Lexikon des Mittelalters: Band VI Seite 28-33
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Luxemburg, Grafen von, Grafschaft, Herzogtum; Luxemburger
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I. ENTSTEHUNG DER GRAFSCHAFT, AUSBAU UND KONSOLIDIERUNG
1. Der luxemburgische Zweig des Ardennerhauses
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Der Name der Grafschaft geht zurück auf die Lucilinburhuc,
die Graf Sigfrid 963 an der Trierer Abtei St. Maximin eintauschte.
Die neu errichtete Burg, Stift, Markt und Burgsiedlung können als
Keimzelle der Grafschaft angesehen werden, übten aber bis zum Ende
des 10. Jh. kaum eine zentralpolitische Funktion aus. Als Mitglied der
Sippe des im Raum Metz-Maas-Ardennen verankerten
ARDENNER-HAUSES,
das sich nach der Angliederung Lotharingiens an das Deutsche Reich ganz
in den Dienst der OTTONEN stellte,
verfügte Sigfrid über Grafenrechte im Moselraum, war Laienabt
und nach der Reform Vogt des Reichsklosters Echternach sowie Vogt der Reichsabtei
St. Maximin. Weniger der dürftige gräfliche Eigenbesitz als die
zwischen Ardennen und Mosel reichen Klostergüter sowie das Gebiet
um die Königspfalz Diedenhofen an der Mosel und spätere Grafenrechte
in der Eifel bildeten dann auch die materielle Grundlage für die Entwicklung
zum Territorialstaat Luxemburg.
Dazu gehörte auch die bis zur SALIER-Zeit
ständige Königsnähe der LUXEMBURGER,
die in der Heirat Kunigundes mit HEINRICH
II. zu und den Ernennungen
Heinrichs I. und Heinrichs
II. zu Bayernherzögen sowie Friedrichs II. zum Herzog von
Nieder-Lothringen gipfelte. Ihr konnte weder die Luxemburger Fehde (1008-1015)
gegen HEINRICH II. noch das Investiturstreit
unglückliche Gegenkönigtum
HERMANNS
VON SALM einen Abbruch tun; durch erstere scheiterte allerdings
definitiv der Versuch, die Hand auf die benachbarten geistlichen Territorien
Metz und Trier zu legen. Eine Verdichtung des auf die jüngeren Brüder
der Herzöge von Bayern verteilten Machtbereiches deutete sich erst
in der 2. Hälfte des 11. Jh. an mit dem Hervortreten neuer Herrschaftszentren,
welche die alten Grafschaftsbezirke und die "horizontal" geprägte
Sippe sprengten und den zukünftigen "vertikalen" Fürstengeschlechtern
ihren Namen gaben (LUXEMBURG, SALM,
GLEIBERG,
LAACH).
2. Das 1. luxemburgische Grafenhaus
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Konrad I. (1059-1086) trägt als 1. Nachfahre
Sigfrids
den Titel "comes de LUCCELEMBURC".
Diese Erwähnung auf dem ersten LuxemburgerGrafensiegel
(1083), das auf der Gründungsurkunde der Münsterabtei zu Luxemburg
aufgedrückt ist, kündete durch die Verlegung der Grablege von
St. Maximin in das zukünftige Hauskloster in Luxemburg und die Verstärkung
der Residenz-Funktion der dortigen Burg die Entstehung einer neuen, auf
Luxemburg konzentrierten politischen Einheit zwischen den geistlichen Territorien
Trier, Metz, Verdun und Lüttich, beiderseits der Grenze zwischen Ober-
und Nieder-Lothringen, an. Die Echternacher und St. Maximiner Vogteiurkunde
des angehenden 12. Jh., die sich besonders gegen die Untervögte richteten,
zeigen, dass der interne Landesausbau vor allem in die Zeit der direkten
Nachfolger Konrads I. fiel. Durch Veräußerung der Klostergüter
in Form von Lehen schufen sich die Obervögte ein Gefolge von milites,
welche die Vorform eines gräflichen Rates bildeten und deren Nachfolger
als adlige Burgenbesitzer den Lehnshof des 13. Jh. prägten. Mit Konrad
II. erlosch 1136 das 1.
Luxemburger
Grafenhausund damit auch die traditionelle Bindung an die deutschen
Könige.
