Sohn des Vizegrafen
Theobald von Tours und der
Richilde von Bourges, Tochter
von Graf Hugo; mütterlicherseits Urenkel von Kaiser
KARLS II. DES KAHLEN
Lexikon des Mittelalters: Band VIII Spalte 518
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Tedbald I. Tricator (‚Thibaud le Tricheur‘), Graf von
Blois, Tours, Chartres und Chateaudun
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+ 975/77
Verwandter Hugos von Arles; Sohn von Tedbald dem Älteren, Vizegraf von Tours und Blois, und Richilde, Enkelin Kaiser KARLS DES KAHLEN
oo um 944/46 Ledgarde, Tochter des Grafen Heribert II. von Vermandois
Kinder:
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Odo
Hugo
Emma
Folgte um 940 seinem Vater. Unterstützte zunächst
seinen Lehensherren Hugo den Großen
gegen den westfränkischen König Ludwig
IV. und wurde deswegen auf der Synode von Laon (948) exkommuniziert.
Seine geschickte Heiratspolitik verschaffte ihm einen Anteil am Erbe Heriberts
II. von Vermandois sowie die Kontrolle über die nördliche
Bretagne mit der Grafschaft Rennes. Das Machtvakuum nach dem Tode Hugos
des Großen (956) nutzte er durch den Erwerb der Grafschaften
Chartres und Chateaudun zum Aufbau einer selbständigen Herrschaft,
die sich auch in seiner Titulatur "nutu Dei comes" niederschlug.
Als er 962 eine Niederlage gegen Graf Richard I. von Rouen, einen Schwager
Hugo
Capets, erlitt, wandte er sich von den ROBERTINERN
ab und näherte sich dem westfränkischen
König Lothar an. Tedbald I. gilt als Begründer
der Machtstellung des Hauses BLOIS-CHAMPAGNE.
Gemahl: b) vor 945 Theobald I., Graf von Blois
+ 975 16. I.
VII. Generation
7
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Ledgards Tod gibt
Brandenburg richtig mit "nach 978 II 9", dem Datum der letzten urkundlichen
Erwähnung, an. Im schon zitierten Reimser Nekrolog, in der Vatican-Handschrift
Ottob. lat. 2960, fol. 67 verso, fand ich zu 6. Kal. Jun., also V 27,
den Eintrag Legardis comitissa,
womit auch der genaue Todestag bekannt ist. - Ledgards
erste Ehe mit Herzog Wilhelm von der Normandie, irrig von Arbois angezweifelt
(vgl. Lot, Hugues Capet 398 Anm. 1), blieb kinderlos und dürfte wohl
nicht lange vor Wilhelms Ermordung durch die Leute des Grafen von Flandern
(942 XII 17), also c 940 geschlossen worden sein. Die Zeitangabe durch
Dudo von St-Quentin, der die Ehe im Zusammenhang mit Ereignissen von c
935 erwähnt, dürfte angesichts der geringen chronologischen Genauigkeit
des spät schreibenden Autors kaum ins Gewicht fallen (Brandenburg
datierte "935").
Ehlers Joachim: Seite 25,48
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"Die Kapetinger"
Unmittelbare Folge von Hugos
Tod (16. oder 17. Juni 956) war die Annäherung einiger großer
robertinischer
Vasallen
wie Tedbald von Blois und Fulko II. von Anjou an König
Lothar, um für sich selbst größere Freizügigkeit
zu gewinnen.
In der Grafschaft Blois (Dep. Loir-et-Cher) hatte
Robert
seinen Vasallen Tedbald als Vizegrafen eingesetzt, der 935 die Loire-Normannen
im Berry schlagen konnte und sich damit großes Ansehen südlich
der Loire erwarb. Ihm gelang es, nach dem Tode Wilhelms I. "Langschwert"
von der Normandie (+ 942 dessen Witwe Liutgard
zu heiraten, eine Tochter des Grafen Heribert
II. von Vermandois. Die Folge war ein enges Bündnis mit
seinen Schwägern, deren Herrschaftszentrum im Norden um Meaux, Soissons
und Troyes lag. Während der Minderjährigkeit
Hugo
Capets nach 9456 erwarb Tedbald
die Grafschaften Rennes,
Chartres, Chateaudun und setzte in Bourges seinen Bruder als
Erzbischof ein. In enger Verbindung mit dem Kloster Fleury förderte
er die Kirchenreform, die sein Nachfolger
Odo I. ganz im cluniazenssichen
Sinne ausrichtete.
Schwager, Helmut: Seite 35,59 Anm. 291,196 Anm.
