Jüngere Tochter des Königs
Heinrich VII. von England und der Elisabeth
von York, Tochter von König Eduard
IV.
Treffer Gerd: Seite 232-235
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"Die französischen Königinnen. Von Bertrada
bis Marie Antoinette (8.-18. Jahrhundert)"
MARIA TUDOR - die englische Schönheit
* 1496, + 23. Juni 1553
Greenwich (Kent) Westhorpe
Dritte Gemahlin Ludwigs XII. (* 1462; König 1498-1515)
Heirat: 11. Oktober 1514, Abbeville
Just in dem Augenblick, da Anna
von der Bretagne verstorben ist und Louise von Savoyen sich
eigentlich von jeder Beunruhigung befreit fühlen darf, der Thronbesteigung
ihres Sohnes Franz stünde noch
etwas im Wege, quält sie ein neues Gerücht, das man bei Hofe
nur verschämt und hinter vorgehaltener Hand verbreitet: der König
will wieder heiraten. Louise erstarrt: Ludwig
ist zweiundfünfzig, vor der Zeit gealtert, fast schon ein Greis. Alle
paar Monate hat er Gichtanfälle, liegt dann vierzehn Tage zu allem
unfähig im Bett. Ein erstes Eheprojekt mit Eleonore,
der Schwester KARLS VON HABSBURG, zerschlägt
sich. Doch Ludwig läßt nicht
locker. Er schickt seine Berater auf Brautschau. Sie finden Maria
Tudor.
Als Tochter Heinrichs VII. Tudor,
Abkömmling des Hauses LANCASTER und
der Elisabeth von England, trägt
Maria
das Erbe der beiden Familien des Rosenkrieges. Ihr Bruder ist der berühmte
und berüchtigte
Heinrich (VIII. von England).
Ihre Schwester Margarete ist mit Jakob
IV. Stuart von Schottland verheiratet. Auch Maria
wird mit achtzehn Königin sein: von Frankreich, ohne
große Begeisterung ud nur für wenige Monate. Wie viele andere
Prinzessinnen war Maria schon anderweitig
verlobt gewesen - mit dem wenig anziehenden schmalbrüstigen KARL
VON KASTILIEN.
Maria wächst
am englischen Hof auf, wo ihr Bruder ein ungestümes Leben führt,
von seinem Vater aber auch sorgfältig in das Amt eingeführt wird,
das ihn erwartet. Mit zwölf Jahren ist sie eine hochaufgeschossene
blonde Schönheit, freundlich und leebnsfroh. Ihr Bruder hat sie gern
in seiner Gesellschaft. Maria lernt
einen brillanten Höfling, einen Freund und Gefährten ihres Bruders,
kennen und lieben: Charles Brandon. Der Herzog von Suffolk ist in
der Tat jung, männlich, kriegserfahren. "Mit den Augen einer Frau"
gesehen, ist er ein idealer Mann. Aber Politik und Diplomatie gehen der
Liebe vor. Und eine englisch-französische Allianz enthält eine
Heiratsklausel: am 7. August 1514 wird Maria
dem vierunddreißig Jahre älteren König von Frankreich,
Ludwig
XII., versprochen dem Witwer
Annas
von der Bretagne.
Maria ist entsetzt.
Sie ist das hübscheste Kind am Hofe von Richmond, die reizvollste
aller TUDOR-Prinzessinnen. Sie weigert
sich. Man überschüttet den Trotzkopf mit Gold und Edelsteinen.
Man malt ihr Paris als die froheste Stadt der Welt aus. Man schildert Maria
in den leuchtendsten Farben die glänzende Rolle, die sie dort spielen
wird. Man droht ihr mit Kloster bis ans Ende aller Tage. Erst als ihr Bruder
Heinrich
-
den sie liebt, der jung ist wie sie und sie versteht - mit ihr spricht,
stimmt sie widerstrebend zu. Am 7. August 1514 vertritt der Herzog von
Longueville seinen König bei der symbolischen Londoner Trauung.
