2. Tochter des Herzogs
Rene I. von Anjou und der Isabella
von Lothringen, Tochter von Herzog Karl I.; Nichte von König
Karl VII. von Frankreich
Lexikon des Mittelalters: Band VI Spalte 236
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Margarete von Anjou, Königin von England
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* 23. März 1430, + 25. August 1482
Tochter Renes von Anjou und Isabellas von Lothringen
oo 1445 Heinrich VI. (LANCASTER)
Sohn: Eduard, Prinz of Wales
Ihre Heirat folgte einem Waffenstillstand (1444) zwischen
England und Frankreich und führte zur Abtretung der Grafschaft
Maine an das Haus ANJOU 1448. Die
französische Rückeroberung der Normandie 1450 machte sie in England
unbeliebt. 1453 beanspruchte sie wegen der Krankheit Heinrichs
die Regentschaft, doch konnte sie nicht verhindern, dass Richard,
Herzog
von York, Protektor wurde. Nach dem Ausbruch des Kriegs zwischen
den Häusern YORK und LANCASTER
stand sie an der Spitze der „LANCASTRIANS“ und spielte eine bedeutende
Rolle in den Kämpfen von 1459-1461. Sie führte ein Heer („northern
men“) gegen London und besiegte 1461 Richard Neville, Earl of Warwick.
Nach der endgültigen Niederlage der „LANCASTRIANS“ bei Towton am 29.
März 1461 ging sie mit ihrem Sohn nach Schottland und dann nach Frankreich.
Der Sturz Eduards IV. (1469-1470) durch
Warwick ermöglichte Margarete
die Rückkehr nach England. Doch führte Eduards
IV. erneute Besteigung des Throns zur Niederlage ihres Invasionsheeres
im Mai 1471 in der Schlacht von Tewkesbury, bei der ihr Sohn den Tod fand
und sie gefangengenommen wurde. Heinrich VI. wurde
im Tower ermordet. Nach ihrer Freilassung 1476 kehrte sie nach Frankreich
zurück.
Baker Timothy: Seite 59-61
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"Die Plantagenet" in Die großen Dynastien
Die Onkel Heinrichs
starben alle kinderlos, und seine eigene unpopuläre Ehe mit Margarete
von Anjou schien ebenfalls unfruchtbar zu sein. Als der König
auf unerklärliche Weise plötzlich zusammenbrach und dabei sogar
sein Gedächtnis verlor, war Yorks Stunde gekommen. Margarete
schenkte aber dann doch noch einem Sohn das Leben. Auch Heinrich
gelangte
wieder so weit in den Besitz seiner geistigen Fähigkeiten, daß
York sich zurückziehen mußte. Von dieser Zeit an existierten
nun zwei fortdauernde Linien, die in geegnseitiger Furcht lebten und England
unaufhaltsam dem Rosenkrieg entgegenbrachten. Dem Haus
LANCASTER, dessen späteres Symbols die rote Rose war, erging
es dabei schlechter, obwohl Margarete
wie eine Löwin für ihr einziges Kind kämpfte. Sie konnte
wenigstens sicherstellen, daß York wie auch Johann
von Gaunt lediglich Vater eines Königs wurde. Herzog
Richard, der den Namen PLANTAGENET
zusammen mit der weißen Rose des Hauses
YORK zur Schau trug, wurde ermordet; anschließend wurde
ihm zur all´gemeinen Belustigung eine Krone aus Papier aufgesetzt.
"Der König war von Natur aus ein Narr und sollte noch oft einen Stecken
mit einem Vogel am Ende in die Hand nehmen und sich wie ein Narr aufführen."
So lautete ein allgemein bekannter Spruch, als Heinrich
VI. 20 Jahre alt wurde; zwar kein totaler Einfaltspinsel, so
gibt es doch keinen Herrscher, der mehr enttäuscht hat als er. Er
litt wie Eduard II. und Richard
II. unter dem Vergleich mit seinem Vater und hatte wahrscheinlich
das Blut der VALOIS, denn es ist kaum
vorstellbar, daß die PLANTAGENET
einen so sanftmütigen Sproß hervorzubringen vermochten. Heinrich
verurteilte
seine weltlich eingestellten Höflinge, trug selbst einfache, dunkle
Kleidung, entstetzte sich über tanzende Mädchen und wollte niemals
an der Spitze einer Armee kämpfen. Als er mündig war, fand er
sich von Machtspekulanten umgeben, die sein Ohr für sich gewinnen
wollten. Seine Gutmütigkeit und Schwäche, die das politische
Geschehen lähmten und die Schatzkammern leerten, entsprangen seiner
absoluten Gleichgültigkeit gegenüber allem Weltlichen. Ein Geistlicher
erzählte später, daß der König einen Seufzer der Erleichterung
ausstieß, wenn Staatsangelegenheiten unterbrochen wurden. Heinrich
gab
öffentlich seiner Verwunderung darüber Ausdruck, daß irgend
jemand seinen Thronanspruch in Frage stellen sollte; möglicherweise
lag seine eigene Stärke in seiner Frömmigkeit, die einen persönlichen
Angriff unmöglich machte. Er blieb bis an sein Ende ein Sonderling,
während sich alle anderen königlichen Versager doch noch auf
irgendeine Weise behauptet hatten. Die einzige Freude des geplagten
Heinrich waren fromme Gaben und kirchliche Gebäude. Das
von ihm gegründete Eton-College, dessen Schüler er bezeichnenderweise
vor den Untugenden seines eigenen Hofes warnte, und das königliche
College in Cambridge entwickelten sich zu den vornehmsten Schulen im Lande.