3. Das 2. luxemburgische Grafenhaus
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Die Reichslehen der LUXEMBURGERfielen
nach 1136 an Heinrich, Graf von Namur, durch seiner Mutter Enkel
Konrads I.; da dieser auch die Grafschaften Namur, Durbuy und La
Roche sowie die Vogtei über Stablo-Malmedy erbte, erwuchs zwischen
Maas und Mosel ein beachtlicher Machtkomplex, den Heinrich durch
erste institutionelle Ansätze (curia, Hofämter, Burgvögte,
Notare, Gründung des Novum Forum in Luxemburg) und im allerdings erfolglosen
Kampf gegen Lüttich und Trier (Verlust der Vogtei St. Maximin) zu
festigen suchte. Nach seinem Tod (1196) wurde sein Erbe aufgeteilt: Luxemburg,
La Roche, Durbuy und die Vogteien über Echternach und Stablo fielen
an seine spätgeborene Tochter Ermesinde, deren erste Regierungsjahre
durch ihre beiden Heiraten mit dem Grafen Theobald von Bar (+ 1214)
und
dem Herzog Walram III. von Limburg (+ 1226) geprägt waren.
Während beide Fürsten vorwiegend durch Krieg der Grafschaft
Luxemburg Gebietszuwachs sicherten (Theobald 1199 aus dem
Namurer Erbe die Propstei Poilvache sowie die Propstei Marville, Walram
1214 aus Limburger Besitz die Markgrafschaft Arlon als Mitgift), liegt
die Leistung der Gräfin nach 1226 in der Sicherung der Luxemburger
Rechte für ihren Sohn Heinrich V., dem Ausbau der Lehnsherrschaft
an den Grenzen und der institutionellen Konsolidierung des Grafschaft nach
französischen und niederrheinischen Vorbild. Dem Aufbau einer regionalen
(Propsteien, Ablösung erblicher Ämter durch gräfliche Beamte)
und zentralen Verwaltung entsprachen erste Städteprivilegierungen,
die Verwaltungs-, später auch Wirtschaftszentren schufen. Heinrich
V. (1235/36-1281) setzte diese Politik fort: die Integration des Adels
und der Städte, die Bindung der aufsteigenden gräflichen Dienstleute
an die Dynastie haben zur Wahrung der Landeseinheit beigetragen, die auch
nicht durch den für die LUXEMBURGER
katastrophalen Ausgang des Limburger Erbfolgestreits (Schlacht von Worringen,
1288: Tod Heinrichs VI. beeinträchtigt wurde.
II. GRAFSCHAFT UND HERZOGTUM IN DER REICHSPOLITIK
Kaiser HEINRICH VII., Sohn Heinrichs VI., rationalisierte nach flämischen Vorbild die Verwaltung (Registrierung der Einkünfte und Rechte, Einführung des Rentmeisters). Sein Sohn, König Johann von Böhmen, der die Interessen seiner Stammlande mittels einer aktiven Lehns-, Kauf- und Wirtschaftspolitik (unter anderem Gründung der Schobermesse in Luxemburg) stets wahrnahm, baute sie aus. Nach seinem Tode (1346) ließ Kaiser KARL IV. gegen den Willen des Vaters seinem Oheim Erzbischof Balduin von Trier freie Hand in Luxemburg. Erst nach Balduins Tod übertrug er das zum Herzogtum erhobene Luxemburg seinem Halbbruder Wenzel I., der die finanzielle Unabhängigkeit des Landes wiederherstellte und das Territorium seiner größten Ausdehnung zuführte (Erwerbung der Grafschaft Chiny. KARLS Sohn, König WENZEL, verpfändete 1388 das Herzogtum an Markgraf JODOK VON MÄHREN, 1411 an seine Nichte Elisabeth von Görlitz; vergebliche Versuche seines Bruders SIGISMUND, die Stammlande zurückzugewinnen, stürzten das Herzogtum in Kriegswirren und wirtschaftlichen Niedergang, der auch mit dem Erwerb der Pfandrechte durch Philipp den Guten und der burgundischen Eroberung (1443) nur ein provisorisches Ende fand, da durch das Übergleiten Luxemburgs an die HABSBURGER nach 1477 wiederum neue Konflikte ausgelöst wurden.
Literatur:
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M. Twellenkamp, Das Haus der Luxemburger (Die Salier,
Bd 1, 191, S. 475-502).
