Begraben: Angers, Kathedrale
2. Sohn des Königs Johann
II. von Frankreich und der Bona von
Luxemburg, Tochter von König Johann
von Böhmen
Lexikon des Mittelalters: Band V Spalte 2191
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Ludwig I. von Anjou, Herzog von Anjou
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* 23. Juli 1339, + 20. September 1384
Begraben: Angers, Kathedrale
2. Sohn von König Johann II. (Jean) von Frankreich
Ludwig I. war Graf
von Anjou (1350), Graf von Maine, Herr von Montpellier (1351),
lieutenant des Herzogs von Normandie (1356), königliche lieutenant
für die Grafschaften Anjou, Maine und Tourraine (1359), Herzog und
Pair
von Frankreich (1360) und königlicher lieutenant in Languedoc,
Guyenne und Dauphine (1364). Der König verlieh ihm auf Lebenszeit
das Herzogtum Touraine. Als der minderjährige Karl
VI. entgegen den königlichen Ordonnanzen von 1374 nach
dem Tode Karls V. (+ 16. September 1380) Königsweihe
und Krönung empfangen sollte, wurde Ludwig
I. von Anjou für die Zwischenzeit zum Regenten des Königreiches
mit allen Vorrechten ernannt (unter anderem Intitulierung der königlichen
Ordonannzen unter seinem Namen, Gebrauch des eigenen Siegels für königliche
Regierungshandlungen). Ludwig I. von Anjou war
Präsident des Regentschafstrates vom 30. November 1380 bis zu seiner
Abreise nach Italien (Avignon, 31. Mai 1382). 1380 adoptierte ihn Königin
Johanna I. von Neapel; dies wurde am 21. und 22. Juli 1380 von
Papst Clemens VII. bestätigt. Als König von Sizilien erscheint
Ludwig
I. von Anjou am 30. August 1383. Er starb ein Jahr später
in Apulien. Der prachtliebende Fürst ist Auftraggeber des berühmten
Apokalypsen-Teppichs von Angers.
Ehlers Joachim: Seite 227,235,241,244,252,259-261,263,293
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"Geschichte Frankreichs im Mittelalter."
König Johann
ließ deshalb seine Söhne aus der ihnen nun unmittelbar drohenden
Gefahr führen: Der Thronfolger Karl,
die Herzöge Ludwig von Anjou und
Johann
von Berry sollten nach Chauvigny in Sicherheit gebracht werden,
nur der 14-jährige Philipp, nachmals
Herzog von Burgund, blieb neben seinem Vater.
Als die Freilassung auf sich warten ließ, nahm
einer der Söhne Johanns II., Herzog
Ludwig von Anjou, unter dem Vorwand einer Pilgerfahrt nach Boulogne
Urlaub und Ehrenwort, kehrte aber nicht mehr nach Calaias zurück.
Diese unerhörte Treulosigkeit erregte in der ritterlichen Gesellschaft
weithin Aufsehen, das Eduard III. mit
einem Brief an den Prinzen noch steigerte, in dem er ihm vorwarf, Schande
über das Haus VALOIS gebracht
zu haben. Johann II. empfand die schmerzliche
Demütigung und leistete sofort Genugtuung in der höchsten Form.
Am 17. April 1364 erfuhr der Thronfolger vom Tod seines
Vaters und machte sofort von allen königlichen Rechten Gebrauch. Schon
am folgenden Tag übertrug er, par le grace de Dieu roy de France,
seinem Bruder Ludwig von Anjou die
Touraine,
wartete also mit der Titelführung nicht bis zur Krönung. Ein
Ergebnis der Verhandlungen im Vorfeld seiner Krönung war für
Karl
V. das in der Zusammensetzung fast unveränderte Conseil,
in dem nur Ludwig von Anjou als jüngerer
Bruder des Königs Neuling war.
Eine unmittelbare Nachfolge Ludwigs
von Anjou ist sicherlich nicht erwogen worden, denn ihm verweigerte
das Conseil den Dauphine, so daß sehr wahrscheinlich eine Auswahl
unter allen Brüdern Karls V. für
den Fall geplant war, daß dem König etwas zustieße oder
er seinen gelegentlich erwogenen Plan wahr machte und abdankte, um in einen
Orden einzutreten.
