Lexikon des Mittelalters: Band II Spalte 1733
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Charol(l)ais
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Grafschaft in O-Frankreich, südliches Burgund
Die spätere Grafschaft Charolais hat sich aus hochmittelalterlichen
Territorialkomplexen der Grafen von Chalon entwickelt: Um 953 gliederte
Lambert, nachdem er Graf von Chalon geworden war, frühere
Besitzungen der Vicecomites von Autun, die im Tal des Arroux lagen, seiner
Herrschaft ein. Dieser Besitzkomplex fiel 1237 mit Chalon an
Hugo IV., Herzog von Burgund;
er vermachte seiner Enkelin Beatrix,
Tochter von Jean (Johann), Sire
von Bourbon, und Gemahlin von Graf
Robert von Clermont, im Jahre 1272 testamentarisch folgende
Besitzrechte innerhalb dieser Region: sechs Kastellaneien, die zwischen
den Flüssen Arroux und Guye lagne, unter ihnen Charolles und Mont-St-Vincent,
sowie baroniale Rechte, welche die Grafen von Chalon in diesen Gebieten
innehatten (die Garde der Priorate Paray-le-Monial und Perrecy-les-Forges
sowie den Zoll von Toulon-sur-Arroux). Die Herrschaft Charolles fiel im
Jahre 1314 an den 2. Sohn von Robert
und Beatrix,
Jean (Johann), danach an dessen Tochter
Beatrix, die sich in die Ehe mit Jean (Johann) I., Graf
von Armagnac, einbrachte (1327). Beider Sohn Jean II. (+ 1384)
scheint als erster den Titel eines Grafen von Charolais geführt
zu haben.
Jeans 2. Sohn, Bertrand, verkaufte die
Grafschaft an Philipp den Kühnen,
Herzog von Burgund, der für diesen
Kauf die 60.000 livres der Dos seiner Schwiegertochter, Margarete
(Marguerite) von Bayern, verwandte (16.-30. Juni 1390). Margarete
wurde ab 1420 Nutznießerin der Grafschaft; den Grafentitel hatte
Herzog Johann Ohnefurcht, der Sohn
Philipps des Kühnen und Gatte
der Margarete, jedoch bereits 1406/07 seinem Sohn und Erben, dem künftigen
Herzog Philipp dem Guten, verliehen.
Dieser wiederum übertrug den Titel seinem Sohn, dem späteren
Herzog Karl dem Kühnen, bereits
bei dessen Geburt (11. November 1433).
Nach dem Tod Karls des Kühnen
wurde das Charolais gemeinsam mit dem übrigen Herzogtum Burgund von
Ludwig XI., König
von Frankreich, besetzt (1477); doch mußten die königlichen
Truppen erst den allgemeinen Widerstand des Adels und der Städte gewaltsam
brechen. 1493 wurde im Vertrag von Semnlis bestimmt, daß die Grafschaft
Chjarolais als Patrimonialbesitz der Deszendenten der Margarete
von Bayern dem Enkel Karls des Kühnen,
Erzherzog Philipp dem Schönen,
Sohn MAXIMILIANS VON HABSBURG und der
Maria von Burgund, übergeben wurde;
dieser hielt sie als Lehen des französischen Königs so wie sie
die Grafen von Armagnac als Lehen der burgundischen Herzöge gehalten
hatten. Diese Situation blieb bis zur "Reunion" des Charolais mit Frankreich
im Jahre 1684 bestehen; das Haus HABSBURG
hatte die Grafschaft bis zu diesem Zeitpunkt unter französischer Souveränität
inne.