III. DIE LUXEMBURGER ALS KÖNIGE UND KAISER
1. Kurfürst Balduin von Trier, Kaiser Heinrich VII.
und König Johann
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Die nächst den HABSBURGERN
erfolgreichste Herrscherdynastie des deutschen Spätmittelalters trat
in diese Rolle regions- und konstellationsbedingt und angesichts der damals
extrem von den Kurfürsten (besonders den rheinischen Erzbischöfen)
bestimmten Königswahl ein. Der wichtigste Vollstrecker war der Trierer
Erzbischof Balduin von Luxemburg (1307-1354). Auch der Mainzer
Erzbischof Peter von Aspelt setzte sich für Balduins
Halbbruder
HEINRICH
VII. ein. Die Beteiligten einte die Ablehnung des allzu starken
Nachbarn, König Philipp IV. von Frankreich.
König
HEINRICH, 1308 - abgesehen von der böhmischen Stimme -
einmütig gewählt, suchte seine Legitimierung in Italien und gab
dafür die mitteldeutsche Positionen der kaiserlichen Vorgänger
vielleicht vorschnell auf. 1312 zum Kaiser gekrönt (erste Kaiserkrönung
seit den STAUFERN), starb er schon
auf dem Rückweg von Rom (1313) und hinterließ dem Reich nicht
viel mehr als diese Demonstration, die freilich nicht ohne Eindruck auf
die Zukunft blieb. Der überraschende Tod des Kaisers hinterließ
auch die Dynastie in einem ungewissen Zustand. Gleichwohl sollten ihr die
drei nächsten Generationen, die letzten im Mannesstamm, historischen
Rang zuerteilen. Balduin
war der Garant der Zukunft. So sehr er
die Interessen des Erzstifts wahrnahm (selbst zu Lasten des GroßneffenKARL),
so wichtig war ihm gleich danach das politische Schicksal der Familie.
Ihr diente Balduin
durch seine regionalen und überregionalen
Erfolge
als eine der überzeugendsten Gestalten des spätmittelalterlichen
Kurfürstentums.
Balduin war der einzige, der die strukturellen
Schwächen der Trierer Position durch aktives Handeln vergessen machte
- in einer Generation, die dafür günstige Chancen bot. Kaiser
LUDWIG DER BAYER war in hohem Maße auf ihn angewiesen.
Er prägte die Fortentwicklung der Reichsverfassung wesentlich mit,
gewiss vor allem in der Absicht, die kurfürstlichen Rechte zu verteidigen.
Dies trug aber mindesten indirekt zur Stabilisierung des Reiches insgesamt,
auch gegenüber dem Papsttum, bei (Rhenser Kurverein).
Dem Sohn Kaiser HEINRICHS VII.,
dem Knaben Johann (* 1296), waren Rangerhöhung
und Chancen auf Machtzuwachs durch die väterliche Belehnung mit dem
Königreich Böhmen unvermutet zugefallen (1310). Dies handhabte
der Herangewachsene viel eher unter dynastischen als "staatlich"-böhmischen
Gesichtspunkten. Schon deshalb ist ihm die Geschichtsschreibung bis heute
nicht gerecht geworden. Böhmen galt Johann
eher als Basis königlichen Ranges denn als Wert an und für sich,
so wünschenswert auch Durchgestaltung und Ausschöpfung der Geld-
und Machtmittel des Landes schienen. Kaum weniger wichtig war das Aufgreifen
der von den premyslidischen Vorgängern übernommenen und
durch die Eheverbindung mit der PREMYSLIDIN Elisabeth
legitimierten weiterreichenden Ansprüche, zumal auf die polnische
Krone in Konkurrenz zu den PIASTEN
und auf das benachbarte PIASTEN-Land
(Schlesien). So mag die faktische Machtteilung mit dem böhmischen
Hochadel, die den König im Innern auf die Krondomäne mit den
Städten und die hergebrachten Einkünfte beschränkte, als
hinnehmbar gegolten haben. Zwei Aspekte machen die betont dynastische PolitikJohanns
besonders deutlich:
a) das Bestreben, als Kaiser- und Königssohn
wie ein König zu handeln, selbst wenn die böhmische Krone dafür
nicht ganz das rechte Substrat bot. Dazu gehörte das Engagement in
Italien (1330-1333), das machtpolitisch betrachtet nichts als eine befremdliche
Zersplitterung der Kräfte mit sich brachte. Wie man etwaige Gewinne,
die dann erwartungsgemäß nicht eintraten, hätte verwerten
und behaupten sollen, bleibt dunkel. Dass so "unvernünftiges" Verhalten
gleichwohl akzeptiert wurde oder gar geboten schien, weist die GefolgschaftJohanns
im Reich auf. Sie unterschied sich angesichts der Teilhabe "klassischer"
königsnaher Familien nicht sehr von denjenigen eines deutschen Königs.
