Begraben: St-Denis (an der Seite Karls
VII.)
Tochter des Titular-Königs
Ludwig II. von Anjou-Neapel und der Jolanthe
von Aragon, Tochter von König
Johann I.
Lexikon des Mittelalters: Band VI Spalte 277
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Marie von Anjou, Königin von Frankreich
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* 14. Oktober 1404, + 20. November 1463
Zisterzienser-Abtei Les Chatelliers
Begraben: St-Denis (an der Seite Karls VII.)
Tochter König Ludwigs II. von Sizilien und der Yolande von Aragon
Wurde dem Dauphin Karl VII. am
18. Dezember 1413 versprochen, den sie im April 1422 zu Bourges heiratete.
Sie gebar ihrem Gemahl 12 Kinder, unter ihnen Ludwig
XI. und Charles de France.
Ihre Stellung bei Karl VII. änderte
sich, als dieser sich der Mätresse Agnes Sorel, der weitere Geliebte
folgen sollten, zuwandte. Maria von Anjou
trug die Untreue ihres Gemahls mit Resignation; die Rechnungen ihres ‚Hotel
de la Reine‘ aus den letzten Regierungsjahren Karls
VII. weisen auf eine durchaus aufwendige Hofhaltung hin. Stark
der Frömmigkeit und dem Pilgerideal zugewandt, bat Maria
von Anjou nicht lange vor ihrem Tod den Herzog
Philipp den Guten von Burgund in einem Brief, sie auf den gelanten
Kreuzzug mitzunehmen. Blieb Marias politische
Rolle unbedeutend, so ist ihre Förderung für Jeanne d’Arc bemerkenswert.
MARIA VON ANJOU - die Königin
neben der Jungfrau von Orleans
* 14. Oktober 1404, + 29. November
1463
Angers
Abtei Chateliers (Poitou)
Gemahlin Karls VII. (* 1403; König: 1422-1461; Heirat April 1422 Bourges)
Marias Vater, Ludwig
II. von Anjou, König von Neapel
und Sizilien, ist ein abenteuer- und eroberungsfreudiger Mann,
ein Enkel des französischen Königs Johanns des Guten. Auch ihre
Mutter Yolanda ist von königlicher Abstammung - von jenseits der Pyrenäen,
aus dem Hause ARAGON. Maria
trägt also die Legende der ANJOU
in S-Italien auf ihren Schultern wie auch das Erbe des energischen Geschlechts
derer von ARAGON.
Mit neun Jahren wird sie durch die üblichen Verträge
mit Karl, dem dritten Sohn des wahnsinnigen
Karl und der Isabeau de Baviere verlobt.
Yolanda
holt den jungen Prinzen an ihren Hof zu Angers, wo er mit Maria zusammen
erzogen wird. Ungewöhnlich ist jedenfalls, daß nicht die Prinzessin
am Hof ihres Verlobten, sondern der Prinz an dem seiner künftigen
Frau aufwächst. Vielleicht will Yolanda
ihre Tochter nicht zu Isabeau senden.
Vielleicht sind die Zustände in Paris auch nicht besonders günstig
dafür. Sicher aber rechnet sich Yolanda
aus, auf diese Weise den jungen Karl fester
an ihre Interessen zu binden.
Bei ihrer Verlobung kann Maria
mit dem Königinnentitel rechnen - aber schon einmal in der Geschichte
Frankreichs sind drei Brüder nacheinander auf den Thron gekommen.
Diesmal nimmt die Geschichte eine Abkürzung. 1417, als die beiden
älteren Brüder verstorben sind, wird Karl,
fünfzehnjährig, Dauphin von Frankreich.
Die Hochzeit Karls und
Marias
wird im April 1422 in Bourges gefeiert. Maria
ist
achtzehn, ihr Mann ein Jahr älter. Das Königreich ist in desolatem
Zustand. Arnmagnacen und Burgunder zerfleichen einander und beuteln das
Reich. Maria, sehr sanft aber vernünftig
und hartnäckig wie ihre Mutter, treibt ihren Mann an, etwas mehr Ehrgeiz
zu zeigen. Karl ist zögerlich,
furchtsam, eher mit seinen Vergnügungen beschäftigt als mit den
Bürden seines Amtes. Im Oktober 1422 stirbt sein Vater
Karl VI. Wer würde sein Nachfolger werden ? Nach dem 1420
eschlossenen Vertrag von Troyes war Karl
ja aufgrund seines Mordes an Johann Ohnefurcht
von der Thronfolge ausgeschlossen worden. Offiziell fällt die Krone
Frankreichs also an den König von England, Heinrich
VI. Da dieser erst ein Jahr alt ist, regiert für ihn sein
Vormund, der Herzog von Bedford. Doch Karl
beansprucht seinerseits den Thron von Frankreich.