Maria reist nach
Frankreich. Im englischen Hafen vergießt sie bittere Tränen,
und ihr königlicher Bruder muß sie liebevoll in die Arme schließen,
um ihr beim Abschied von England - und Charles Brandon - zu erleichtern.
Von prächtigem Gefolge begleitet, landet sie in Calais. Ludwig
von Frankreich hat ihr eine ehrenvolle Eskorte entegegengesandt,
um sie auf französischem Boden willkommen zu heißen, an deren
Spitze ein Hühne steht, Franz von Angouleme,
der inoffizielle Thronfolger. Er reitet neben ihrer Sänfte, scheint
begeistert von der Schönheit dieser jungen Prinzessin, die gleichwohl
seinen Schwiegervater heiraten soll und deren Sohn, sofern sie einen haben
wird, das einzige Hindernis für seine Thronbesteigung sein könnte.
Über Boulogne kommt der Zug der künftigen Königin nach Abbeville.
Ihr Verlobter begrüßt sie dort königlich, von 1.500 Edelleuten
umgeben.
Die Hochzeit findet am 11. Oktober in Abbeville statt,
nicht etwa in einer Kathedrale, sondern im großen Saal des Schloßes,
"wo alle Welt sehen kann." Einige Wochen lang lebt Frankreich - genauer
das höfische Frankreich, und davon auch wieder nur Teile - im Freudentaumel.
Am 5. November 1514 wird die neue Königin in Reims gesalbt und zieht
tags darauf feierlich in Paris ein. Der Liebreiz seiner jungen Gemahlin
zwingt den alten König Energien zu beweisen, über die er eigentlich
gar nicht mehr verfügt. Seine Ärzte sind entsetzt. Um des Königs
Gesundheit steht es zusehends schlechter. Trotz ihres Unwillens über
diese Ehe mit dem alten, kranken Mann, erfüllt Maria
ihre Rolle als Ehefrau. In ihren Briefen an ihren Bruder gibt sie aber
ihrem Widerwillen Ausdruck.
Der König wird schwächer und schwächer.
Der feine Diplomat Englands, Kardinal Wolsey, bereitet schon ein Kondolenzschreiben
vor und richtet es interessanterweise an Franz
von Angouleme. Maria wird
die Wahrheit über den Zustand ihres Gatten so lange wie möglich
vorenthalten. Ludwig hat den alten
Louvre verlassen und ist ins Palais deTournelles gezogen: Man klärt
Maria
auf: "Weil der Palast in besserer Luft liegt". Insgeheim bringen die Ärzte
aber zu Papier: "... auch weil der König gewollt hatte, seiner Frau
ein gefälliger Gefährte zu sein, sich dabei aber erschöpft
und übernommen hatte, da er doch lange krank war ..." So wartet nun
jedermann, der eingeweiht ist, auf dessen Ende. Ahnungslos legt sich die
englische Prinzessin am fünfundachtzigsten Tag ihrer Ehe, am Sylvestertag
1514, zu Bett. Man weckt sie mit der Nachricht,
König
Ludwig lebe nicht mehr.
An diesem kalten und grauen Morgen des 1. Januar 1515
ist Franz von Angouleme König.
Ein leiser Zweifel bleibt: Mag Maria
nicht vielleicht einen Thronerben unter dem Herzen tragen? Am Hofe wartet
man gespannt auf die erste Begegnung zwischen der Witwe und Franz.
Sie allein kann sagen, ob sie nicht doch ein Kind erwartet. Jedermann lauscht
nach dieser Neujahrsnacht gespannt auf ihre Anrede: Maria
begrüßt
Franz
formell als König. Seine Parteigänger atmen hörbar
auf. Boten hetzen in gestrecktem Galopp an die Höfe Europas und verkünden:
Franz I. ist König von Frankreich.