Dazu mag die unklare politische Lage zwischen LUDWIG
DEM BAYERN und
FRIEDRICH DEM SCHÖNEN
beigetragen haben. So kann man zeitweise eher von drei als von zwei Königen
im Reich sprechen;
b) die beharrliche Fortführung der französischen
Kultur-, Mode- und Personal-Beziehungstradition der Dynastie selbst dann,
als dies mit den böhmischen Verhältnissen ganz und gar unvermeidbar
und wenigstens partiell so unpopulär schien, als KARL
IV. mit großen Teilen davon rasch gebrochen hat. Der HofJohanns
war durchaus "international", ebenso wie seine unvermeidliche Reisetätigkeit
in W-Europa samt seinen Ritter- und Kulturambitionen.
Johann
kann als Vorläufer der "internationalen" 2. Jahrhunderthälfte
in Mitteleuropa gelten und trat damit in scharfen Gegensatz zu LUDWIG
DEM BAYERN und FRIEDRICHDEM SCHÖNEN.
Französisch waren die Heiratspolitik Johanns
(2. Gemahlin Beatrix von Bourbon
1335) und die Verehelichung der Kinder (WENZEL-KARL
oo Blanca von ValoisS 1323, Jutta
[Guta] oo König Johann II. von
Frankreich 1332).
2. Kaiser Karl IV., Herzog Wenzel von Luxemburg und
Markgraf Johann Heinrich von Mähren
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Spätestens 1341 ist der Konflikt von LUXEMBURGERN
und WITTELSBACHERN, unter den Augen
der HABSBURGER, unheilbar geworden;
das Zeitalter der rivalisierenden Großdynastien war heraufgezogen.
Johanns
Sohn KARL (* 1316) übernahm damals
für den kranken Vater im "do-ut-des-Geschäft" mit Balduin
die Führung. Bald nachdem
KARLmit
Hilfe des Papstes Gegen-König geworden war (1346), fiel der
Vater bei Crecy. Ganz anders als dieser war
KARLgleichsam
LUXEMBURGER und PREMYSLIDE zugleich,
jedenfalls ein ersterLUXEMBURGER, der
in Böhmen zu Hause war. So akzeptierte er den Übergang des Stammlands
(1354 Herzogtum statt Grafschaft Luxemburg)
an den Halbbruder Wenzel (+ 1383) und
gab Mähren an seinen jüngeren Bruder Johann
Heinrich (+ 1375). Auch KARL
lebte und handelte dynastisch, war aber zugleich ein großer "Staatsmann",
dem Länder, Macht und Geld vertraute Ziele und Mittel blieben. Ein
Jahrzehnt lang, um 1360, schien eine "französische" Lösung des
"deutschen Problems" nicht ganz unmöglich; das heißt, durch
faktisches Übergewicht hätte man vielleicht nach und nach das
ganze Reich luxemburgisch machen oder
unter luxemburgische Hegemonie bringen
können. Ohne grundsätzlich neue Wege einzuschlagen, unternahm
KARL
bedeutende Modernisierungsschritte. Das Kurfürstentum, die Städte
und nahezu auch das Papsttum schienen ihm zeitweilig zu Willen zu sein.
Mit dem König von Frankreich suchte er die östliche Peripherie
Europas familiär aufzuteilen.
Bis 1361 musste er auf den Erben warten, dem dies alles
zugedacht war. Für die Durchsetzung von WENZELS
Königswahl noch zu den eigenen Lebzeiten hat KARL
keine Ausgaben, Risiken und krummen Wege gescheut. 1376 gelang dieser erstaunliche,
seit der STAUFER-Zeit unerhörte
Coup. Auch KARLteilte am Lebensende
dynastisch, doch insofern auch "staatlich", als er WENZEL,
den deutschen und böhmischen König, sehr bevorzugte. Für
den zweiten Sohn SIEGMUND (* 1368) blieb
das von den WITTELSBACHERN erworbene
Brandenburg mit der Kurwürde, weil man auf die Krone Polens hoffte.