Der Thronfolger stand bei seiner Reimser Krönung
als König Karl VI. am 4. November
1380 kurz vor Vollendung des 12. Lebensjahres. Dieses jugendliche Alter
gab den Brüdern Karls V. eine
herausragende Stellung: Die Herzöge Ludwig
von Anjou, Johann von Berry
und Philipp von Burgund waren für
eine Regentschaft prädistiniert; zu ihnen gesellte sich noch
Herzog
Ludwig von Bourbon, Bruder der schon 1378 verstorbenen Königin
Johanna. In diesem Kreis hatte Ludwig
von Anjou als ältester Prinz von Geblüt natürlich
Anspruch auf den ersten Rang und zeigte sich entschlossen, ihn zu behaupten.
Dem Altersvorsprung Ludwigs stand die
traditionell höhere Würde des Herzogs von Burgund gegenüber,
der immer als vornehmster Pair von Frankreich gegolten hatte. Die scharfe
Konkurrenz beider dürfte Karl V. vorausgesehen
haben und wohl schon 1374 angesichts seiner eigenen labilen Gesundheit
das Mündigkeitsalter für einen König von Frankreich auf
14 Jahre vorverlegt haben.
Solch schwierige Konstruktion war für den praktischen
Gebrauch wenig geeignet, und sie zerbrach auch schon auf der ersten Sitzung
des Conseil nach der Bestattung Karls V.,
als Ludwig von Anjou die gesamte Regierungsvollmacht
und den Titel eines Regenten für sich forderte. Damit erregte er den
Zorn des Herzogs von Burgund, sodaß die gesamte königliche Familie
sich am 2. Oktober mit Prälaten, Baronen und den wichtigsten Beratern
Karls
V. unter Vorsitz des Herzogs von Anjou im Sitzungssaal des Parlements
traf und beschloß, die Krönung des Thronfolgers schon vor dem
Mündigkeitstermin und so bald als möglich vorzunehmen, um die
Zeit der Regentschaft abzukürzen. Bis dain sollte
Ludwig
von Anjou Regent sein, und diese wenigen Wochen nutzte der Herzog
schamlos aus, indem er das persönliche Vermögen Karls
V. an sich brachte.
Aus diesem Gremium schied Johann
von Berry alsbald freiwillig aus, um sich ganz den ihm übertragenen
Ländereien zu widmen. Da Philipp
sich in der nächsten Zeit meist in Flandern aufhalten mußte,
hatte der Herzog von Anjou faktisch die Alleinregierung, bis er sich von
der italienischen Politik ganz gefangennehmen ließ.
Auslösender Faktor dieser neuen Krise war die Divergenz
politischer Ziele innerhalb der herzoglichen Regentschaft, die nur in einem
Punkte stillschweigend einig war: Jeder wollte seine partikularen Vorhaben
aus dem Haushalt der Monarchie finanzieren und mußte deshalb Steuerausschreibungen
veranlassen. Zuerst hatte Ludwig von Anjou entsprechenden
Forderungen gestellt, weil er das Königreich Neapel nur durch
diplomatischen und militärischen Druck gewinnen konnte. In Neapel
regierten die Nachkommen Karls I. von Anjou seit
langen gegen den in zwei Parteien gespaltenen Adel, der entweder die französische
oder die ungarische Linie des Hauses ANJOU als
das kleinere Übel ansah. Königin Johanna
hatte
sich im Schisma für Papst Clemens VII. entschieden und Herzog
Ludwig von Anjou adoptiert, um ihm die Nachfolge zu sichern,
aber in den aus beiden Entscheidungen folgenden Kämpfen war sie ums
Leben gekommen, so daß der römische Papst ein neapolitanisches
Königtum Karls III. von Durazzo
aus der ungarischen Linie [Richtigstellung: Karl
III. gehörte als Sohn Ludwigs
von Gravina der Line Durazzo des neapolitanischen Königshauses
an.] durchsetzen konnte. Frankreich sollte nun Ludwigs
Italienpolitik finanzieren, und über die dafür verordneten Steuersätze
brach ein seit Monaten im Lande schwelender Groll offen aus.
Als Herzog Ludwig von Anjou
im Oktober 1380 seine Hand auf den Nachlaß Karls
V. legte, nahm er sich damit den bedeutendsten Königshort
des spätmittelalterlichen Abendlandes.
Saller Martin: Seite 46
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"Königin Isabeau. Die Wittelsbacherin auf dem Lilienthron."