Mit seinen Leiden wie auch Schwächen blieb Heinrich
VI. alleine. Er war die Schchfigur, die bald von der einen,
bald von der anderen Gruppe ergattert wurde. Frau und Kind hatten ihn verlassen
und waren nach Frankreich gegangen. Als einziger König wurde er sowohl
in Westminster als auch in Paris gekrönt, und als einziger verbrachte
er viele Jahre im Gefängnis, nachdem ihn die triumphierenden Anhänger
der York-Linie im Norden überrumpelt
hatten. Kein anderer hatte, so wie er, eine zweite Regierungsphase, die
sechs Monate dauerte und dem schwachsinnigen Heinrich,
einem "gekrönten Schafe", in den Jahren 1470 bis 1471 zugestanden
wurde. Vor ihm gab es auch keinen König, der wie er in London und
dort im Tower selbst ermordet worden war. Sein Tod erfolgte gleich nach
der Festnahme und Hinrichtung seines einzigen Sohnes, Prinz
Eduards, mit dem das Haus LANCASTER
ausstarb. Es war das erste Mal, daß Vater und Sohn gemeinsam beseitigt
wurden, was aber als unvermeidlich erscheinen mußte, da ihr Anspruch
von einer rivalisierenden Nebenlinie abgewiesen worden war.
Ehlers Joachim: Seite 335,363
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"Geschichte Frankreichs im Mittelalter"
Am 16. April 1444 wurden in Tours Beratungen eröffnet,
aber noch immer lagen die Standpunkte so weit voneinander entfernt, daß
ein Friedensschluß unerreichbar schien. Während die Bevollmächtigten
Karls
Guyenne, Quercy, Perigord, Calais und Guines als Lehen der Krone Frankreich
anboten, forderten die Gesandten Heinrichs VI.
souveränen Besitz von Guyenne und Normandie ohne Lehnsverpflichtung.
Man einigte sich deshalb zunächst nur auf einen Waffenstillstand,
zu dessen Sicherung der englische Hof die Verlobung
Heinrichs
VI. mit Margarete von Anjou
forderte, der Tochter Renes und Nichte
Karls VII. Nach der feierlichen Zusage wurde am 28. Mai 1444
ein Waffenstillstandsvertrag für 22 Monate geschlossen, in den auch
die Verbündeten beider Seiten einbezogen waren.
Jetzt richtete Karl der Kühne
von Burgund seine ganze Hoffnung auf England, denn dort hatte
sich Eduard von York 1471 in den Schlachten
bei Barnet und Tewkesbury endgültig als König gegen das Haus
LANCASTER durchgesetzt. Der Sieg Eduards
war eine Niederlage Ludwigs XI., dessen
Cousine Margarethe von Anjou als Gemahlin
des 1461 abgesetzten Heinrich VI. von England
nun ins französische Exil gehen mußte.
Kendall Paul Murray: Seite 60,68,110,137,151,274,277-280,349,553
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"Ludwig XI. König von Frankreich 1423-1483."
Ein Waffenstillstand von zwei Jahren wurde vereinbart
und mit der Verlobung zwischen Heinrich VI. und Margarete
von Anjou besiegelt, der schönen Tochter des älteren
Bruders des Grafen von Maine, Rene,
des Titular-Königs von Neapel, Herzogs von Anjou und Lothringen.
Renes sechzehnjährige
Tochter Margarete, schön und gebildet,
stand eben am Beginn ihres aufwühlenden und tragischen Schicksals
als Gemahlin Heinrichs VI. von England.
Als im Februar 1445 der Herzog von Suffolk mit einem ganzen Gefolge von
Herren eintraf, um Margarete von Anjou
nach England zu geleiten, überschlug sich der Hof mit fürstlichen
Festen und Turnieren.
Die Ankunft Margaretes von Anjou
in England im Jahre 1455, die ebenso leidenschaftlich und aggressiv war
wie ihr Gemahl, Heinrich VI., schwächlich,
führte nur zur Verschärfung der gegenseitigen Erbitterung zwischen
den Parteien am Hof, den Anhängern des Hauses
LANCASTER (aus dem Heinrich
stammte) und einer von Richard, Herzog
von York, angeführte Gruppe, die sich für eine Reform
von Heinrichs unfähiger Regierung
und für die kraftvolle Fortsetzung des Krieges in Frankreich einsetzten.
