Jüngere Tochter des Königs
Ludwigs XII. von Frankreich aus seiner 2. Ehe mit der Anna
von Bretagne, Tochter von Herzog Franz II.
Große Frauen der Weltgeschichte: Seite 389
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RENATA VON FRANKREICH
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* 25.X.1510, + 15.VI.1575
Die kleine, stets ein wenig kränkelnde Tochter der
Anna de Bretagne und König Ludwigs
XII. von Frankreich hatte viele Bewerber; selbst Heinrich
VIII. von England spielte eine Zeitlang mit dem Gedanken, über
"Renee" in den Besitz der Bretagne zu kommen. Endlich verlobte
sie sich mit Gaston de Foix; als er schon bald vor Ravenna den Tod
fand, erhörte Renata die Werbung
des künftigen Herzogs Ercole von Ferrara, eines Sohnes der
berühmten Lucrezia Borgis. Eine Woche dauerten die prunkvollen Hochzeitsfeierlichkeiten;
sie vollzogen sich vor dem düsteren Hintergrund des Feuertodes von
achtzig Hugenotten - Fanal des beginnenden Religions-Bürgerkrieges.
Renata,
die ihrem Gemahl fünf Kinder schenkte, machte den Hof von Ferrara
zum Sammelpunkt alles geistigen Reichtums ihrer Zeit; sie gewährte
jedoch auch den vor dem Kaiser oder vor Frankreichs König flüchtenden
Lutheranern und Kalvinisten Schutz und Hilfe und beherbergte zeitweilig
Calvin und den Feuergeist Celio Curione. Ihre Tochter Anna, die spätere
Herzogin von Guise, ließ sie zusammen mit der genialen Olympia Morata
erziehen, deren Vater Lehrer am Hofe D'ESTE-Ferrara war. Herzog
Ercole war mit den religiösen Neigungen seiner Gemahlin keineswegs
einverstanden; er ließ sie zeitweilig in den alten Schloßturm
Ferraras einsperren und ihre kalvinistischen Bücher verbrennen. Nach
seinem Tode trat sie offen zum Kalvinismus über und zog sich einen
Prozeß der Inquisition zu; unter dem Einfluß des Ignatius von
Loyola kehrte sie zur römisch-katholischen Kirche zurück, ohne
jedoch die Verbindung zu den Protestanten jemals ganz abzubrechen. Als
"eine Lilie unter Dornen", wie ihr Freund und Privatsekretär, der
Dichter Clement Marot, sie einmal genannt hat, verbrachte sie ihre letzten
Jahre auf ihrem Schlosse Montargis in Frankreich. Die Tragödie der
Bartholomäusnacht erlebte sie in Paris.
Was stört ihn Renee de France,
Schwester
seiner Verlobten, die spätere Herzogin von Ferrara, Freundin
von Marot und Calvin?
Man berichtet Louise von Plänen zu einer spanischen
Doppelhochzeit: Ludwig heiratet Eleonore,
Schwester KARLS VON HABSBURG. Und das
Gegengeschäft? KARL bekommt Renee,
Ludwigs
jüngere Tochter, Claudes Schwester.
Der fünfzehnjährige KARL
war für volljährig erklärt worden und damit fast zur selben
Zeit wie Franz I. zur Herrschaft gelangt.
In den Gesprächen wird behutsam die Farge einer Verbindung Renees
- Claudes jüngerer und einziger
Schwester und mithin des neuen Königs Schwägerin - mit KARL
behandelt. KARL erwarte als Mitgift
nebst Geld den Anspruch auf Mailand.
Franz' Diplomaten
berichten, daß KARL VON HABSBURG
sich nicht einmischen werde, wenn die französische Majestät ihre
gerechten Ansprüche auf Mailand geltend zu machen wünscht. Allerdings
will er dafür die Hand der Prinzessin Renee,
der Schwägerin Franz' I., und
das Herzogtum Berry als Mitgift, ferner 600.000 Goldtaler. Franz
fällt das Versprechen nicht schwer: Renee
ist erst vier Jahre alt.
Verzweifelt versucht inzwischen Bonnivet den durch Sickingens
Auftauchen entsetzten Pfalzgrafen im französischen Lager zu halten.
Aber all seine Angebote an diesen: er könne die Hand von
Prinzessin Renee haben, der Schwägerin des Königs,
eine Mitgift von bis zu 300.000 Gulden, einen Sold von 200 Kavalleristen
zu Frankreichs Verteidigung - sind vergeblich!
Simon Kate: Seite 184
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"Die Gonzaga. Eine Herrscherfamilie der Renaissance."
Die intellektuelle Karriere der Renee
de France, die in den Hof von Ferrar einheiratet, wo sie eine
"Akademie" gelehrter Männer um sich scharte und welchen sie durch
ihre Freundschaft mit Calvin und anderen Führern der Reformation in
tiefe Verlegenheit brachte - so daß sie von ihrem Gatten schließlich
in ein Kloster abgeschoben wurde -, ist reich dokumentiert.
28.6.1528
oo Ercole II. von Este, Herzog von Ferrara
4.4.1505-3.10.1559
Kinder:
Anna "La Reine mere"
16.11.1531-17.5.1607
Sie erhielt den Beiname, da ihre Söhne nach der Krone strebten.
4.2.1548
1. oo Franz I. Herzog von Guise
17.2.1519-24.2.1563
29.4.1566
2. oo Jakob I. Herzog von Savoyen-Nemours
12.10.1531-15.6.1585
Alfonso II.
22.11.1533-27.10.1597
Lucrezia
16.12.1535-12.2.1598
19.1.1570
oo Franz Maria II. della Rovere Herzog
von Urbino
- 1576 20.3.1549-28.4.1631
Eleonore
19.6.1537-19.8.1581
Sie war die berühmte Geliebte von Tasso.
Ludwig d'Este Kardinal
21.12.1538-30.12.1586
Literatur:
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Jurewitz-Freischmidt Sylvia: Die Herrinnen der
Loire-Schlösser. Königinnen und Mätressen um den Lilienthron.
Casimir Katz Verlag, Gernsbach 1996 Seite 153 - Simon Kate: Die
Gonzaga. Eine Herrscherfamilie der Renaissance. Verlag Kiepenhauer &
Witsch Köln 1991 Seite 184 - Tamussino Ursula: Margarete von
Österreich. Diplomatin der Renaissance Verlag Styria Graz Wien Köln
1995 Seite 163 - Treffer Gerd: Franz I. von Frankreich Herrscher
und Mäzen Verlag Friedrich Pustet Regensburg 1993 Seite 39,44,55,
63,83,104,193 -