Lexikon des Mittelalters: Band VII Spalte 1674
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Seeland
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Küstenlandschaft an der Nordsee, im Mündungsbereich der Schelde, mit zahlreichen Inseln und Halbinseln, heute Provinz der Niederlande
[1] Frühes und hohes Mittelalter
In den "Miracula sancti Macharii" (1014) werden Bewohner
von Seeland als 'maritimos' bezeichnet, wohingegen der Name Seeland erstmals
in einer Urkunde des Bischofs Dietrich II. von Utrecht (1200) auftritt.
Seeland hat im Laufe der Jahrhunderte, einerseits durch Überflutungen,
andererseits durch Landgewinnung starke geographische Veränderungen
erfahren.
Spuren römischer Siedlung werden vor allem in Küstennähe
faßbar (Altäre der Nehalennia in Domburg). Durch Transgression
war das Gebiet von ca. 300 bis 750 weithin unbewohnbar; es stand (mit Ausnahme
der alten Dünenlandschaft entlang der Küste über lange Zeiträume
großenteils unter Wasser. Von ca. 500 bis 900 bestand bei Domburg
auf der Insel Walcheren eine Siedlung ('Walacria'), die im 8.-9. Jh. wirtschaftliche
Bedeutung (Friedenhandel) gehabt haben muß. In engem Zusamenhang
mit dem Niedergang dieses Handelsplatzes im 10. Jh. entwickelte sich Middelburg
als Portus zum wichtigsten Hafen in Seeland.
Lag die Oberherrschaft im frühesten Mittelalter
möglicherweise bei den Königen (Fürsten) der Friesen, so
tritt das Gebiet von Seeland seit dem Ende des 7. Jh. eindeutig als Teil
des Frankenreiches hervor. Zur Förderung der Mission, die im 7. Jh.
vielleicht von Rligius und später Willibrord eingeleitet wurde, übertrugen
die fränkischen Könige weiter Ödlandkomplexe an große
Abteien wie St. Bavo in Gent oder Echternach. Ausgehend von der im 10.
Jh. in Middelburg gestifteten St. Marienkirche entstanden durch Teilung
und Stiftung von Filialkirchen fünf Pfarreien auf Walcheren.
Im 9. Jh., dem Zeitalter der Normannenangriffe, suchten
die KAROLINGER auf Walcheren (wie in
anderen strategisch wichtigen Küstengebieten: Rüstringen, später
in der Normandie) der Wikingergefahr durch Einsetzung konkurrierender normannischer
Anführer als Vasallen Herr zu werden: LUDWIG
DER FROMME installierte den zum Christentum bekehrten Dänen
Hemming als militärischen Befehlshaber der Insel, doch wurde
dieser bereits 837 bei der Landung der Dänen getötet; 841 belehnte
LOTHAR I. den vertriebenen Dänen-König
Harald Klak mit Walcheren und Umgebung. Allgemein wird angenommen,
daß die aus der 2. Hälfte des 9. Jh. stammenden Ringwälle
(Domburg, Middelburg, Souburg, Burgh auf Schouwen) zur Normannenabwehr
angelegt wurden.
1012 belehnte Kaiser HEINRICH
II. den Grafen Balduin IV. von Flandern mit Seeland westlich
der Oosterschelde, während auf den anderen Inseln offenbar der Graf
von Holland zunehmend an Macht gewann. Flandern hatte großen Einfluß
auf die rechtliche und staatlich-institutionelle Entwicklung Seelands,
das als Burggrafschaft konstruiert war.
[2] Spätes Mittelalter
Im 13. Jh. war Seeland ständiger Zankapfel zwischend
en Grafschaften Holland und Flandern. Im Rahmen dieses Machtkampfes nannte
sich Graf Floris V. von Holland 1289 auch Graf von Seeland.
Nach seinem Tod (1296) verweigerte Jan van Renesse und seine adligen Anhänger
dem Grafen von Holland und Hennegau Johann II. von Avesnes (der
in Seeland nur die Unterstützung von Middelburg und Zierikzee hatte)
die Anerkennung und erhielten dabei die Unterstützung von Gui III.
von Dampierre, Grafen von Flandern, wohingegen der König von Frankreich
dem Haus AVESNES beistand und mit Hilfe genuesischer Flottenkontingente
die flandrische Flotte 1304 bei Zierikzee vernichtend schlug; im Vertrag
von Paris fiel Seeland definitiv an den Grafen von Holland. Folgte die
politische Geschichte Seelands von nun an großenteils derjenigen
Hollands (die großen holländischen Verwaltungsinstitutionnen,
Hof von Holland und Rechenkammer, waren auch zuständig für Seeland)
so bleibt Seeland doch eine eigene Ständevertretung (Staatenversammlung).
Die Erbteilung der freien Herrschaftsgebiete (ambachts-heerlijkheden)
und das Überwiegen der sogenannten 'schlechten Lehen' ließen
in Seeland einen Kleinadel mit recht zersplitterten Besitzverhältnissen
entstehen. Nur wenige Geschlechter erlangten eine höhere Machtstellung,
so insbesondere die VAN BORSELEN. 1433 fiel Seeland an Philipp
den Guten von Burgund. Das hinderte aber Henrik van Borselen,
den Herrn von Veere (+ 1474), nicht, fast ganz Walcheren (mit Ausnahme
von Middelburg und Arnemuiden) seinen Besitzungen einzuverleiben.