Die Vertreibung der Engländer aus ihren französischen Besitzungen
in den Jahren 1449-1453, der Aufstand von Jack Cade 1450 und ein Wahnsinnsanfall
von Heinrich VI. im Jahre 1453 (Heinrichs
Großvater mütterlicherseits, der Vater der
Katharina von Frankreich, war der geisteskranke Karl
VI.) führte 1455 die Anhänger der Häuser
YORK und LANCASTER gegeneinander
zum bewaffneten Konflikt, zur ersten Schlacht von St. Albans, in der die
siegreichen Anhänger Yorks den König gefangennahmen. Obgleich
Königin
Margarete nicht lange danach in der Lage war, von ihrem glücklosen
Gatten und seiner Regierung wieder Besitz zu ergreifen, hatte der Anführer
der Anhänger des Herzogs von York Richard Neville, Earl of Warwick,
den Anhängern Yorks einen mächtigen Außenposten in Calais
geschaffen. Im Jahre 1458 verständigten sich der Dauphin und der Herzog
von Burgund, um Karls VII. Unterstützung
von Königin Margarete und der
Anhänger LANCASTERS entgegenzuwirken,
insgeheim mit Warwick. Im folgenden Herbst, 1459, trieben
Margarete
von Anjou und LANCASTERS
Anhänger den Herzog von York erfolgreich in die Flucht nach Irland.
Im Jahre 1462 hatte Ludwig XI.,
um die Anhänger Yorks durch Inanspruchnahme im eigenen Land gefesselt
zu halten und seine Sympathien für die ANJOU
hervorzukehren, ein kleines Expeditionskorps für die unbeugsame Gemahlin
Heinrichs
VI., Herzog Johanns Schwester,
Königin
Margarete von Anjou, ausgerüstet, als ie auf der Suche
nach Hilfe in Frankreich eingetroffen war.
Die ANJOU fühlten
sich dadurch heftig vor den Kopf gestoßen, daß der König
keine Truppen oder Geldmittel eingesetzt hatte, Um Herzog
Johann im Königreich Neapel zu unterstützen und Renes
Tochter Margarete wieder auf den englischen
Thron zu bringen.
An den schäbigen kleinen Hof von Margarete
von Anjou im Herzogtum Bar erging eine dringliche Einladung
für die gestürzte Königin, ihn in Amboise zu treffen, um
die Gelegnehit von Warwicks Ankunft wahrzunehmen.
Als der Earl und der Herzog am 12. Juni aus Ambois wieder
abreisten, hatten Ludwig und Richard
Neville Vorkehrungen für das "englische Unternehmen" getroffen. Warwick
würde das Haus LANCASTER wieder
auf den englischen Thron setzen; er und Königin
Margarete "würden alle Beleidigungen und Feindschaften
der Vergangenheit wegwischen", und ihr Bündnis sollte besiegelt werden
durch die Heirat der jüngeren Tochter des Earl, Anna,
jetzt etwa zehn Jahre alt, mit dem siebzehn Jahre alten Sohn
Heinrichs VI., Prinz Eduard;
Ludwig
würde Schiffe und Geld für die Expedition zur Vetrfügung
stellen, aber als Freund und Verbündeter von Richard Neville, nicht
von LANCASTER. Zunächst sah sich
Ludwig vor die Aufgabe gestellt, die herrische Königin
Margarete umzustimmen, die jetzt mit ihrem Sohn unterwegs war,
und sie zu bewegen, ihrem schlimmsten Feind zu vergeben und ihm Achtung
entgegenzubringen. Königin Margarete erwies sich als ebenso leidenschaftlich
und störrisch wie es Ludwig nur
voraussehen konnte. Vom Augenblick ihrer Ankunft in Amboise an, zwei Wochen
nach Warwicks Abreise, machte sich der König ans Werk, um ihr vor
Augen zu halten, wo ihre wahren Interessen lagen. Sie stimmte bereitwillig
einem dreißigjährigen Waffenstillstand zwischen Frankreich und
dem Haus LANCASTER zu im Austausch
gegen die Verpflichtung des Königs,
Heinrich
VI. "jedwede nur mögliche Hilfe und Vergünstigung
gegen Eduard von March (Eduard IV.),
seinen Helfern und Komplizen zuteil werden zu lassen." Aber den Aufenthaltsort
oder gar die blutige Hand Warwicks zu berühren - das sei ferne von
ihr! Tag für Tag in langen Diskussionen, seinen Widerwillen gegen
ihr hohles Pathos sowie seine Ansichten über ihren Stolz hinunterschluckend,
umschmeichelte Ludwig Margarete unermüdlich,
beschwichtigte sie, lobhudelte und predigte ihr die Lehre von der Einsicht
in die politische Notwendigkeit. Die hochgestochene Königin ließ
sich sogar erweichen, einer Erlaubnis zuzustimmen, daß der Earl of
Warwick ihren Gemahl wieder auf den Thron setzen dürfe. Aber eine
Heirat ihres Sohnes mit Anna Neville
- davon wollte sie niemals etwas hören. Das gereichte ihr nicht zum
Nutzen und am allerwenigsten zur Ehre, erklärte sie von oben herab.