Karl V. traf auch
Vorkehrungen um die Thronfolge abzusichern. Das Krönungsalter des
Dauphin setzte er auf vierzehn Jahre fest. Der älteste seiner drei
Brüder, Herzog Ludwig von Anjou,
sollte bis zu Karls Volljährigkeit
die Regentschaft übernehmen. Die Vormundschaft über den
Dauphin und dessen um vier Jahre jüngeren Bruder Ludwig
übertrug er seinen jüngeren Brüdern, den Herzögen von
Berry und von Burgund, sowie dem Bruder seiner verstorbenen Frau, dem Herzog
von Bourbon. Mit dem Vorrecht des Ältesten erhob der ehrgeizige Herzog
von Anjou Anspruch auf die alleinige Regierung und Vormundschaft. Dagegen
protestierten die drei anderen Onkel. Man einigte sich schließlich
auf einen Kompromiß: der zwölfjährige Dauphin sollte sogleich
in der Kathedrale von Reims gekrönt werden; "durch ihn und in seinem
Namen" sollte unter dem Vorsitz des Herzogs von Anjou ein Rat von zwölf
Mitgliedern regieren, zu dem auch die Herzöge von Berry, von Burgund
und von Bourbon zählten.
Herzog Ludwig I. von Anjou,
der mit der Statthalterschaft in der reichen Languedoc zwischen
Pyrenäen und Rhone betraut war, ließ sich vom königlichen
Schatzverwalter, Philipp de Savoisy, den Großteil der Goldreserve
des Königreichs aushändigen, die Karl
V. langsam aufgestockt und im Schloß von Melun sicher
verwahrt hatte. Auch die ganze Barschaft des verstorbenen Bruders kasssierte
er. Er war ein gebildeter Mann von ritterlicher Eleganz, aber verzehrt
von Ehrgeiz und skrupellos bei der Verfolgung seiner Ziele. Mit dem Segen
des Papstes in Avignon bereitete er einen privaten Feldzug zur Eroberung
des umstrittenen Königreichs von Neapel vor, dessen unsicherer Thron
ihm vererbt war. Schon 1382 brach er nach Italien auf. Er war fortan verstrickt
in dieses fruchtlose Abenteuer und schied aus der Regebntschaft aus. Zwei
Jahre später starb er in Bari.
Schnith Karl: Seite 348-350
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"Frauen des Mittelalters in Lebensbildern."
Noch bevor Karl von Durazzo nach
Rom zog, adoptierte Johanna in ihrer
Urkunde vom 29.6.1380 Ludwig, Herzog
von Anjou (+ 1384), Bruder König
Karls V. von Frankreich, und erklärte ihn zu ihrem Universalerben.
In diesem Vertrag, der zugleich die vorangegangene Zustimmung des Lehnsherrn
Papst Clemens VII. wiedergab, wurde nicht mehr zwischen einer Erbfolgeregelung
nach Verwandtschaftsgraden oder zwischen einem männlichen bzw. weiblichen
Erbfolgeberechtigten unterschieden.
Ludwig von Anjou,
in
die französischen Thronkämpfe seit dem Tode seines Bruders
Karl V. (+ 1380) verwickelt, erreichte N-Italien erst im Frühjahr
1384
und starb, ohne Neapel erreicht zu haben. Seine Nachfolge in Anjou und
Provence trat seine Sohn als Ludwig II. von Anjou
(+ 1417) an.
Tuchmann Barbara: Seite 191,221,302,356,361,366
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"Der ferne Spiegel"
In Paris angekommen, mußte König
Johann II. feststellen, daß der Herzog von Anjou seine
Freigabe auf Ehrenwort mißbraucht hatte und verschwunden war. Noch
kurz bevor der Herzog als Geisel nach England gegangen war, hatte er geheiratet,
war nun nach Boulogne gereist, um seine Frau zu treffen, in die er sehr
verliebt gewesen sein soll, und weigerte sich, nach Calais zurückzugehen.
Auch Karls drei Brüder
waren von einer unbezähmbaren Besitzgier: Ludwig
von Anjou, der älteste der drei, richtete sie auf Geld
und ein Königreich. Groß, robust und blond wie sein Vater
war Ludwig von Anjou eigenwillig,
eitel
und von unersättlichem Ehrgeiz getrieben. Der sinnliche und vergnügungssüchtigte
Johann von Berry war ein unermüdlicher
Sammler, dessen eckiges, ordinäres, stupsnasiges Gesicht in komischem
Gegensatz zu seiner Liebe zur Kunst stand.