Die junge Königin-Witwe hat in Frankreich
keine Zukunft mehr. Will sie auch nicht haben. Wozu soll sie in Frankreich
ausharren. Sie glaubt, den englischen Interessen genügend gedient
zu haben. Maria heiratet am 31. März
1515 in Greenwich den Mann, den sie schon vor Ludwig
geliebt hat, Charles Brandon, eilig und ohne die Zustimmung ihres
Bruders. Beide haben ein schlechtes Gewissen, fürchten den legendären
Groll Heinrichs VIII., der gehofft
hatte, aus einer französischen Königin-Witwe vielleicht
noch Kapital zu schlagen. Aber Heinrich
hat Einsehen für die Liebe seiner kleinen Schwester. Mit Charles
Brandon wird Maria zwei Töchter
haben. Eine von ihnen, Lady Frances Brandon, 1517 geboren, wird Henry Grey
heiraten und die Mutter jener Jane Grey
sein, die ihrerseits, wenn auch nur kurz, Königin von England sein
wird.
Ridley Jasper: Seite 76-86,97
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"Heinrich VIII."
Heinrichs Schwester
Maria,
die den 14-jährigen Prinzen Karl von Kastilien
heiraten sollte, war damals 18 Jahre alt und sehr schön. Gerard du
Pleine, den Margarete von Österreich
mit einem Auftrag an Heinrichs Hof
geschickt hatte, mag übertrieben haben, als er Margarete
schrieb, Prinz Karls Braut sei die
schönste Frau, die er je gesehen habe, und sie verstehe es, amüsant
zu plaudern, und sie sei eine begnadete Tänzerin und überaus
lebhaft. Aber auch viele andere Männer waren von ihrer Schönheit
beeindruckt. Heinrich merkte, dass
Suffolk
sich in Maria verliebt hatte und
umgekehrt. Er konnte es sich aber nicht leisten, auf die diplomatische
Ehe zwischen Maria und Prinz
Karl von Kastilien zu verzichten.
Am 30. Juli 1514 erklärte Prinzessin
Maria in Wanstead Manor im Beisein von Heinrichs
Beratern, sie erkenne den Ehevertrag mit Prinz
Karl von Kastilien nicht an und bitte, dem König diese
Entscheidung mitzuteilen. Nach Abschluss des Friedensvertrages mit Frankreich,
verlor Heinrich keine Zeit den Ehevertrag
zu erfüllen. Die Hochzeit fand am 13. August in Greenwich statt. Der
Herzog von Longueville fungierte als Stellvertreter
Ludwigs XII. Gleich nach der Trauung wurde die Ehe symbolisch
vollzogen. Maria ging in ihre Kammer,
entkleidete sich in Gegenwart vieler Edelleute und Damen vom Hof und legte
sich ins Bett. Der Herzog von Longueville, bekleidet mit Wams und roten
Strümpfen, zog einen Strumpf aus, stieg zu
Maria ins Bett und legte in Gegenwart von Zeugen sein nacktes
Bein über ihren Körper. Daraufhin wurde die Ehe für vollzogen
erklärt.
Die flämischen und spanischen Gegner des Friedens
machten sich natürlich darüber lustig, dass Maria
den alten und gebrechlichen Ludwig XII. geheiratet
hatte. Die Vorstellung, dass er nun die Rolle des Bräutigams der schönen
18-jährigen englischen Prinzessin übernehmen sollte, sorgte in
Spanien und den Niederlanden für Spott. Petrus Martyr Angleius am
Hof von Valladolid schrieb, man sei allgemein entsetzt darüber, dass
dieses schöne Mädchen von 18 Jahren einem alten, aussätzigen
Invaliden angetraut worden sei. Maria hatte
sich zunächst schlichtweg geweigert, Ludwig
zu heiraten. Sie hatte erklärt sie liebe Suffolk und wolle
ihn heiraten. Er erklärte Maria,
der Erfolg seiner Außenpolitik und der Frieden der Christenheit hingen
von ihrer Heirat mit Ludwig XII. ab.