Ludwig
blieb beharrlich.
Der jubeldne König ergriff die Gelegenheit, seine
Verehrung für das Haus LANCASTER
zu zeigen: Königin Margaretes
Sohn, Prinz Eduard, übernahm das
Patenamt bei dem Kind, zumal da beide ja einen gemeinsamen Urgroßvater
hatten, den geisteskranken Karl VI. Waren
es nun diese freundliche Geste oder die sofort wiederaufgenommenenÜberredungskünste
des Königs, welche die Königin bewegten, jedenfalls willigte
sie zuguterletzt in die Heirat ihres Prinzen mit der Tochter Richard Nevilles
ein. Aber im einzelnen noch verbliebenen Punkt blieb sie unerbittlich:
Warwick würde sie den jungen Eduard nicht
anvertrauen. Erst wenn er der Herr von England sei, würden sie und
der Prinz von Wales übers Meer fahren.
Ludwig war darauf
bedacht, seinen Bruder Karl in alle
Vorkehrungen für die Versöhnung von Warwick und Margarete von
Anjou einzuweihen, die, so sagte der König Bourre voraus, "sehr rasche
Wirkungen erzielen oder zu gar nichts führen würde." Am 22. Juli
hielten sowohl die Königin als auch der Earl ihren Einzug in Angers.
Demütig sank Richard Neville vor der hochmütigen Königin
auf die Knie und flehte sie um Vergebung an. Margarete ließ ihrem
Stolz freien Lauf, indem sie ihn eine gute Viertelstunde in dieser Stellung
verharren ließ, während er darum bat, ihm all das Unrecht zu
verzeihen, das er ihr angetan hatte. Schließlich brachte sie es über
sich, ihm mit huldvoller Miene zu vergeben, und er erging sich in förmlichen
Huldigungen an die Adresse des Hauses LANCASTER.
Unter König Ludwigs
wohlwollendem Beistand legten der Earl of Warwick und Königin
Margarete im Verlauf der nächsten drei Tage alle Einzelheiten
ihres Bünsnisses fest. Nachdem das Verlöbnis im Wege der Stellvertretung
von Anna Neville mit Prinz
Eduard feierlich geschlossen war, gelobte Königin
Margarete, Warwick wie einen wahren und treuen Untertan zu behandeln
und ihm niemals Taten der Vergangenheit vorzuwerfen.
Einer Geheimklausel im Vertrag zufolge kam es zu einem
Freundschaftsbund Eduard und Ludwig,
wobei jeder der beiden Könige dem anderen Hilfe bei der Bekämpfung
aufsässiger Untertanen zusagte. Schließlich wurden Abmachungen
getroffen, um Margarete von Anjou,
die sich seit der Schlacht von Tewkesbury im Mai 1471 bei den Engländern
als Gefangene befand, für eine Summe von 50.000 Kronen auszulösen.
Das letzte Blatt vom Baum der ANJOU
fiel im Jahre 1482 mit dem Tod jener von Leidenschaften und Mißgeschick
gezeichneten Prinzessin Margarete von Anjou,
von Ludwig XI. für 50.000 Kronen
freigekauft und in trostloser Zurückgezogenheit von einer Pension
lebend, die ihr der König im Austausch gegen ihren Verzicht auf die
Erbansprüche der ANJOU gewährt
hatte.
24.5.1445
oo Heinrich VI. König von England
6.12.1421-21.5.1471
Kinder:
Eduard Prinz von Wales
13.10.1453-4.5.1471 ermordet
Literatur:
-----------
Baker Timothy: Die Plantagenet in Die großen
Dynastien, Karl Müller Verlag 1996 Seite 59-61 - Calmette,
Joseph: Die großen Herzöge von Burgund. Eugen Diederichs Verlag
München 1996 Seite 213,224 -
Ehlers Joachim: Geschichte Frankreichs
im Mittelalter. W. Kohlhammer GmbH 1987 Seite 335,363 - Ehlers Joachim/Müller
Heribert/Schneidmüller Bernd: Die französischen Könige
des Mittelalters. Von Odo bis Karl VIII. 888-1498. Verlag C. H. Beck München
1996 Seite 329,346,352 - Favier, Jean: Frankreich im Zeitalter der
Landesherrschaft 1000-1515. Deutsche Verlagsanstalt Stuttgart 1989 Seite
442 - Kendall Paul Murray: Ludwig XI. König von Frankreich
1423-1483 Verlag Callway München 1979 Seite 60,68,110,137,151,274,277-280,282,289,349,502,516,522,553
- Kendall Paul Murray: Richard III. König von England Mythos
und Wirklichkeit, Eugen Diederichs Verlag München 1995 Seite 12-384
- Schelle, Klaus: Karl der Kühne. Burgund zwischen Lilienbanner
und Reichsadler. Magnus Verlag Essen Seite 112,115,118,120 -
Als Entgelt für die Hand des Königs von England
konnte der Herzog von Suffolk nur die Zusicherung eines zweijährigen
Waffenstillstandes erreichen. Dieses Angebot war die einzige Mitgift der
zukünftigen Braut, Margarete von Anjou.
