Jean de Naillac                                     Dame de Giac
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um 1385/90- nach 1420
 

Tochter des N.N.
 

  oo 1. Pierre Sire de Giac
           um 1380- um 1426

       2. oo 3. Catherine de l'Isle-Bouchard, Erbtochter von Baron Jean
                              -1.7.1474

                 vor 1423
              2. oo Hugo Graf von Tonnerre
                              -24.8.1424
 
 

Markale, Jean: Seite 275
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"Isabeau de Bavarie."

Die Geschichte der Dame de Giac klingt nicht mehr wie ein Roman, sondern eher wie eine Vorstadtkomödie vor einem tragischen Hintergrund. Das fängt schon damit an, daß sich die Historiker nicht einmal einig sind, wen sie mit dieser Dame de Giac meinen: die Mutter oder die Schweigertochter? Die Mutter war Jeanne de Peschin, Dame de Breon, die Tochter von Imbault und Blanche Le Bouteiller. Ihr Bruder Jacques de Peschin war ein Kampfgefährte von Tanguy du Chastel. 1376 hatte sie per Vertrag Louis de Giac, den Kammerherrn des Herzogs von Burgund, geehelicht. Sollte es sich tatsächlich um sie handeln, so müßte man glauben, daß sie trotz ihres schon recht fortgeschrittenen Alters im Jahre 1419 noch unbestreitbar mächtige Reize besaß, denn sie soll nicht nur die Mätresse Johann Ohnefurcht, sondern auch seine inspirierende Kraft gewesen sein. Auf alle Fälle gehört ihr Sohn Pierre de Giac zu seinen engsten Vertrauten.
Wahrscheinlicher ist jedoch die Annahme, daß es sich bei der berühmten Dame de Giac um Jeanne de Naillac, die Gemahlin von Pierre de Giac und ehemalige Hofdame der Königin Isabeau, handelt. Ihr jugendliches Wesen und ihre Vertrautheit mit den Korridoren des Palais entsprechen eher den Fakten, die ihr zugeschrieben werden. Denn auf alle Fälle hat sie, wer immer sie war, in den Jahren 1418-1419 eine beachtliche Rolle gespielt. Man sagt ihr nach, sie sei die Mätresse des Herzogs von Burgund gewesen, und das ist durchaus möglich: Nur müßte in diesem Fall Pierre de Giac damit einverstanden gewesen sein, woraus wieder zu schließen wäre, daß es verborgene Gründe für dieses verborgene Verhalten gab. Zumindest ist sicher, daß sie großen Einfluß auf Johann Ohnefurcht hatte. Die Dame de Giac war die entscheidende Kraft dafür gewesen, daß 1419 die Verhandlungen zur Aussöhnung zwischen Johann Ohnefurcht und dem Dauphin Charles zustande kamen, und unter diesen Umständen muß man feststellen, daß sie exakt die gleichen politischen Ziele verfolgte wie diejenige, die zu diesen Verhandlungen anregte, nämlich Yolanda von Aragon. Ob daraus zu schließen ist, daß auch die Dame de Giac in Yolandes Auftrag handelte, läßt sich schwer sagen. Daneben wurde auch behauptet, sie habe in Isabeaus Diensten gestanden, und ihr Gemahl sei Isabeaus Liebhaber gewesen; das läßt sich zwar in keiner Weise belegen, doch unmöglich ist es nicht. Sicher ist nur, daß sie im Jahre 1419 nicht Königin Isabeau, sondern eindeutig der Königin von Sizilien diente. Wie wir wissen, wollte sich Johann Ohnefurcht nicht zu dem fatalen Treffen von Montererau begeben. Sein Astrologe hatte ihm vorausgesagt, ihm werde dort ein Unglück zustoßen. Der Herzog von Burgund hatte auch selbst düstere Vorahnungen und schob die Begegnung von Tag zu Tag hinaus. Daher hatte man ihm Tanguy de Chastel und Jacques de Peschin gesandt, um ihn zur Teilnahme an der Begegnung zu zwingen. Johann Ohnefurcht hatte jedoch mit Ausflüchten geantwortet. Daher mußte die Dame de Giac - darin stimmen alle Chronisten überein - einschreiten und Herzog Johann erst buchstäblich den Befehl erteilen, er habe sich zu dem Treffpunkt auf der Brücke von Montereau zu begeben, bevor er sich widerwillig auf den Weg machte. Was dann geschah, ist bekannt: Johann Ohnefurcht wurde durch einen Schlag auf den Kopf getötet und ihm wurde - genau wie Ludwig von Orleans - eine Hand abgehackt. Der exakte Hergang der Tat wurde nie wirklich geklärt. Ein Racheakt der ORLEANS? Überreiztes Mißtrauen, das einen der Getreuen des Dauphins dazu verleitete, den Herzog anzugreifen? Daß der Dauphin Charles persönlich für die Tat verantwortlich war, ist auf alle Fälle völlig ausgeschlossen. Inwieweit Tanguy du Chastel, der den Dauphin, als das Handgemenege ausbrach, sofort packte und in Deckung zog, mit der Sache zu tun hatte, läßt sich dagegen schwer ermitteln. Lange Zeit galt Tanguy du Chastel wenn nicht als der Mörder - das war unmöglich, da er den Dauphin aus der Gefahrenzone herauszog, bevor der tödliche Schlag gegen Herzog Johann erfolgte -, so doch zumindest als der Anstifter zu dem Komplott, das hinter dem Rücken des Dauphins geschmiedet wurde. Als er sich öffentlich rechtfertigte, konnte Tanguy du Chastel die Anklage, er habe den Schlag ausgeführt, entkräften. Was aber den Rest betraf? Darüber verlor er kein einziges Wort. Das ist unschwer zu begreifen, denn wir dürfen nicht vergessen: Der Bretone war der "böse Geist" der Königin von Sizilien.