Karl hat sich nach
Bourges geflüchtet, ohne Geld, ohne Armee. Wie soll er seiner Throansprüche
durchsetzen? In dieser Zeit des Zweifels und der Unsicherheit bringt Maria
von Anjou im Juli 1423 ihren ersten Sohn zur Welt. Im Gedenken
an Ludwig IX., den
Heiligen, wird er in der Kathedrale Saint-Etienne von Bourges
von Guillaume de Champeaux, Herzog von Laon, auf den Namen Ludwig
getauft. In den nächsten Jahren werden noch vier Buben und acht Mädchen
hinzukommen. Radegonde (1425) wird
mit neunzehn sterben, Katharina (1428)
heiratet Karl den Kühnen, Herzog
von Burgund; Jakob (1432)
stirbt jung, Yolanda (1434) heiratet
Amadeus IX., Herzog von Savoyen, Johanna (1435)Jean
II., den Herzog von Bourbon. Philipp
(1436), Margarete (1437), Johanna
und ihre Zwillingsschwester
Maria (1438)
sterben alle jung. Madeleine (1443)
heiratet Gaston de Foix, Prinz von Vianne, und Karl
(1446),
Herzog
von Berry, bleibt ehelos.
Fünf Jahre des Wartens für Maria
und
Karl.
Fünf Jahre während derer Karl nichts
wagt, nur gelegentlich mit leiser Stimme, schüchtern, seine Rechte
betont, von zu wenigen Getreuen umgeben. Karl
ist
schon so weit, aufzugeben und ins Exil zu gehen, da verlangt ihn im Frühjahr
1429 ein lothringisches Bauernmädchen namens Jeanne d'Arc zu sprechen.
Ein Hirtenmädchen, das Stimmen hört und durch wundersame Autorität
Karl
VII. von seinem Zögern befreit? Oder aber die geheime Tochter
Isabeaus
und ihres Schwagers Ludwig von Orleans?
Tatsache ist, daß Johanna den König am 8. März 1429 in
Schloß Chinon aufsucht, unter vier Augen mit ihm "von einem Geheimnis
seines Hauses" spricht. Und plötzlich ist Karl
wie verwandelt, tritt gegen die Engländer an. Welches Geheimnis seines
Hauses? Karl
mag gezögert haben
zu kämpfen, weil er zweifelte, ob Karl VI.
sein Vater war, und die Frage des Königsblutes, der Legitimität
der Abkunft in den Augen der Zeit so wichtig ist. Das Gerede über
die Sittenlosigkeit Isabeaus, die Zweifel
an Karls Legitimität, werden von
den Kriegsparteien auch geschickt gestreut und propagantistisch genutzt.
Und nun kommt Johanna, sie tzeilt dem König ihr Geheimnis mit: der
Bastard, von dem geredet wird, ist sie - nicht er. Ja: es gibt ein uneheliches
Kind von Isabeau und
Ludwig
von Orleans. Nein: dieser Kind bist nicht Du, Karl.
Dieses Kind bin ich, Johanna, Deine Halbschwester, Du aber bist eines Königs
von Frankreich Sohn. Und Karl VII.,
von seinen Selbstzweifeln befreit, zieht wie verwandelt los, sich seine
angestammte Krone zu erkämpfen.
Wer nicht an Stimmen unter Feenbäumen und ein Hirtenmädchen
glaubt, das rauhen Kriegsmännern gebietet, dem sich die Söhne
der hochadligen Häuser unterordnen, wird wohl eher der vorgeschlagenen
Variante folgen. Vielleicht gibt es andere. Tatsache ist, daß Maria
und Yolanda Johanna bald mit der ganzen
königlichen Entourage unterstützen. Und es gelingt der seltsamen
Jungfrau tatsächlich, die Belagerung von Orleans aufzuheben und Karl
zur
Krönung nach Reims zu führen, wo er am 18. Juli 1429 gekrönt
und mit dem heiligen Öl gesalbt wird. Reims gibt
Karl
VII. seine dynastische Glaubwürdigkeit zurück. Sie
erlaubt es ihm, einen Teil des Reiches erneut um sich zu sammeln. Seine
Allianz mit Kaiser SIGISMUND stärkt
seine Kampfkraft gegen England. Der Vertrag von Arras vom 21. September
1435 löst Burgund aus dem Pakt mit England und ist Auftakt zur Wiedereroberung
des Königreiches.
Am 12. November 1437 kann Maria
endlich an der Seite ihres Mannes in Paris einziehen. Nach so vielen Jahren
der Gefahren, Wirren und Kämpfen ist es Maria aber auch nun nicht
vergönnt, ein angemessenes Leben als respektierte Königin zu
führen. Das königliche Paar lebt keineswegs in ungetrübter
Harmonie. Karl VII. holt seine Mätresse
Agnes Sorel, von der er vier Töchter hat, offen an den Hof, an dem
sie neben der Königin lebt. Ein Zeitgenosse hat sie als "ziemlich
hübsches Weibsstück" bezeichnet.
Karl VII. ist ein
schwieriger Ehemann, überhaupt ein schwieriger Mensch. Er ist mißtrauisch
- schon als Kind ist er ja betrogen worden, hat seine Erbe verkauft gesehen,
nicht von irgendwelchen beutegierigen Fremden, sondern der eigenen Familie.