Anfang März 1445 wurde Margarete
durch Stellvertretung Heinrich VI.
in Nancy angetraut. York empfing sie in Pontoise an der Südostgrenze
der englischen Linien in Frankreich. In Begleitung Suffolks und eines Gefolges
von Edeldamen geleitete er sie durch die Normandie nach Honfleur. Die Tochter
des Herzogs von Anjou und Nichte Karls VII.
war noch nicht 16 Jahre alt, ein stolzes, gebildetes, schönes Mädchen.
In den nächsten 15 Jahren sollte sich Margaretes
Persönlichkeit als ebenso verhängnisvoll für ihre eigene
Sache wie für ihren größten Feind erweisen.
Trotz ihrer 15 Jahre war Margarete
von Anjou doch schon ein Weib, leidenschaftlich, stolz und willensstark.
Wenn es sie auch demütigte, zu entdecken, dass sie einen Mönch
geheiratet hatte, so erkannte sie doch rasch ihre Pflicht: sie mußte
eifrig über die Rechte der Krone wachen und alle die als Feinde bezeichnet
wurden, vernichten. Von ihrer Schönheit und Willensstärke überwältigt,
wurde Heinrich sogleich ihr demütiger
Vasall. Durch das Beispiel ihres Vaters und durch ihr eigenes Temperament
war Margarete wohl darauf vorbereitet,
Verteidigerin der Krone zu werden. Für England als Nation empfand
sie kein Verantwortungsgefühl. Ihr Standpunkt war rein persönlich,
feudal und dynastisch. Sie war ebenso unkompliziert, wie ihr Vater kultiviert
war. Nie kam ihr der Gedanke, dass eine Königin sich vom Parteienhader
fernhalten müsse. Schon im ersten Jahr ihrer Ehe brandete eine Woge
öffentlicher Entrüstung gegen sie und ihre Günstlinge, die
man der Mißregierung im Inland und des Verrats im Ausland beschuldigte.
Der Königin war leicht einzureden, an ihrer Unbeliebtheit seien Machenschaften
Gloucesters und Yorks schuld. Der Herzog von Gloucester kam im Gefängnis
zu Tode und der Herzog von York wurde als Statthalter von Irland kaltgestellt.
Nachdem Suffolk die letzten Stützpunkte in Frankreich
verloren hatte und vom Pöbel ermordet worden war, kam es zum Aufstand
unter Jack Cade. Bei Sevenoaks wurde die Vorhut des königlichen Heeres
geschlagen. Obwohl die Einwohner Londons Heinrich
VI. Hilfe anboten, hörte dieser auf
Margarete und floh schmachvoll nach Kenilworth. Nach der Unterdrückung
des Aufstandes von Jack Cade kam es zu weiteren Aufständen und der
Herzog von York kehrte aus Irland zurück. Der Herzog wurde auf das
Wort des Königs bauend von der Partei der Königin überspielt
und mußte sich nach Fotheringhay zurückziehen. Die Königin
Margarete hatte den Herzog von York als Feind behandelt und
ihn hierduch erst zu einem Feinde gemacht.
Durch die Schwächen des Königs und die Cliquenwirtschaft
der Königin war die Krone in Schande und Ohnmacht gesunken. Durch
die langen Kriege in Frankreich war der Traum vom Rittertum zerstoben.
Die alten auf Landbesitz beruhenden gesellschaftlichen Bande waren einem
System von Geld und Macht gewichen Als Gegenleistung für Dienst im
Krieg und Frieden erhielt der Gefolgsmann von seinem Herrn Lohn oder Vergünstigungen,
Schutz gegen Feinde sowie rechtliche Privilegien. Die Autorität des
Staates war nichts mehr als ein Name für den Zweikampf auf Leben und
Tod zwischen dem Herzog von York und der Königin
Margarete.
König Heinrich wurde
auf dieselbe Weise wie sein Großvater Karl
VI. von Frankreich vollends wahnsinnig. Mit glanzlosen Augen
starrte er die entsetzte Königin an oder drehte den Kopf zur Seite
und blickte zu Boden. Drei Monate später, am 13.10.1453, gebar Margarete
einen
Sohn. Sie war eine Herrscherin. Die komplizierten Elemente ihrer Natur
und ihrer Herkunft verschmolzen sich zu dem hemmungslosen Trieb, das Geburtsrecht
des Kindes zu schützen. Von nun an war sie entschlossen, leidenschaftlich
zu kämpfen, ihre Feinde zu vernichten und dem König zu einem
Anschein geistiger Gesundheit zu verhelfen, damit er überredet werden
könnte, zugunsten seines Erben auf die Krone zu verzichten. Als sie
den Wahnsinn des Königs nicht länger verheimlichen konnten, waren
Margarete
und ihre Partei gezwungen, den Großen Staatsrat einzuberufen und
dem Herzog von York zu gestatten den Vorsitz zu übernehmen. Im Frühjahr
1454 wurde York zum "Reichsregenten und Beschützer des Königreichs"
ernannte. Dem Gesetz getreu rief er den Adel zusammen und ließ ihn
den Lehnseid auf Margaretes Sohn, Prinz
Eduard, als Thronerben leisten. Zur Weihnachtszeit 1454 gewann
König
Heinrich scheinbar seine geistige Gesundheit wieder. Am 30.