Für den jüngsten Sohn Johann
(* 1370) genügte das unbedeutende neue Herzogtum Görlitz.
Die eigene Ehepolitik des viermaligen Hochzeiters und die Verheiratung
der Kinder waren komplexe politische Geschäfte wie kaum jemals sonst
im Mittelalter. Herzog Wenzel von Luxemburg,
nach Anfangserfolgen schwer geschlagen, blieb dynastisch ohne Bedeutung,
auch ohne Kinder; Johann Heinrich von Mähren
trat nicht hervor.
3. König Wenzel, Markgraf Jodok von Mähren
und Kaiser Siegmund
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Die letzte Generation der männlichen LUXEMBURGER
war die politisch vielfältigste, ein Ausdruck auch der Schwäche
des nun zum politischen Führers ausersehenen WENZEL
(1378-1400/19). Der Luxemburger Zweig
erlosch 1383, die Stammlande wurden nach einer von der Witwe Johanna
von Brabant mitgestalteten Übergangszeit burgundisch. Alle Probleme,
die unter der Regierung des Vaters zurückgestaut statt gelöst
worden waren, und neue zunächst beinahe unlösbare Schwierigkeiten,
wie das Abendländische Schisma von 1378, brachen über den jungen
Thronfolger WENZEL herein. Die nie
zum Schweigen gebrachte innerterritoriale Adelsopposition löste die
entscheidende Herrschaftskrise in Böhmen aus (1384/85), im Reich wurde
sie gut 10 Jahre später offenkundig und führte schließlich
zur (von WENZEL nie anerkannten, rechtlich
unzulässigen) Absetzung durch eine wittelsbachisch
geführte
Kurfürstenfronde (1400 zugunsten König
RUPRECHTS). Bis dahin hatte der innerdynastische Konflikt schon
mehrere Höhepunkte erlebt. Er wurzelte im Aufstieg der mährischen
Nebenlinie in der zweiten Generation, zumal in der Gestalt Markgraf
JODOKS (JOBSTS; 1375-1411), eines
bis heute ziemlich unbekannten
LUXEMBURGERS.JODOKvermochte,
ansehnliche Geldmittel als politische Hebel einzusetzen, auch im Bündnis
mit der Adelsopposition gegen WENZEL.
Zeitweilig betrieb JODOKS Bruder Prokop
(1375-1405) eine eigene Politik. Aus JODOKSGeld
stammte vieles von dem finanziellen Rückhalt, dessen sich
SIEGMUND
VON BRANDENBURG erfreute. Dadurch, aber auch durch Glück
und eigene Tüchtigkeit gewann er 1387 zwar nicht, wie einst geplant,
Polen, jedoch das Königreich Ungarn mit seinen Nebenländern.
Von dieser bald freilich von den Osmanen bedrängten Basis aus trieb
er mit WENZEL konkurrierende Politik
im Reich. Nach dem Tod König RUPRECHTS (1410)
wurden JODOK VON MÄHRENund mit
mehr Glück SIEGMUND VON UNGARN
zu deutschen Königen gewählt (1410-1437). Dieser letzte LUXEMBURGER,
nicht unähnlich dem Großvater Johann,
aber auch in manchem wie sein kaiserlicher Vater, ist auf unsicherer Basis
ein Mann von Bedeutung geworden. Seine wichtigste Leistung war das wesentliche
Mitwirken an der Beendigung des Schismas auf dem Konzil von Konstanz (1414-1418).
SIEGMUNDregierte
länger, als die nach dem Tode WENZELS
ausgebrochenen Hussitenkrise dauerte, die Innerböhmen und Teile Mährens
aus der umgebenden katholischen Welt für 15 Jahre gleichsam herauslöste.
SIEGMUND
gewann Böhmen zurück, kam aber in ein ganz verändertes Land,
das von der Hochadelsmacht noch stärker als bereits zuvor geprägt
war. Die einzige Tochter Elisabeth
hatte er bereits 1421 mit Herzog Albrecht V. von
Österreich verheiratet, der als ALBRECHT
II. deutscher König werden und das Jahrhunderte währende
Kaisertum der HABSBURGEReinleiten sollte.
ALBRECHT war ein loyaler Erbanwärter
und Erbe und ein befähigter Herrscher, wie viele seiner Verwandten
nach ihm. So fiel der große Komplex der böhmischen und ungarischen
Länder von einer bedeutenden Dynastie an eine noch bedeutendere und
gestaltete deren Zukunft wesentlich mit.