Ludwig
werde zudem sicher bald sterben und Maria als junge Witwe zurücklassen.
Wenn sie jetzt in die Heirat mit Ludwig einwillige,
dürfe sie nach Ludwigs Tod den
Mann ihrer Wahl heiraten. Dennoch war Maria unglücklich,
als sie im September 1514 nach Frankreich aufbrach. Heinrich
begleitete
sie bis Dover, wo sie mit großem Gefolge an Bord eines Schiffes ging.
Ludwig
XII. traf in Abbeville mit Maria
zusammen. Wie allgemein üblich wurde die Trauung am 9. Oktober nochmals
unter Anwesenheit beider Eheleute in der Kathedrale von Abbeville vollzogen.
Das Paar blieb 14 Tage in Abbeville, dann reiste es in Etappen nach Paris
weiter. Maria war jetzt noch unglücklicher.
Darauf schickte Heinrich Suffolk nach
Frankreich, dem er das Versprechen abgenommen hatte, Maria
nicht den Hof zu machen, solange er in Frankreich sei. Am Sonntag, dem
5. November, wurde Maria in der Abtei
von St. Denis mit großem Pomp zur Königin gekrönt.
Nach der Krönung begab sich der Hof nach Paris. Marias
Zustand hatte sich ein wenig gebessert, und Ludwig
schrieb mehrmals an Heinrich und Wolsey,
wie zufrieden er mit Suffolk sei. Ludwig
starb an Neujahr, und Maria war nach
83 Tagen Ehe bereits Witwe. Maria trauerte,
wie es die Etikette von einer verwitweten Königin verlangte. Sie wachte
neben seinem Leichnam, und nach dem Begräbnis zog sie sich in ihr
Zimmer zurück. Marias blasser
Teint beeindruckte die Franzosen besonders. Sie nannten sie Maria
"la
reine blanche".
Maria, Suffolk
und die anderen englischen Gesandten und der gesamte Hof begaben sich zur
Krönung von Franz und Königin
Claudia am 25. Januar nach Reims. Auf der Rückreise nach
Paris drängte
Franz Maria, mit
ihm zu schlafen. Maria weigerte sich
und erklärte, sie liebe Suffolk und wolle ihn heiraten. Maria,
Suffolk
und Franz schrieben in Briefen an Heinrich
und baten ihn, der Heirat zuzustimmen. Wolsey schrieb, gelinge es Suffolk
die Rückgabe der Mitgift und der Juwelen zu erreichen, stehe der Hochzeit
nichts im Wege. Da sich der Widerstand gegen die Ehe aus England verstärkte,
heirateten Maria und Suffolk
heimlich vor 10 Zeugen.
Wolsey schrieb, dass die einzige Hoffnung für Suffolk
und Maria sei, reuevolle Briefe an
Heinrich
zu senden und sich darüber hinaus bereit zu erklären, Heinrich
jährlich 4.000 Pfund aus Marias
Mitgift zu zahlen, wobei ihnen immer noch der Rest von 6.000 Pfund im Jahr
verbleiben würde. Zudem müsse Suffolk Franzveranlassen,
Heinrich
die 8.000 Kronen der Mitgift zurückzuzahlen. Maria
nahm alle Schuld auf sich und unterzeichnete ein Dokument, indem sie Heinrich
"aus freien Stücken" alles Silber und Gold und alle Juwelen übertrug,
die ihr bei der Heirat mit Ludwig XII.
als Mitgift mitgegeben worden waren. Sie überredete
Franz I., einen Teil der Mitgift zurückzugeben und verließen
am 16. April Paris in Richtung England. Suffolks Heirat wurde sowohl
vom einfachen Volk als auch vom Adel verurteilt. Heinrich
VIII. verzieh Suffolk und Maria.
Da Maria nicht schwanger war, wie zunächst
angenommen, konnte Heinrich seiner
Ehre und der des Paares wieder aufhelfen, indem er die heimliche Heirat
in Paris vertuschte und in Greenwich noch einmal eine Hochzeit veranstaltete.
