577
               Kloster Maria da Luz
 
 
 
 

Literatur:
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Bedürftig Friedemann: Taschenlexikon Karl V. Piper Verlag GmbH München 1999 Seite 62 - Brandi Karl: Kaiser Karl V. Werden und Schicksal einer Persönlichkeit und eines Weltreiches. F. Bruckmann Verlag München  1938 Seite 36,39,41,68,88,115,182,188,203,207, 221,242,296,334,436,445,451,503,542,549 - Brouwer Johan: Johanna die Wahnsinnige. Glanz und Elend einer spanischen Königin. Eugen Diederichs Verlag München 1995 Seite 22,128,131,177 - Giardini Cesare: Don Carlos. Infant von Spanien. Eugen Diederichs Verlag München 1994 Seite 14,31 - Hartmann P.C.: Französische Könige und Kaiser der Neuzeit. Von Ludwig XII. bis Napoleon III. 1498-1870. Verlag C. H. Beck München 1994 Seite 52,57,65,69 - Horst, Eberhard: Die spanische Trilogie Isabella-Johanna-Teresa Claasen Verlag GmbH Düsseldorf, 1989 Seite 165,196,228,230,249 - Jurewitz-Freischmidt Sylvia: Die Herrinnen der Loire-Schlösser. Königinnen und Mätressen um den Lilienthron. Casimir Katz Verlag, Gernsbach 1996 Seite 182,184,188,190,194,209,218,228,238 - Leicht Hans: Isabella von Kastilien. Königin am Vorabend der spanischen Weltmacht. Verlag Friedrich Pustet Regensburg 1994 Seite 251 - Leitner Thea: Schicksale im Hause Habsburg. Habsburgs verkaufte Töchter. Habsburgs vergessene Kinder. Verlag Carl Ueberreuter Wien 1994 Seite 76,77,89,93-95,115,116,121,124,127,132, 134 - Mahoney Irene: Katharina von Medici. Königin von Frankreich. Eugen Diederichs Verlag München 1994 Seite 27,35 - Seibt Ferdinand: Karl V. Der Kaiser und die Reformation.Wolf Jobst Siedler Verlag 1990 Seite 41,99,130,135,219,223,228 - Tamussino Ursula: Margarete von Österreich. Diplomatin der Renaissance Verlag Styria Graz Wien Köln 1995 Seite 78,81,85,130,133,147,149,163, 166,177,197,202,245,251,258,264,287 - Tamussino Ursula: Maria von Ungarn. Ein Leben im Dienst der Casa de Austria Verlag Styria Graz Wien Köln 1998 Seite 9,35,156,165,178,181,194,196,203,206,217,224,233, 237,244,257,267,272,275,278-281,285,299,302 - Treffer Gerd: Die französischen Königinnen. Von Bertrada bis Marie Antoinette (8.-18. Jahrhundert) Verlag Friedrich Pustet Regensburg 1996 Seite 242-246 - Treffer Gerd: Franz I. von Frankreich Herrscher und Mäzen Verlag Friedrich Pustet Regensburg 1993 Seite 44,98,134,176,182,185,188,218,220,232,234,244, 247,263,275,281,310,314,318 -
 
 
 
 
 
 
 
 


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