Dezember erkannte er, angeblich beglückt, seinen Sohn an. Nach einem
anderen Bericht erhob er höchster Verwunderung die Hände, als
ihm das Kind gezeigt wurde, und erklärte, es müsse der Sohn des
Heiligen Geistes sein. Auf jeden Fall fand Yorks Regentschaft ein jähes
Ende. Im Mai 1455 beriefen Königin Margarete
und Somerset den Großen Staatsrat ein, um Maßnahmen zum Schutz
der Person des Königs gegen seine Feinde zu ergreifen. York war es
sofort klar, dass er um sein Leben kämpfen mußte. Mit seinem
Schwager, dem Earl of Salisbury, und mit Salisburys Sohn, dem Earl of Warwick,
zog er nach Süden, entschlossen beim König eine Audienz zu erreichen
und die Verleumdungen der Hofpartei zu widerlegen. Von einem Viertel der
Pairs von England umgeben, brach Heinrich VI.
nach
Norden auf, um ihn entgegenzutreten. Die beiden Heere stießen bei
St. Albans aufeinander. In einer Stunde errangen Yorks Streitkräfte
einen vollständigen Sieg. Die Gefolgsleute des Herzogs von York brachten
den König nach London. Ein Jahr später war York von der Königin
und ihrer Partei erneut aus seiner Position verdrängt worden. York
war klar, solange die Macht der Königin über den König nicht
gebrochen war, konnte weder das Land noch er selbst auf Frieden rechnen.
Die nächsten drei Jahre (1456/59) gehören zu den trübsten
der englischen Geschichte.
Im Jahre 1457 fühlte sich das ganze Königreich
beschämt und beleidigt, als es erfuhr, dass Piers de Breze, einer
der großen Heerführer Frankreichs und Freund der Königin
Margarete, an der Küste Englands gelandet war und Sandwich
in Brand gesteckt hatte. Die Königin wurde zur Zielscheibe gemeiner
Geschichten und Balladen. Alsbald hieß es: Prinz
Eduard sei ein untergeschobenes Kind, und sein wirklicher Vater
sei entweder der Earl of Wiltshire oder der Herzog von Somerset. Die nationale
Empörung über den französischen Angriff war so stark, dass
die Regierung der Königin sich gegen ihren Willen gezwungen sah, dem
Earl of Warwick für drei Jahre den Auftrag zur Verteidigung des Meeres
zu geben. Im Jahre 1458 kam es zu einer Versöhnung zwischen den Führern
der YORK-Partei und den Söhnen
der bei St. Albans gefallenen Lords.
Im Mai 1459 war Margarete
mit ihrem kleinen Sohn Eduard durch
Lancashire und Cheshire gereist und hatte die Gentry dieser Grafschaften
für ihre Sache gewonnen. Im Frühsommer wurde die königliche
Standarte in Coventry gehißt und ein Heer zusammengezogen. Sobald
die Königin von Salisburys Aufbruch erfuhr, sandte sie die Lords Audeley
und Dudley aus, um ihn abzufangen. Doch Salisbury gelang es, das überlegene
königliche Heer zurückzuwerfen.
Nach dem Verrat von Andrew Trollope mußten die
YORK-Führer
Ludlow fluchtartig verlassen. Herzogin Cicely von York und ihre Söhne
Georgund
Richard
gerieten
in Gefangenschaft, während Ludlow wie eine französische Stadt
geplündert wurde.
Am 26. Juni 1460 landeten die Earls of Warwick, Salisbury
und March mit einem Heer von 2.000 Mann in Sandwich und marschierten auf
London. Am 2. Juli hieß man sie in der Stadt willkommen. Die Earls
zogen, nachdem sie sich 1.000 Pfund vom Magistrat geborgt hatten, nordwärts
um dem königlichen Heer entgegenzutreten. Sie fanden es in einer Biegung
des Nene-Flusses verschanzt, genau südlich von Northampton. Die Königin
und ihr Sohn waren in Coventry geblieben, weil sie dem Ausgang des Tages
mißtrauten.
Am regnerischen Nachmittag des 10. Juli 1460 griff das
YORK-Heer
die Verschanzungen an. Diesmal war es ein Flügel des königlichen
Heeres, der plötzlich zum Gegner überlief, so dass eine große
Menge von Soldaten in die Erdwerke eindringen konnte. In weniger als einer
Stunde hatten die Earls den Sieg errungen. Der Herzog von Buckingham, der
das königliche Heer geführt hatte, der Earl of Shrewsbury und
die Lords Beaumont und Egremont lagen mit zerschmetterten Rüstungen
tot auf dem Schlachtfeld.
