Grafschaft, Herzogtum im Departement Orne
Lexikon des Mittelalters: Band I Spalte 350
*********************
Alencon, Grafschaft, Herzogtum
-----------
Das mächtige Geschlecht der BELLEME beherrschte
Anfang des 11. Jahrhunderts das Grenzgebiet zwischen Normandie und Maine.
Wilhelm
I. von Belleme wurde von Herzog Richard II. von der Normandie mit Alencon
belehnt, wo er um 1020 eine Burg errichtete. Durch seine Ehe mit der Enkelin
Wilhelms
I. erlangte
Roger von Montgomery, Vicomte von Exmes,
die Grafschaft Perche und die Herrschaft Alencon (1094); er führte
als erster den Titel eines Grafen von Alencon. Seine Nachfolger trugen
den Beinamen "Talvas" (Schild). Durch Kauf ging die Grafschaft an
König
Philipp August über (1217). Ludwig
der Heilige machte daraus 1269 eine königliche Apanage
für seinen 5. Sohn
Peter; als
dieser kinderlos starb (1284), fielen die Kastellaneien Alencon und Essay
an die Krone zurück. Die Grafschaft Alencon (erweitert um die "Terre
du Cotentin" und die Vicomte Trun) wurde von Philipp
dem Schönen 1291 erneut zu einer Apanage gemacht, die er
seinem Bruder Karl, dem Begründer
des Geschlechtes VALOIS, übergab.
Besonders der königlichen Freigebigkeit verdankten seine Nachfolger
eine beträchtliche Ausdehnung der Grafschaft im 14. Jahrhundert (unter
anderem Verneuil 1334, Laigle 1365, Domfront 1367, Argentan durch Kauf
1372); die Grafschaft umfaßte am Ende des Jahrhunderts das Doppelte
der ursprünglichen königlichen Schenkung. Diese Territorialbildung
vollzog sich vor allem unter Karl II.
(1325-1346, gefallen bei Crecy) und seinem dritten Sohn Peter
II., genannt "Le Noble" (1361-1391). Dessen ältere
Brüder Karl und Philipp
wurden Geistliche, wobei besonders Philipp
als Kirchenfürst große Bedeutung erlangte.
Unter Johann I. (1391-1415)
wurde
die Grafschaft Alencon durch König Karl VI.
zum
Herzogtum erhoben, das mit dem Pairtitel verbunden wurde (1.1.1414). Herzog
Johann II. (1409-1476), der als Gefährte der Jeanne d'Arc
bekannt wurde, nahm am Königshof eine bedeutende Stellung ein. Da
er jedoch wiederholt an den Aufständen der großen Lehnsherren
gegen das Königtum beteiligt war (1440 Praguerie, erneut nach 1461
während der Periode der Ligue du Bien Public), wurde er mehrmals vor
Gericht gestellt. Nach seiner endgültigen Verurteilung wegen Felonie
(18. Juli 1474) verfiel sein Herzogtum der Krone; erst sein Sohn Rene
II. (+ 1492) erhielt 1483 das inzwischen hochverschuldete väterliche
Erbe zurück. Nach dem Tode Renes
gelang es seiner Witwe Margarethe (+ 1521), der Schwester des Herzogs
von Lothringen, die Verwaltung des Herzogtums Alencon selbst in die Hand
zu nehmen. Die Regierung dieser bedeutenden Fürstin, die nach ihrem
Tod als Heilige galt, stellte für Alencon eine Blütezeit dar;
von ihrer Kunstförderung zeugt das Portal der Kirche Notre-Dame zu
Alencon im Flamboyantstil. Ihr Sohn Karl IV.
heiratete Margarethe von Angouleme
(1509), die Schwester Franz I. Mit
Karl
IV. erlosch der Zweig der VALOIS
als
Inhaber des Herzogtums. Margarethe
behielt den Nießbrauch am Herzogtum, nach ihrem Tod 1549 wurde es
wieder der Krone unterstellt.
| Peter I. | 1269-1283 |
| Karl I. | 1291-1325 |
| Karl II. | 1325-1346 |
| Karl III. | 1346-1361 |
| Peter II. der Edle | 1361-1391 |
| Johann I. der Weise | 1391-1415 |
| Johann II. der Schöne | 1415-1474 |
| Renatus | 1483-1492 |
| Karl IV. | 1492-1525 |