Als Maria neun Monate später,
im März 1516 einen Sohn zur Welt brachte, waren
Heinrich
VIII., Wolsey und Königin Katharina
die Paten.
Die beiden hielten ihr Versprechen und zahlten Heinrich
jährlich 1.000 Pfund, bis sie 24.000 Pfund von Marias
Mitgift zurückgezahlt hatten. Die meiste Zeit verbrachten sie in ihrem
Landhaus bei Westhorpe in Suffolk, doch weilten sie auch oft am Hof. Maria,
die in England den Rest ihres Lebens "die französische Königin"
blieb, spielte bei repräsentativen Empfängen eine wichtige Rolle.
Manchmal speiste sie sogar mit prominenten ausländischen Gästen
and er Tafel des Königs. Suffolk diente Heinrich weiterhin wie jeder
andere Lord auch. Er war bei Hof anwesend und führte im Krieg Heere
gegen die Franzosen und Schotten. Maria
starb 1533 im Alter von 37 Jahren.
Jurewitz-Freischmidt Sylvia: Seite 156
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"Die Herrinnen der Loire-Schlösser. Königinnen
und Mätressen um den Lilienthron."
Da Louis XII. gerade
einen Frieden mit dem dynamischen jungen König von England geschlossen
hat und dieser eine, wie es heißt, temperamentvolle und lebenssprühende
Schwester von 17 Jahren namens Mary
hat, deren Herz zwar vergeben, deren Hand aber noch nicht versprochen ist,
drängt sich die Verbindung mit England auf. Louise de Savoie wird
die Ironie empfunden haben, die darin liegt, daß es ausgerechnet
ihr Caesar Francois ist, der den ehrenvollen
Auftrag erhält, die Braut und zukünftige Königin Mary
Tudor an der Küste abzuholen und nach Abbeville zu geleiten.
Ihr Entsetzen wird keine Grenzen gekannt haben, als sich dieser Blödel
von einem Sohn dann auch noch in die freche und unleugbar hübsche
Engländerin verliebt.
Die nun wieder schäkert sich lieber mit dem jungen
und stattlichen nächsten König als mit dem derzeitigen, der sehr
alt und geistig auch etwas hinfällig geworden ist. Doch in Wahrheit
ist ihr Herz an einen gewissen Charles Brandon vergeben, den ihr
verständnisvoller Bruder Henry VIII.
zunächst zum Lord Suffolk und dann, als die Heirat feststeht, zum
Botschafter am französischen Hof macht. Der Botschafter erreicht seine
neue Wirkungsstätte gemeinsam mit der zukünftigen Königin.
Am 9. Oktober findet die dritte Trauung Louis'
XII. statt. Am 5. November läßt er seine strahlende
Königin
Mary krönen, und tags darauf hält das Paar triumphalen
Einzug in Paris. Mit dem friedlichen Leben ist es für den König
vorbei. "Diese junge, leidenschaftliche und frivole Königin stürzt
ihren alten Gemahl in einen Wirbel von Festen und Vergnügungen, die
seinen Tod zweifellos beschleunigen" (Bertier de Sauvigny, 124).
Selbst Louise de Savoie mag sich nach den "ruhigen" alten
Zeiten mit Anne de Bretagne zurückgesehnt
haben, denn bei Anne konnte sie, selbst
wenn diese schwanger war, immer noch hoffen, daß "sich das Problem
irgendwann von selbst lösen" würde, doch was ist, wenn dieses
leebnsstrotzende junge Ding schwanger wird? Sie sieht wahrhaftig nach kräftigen
Söhnen aus! Selbst wenn bemerkt wird, daß die junge Königin
sich alle Mühe gibt, ihren Gemahl so zu erschöpfen, daß
er kaum zur Erfüllung seiner ehelichen Freuden findet. Da ist ja nicht
nur dieser mitgebrachte Suffolk, da ist vor allem ihr blödsinniger
Sohn, der sich, wenn sie ihn nicht mit Gewalt hindern würde, kopfüber
in eine gefährliche Liebschaft mit der Königin stürzen und
womöglich noch selber das Kind zeugen würde, das ihn endgültig
entthront. Daß diese debile König einen Sohn auf jeden Fall
anerkennen würde, davon kann man ausgehen, hatte es doch sein eigener
Vater bei seiner Geburt nicht anders gemacht.