Philipp
hatte Johanns
grobe Züge, war
aber intelligenter und von überheblichem Stolz. Jeder dre drei stellte
seine Interssen über die des Reiches, und alle drei waren von verschwenderischer
Großzügigkeit, um ihr Prestige zu erhöhen. Jeder ließ
durch seine Patronage ein in seiner Art unübertroffenes Kunstwerk
entstehen: die Wandteppiche der Apokalypse in Ludwigs,
die Tres Riches Heures und Belles Heures in
Johanns un die Skulpturen des Brunnens
Mose und der Trauernden von Claus Sluter in Philipps
Fall.
Niemand war ein eifrigerer Klementist als der Bruder
des Königs, der Herzog von Anjou. Sobald er von Klemens' Wahl erfuhr,
ließ er sie in den Straßen von Toulouse verkünden, in
der Kathedrale eine Messe lesen und ein Tedeum in allen Kirchen von Languedoc
singen. Als Klemens' Armee in Italien von Urbans Truppen geschlagen wurden,
wandte sich der französische Papst an den Herzog und bat ihn um militärische
Hilfe. Dessen Soldforderungen war ein Königreich. Nach einem Vertrag
zwischen den beiden, der in der Bulle vom 17. April 1379 bestätigt
wurde, sollte der Herzog von Anjou die päpstlichen Staaten in Italien
erobern und den größeren Teil von ihnen (mit der Ausnahme von
Rom und Neapel) in ein Königreich Adria (nach dem Adriatischen
Meer) zusammenfassen. Dieses Königreich sollte Ferrara, Bologna, Ravenna,
die Romagna, die Mark Ancona und das Herzogtum Spoleto umfassen. Es sollte
ein Lehen des Heiligen Stuhls sein und jährlich 40.000 Franken Abgaben
zahlen. Dem Herzog wurde eine Frist von zwei Jahren eingeräumt, um
Geld und Truppen zu sammeln, aber falls er diese Frist um mehr als zwei
Monate überschritte, ohne eine Expedition nach Italien geführt
zu oder einen "fähigen General" entsandt zu haben, sollte der Vertrag
verfallen.
Zunächst war die Hilfe des Herzogs von Anjou in
Italien dringend erwünscht, um die Königin
Johanna auf dem Thron von Neapel zu halten, Klemens' einzigem
Brückenkopf dort. Um das Interesse des Herzogs zu schärfen, wurde
Anjou, eine entfernter Vetter der kinderlosen Königin - zu ihrem Erben
ernannt. Neapel lockte, und das Schicksal des Herzogs lag nun Italien.
Als Johanna sich
für Klemens VII. entschied und auf seinen Rat den Herzog von Anjou
zu ihrem Nachfolger ernannte, erklärte der wütige Urban sie als
Ketzerin für abgesetzt und krönte einen anderen ANGEVINER,
Karl,
Herzog von Durazzo als rechtmäßigen
König von Neapel. Als Johanna
sich weigerte, ihn anzuerkennen, und der Herzog von Anjou in Italien einmarschierte,
um ihr zu Hilfe zu kommen, zögerte Karl keinen
Augenblick. Er ließ die Königin im Kerker erdrosseln und stellte
ihre Leiche sechs Tage in der Kathedrale zur Schau. Der Herzog zog über
Avignon nach Italien und wurde dort von Papst Klemens VII. als König
von Neapel und Sizilien sowie der Provence gekränt. Zugleich
exkommuinizierte Klemens den Rivalen Karl von
Durazzo. Der Herzog von Anjou trieb rücksichtslos Hilfsgelder
in der Provence ein, bekam zusätzliche Unterstützung von Klemens
und verband sich für seine Italienexpedition mit jenem energischen
Edelmann Amadeus, dem Grünen Grafen von Savoyen, der 1.200 Lanzen
bereitstellte, was den Herzog von Anjou 20.000 Dukaten im Monat kostete.
Mit einer Armee von 15.000 Mann, mit 300 Maultieren und
einem gewaltigen Troß zog Anjou in die Lombardei. In Mailand machte
der Herzog von Anjou ein ähnliches Heiratsgeschäft mit den VISCONTI
wie sein Vater. Sein siebenjähriger Sohn
Louis wurde mit Bernabos Tochter Lucia verlobt, und die Hilfsgelder
der VISCONTI füllten Anjous Kriegskasse auf. Bernabo zahlte für
die Aussicht, daß seine Tochter einmal Königin von Neapel würde,
50.000 Florins - eine Summe, die etwa mit dem jährlichen Einkommen
von hundert bürgerlichen Familien vergleichbar ist -, hinzu kam eine
zusätzliche Zahlung von Gian Galeazzo. Der Herzog von Anjou nutzte
jede Gelegenheit, sich auf dem Weg zu seinem Königreich angemessen
auszustatten.
