Tochter des N.N.
oo 1. Pierre Sire de Giac
um 1380- um 1426
2. oo 3. Catherine
de l'Isle-Bouchard, Erbtochter von Baron Jean
-1.7.1474
vor 1423
2. oo Hugo Graf von Tonnerre
-24.8.1424
Markale, Jean: Seite 275
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"Isabeau de Bavarie."
Die Geschichte der Dame de Giac klingt nicht mehr
wie ein Roman, sondern eher wie eine Vorstadtkomödie vor einem tragischen
Hintergrund. Das fängt schon damit an, daß sich die Historiker
nicht einmal einig sind, wen sie mit dieser Dame de Giac meinen:
die Mutter oder die Schweigertochter? Die Mutter war Jeanne de Peschin,
Dame
de Breon, die Tochter von Imbault und Blanche Le Bouteiller.
Ihr Bruder Jacques de Peschin war ein Kampfgefährte von Tanguy
du Chastel. 1376 hatte sie per Vertrag Louis de Giac, den Kammerherrn
des Herzogs von Burgund, geehelicht. Sollte es sich tatsächlich um
sie handeln, so müßte man glauben, daß sie trotz ihres
schon recht fortgeschrittenen Alters im Jahre 1419 noch unbestreitbar mächtige
Reize besaß, denn sie soll nicht nur die Mätresse Johann
Ohnefurcht, sondern auch seine inspirierende Kraft gewesen
sein. Auf alle Fälle gehört ihr Sohn Pierre de Giac zu
seinen engsten Vertrauten.
Wahrscheinlicher ist jedoch die Annahme, daß es
sich bei der berühmten Dame de Giac um Jeanne de Naillac,
die Gemahlin von Pierre de Giac und ehemalige Hofdame
der Königin Isabeau, handelt.
Ihr jugendliches Wesen und ihre Vertrautheit mit den Korridoren des Palais
entsprechen eher den Fakten, die ihr zugeschrieben werden. Denn auf alle
Fälle hat sie, wer immer sie war, in den Jahren 1418-1419 eine beachtliche
Rolle gespielt. Man sagt ihr nach, sie sei die Mätresse des
Herzogs von Burgund gewesen, und das ist durchaus möglich: Nur müßte
in diesem Fall Pierre de Giac damit einverstanden gewesen sein,
woraus wieder zu schließen wäre, daß es verborgene Gründe
für dieses verborgene Verhalten gab. Zumindest ist sicher, daß
sie großen Einfluß auf Johann Ohnefurcht
hatte.
Die Dame de Giac war die entscheidende Kraft dafür gewesen,
daß 1419 die Verhandlungen zur Aussöhnung zwischen
Johann
Ohnefurcht und dem Dauphin Charles
zustande kamen, und unter diesen Umständen muß man feststellen,
daß sie exakt die gleichen politischen Ziele verfolgte wie diejenige,
die zu diesen Verhandlungen anregte, nämlich Yolanda
von Aragon. Ob daraus zu schließen ist, daß auch
die Dame de Giac in Yolandes Auftrag
handelte, läßt sich schwer sagen. Daneben wurde auch behauptet,
sie habe in Isabeaus Diensten gestanden,
und ihr Gemahl sei Isabeaus Liebhaber
gewesen; das läßt sich zwar in keiner Weise belegen, doch unmöglich
ist es nicht. Sicher ist nur, daß sie im Jahre 1419 nicht Königin
Isabeau, sondern eindeutig der Königin von Sizilien diente.
Wie wir wissen, wollte sich Johann Ohnefurcht
nicht zu dem fatalen Treffen von Montererau begeben. Sein Astrologe hatte
ihm vorausgesagt, ihm werde dort ein Unglück zustoßen. Der Herzog
von Burgund hatte auch selbst düstere Vorahnungen und schob die Begegnung
von Tag zu Tag hinaus. Daher hatte man ihm Tanguy de Chastel und Jacques
de Peschin gesandt, um ihn zur Teilnahme an der Begegnung zu zwingen. Johann
Ohnefurcht hatte jedoch mit Ausflüchten geantwortet. Daher
mußte die Dame de Giac - darin stimmen alle Chronisten überein
- einschreiten und Herzog Johann erst
buchstäblich den Befehl erteilen, er habe sich zu dem Treffpunkt auf
der Brücke von Montereau zu begeben, bevor er sich widerwillig auf
den Weg machte. Was dann geschah, ist bekannt: Johann
Ohnefurcht wurde durch einen Schlag auf den Kopf getötet
und ihm wurde - genau wie Ludwig von Orleans
- eine Hand abgehackt. Der exakte Hergang der Tat wurde nie wirklich geklärt.