In Eifel und Ardennen, im Bitgau an der Mosel oberhalb
Bernkastel, um Trier, Diedenhofen und Metz gebot der 3. Zweig des Mittelmoselgeschlechts.
An der Saar gehörte ihm die beherrschende Saarburg, dazu Wallerfangen
und Saarbrücken. Im Niedgau besaß er Forsten um Bouzonville.
Dazu kamen Vogteien der reichsten Klöster des Landes, unter ihnen
St. Maximin, Echternach und Prüm. Trier wäre der rechte Mittelpunkt
für die Herrschaft der Grafen gewesen, doch das verhinderte König
und Erzbischof. Deshalb tauschte 963 Siegfried (+ 998) die strategisch
günstig gelegene Luxemburg von St. Maximin ein, um sie ganz zu einer
starken Festung auszubauen. Von dieser Basis aus erweiterte er Besitz,
Herrschaftsrechte und Verwandtschaftsbeziehungen nordwärts nach Niederlothringen.
Sein bedeutendster Gewinn war die Vogtei der Klöster Stablo und Malmedy.
Von Siegfrieds Töchtern heiratete Liutgard
den Grafen
von Holland. Evas Ehe mit den auch im Elsässer Nordgau begüterten
Grafen Vaudemont versprach größeren Einfluss im Süden.
Kunigunde
wurde im Jahre 1000 mit dem Bayern-Herzog HEINRICH
vermählt,
der 1002 die Krone erlangte. Diese Verbindung mit dem letzten LIUDOLFINGER
nutzten
die Geschwister der Königin gründlich zu ihrem eigenen Vorteil.
Als bayerischer Herzog (1004-1009, 1017-1026) trat Graf Heinrich
noch vor dem Hause VERDUN gleichrangig neben die Vettern der Linie
BAR. Dietrich bestieg nach rücksichtsloser Ausschaltung
Adalberos von Bar, seines Mündels, den Metzer Bischofsstuhl (1005-1047),
der dem Geschlecht bis 1072 verblieb. Er erwarb Grafenrechte im unteren
Saargau. Mit der Verwaltung der bischöflichen Grafschaft Metz betraute
er seinen Schwager Gerhard. Adalbero, der Propst von St. Paulin,
usurpierte 1008 sogar die Trierer Erzbischofswürde. Die Verweigerung
der Investitur hatte bis 1017 blutige, das Land verheerende Fehden des
Königs und der übervorteilten Vettern gegen die LUXEMBURGER
zur
Folge. Am Ende kam es zu einem Vergleich, der den Rebellen mit Ausnahme
der erzbischöflichen Würde von Trier Ämter, Lehen und Pfründen
beließ oder zurückgab. Das Geschlecht führte in Ober-Lothringen
Graf Friedrich (+ 1019) weiter, Herr der nördlichen Ardennen,
dem seine konradinische Gemahlin die oberhessische Herrschaft Gleiberg
zugebracht hatte. Von ihren Söhnen erhielt Heinrich die Grafschaft
Luxemburg mit den Klostervogteien von St. Maximin, Echternach
und Stablo-Malmedy. Friedrich
gewann durch Vermählung mit Gerberga
von Boulogne wertvollen Besitz in Nieder-Lothringen. Seine Schwester
Otgiva heiratete den französischen Großgrafen Balduin IV.
von Flandern. Imiza
vermählte sich dem süddeutschen Grafen
Welf. Trotz des zeitweiligen Verlusts der bayrischen Herzogswürde
konnte also das Haus seine Stellung im Reiche beträchtlich ausbauen.
Den Griff nach der Krone wagte - zu seinem Schaden - erst Giselberts
Sohn, HERMANN VON SALM (1081-1088).
Die zeitweilige Verbannung der REGINARE nutzte das Mittelmoselgeschlecht
zum Ausgreifen nach Norden. An der Straße von Trier nach Aachen schuf
sich die Luxemburger Linie östlich
von Prüm in der Eifel eine Grundherrschaft um Burg Salm. Dazu kamen
Güter im Maastale bei Huy und die Vogtei von Stablo-Malmedy. Wo sich
der Weg von Luxemburg durch die Ardennen in Richtung Namur und Lüttich
gabelt, erhielt Bastogne als Grafensitz starke Befestigungen.