744,396
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"Graf Heribert II. von Soissons"
In der Grafschaft Blois setzte Robert
einen gewissen Warnegald (+ nach 919) als Vizegrafen ein, in Chartres einen
Gauzfried (904-nach 939), in Maine einen Gauzlin (904-nach 919) und in
Tours den THEOBALDINER (Haus BLOIS) Theobald den Älteren (908-940),
dem es zusammen mit seinem Sohn Theobald I. dem Ränkevollen/Betrüger
(940-977) gelang, die Grafschaften Blois, Chartres und Chateaudun
zu erwerben und so neben den FULKONEN den bedeutendsten Territorialkomplex
an der Loire aufzubauen.
[In der Urkunde Herzog Hugos
vom
Mai 939 aus Fontaines nennt sich Theobald der Ältere selbst
"Turonorum vicecomes"; doch kommt es bei Lauer, Louis, 6 mit Anm. 3, Wollasch,
Berry, 43 mit Anm. 124, Arbois de Jubainville, Champagne 1, 130-136, Lepignois,
Chartres 1, 432-436 sowie Lot, Tibaud, 169/73 und anderen meines Erachtens
nach eindeutig zu einer Vermengung der Personen Vizegraf Theobalds des
Älteren (+ 940) mit seinem Sohn Graf Theobald I. dem Ränkevollen/Betrüger
(940-977)!]
[Eine Hochzeit Liutgards zu
938/40 vermelden ebenso Carro, Meaux, 67, Bourquelot, Provins, 80 und Pfeifert-Henriot,
Champenois, 64, allerdings fälschlich mit Graf Theobald I. dem
Ränkevollen von Chartres (+ 977)! Diese 2. Ehe Liutgards
mit dem THEOBALDINER fand erst im Jahre 945 (also nach der Ermordung
Wilhelms I. Ende 942) statt!]
Der posthume Schwiegersohn Graf
Heriberts II., der im Jahre 945 nach der Ermordung Wilhelms
I. die Witwe Liutgard (+ 970/85) heiratete,
nämlich der THEOBALDINER Graf Theobald I. der Betrüger/Ränkevolle
von Chartres-Tours (+ 977), tat sich ebenfalls als fähiger Verwalter
hervor, indem er im Westen absetzbare Unterbeamte/"vicari" oder "praepositi",
im Osten gräfliche Kastellane einsetzte.
Werner Karl Ferdinand: Seite 497,515-517
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"Die Ursprünge Frankreichs bis zum Jahr 1000"
Die Normannen schickten ihn aber zu Hugo
dem Großen zurück, der ihn seinem Vasallen Tedbald
Graf von Blois und Vizegraf von Tours übergab. Für Ludwigs
Heimkehr zur Königin forderte Hugo
von Gerberga die Auslieferung der Stadt
Laon.
Die ehemaligen Vizegrafen, deren Aufstieg zur Grafenwürde
bereits erörtert wurde, haben die für sie günstige Gelegenheit
reichlich ausgenützt. Sie schufen sich eine selbstämndigere,
quasi fürstliche Stellung, wobei sie ihre Gebiete auf Kosten des Herzogs
und der Kirche erweiterten. So brachte Tedbald I. von Blois vor
960 die Grafschaft und die Stadt Chartres in seine Gewalt. Auf einen
Schlag beendete er die politischen Machtansprüche des Bischofs und
die direkten Herrschaftsrecht der ROBERTINER
über die Grafschaft. In der Folge begegnet man den Vizegrafen von
Chartres, im Jahre 937 noch Vasall des Herzogs, in Lehnsabhängigkeit
vom Hause BLOIS. Den gleichen Erfolg hatte Tedbald offenbar
in der benachbarten Grafschaft Chateaudun, wo der Vizegraf im Jahr
960 ein Vasall des Hauses BLOIS und mit dem Geschlecht der Herren
von Chinon verwandt war. Auch diese Familie war aus der robertinischen
Lehnsabhängigkeit in die des Hauses BLOIS
übergegangen.
Der schwere Rückschlag für die Macht der ROBERTINER
war nicht mehr als eine Episode in der spektakulären Laufbahn dieses
Tedbald, dem spätere legenhafte Quellen den Beinamen Tricator
("der Täuscher") gegeben haben: Um Chartres in seine Gewalt
zu bekommen, habe er den Normannen Harding hintergangen. Diese für
die politischen und verfassungsmäßigen Veränderungen exemplarische
Karriere hatte auch beträchtliche Auswirkungen auf die politische
Landkarte des mittelalterlichen Frankreich. Das mächtige Fürstentum
von Blois und Champagne-Brie, das im 12. Jahrhundert für die KAPETINGER
so bedrohlich war, geht letztlich auf Tedbald zurück. Der Vater
dieses Helden, Tedbald der Ältere, war von vornehmer fränkisch-burgundischer
Abstammung und verwandt mit dem marchio Hugo
von Arles, seit 926 König von Italien. Zu Beginn der 10.