Obwohl der Herzog von Anjou erklärt hatte, er wolle
"mit der Macht des Rittertums das Schicksal der Kirche bessern", hütete
er sich, diese Macht gegen Urban VI. zu gebrauchen. Er verließ die
Küste bei Ancona und überquerte die Apenninen im September, zog
aber an der Straße nach Rom vorübner, obwohl ein kühner
Zugriff ihm die Stadt zu jener Zeit wahrscheinlich in die Hand gegeben
hätte. Statt dessen schlug Anjou gegen den Rat von Amadeus den Weg
nach Neapel ein, und als die Armee durch die Schluchten und über die
Felsspalten "zwischen Gipfeln, die den Himmel berührten" hindurchzogen,
holte die Katastrophe sie ein. Gebirgsbriganten, die mit Neapel in Verbindung
standen, griffen den Troß an und überwältige die Nachhut,
die die Geschenke und die Kriegskasse sicherte, so daß Anjou, als
er in Caserta ankam - nur noch einen Tagesmarsch von Neapel entfernt -
sehr viel ärmer als am Beginn des Feldzugs war.
Inzwischen war es November geworden. Als er neapolitanisches
Gebiet erreicht hatte, war Anjou eine Woche lang in Aquila stehengeblieben,
um an den Willkommensfeiern, die Parteigänger seiner Sache ausrichteten,
teilzunehmen. Die Verzögerung erlaubte es Hawkwood, den Florenz nun
freigegeben hatte, dem Gegner zu Hilfe zu eilen. Nun hatte es Anjou plötzlich
eilig und sandte die traditionelle Herausforderung an Durazzo.
Um Weihnachten herum war Anjou in so tiefer Sorge, daß
er sein Testament aufsetzen ließ, und Amadeus, der alle Hoffnung
auf einen Sieg aufgegeben hatte, schlug Friedensverhandungen vor. Als Gegenleistung
dafür, daß der Herzog von Anjou seinem Anspruch auf Neapel entsagte,
sollte Karl III. seinen Anspruch auf
die Provence aufgeben und Anjou freies Geleit zur Küste gewähren,
damit er nach Frankreich zurückkehren konnte.
Karl III. lehnte ab. Im Februar 1383 verbreitete sich eine Epidemie
in der Armee Anjous in den Bergen über Neapel. Die Soldaten starben
in großer Zahl, unter den Opfern war auch Amadeus von Savoyen, der
Grüne Graf. Frustriert und hungrig zogen sich die
angevinischen Truppen in den Absatz Italiens zurück. Alles,
was von Anjous königlichen Schatz noch übrig war, wurde genutzt,
um Lebensmittel zu kaufen. Sogar seine Krone, die er für die Krönung
in Neapel mitgebracht hatte, mußte versetzt werden. Statt der delikaten
Wildbraten und Pasteten, an die er gewöhnt war, aß er nun Kanincheneintopf
und Gerstenbrot.
Seit er Paris verlassen hatte, hatte Anjou den königlichen
Rat mit Briefen und Botschaften unablässig ermahnt, sein Versprechen
zu erfüllen und einen zweiten Feldzug gegen Neapel unter dem Kommando
von Coucy zu unternehmen.
Während dieser ganzen Zeit flehten die Herzogin
von Anjou und der Kanzler ihres Gatten den königlichen Rat an, endlich
die versprochene Hilfe zu leisten. Anjous Situation hatte sich noch weiter
verschlechtert, weil ihn einer seiner eigenen Ritter der 80.000 bis 100.000
Franken beraubt hatte, die seine Frau für ihn gesammelt hatte (oder,
nach einer anderen Version, die er von den VISCONTI geliehen hatte). Der
Räuber war Pierre de Craon. Von Anjou entsandt, das Geld zu holen,
kehrte Craon über Venedig zurück, wo er das meiste davon in Ausschweifungen,
extravaganten Festen und Glücksspielen durchbrachte. Er behielt, was
übrigblieb, und schloß sich dem Herzog nicht wieder an. Als
Craon nach Frankreich zurückkehrte, entging er durch den Schutz des
Herzogs von Burgund, mit dessen Frau er verwandt war, jeder Bestrafung.