Ein Racheakt der ORLEANS? Überreiztes
Mißtrauen, das einen der Getreuen des Dauphins dazu verleitete, den
Herzog anzugreifen? Daß der Dauphin Charles
persönlich für die Tat verantwortlich war, ist auf alle Fälle
völlig ausgeschlossen. Inwieweit Tanguy du Chastel, der den Dauphin,
als das Handgemenege ausbrach, sofort packte und in Deckung zog, mit der
Sache zu tun hatte, läßt sich dagegen schwer ermitteln. Lange
Zeit galt Tanguy du Chastel wenn nicht als der Mörder - das war unmöglich,
da er den Dauphin aus der Gefahrenzone herauszog, bevor der tödliche
Schlag gegen Herzog Johann erfolgte
-, so doch zumindest als der Anstifter zu dem Komplott, das hinter dem
Rücken des Dauphins geschmiedet wurde. Als er sich öffentlich
rechtfertigte, konnte Tanguy du Chastel die Anklage, er habe den Schlag
ausgeführt, entkräften. Was aber den Rest betraf? Darüber
verlor er kein einziges Wort. Das ist unschwer zu begreifen, denn wir dürfen
nicht vergessen: Der Bretone war der "böse Geist" der Königin
von Sizilien.
Und wie ist es zu beurteilen, daß Pierre de
Giac und seine Gemahlin nach dem Mord auf der Brücke von Montereau
mit Sack und Pack in das Lager der Armagnacs überwechselten? Dieser
Verrat muß zumindest stutzig machen, zumal Pierre de Giac
schon sehr bald bei Karl VII. in hohen
Gunsten stehen und im Jahr 1426 sogar zum Ersten Kammerherrn des Königs
aufsteigen wird. War dies die Belohnung für die besonderen Dienste,
die er der französischen Sache im burgundischen Lager erwiesen hattte,
oder war es die Bezahlung für den Einfluß seiner Gemahlin auf
Johann
Ohnefurcht? Im übrigen gehen die Chronisten entschieden
zu weit: Manche behaupten, das Verhalten der Dame de Giac sei darauf
zurückzuführen, daß sie in sehr jungen Jahren den künftigen
Dauphin gekannt habe, als sie noch Isabeaus Hofdame
war. Andere behaupten dagegen, sie habe auch für Karl
VII. amouröse Gefühle gehegt, und so habe der König
nicht ohne Grund Pierre de Giac statt Arthur
de Richemont als seinen Kammerherrn gewählt. Wem soll man
glauben? Je eingehender man den Fall der berühmten Dame de Giac
untersucht, desto tiefer verfängt man sich in keineswegs unzusammenhängende,
sondern extrem miteinander verflochtenen Details.
Denn die Geschichte ist damit noch nicht zu Ende. Man
erzählte sich damals, Pierre de Giac als Gegenleistung für
die materiellen Güter, nach denen er hungerte, für Erfolg in
seinen Amouren, für Macht und Reichtum ohne Maßen seine rechte
Hand dem Teufel verschrieben. Zumindest was den Reichtum anbetraf, schien
ihm das Glück gewogen zu sein. Über die weitere Entwicklung
der Dinge gibt es jedoch zwei einander widersprechende Versionen: Die eine
berichtet uns vom Tod der Dame de Giac. Nachdem ihm die lockeren
Sitten seiner Gemahlin stets bestens gedient hatten, soll in Pierre
de Giac plötzlich eine wilde Eifersucht ausgebrochen sein.
Als die Dame de Giac in gesegnten Umständen war, soll er sie
eines Nachts gezwungen haben, Gift zu nehmen, dann soll er sie an die Kruppe
eines Pferdes gebunden, auf dem Bauch bis in ein Gehölz zu Tode geschleift
und dort verscharrt haben. Als Entschuldigung habe der vorgebracht, er
sei in Catherine de l'Isle-Bouchard, Gräfin von Tonnerre,
eine begüterte Witwe, verliebt gewesen und habe sie einige Wochen
später geheiratet.
