Antwerpen

Lexikon des Mittelalters: Band I Spalte 738
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Antwerpen
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Die Markgrafschaft Antwerpen, die während des 11. Jh. meist von den Herzögen von Nieder-Lothringen aus dem Hause VERDUN unterstanden hatte, war durch Kaiser HEINRICH V. 1106 Gottfried I. von Löwen, Herzog von Brabant, übertragen worden, der sie endgültig mit seinen Besitzungen vereinigte. Dieser ließ sich in Antwerpen durch einen amman (villicus, Amtmann) vertreten, der im namen des Herzogs die Burg vwerwaltete und zusamemn mit der fürstlichen Schöffenbank Gerichtsbarkeit und Herrschaft über die Stadt ausübte. In der 2. Hälfte des 12. Jh. ernannte der Herzog neben dem amman einem Amtsträger modernen Typs, den Schultheiß (schout), der gemeinsam mit den Bürgern der Stadt den Kampf gegen die alte feudale Schöffenbank begann. Um 1200 war die Schöffenbank zum größten Teil in Händen der städtischen Bürger. 1221 bestätigte der Herzog diesen Zustand, indem er der Stadt ihr erstes Freiheitsprivileg verlieh. Außerdem erscheint 1233 zum ersten Mal neben den Schöffen ein Geschworenenrat (iurati). Hiermit war die Grundlage für das spätmittelalterliche Stadtregiment Antwerpens geschaffen. Antwerpen erfuhr während des 13. Jh. eine starke Ausbreitung, so daß zu Ende des Jahrhunderts eine neue Stadtumwallung angelegt werden mußte, die nun ganz aus Stein bestand und zum größten Teil bis ins 19. Jh. erhalten blieb. Die Grundfläche vergrößerte sich dadurch auf ca. 156 ha. Die Verbindung Antwerpens mit der Grafschaft Flandern nach dem flämisch-brabantischen Krieg des Jahres 1355 unterbrach diese Entwicklung zeitweilig, doch der Aufstieg begann wieder unter den burgundischen Herzögen gegen Ende des 14. Jh. und am Anfang des 15. Jh. Die Stadt breitete sich nun vor allem an der Nordseite aus und erreichte eine Fläche von mehr als 210 ha, innerhalb welcher um 1400 ungefähr 2.400 Wohneinheiten bestanden.