Und wie ist es zu beurteilen, daß Pierre de Giac und seine Gemahlin nach dem Mord auf der Brücke von Montereau mit Sack und Pack in das Lager der Armagnacs überwechselten? Dieser Verrat muß zumindest stutzig machen, zumal Pierre de Giac schon sehr bald bei Karl VII. in hohen Gunsten stehen und im Jahr 1426 sogar zum Ersten Kammerherrn des Königs aufsteigen wird. War dies die Belohnung für die besonderen Dienste, die er der französischen Sache im burgundischen Lager erwiesen hattte, oder war es die Bezahlung für den Einfluß seiner Gemahlin auf Johann Ohnefurcht? Im übrigen gehen die Chronisten entschieden zu weit: Manche behaupten, das Verhalten der Dame de Giac sei darauf zurückzuführen, daß sie in sehr jungen Jahren den künftigen Dauphin gekannt habe, als sie noch Isabeaus Hofdame war. Andere behaupten dagegen, sie habe auch für Karl VII. amouröse Gefühle gehegt, und so habe der König nicht ohne Grund Pierre de Giac statt Arthur de Richemont als seinen Kammerherrn gewählt. Wem soll man glauben? Je eingehender man den Fall der berühmten Dame de Giac untersucht, desto tiefer verfängt man sich in keineswegs unzusammenhängende, sondern extrem miteinander verflochtenen Details.
Denn die Geschichte ist damit noch nicht zu Ende. Man erzählte sich damals, Pierre de Giac als Gegenleistung für die materiellen Güter, nach denen er hungerte, für Erfolg in seinen Amouren, für Macht und Reichtum ohne Maßen seine rechte Hand dem Teufel verschrieben. Zumindest was den Reichtum anbetraf, schien ihm das Glück  gewogen zu sein. Über die weitere Entwicklung der Dinge gibt es jedoch zwei einander widersprechende Versionen: Die eine berichtet uns vom Tod der Dame de Giac. Nachdem ihm die lockeren Sitten seiner Gemahlin stets bestens gedient hatten, soll in Pierre de Giac plötzlich eine wilde Eifersucht  ausgebrochen sein. Als die Dame de Giac in gesegnten Umständen war, soll er sie eines Nachts gezwungen haben, Gift zu nehmen, dann soll er sie an die Kruppe eines Pferdes gebunden, auf dem Bauch bis in ein Gehölz zu Tode geschleift und dort verscharrt haben. Als Entschuldigung habe der vorgebracht, er sei in Catherine de l'Isle-Bouchard, Gräfin von Tonnerre, eine begüterte Witwe, verliebt gewesen und habe sie einige Wochen später geheiratet.
Die zweite Version der Geschichte hüllt sich über den Tod der Dame de Giac in Schweigen und geht sofort zu dem über, was danach folgte. Demzufolge gewann Pierre de Giac bei Karl VII. mehr und mehr an Einfluß und arbeitete offen darauf hin, diesen von der Königin von Sizilien zu trennen, die er als Hindernis auf seinem Weg nach oben betrachtete. So stellte er eine Garde von Männern auf, die seiner Sache voll und ganz ergeben waren - und reichlich von ihm geschmiert wurden; diese sollten den König umgeben und verhindern, daß sich zu viele Leute von Arthur de Richemont - der inzwischen zum Connetable de France avanciert war - in dessen Nähe herumtrieben. Pierre de Giac gebärdete sich wie ein wahrer Tyrann, womit er in seiner Umgebung wilden Haß erregte. Sein erbittertster Feind war im übrigen ausgerechnet Arthur de Richemont, der nach einer Unterredung mit der Königin von Sizilien beschloß, ihn auf dem Posten des Ersten Kammerherrn durch seinen Protege Sire Georges de la Tremoille ersetzen zu lassen. La Tremoille schloß sich dem Komplott von Yolanda und Richemont um so schneller an, als er leidenschaftlich in die Dame de Giac (Jeanne de Naillac oder Catherine de l'Isle-Bouchard?) verliebt war und den günstigsten Moment kommen sah, wo er den Gemahl ohne die geringste Gefahr aus dem Weg räumen konnte. Es kam zu einer Auseinandersetzung zwischen Giac und La Tremoille vor den Augen des Königs, und dieser gab Giac recht. Von Richemont ermutigt, schwor La Tremoille, sich zu rächen. Während der Hof Karls VII. in Issoudon weilte, blieb Giac, der dem König gefolgt war, im Schloß stets in seiner Nähe. Eines Morgens tauchten bei Tagesanbruch plötzlich La Tremoille und Richemont, eskortiert von einem Trupp bewaffneter Männer, vor den Gemächern des Ministers auf, ließen mit Axthieben die Tür aufbrechen und überraschten ihn im Bett. Sie gaben ihm nicht einmal Zeit, sich anzukleiden, zwangen ihn, mit ihnen nach Bourges aufzubrechen, und ließen ihn von da aus auf das Schloß Dun-le-Roi bringen. Dort befand sich ein Tribunal, das über ihn - angeblich wegen Verrats - Gericht hielt. Nach kurzen Formalitäten wurde er zum Tode verurteilt, in einen Sack geschnürt und in den Fluß geworfen. Bevor er in den Sack eingeschlossen wurde, habe er, so wird behauptet, um die Gunst gefleht, man möge ihm die rechte Faust abschlagen, damit Satan ihn nicht aufgrund des Paktes, den er mit ihm geschlossen habe, in die Hölle entführe. Wie es scheint, wurde ihm diese Bitte gewährt. La Tremoille vermählte sich im Monat darauf mit der Witwe des Ertränkten.