Die zweite Version der Geschichte hüllt sich über
den Tod der Dame de Giac in Schweigen und geht sofort zu dem über,
was danach folgte. Demzufolge gewann Pierre de Giac bei Karl
VII. mehr und mehr an Einfluß und arbeitete offen darauf
hin, diesen von der Königin von Sizilien zu trennen, die er als Hindernis
auf seinem Weg nach oben betrachtete. So stellte er eine Garde von Männern
auf, die seiner Sache voll und ganz ergeben waren - und reichlich von ihm
geschmiert wurden; diese sollten den König umgeben und verhindern,
daß sich zu viele Leute von Arthur de Richemont
-
der inzwischen zum Connetable de France avanciert war - in
dessen Nähe herumtrieben. Pierre de Giac gebärdete sich
wie ein wahrer Tyrann, womit er in seiner Umgebung wilden Haß erregte.
Sein erbittertster Feind war im übrigen ausgerechnet Arthur
de Richemont, der nach einer Unterredung mit der Königin
von Sizilien beschloß, ihn auf dem Posten des Ersten Kammerherrn
durch seinen Protege Sire Georges de la Tremoille ersetzen zu lassen. La
Tremoille schloß sich dem Komplott von Yolanda
und Richemont um so schneller an, als er leidenschaftlich in die Dame
de Giac (Jeanne de Naillac oder Catherine de l'Isle-Bouchard?)
verliebt war und den günstigsten Moment kommen sah, wo er den Gemahl
ohne die geringste Gefahr aus dem Weg räumen konnte. Es kam zu einer
Auseinandersetzung zwischen Giac und La Tremoille vor den Augen des Königs,
und dieser gab Giac recht. Von Richemont ermutigt, schwor La Tremoille,
sich zu rächen. Während der Hof Karls
VII. in Issoudon weilte, blieb Giac, der dem König gefolgt
war, im Schloß stets in seiner Nähe. Eines Morgens tauchten
bei Tagesanbruch plötzlich La Tremoille und Richemont, eskortiert
von einem Trupp bewaffneter Männer, vor den Gemächern des Ministers
auf, ließen mit Axthieben die Tür aufbrechen und überraschten
ihn im Bett. Sie gaben ihm nicht einmal Zeit, sich anzukleiden, zwangen
ihn, mit ihnen nach Bourges aufzubrechen, und ließen ihn von da aus
auf das Schloß Dun-le-Roi bringen. Dort befand sich ein Tribunal,
das über ihn - angeblich wegen Verrats - Gericht hielt. Nach kurzen
Formalitäten wurde er zum Tode verurteilt, in einen Sack geschnürt
und in den Fluß geworfen. Bevor er in den Sack eingeschlossen
wurde, habe er, so wird behauptet, um die Gunst gefleht, man möge
ihm die rechte Faust abschlagen, damit Satan ihn nicht aufgrund des Paktes,
den er mit ihm geschlossen habe, in die Hölle entführe. Wie es
scheint, wurde ihm diese Bitte gewährt. La Tremoille vermählte
sich im Monat darauf mit der Witwe des Ertränkten.
Saller Martin: Seite 306
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"Königin Isabeau. Die Wittelsbacherin auf dem Lilienthron."
Der Königin Isabeau
wohlvertraute Männer gewinnen am Hof Karls
Macht und stürzen wieder. Da ist der berüchtigte Haudegen Pierrede
Giac, der für höllischen Beistand seine rechte Hand dem Teufel
verpfändet hat. Durch Karls besondere
Gunst in das Schlüsselamt des Ersten Kammerherrn gelangt, ist
er eine Weile der beherrschende Mann des Hofes. Giac zählte zu den
Kommandanten der Leibwache Isabeaus
in Vincennes, denen die Königin nach Gerüchten, die von den Armagnaken
gezielt verbreitet wurden, ihre besondere Gunst geschenkt haben soll. Nach
der schmählichen Verbannung seiner Dienstherrin ist er in das Lager
des Dauphin übergewechselt. Der roge Kriegsmann terrorisiert schließlich
mit einer Garde gewalttätiger Gesellen den ganzen Hof - und Karl
sieht
gelassen zu. Giac wirbt um die Gunst der reichen, verwitweten
Gräfin
Catherine de l'Isle-Bouchard, die auch der Höfling Georges de
La Tremoille begehrt. Um sein Ehebett für die Favoritin freizumachen,
zwingt er eines Abends die eigene Frau wegen angeblichen Ehebruchs, einen
Giftbecher zu leeren. Dann bindet er sie an sein Pferd und schleift sie
durch die Wälder.