In den Augen des Königs unsd seines Rates erlaubte
es die Ehre Frankreichs nicht, Anjou in seinem Scheitern sich selbst zu
überlassen noch Papst Urban VI. eine so große Befriedigung zu
gönnen. Im Frühjahr 1384, nachdem die Waffenruhe mit England
abgeschlossen war und nachdem der Herzog von Burgund nach dem Tod seines
Schwiegervaters von Flandern Besitz ergriffen hatte, brach Coucy schließlich
zu seiner Rettungsexpedition auf. Um die Kosten für die Expedition
zu decken, trug die Krone 78.000 Franken bei, wovon 8.000 vom Papst Klemens
VII. zurückgezahlt werden sollten. Weitere 4.000 Franken bekam Coucy
als Entschädigung dafür, daß man ihm die versprochene Hilfszahlungen
im vorhergehenden Jahr versagt hatte. Er versammelte eine Armee, die geschätzt
1.500 Lanzen besaß, was mit Fußsoldaten und Bogenschützen
etwa 9.000 Mann ausmachte.
An diesem triumphalen Tag lag der Tod Ludwigs
von Anjou schon neun Tage zurück. Anderthalb Jahre lang
war er im Absatz von Italien vor sich hingerostet, ein König ohne
Königreich, während seine Armee verkam und versickerte. Da er
Bari und andere Küstenstädte an der Adria kontrollierte, konnte
er von See her versorgt werden und mag nicht ganz so notleidend gewesen
sein, wie es die geistlichen Chronisten darstellten. Aber er war, da er
keine Geldmittel mehr hatte, praktisch immobilisiert. Im September 1384
zog Anjou sich eine schwere Erkältung zu, als er sich bei der
Verfolgung von Plünderern aus seiner eigenen Armee überanstrengte.
Er bekam Fieber und erkannte schnell, daß der Tod vor der
Tür stand. Also setzte er wie sein Bruder Karl
V. an seinem letzten Tag sein Testamant auf.
Mit unverminderter Eroberungslust rief der Herzog von
Anjou Papst Klemens VII. in seinem Letzten Willen auf, zu garantieren,
daß Anjous Sohn Ludwig II. Thronfolger
des Königreichs Neapel würde, und an König
Karl VI. appellierte er, "das Schwert seiner unvergleichlichen
Macht" zu erheben, um Königin Johanna zu
rächen. Er ernannte Coucy zu seinem Vizekönig und befahl ihm,
den Feldzug fortzusetzen. Ludwig von Anjou starb
am 20. September in einem Zimmer des Schlosses von Bari, das auf
das Meer hinausblickte. Während sein Leichnam in einem Bleisarg nach
Frankreich verschifft wurde und seine Armee auseinanderfiel, ließ
Karl
von Durazzo eine Messe für seinen toten Rivalen lesen und
befahl seinem Hof, Trauer zu tragen.
9.7.1360
oo Maria von Chatillon, Tochter des Herzogs
Karl von Bretagne-Penthievre und der Johanna von der Bretragne
um 1345-12.11.1404
Gräfin von Blois und Guise
Kinder:
Ludwig II.
5.10.1377-29.4.1417
Karl Titular-Fürst von Tarent
um 1378-17.5.1404
Marie
10.1370- vor 20.9.1383
Literatur:
-----------
Calmette, Joseph: Die großen Herzöge
von Burgund. Eugen Diederichs Verlag München 1996 Seite 43,47,50,70,76,180
- Ehlers Joachim: Geschichte Frankreichs im Mittelalter. W. Kohlhammer
GmbH 1987 Seite 227,235,241,244,252,254,259-261,263,266,293 - Ehlers
Joachim/Müller Heribert/Schneidmüller Bernd: Die
französischen Könige des Mittelalters. Von Odo bis Karl VIII.
888-1498. Verlag C. H. Beck München 1996 267,277,282,295,305,309 -
Favier,
Jean: Frankreich im Zeitalter der Landesherrschaft 1000-1515. Deutsche
Verlagsanstalt Stuttgart 1989 Seite 336,338,349,352,354,356,360,363 -
Hoensch,
Jörg K.: Die Luxemburger. Eine spätmittelalterliche Dynastie
gesamteuropäischer Bedeutung 1308-1437. Verlag W. Kohlhammer 2000
Seite 203 - Saller Martin: Königin Isabeau. Die Wittelsbacherin
auf dem Lilienthron. Nymphenburger Verlagshandlung GmbH, München 1979
Seite 46,66,93 - Schnith Karl: Frauen des Mittelalters in Lebensbildern.
Verlag Styria Graz Wien Köln 1997 Seite 348-350 - Tuchmann
Barbara: Der ferne Spiegel. Deutscher Taschenbuch Verlag München 1995
Seite 192,221,280,302,356,366 -