Er zweifelt an allen. Dient man ihm nun aus eigenen Interssen, um ihn nur
um so besser betrügen zu können, oder aus Treue? Wie die Getreuen
erkennen? Der König hat sich in sein Schneckenhaus verkrochen. Einsilbig
läßt er seine Umgebung in Ungewißheit, sie einen plötzlichen
Entzug seiner Gunst fürchten. Darunter leiden vor allem die Königin
und ihre Kinder. Der Dauphin Ludwig
lebt im Schatten dieses autokratischen Königs, muß seinen Tatendrang
zügeln. Zur Tatenlosigkeit verurteilt, kommt es zu finsteren Affären,
die ein wenig die Macht des Königs beschneiden sollen. Die letzten
Jahre dieser Herrschaft werden von bald verdecktem, bald deutlichem Kampf
zweier willensstarker Charaktere vergiftet werden. Der Dauphin, der im
Viennois eine fast selbständige Regierunga ausübt, hält
mit seiner Meinung nicht genügend hinter dem Berg. Beleidigungen gehen
hin und her. Streit folgt.
Die letzten Jahre sind für den alternden König
recht bitter. Sein Sohn Ludwig konspiriert
mit den Burgundern, mit denen er zwar verbündet ist, die aber zu opportunistisch
sind, als daß man allzusehr auf sie vertrauen könnte. In der
Politik setzte sich die Wiedereroberung fort: 25 Jahre lang holt sich
Karl VII. Stück um Stück sein Land zurück, die
Normandie. Guyenne. Nur Calais bleibt in englischer Hand, als der König
im Juli 1461 stirbt. Maria sollte ihn
um nur zwei Jahre überleben. Erschöpft von den zwölf Mutterschaften
und einem langen sorgenreichen Leben unternimmt sie eine Pilgerfahrt
nach Saint-Jean in Galizien. Auf dem Rückweg muß sie, erkrankt,
in der Abtei Chateliers im Poitou Halt machen. Sie stirbt dort am 29.
November 1463. Ihren Leichnam bringt man nach Saint-Denis.
Ehlers/Müller/Schneidmüller: Seite 324
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"Die französischen Könige des Mittelalters"
Mit Maria von Anjou,
Tochter des sizilianischen
Titular-Königs Ludwig II. und
der Yolande von Aragon, wurde er 1413
verlobt, und in der klugen Spanierin sollte er als König bis weit
in die 30-er Jahre eine diskret lenkende Ratgeberin finden.
2.6.1422
oo Karl VII. der Siegreiche König von Frankreich
22.2.1403-22.7.1461
14 Kinder:
Ludwig XI.
3.7.1423-30.8.1483
Radegunde
-19.3.1444
Katharina
1428-13.9.1446
19.5.1440
oo 1. Karl der Kühne Herzog von Burgund
10.11.1433-5.1.1477
Jakob
1432-2.3.1437
Jolanthe
23.9.1434-29.8.1478
1452
oo Amadeus IX. Herzog von Savoyen
1.2.1435-30.3.1472
Johanna
1430-4.5.1482
Chateau de Moulins
11.3.1447
oo 1. Johann II. Herzog von Borbon
1426-1.4.1488
Philipp
4.2.-11.6.1436
Margarete
5.1437-24.12.1438
Johanna
7.9.1438-26.12.1446
Marie
7.9.1438-14.2.1439
Magdalena
1.12.1443- 1486
7.3.1461
oo Gaston Graf von Foix Erb-Prinz von Navarra
1444-23.11.1470
Karl Herzog von Berry
28.12.1446-12.5.1472
Literatur:
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Ehlers Joachim: Geschichte Frankreichs im Mittelalter.
W. Kohlhammer GmbH 1987 Seite 329 - Ehlers Joachim/Müller
Heribert/ Schneidmüller Bernd: Die französischen Könige
des Mittelalters. Von Odo bis Karl VIII. 888-1498. Verlag C. H. Beck München
1996 Seite 321,324,337,341 - Favier, Jean: Frankreich im Zeitalter
der Landesherrschaft 1000-1515. Deutsche Verlagsanstalt Stuttgart 1989
Seite 411 - Jurewitz-Freischmidt Sylvia: Die Herrinnen der Loire-Schlösser.
Königinnen und Mätressen um den Lilienthron. Casimir Katz Verlag,
Gernsbach 1996 Seite 34,37,47,49,60,62,69,438 - Kendall Paul Murray:
Ludwig XI. König von Frankreich 1423-1483 Verlag Callway München
1979 Seite 33,42,68,140 - Saller Martin: Königin Isabeau. Die
Wittelsbacherin auf dem Lilienthron Nymphenburger Verlagshandlung GmbH,
München 1979 Seite 217,240,259,270,304 - Schnith Karl: Frauen
des Mittelalters in Lebensbildern. Verlag Styria Graz Wien Köln 1997
Seite 354,365 - Tamussino Ursula: Margarete von Österreich.
Diplomatin der Renaissance Verlag Styria Graz Wien Köln 1995 Seite
31 - Treffer Gerd: Die französischen Königinnen. Von Bertrada
bis Marie Antoinette (8.-18. Jahrhundert) Verlag Friedrich Pustet Regensburg
1996 Seite 208-211 -