Heinrich VI.
wurde in seinem Zelt gefangengenommen.
Nach seiner Rückkehr aus Irland forderte York für
sich die Krone Englands. Nach drei Wochen Debatten und Diskussionen kam
es zu einem Kompromiß. Heinrich VI.
sollte König bleiben, während York zum Erben des Königtums
wie auch zum Reichsregenten ernannt wurde. Eduard,
der Sohn der Königin Margarete,
wurde enterbt.
Als die Königin die Nachricht erhalten hatte, dass
ihr Gatte in Northampton gefangengenommen war, floh sie mit ihrem Sohn
aus Coventry nach Westen. Nach einer gefährlichen Fahrt, bei der sie
von Wegelagerern geplündert wurde, gelangte sie in die Sicherheit
des Harlech-Schlosses. Sofort warb sie Anhänger für die Sache
ihres Sohnes. Die Nachricht, dass das Parlament York zum Erben Heinrichs
ausgerufen
hatte, spornte sie nur zu größeren Anstrengungen an. Sie fuhr
zu Schiff nach Schottland, um Hilfe zu erbitten, und bot Berwick, die große
Grenzfestung als Belohnung für schottische Hilfe an. Unterdessen sammelten
ihre Anhänger im Norden Englands ein gewaltiges Heer.
Obwohl ein Waffenstillstand vereinbart worden war, erschienen
LANCASTER-Leute
am 30. Dezember vor Schloß Sandal, als Truppen des Herzogs unterwegs
waren, um Verpflegung zu beschaffen. Tapfer, aber unbesonnen, eilten York,
Rutland und Salisbury zur Rettung ihrer Leute herbei. York und Rutland
fielen und Salisbury wurde am folgenden Tage hingerichtet. Die Köpfe
der YORK-Führer wurden in der
Stadt York auf Pfähle gespießt.
Bald folgten Berichte, dass die siegreichen LANCASTER-Leute,
die Königin an ihrer Spitze, südwärts marschierten, um London
zu nehmen und den Rest des Hauses YORK
zu vernichten. Margarete hatte ihren
aus Walisern, Schotten und Yorkshire-Leuten buntgemischten Truppen versprochen,
dass sie den ganzen Süden Englands ungehindert plündern könnten.
Auf einer Front von 30 Meilen hinterließ das Heer nur Spuren der
Vernichtung.
Am 10.2.1461 hatte Eduard,
Earl
of March, bei Mortimer's Cross in Herefordshire ein von den
Earls of Pembroke und Wiltshire geführtes
LANCASTER-Heer
vernichtet. Einige Tage später verließ der Earl of Warwick mit
Truppen, die er in aller Eile zusammengezogen hatte, London, um den Vormarsch
der Königin entgegenzutreten. So erfahren er auch im Kriegshandwerk
war, mit seinem Mündel, dem Earl of March, konnte er sich nicht vergleichen.
Jenseits von St. Al-bans ließ er seine Truppen mit drei weit auseinandergezogenen
Flügeln, Front nach Nordosten, aufmarschieren. Aber am frühen
Morgen des 17. Februar fiel das Heer der Königin von Norden her in
seine Flanke, brachte seine Streitkräfte in wilde Verwirrung und schlug
sie bald in die Flucht. König Heinrich,
den Warwick unerklärlicherweise mit sich genommen hatte, fand man
lachend und Selbstgespräche haltend etwa eine Meile vom Schlachtfeld
entfernt unter einem Baum.
Die tapferen Londoner hatten es gewagt, der Bedrohung
durch die Königin zu widerstehen. Während sie noch zauderte,
zogen Eduard, Earl
of March, und der Earl of Warwick 10 Tage nach der 2. Schlacht
von St. Albans in London ein. Margarete
brach ihr Lager ab und zog sich nach Norden zurück. Den armen Heinrich
führte sie mit sich. Am 4. März 1461 wurde Eduard,
Earl
of March, als der Erbe Yorks zum König von England ausgerufen.
Eine Woche später brachen er und Warwick zur Verfolgung der
LANCASTER-Truppen auf. Die Königin und ihr Heer stellten
sich in der Nähe von Towton in Yorkshire zur Schlacht. Am Palmsonntag,
dem 29. März, errang KönigEduard
in einem heftigen Schneesturm mit seinem an Zahl unterlegenen Heer den
blutigsten Sieg, der je auf englischem Boden gewonnen wurde. Die höchsten
LANCASTER-Lords
wurden getötet oder gefangengenommen. Ihr Heer war völlig zerschlagen.
Heinrich,
Margarete
und ihr Sohn flohen in größter Hast nach Schottland.