Saller Martin: Seite 306
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"Königin Isabeau. Die Wittelsbacherin auf dem Lilienthron."

Der Königin Isabeau wohlvertraute Männer gewinnen am Hof Karls Macht und stürzen wieder. Da ist der berüchtigte Haudegen Pierrede Giac, der für höllischen Beistand seine rechte Hand dem Teufel verpfändet hat. Durch Karls besondere Gunst in das Schlüsselamt des Ersten Kammerherrn gelangt, ist er eine Weile der beherrschende Mann des Hofes. Giac zählte zu den Kommandanten der Leibwache Isabeaus in Vincennes, denen die Königin nach Gerüchten, die von den Armagnaken gezielt verbreitet wurden, ihre besondere Gunst geschenkt haben soll. Nach der schmählichen Verbannung seiner Dienstherrin ist er in das Lager des Dauphin übergewechselt. Der roge Kriegsmann terrorisiert schließlich mit einer Garde gewalttätiger Gesellen den ganzen Hof - und Karl sieht gelassen zu. Giac wirbt um die Gunst der reichen, verwitweten Gräfin Catherine de l'Isle-Bouchard, die auch der Höfling Georges de La Tremoille begehrt. Um sein Ehebett für die Favoritin freizumachen, zwingt er eines Abends die eigene Frau wegen angeblichen Ehebruchs, einen Giftbecher zu leeren. Dann bindet er sie an sein Pferd und schleift sie durch die Wälder.
 
 
 
 
 
 
 
 


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