Die Spannung ist nicht mal beendet, als
König Louis XII. von Frankreich seiner eigenen Vorhersage
getreu sozusagen in letzter Minute in der Nacht vom 31. Dezember 1514 auf
den 1. Januar 1515 stirbt. Doch der koboldhaften Kurzzeit-Königin
macht all die Aufregung viel zu viel Spaß, um sie so schnell zu beenden.
Sie fühlt sich schwanger. Auf solche Fälle sind königliche
Häuser vorbereitet. Ihr bleiben sechs Wochen, vor allem Louise in
unerträglicher Spannung zu halten. Dann muß sie den Beweis erbringen,
daß sie tatsächlich guter Hoffnung ist. Das kann sie natürlich
nicht und lachend fährt die 18-jährige mit ihrem geliebten Suffolk
zurück auf ihre Insel.
13.8.1514
1. oo 3. Ludwig XII. König von Frankreich
27.6.1462-1.1.1515
1515
2. oo 2. Karl Brandon Herzog von Suffolk
um 1480- 8.1545
Kinder:
2. Ehe
Heinrich Graf von Lincolm
11.3.1516- 1534
Franziska Brandon Eventual-Erbin von England
1517- 1559
Eleonore
1519- 1547
oo Heinrich Clifford Graf von Cumberland
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Literatur:
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Baumann Uwe: Heinrich VIII. mit Selbstzeugnissen
und Bilddokumenten. Rowohlt Taschenbuch Verlag GmbH 1991 Seite 14,34,43
- Favier, Jean: Frankreich im Zeitalter der Landesherrschaft 1000-1515.
Deutsche Verlagsanstalt Stuttgart 1989 Seite 458 - Fraser Antonia:
Die sechs Frauen Heinrichs VIII. Claasen Verlag GmbH Hildesheim 1995 Seite
36-459 - Hartmann Peter Claus: Französische Könige und
Kaiser der Neuzeit. Von Ludwig XII. bis Napoleon III. 1498-1870. Verlag
C. H. Beck München 1994 Seite 24,50,63 - Jurewitz-Freischmidt
Sylvia: Die Herrinnen der Loire-Schlösser. Königinnen und Mätressen
um den Lilienthron. Casimir Katz Verlag, Gernsbach 1996 Seite 156 - Panzer
Marita A.: Englands Königinnen. Von den Tudors zu den Windsors. Verlag
Friedrich Pustet Regensburg 2001 Seite 37 - Ridley Jasper: Heinrich
VIII. Eine Biographie. Weltbild Verlag GmbH Augsburg 1995 Seite 14,31,34,48,74,
77,79,81-82,84-86,97,101,106,117,121-122,128 - Tamussino Ursula:
Margarete von Österreich. Diplomatin der Renaissance Verlag Styria
Graz Wien Köln 1995 Seite 157,162,164,183,217 - Treffer Gerd:
Die französischen Königinnen. Von Bertrada bis Marie Antoinette
(8.-18. Jahrhundert) Verlag Friedrich Pustet Regensburg 1996 Seite 232-235
- Treffer Gerd: Franz I. von Frankreich Herrscher und Mäzen
Verlag Friedrich Pustet Regensburg 1993 Seite 47,58 - Wende Peter:
Englische Könige und Königinnen. Von Heinrich VIII. bis Elisabeth
II. Verlag C.H. Beck München 1998 Seite 15,30,58 -