Im Jahre 1470 wollte der französische König
eine Versöhnung Warwicks mit der Königin
Margarete vermitteln. Warwick sollte König
Heinrich wieder auf den Thron bringen. Am 22. Juli trafen sich
die Königin und Warwick unter dem Beistand Ludwigs
in Angers. 15 Minuten lang ließ die stolze Königin den stolzen
Neville auf den Knien um Verzeihung bitten. Schließlich war sie widerwillig
dazu bereit, ihm zu vergeben, damit er sie wieder auf den Thron setzen
könne, aber von der Heirat von Warwicks Tochter mit ihrem Sohn wollte
sie nichts wissen. Doch König Ludwig
war zugegen und vollbrachte solche Wunder an Takt, dass Margarete
am Ende auch die Heirat schluckte. Nur sollte die Hochzeit erst geschlossen
werden, wenn der Earl England erobert hätte. Am 25. Juli wurde Anna
Neville, ein zartes Mädchen von 15 Jahren, mit dem 16-jährigen
Prinzen
Eduard verlobt.
Am Tage der Schlacht bei Barnet (14.4.1471) war
Königin Margarete mit Prinz Eduard
und dessen Gattin Anna Neville in Weymouth
gelandet. Kurz darauf trafen der Herzog von Somerset und der Earl of Devon
dort ein und überbrachten ihr die Nachricht von Warwicks Niederlage.
Königin Margarete,
die zwar zuerst durch den Schicksalsschlag schwer erschüttert war
und für die Sicherheit ihres Sohnes fürchtete, ließ sich
schließlich von Somerset überzeugen, dass König
Eduard stark geschwächt sei und dass ihr der Endsieg zufallen
müsse. Ihre Hoffnungen stiegen, als sie mit ihrer Begleitung nach
Exeter und dann nach Taunton und Wells kam, da die Gentry von Devon und
Cornwall herbeiströmte und auch die von Somerset, Dorset und Wiltshire
zahlreich ihrem Banner folgte.
König Eduard erfuhr
durch seine Kundschafter, dass Margarete,
obwohl sie einen Scheinangriff in der Richtung auf London gemacht hatte,
wahrscheinlich zu Jasper Tudor in Wales unterwegs wäre.
Als die Königin am Freitag morgen um 10 Uhr vor
Gloucester eintraf, fand sie die Tore der Stadt geschlossen und Soldaten
auf den Mauern. Da Margarete nicht
wagte, Zeit zu verlieren, um die Stadt zu erstürmen, trieb sie ihr
müdes
Heer ungestüm nach Norden in der Richtung auf Tewkesbury, die nächstgelegene
Übergangsstelle über den Severn.
Als die LANCASTER-Leute
die Umgebung von Tewkesbury etwa um 4 Uhr nachmittags erreichten, warfen
sich die Fußsoldaten in höchster Erschöpfung zu Boden.
Die Führer der Königin teilten ihr mit, dass weder Männer
noch Pferde einen Schritt weiter tun könnten. In tödlicher Angst
um ihren Sohn, war Margarete gezwungen,
sich zum Kampf zu stellen. Am 4. Mai 1471 wurde das Heer der Königin
bei Tewkesbury vernichtend geschlagen. Prinz Eduard,
der von der wilden Flucht mitgerissen wurde und entsetzt nach Tewkesbury
fliehen wollte, wurde von einer Abteilung unter dem Herzog von Clarence
eingeholt. Obwohl der Jüngling den Mann, der noch vor kurzem sein
Verbündeter gewesen war, um Hilfe anflehte, wurde er sofort erschlagen.
Am Morgen des 6. Mai wurde Somerset und etwa ein Dutzend anderer LANCASTER-Führer
auf dem Marktplatz von Tewkesbury enthauptet.
In der Nähe von Tewkesbury hatte man die Königin
Margarete gefangengenommen. Sie war nur noch die äußere
Hülle einer Frau, der Schatten einer Königin. Ihr furchtloser
Geist war zuletzt, als ihr Sir William Stanley bei ihrer Gefangennahme
mit brutaler Freude die Nachricht vom Tode ihres Sohnes überbrachte,
zerstört worden. Wie leblos wurde sie im Gefolge König
Eduards mitgeschleppt, als er in Eile nach London zog. Am 21.
Mai zog der König in London ein und am Schluß des Zuges folgte
schließlich die zusammengesunkene Gestalt der Königin
Margarete auf einem Wagen.
Kurz nach seiner Heimkehr zog Eduard
IV. noch zusätzlich 50.000 Kronen als Lösegeld für
Margarete
von Anjou aus König Ludwig heraus.
Als diese im folgenden März 1476 endgültig in ihr Geburtsland
zurückkehrte, mußte sie nicht nur auf alle ihre Ansprüche
in England verzichten, sondern auch noch ihre Erbrechte von seiten ihres
Vaters an Ludwig abtreten - als Entschädigung
wie er sagte, für all die Hilfe, die er ihr hatte zuteil werden lassen.
Mit der kleinen Pension, die Ludwig
ihr bewilligte, zog sie sich auf eines der Güter ihres Vaters zurück
und lebte dort mit gebrochenem Herzen bis zu ihrem Tode im Jahre 1482.