Jahrhunderts erschien er an der unteren Loire und wurde sofort zum Vizegrafen
von Tours ernannt (vor 908), wenig später dann zum Vizegrafen von
Blois. Tedbald I., der ihn um 940 nachfolgte, war Graf von Blois.
Er kämpfte für Hugo den Großen
in Francien, wo seine Familie über ausgedehnten Besitz verfügte.
Er war dort, wie schon erwähnt, der Kerkermeister Ludwigs
IV. und der Verteidiger von Laon gegen die Truppen des Königs
und der OTTONEN. Zu dieser Zeit hatte
er schon den ersten Schritt zur politischen Selbständigkeit getan:
Die Söhne Heriberts II. gaben
ihr Einverständnis zu seiner Eheschließung mit ihrer Schwester
Lietgard,
der Witwe Wilhelms von der Normandie. So konnte er sich im Jahre 946 einen
Anteil an der Erbschaft Heriberts sichern,
durch den er ein direkter Vasall des KAROLINGER-Königs
wurde. Zugleich ist zu beobachten, daß Tedbald eine Heiratspolitik
betrieb, die der herausragenden Stellung seines Hauses entsprach; er verheiratete
seine Schwester mit Alan II. Barbetorte, dem Herzog der Bretagne. Dieser
unterstellte kurz vor seinem Tod sein Land und seinen sehr jungen Sohn
Drogo denm Schutz und der Obhut Tedbalds. Seine Schwester vermählte
Tedbald
in zweiter Ehe mit seinem Verbündeten, Graf Fulko II. dem Guten von
Anjou. Zugleich übertrug er ihm die Aufsicht über seinen Neffen
Drogo und die Kontrolle über die südliche Bretagne mit der beherrschenden
Grafschaft Nantes. Für sich behielt er den Norden der Bretagne, dessen
wichtigste Grafschaft Rennes war. Für dieses Übereinkommen
hatte Tedbald eine beträchtliche Geldsumme erhalten. Er wandte
sie für den Bau sehr fester steinerner Türme, die zu den ersten
großen "Donjons" (Wohntürme, lat.
dominatio) gehören:
Er errichtete sie in Blois, Saumur und Chinon, außerdem in Chartres
und Chateaudun, nachdem er diese beiden Städte übernommen hatte.
Während des "Interregnums" der ROBERTINER
trafen sich die beiden verbündeten Grafen Tedbald und Fulco
im Jahre 958 in Verron, an der Grenze ihrer beiden Gebiete, mit Großen
und Bischöfen der Bretagne. Sie gaben sich die Titel "Grafen von
Gottes Gnaden" und "durch das Geschenk Gottes Herrscher und Verwalter
dieses Reiches". Noch im September 960 trafen sich die Grafen Tedbald
von Blois, Gauzfrid I. Graumantel von Anjou, soeben Nachfolger Fulcos
geworden, und Hugo von Le Mans in Rivarennes bei Tours, um Probleme des
Landes zu beraten.
Hugo Capet, der im
selben Jahr durch königliche Verleihung endlich die Titel und Rechte
seines Vaters zurückerhielt, konnte nie vollständig wiedergewinnen,
was er damals in Neustrien verloren hatte. Er stand neuen "Fürsten"
gegenüber, die eigene Vasallengrafen hatten: das Haus BLOIS
in Rennes, das Haus ANJOU in Nantes.
Zugleich waren diese Männer selber Kronvasallen und Vasallen anderer
Fürsten., so Gauzfrid von Anjou, wegen seines Lehen Loudon ein einflußreicher
Gefolgsmann am Hof des Herzogs von Aquitanien.
Wie bedeutend die politischen Veränderungen waren,
machen auch die Urkunden sehr deutlich, die sich die Kirchen von weltlichen
Großen ausstellen ließen. Für die Zeit vor 956 sind neunzehn
Urkunden der ROBERTINER überliefert
gegenüber fünfzehn von allen Grafen und Vizegrafen zusammen;
nach 956 lautet das Verhältnis sieben zu dreiundvierzig. Aber auch
der Wortlaut der Urkunden ändert sich. Die neuen Fürsten verwendeten
den Stil der Königskanzlei und den pluralis maiestatis,
denn ihre Urkunden galten als Privilegien anstelle königlicher Verleihungen.
Auch ihr Handzeichen in Kreuzesform wurde statt der Unterzeichnung durch
den robertinischen Herzog bei der Bestätigung
von Rechten und Besitzungen anerkannt. Entsprechend den Wünschen der
neuen Fürsten und nicht mehr nach denen des Königs oder des Herzogs
wurden jetzt Bischöfe und Äbte ernannt oder vielmehr "gewählt".
Der Graf von Anjou leitete die Wahlen in Angers, während der Graf
von Blois und Tours seinen Druck auf das Erzbistum von Tours ausübte.
Nachdem er seinen Einfluß auch auf dass nördliche Berry ausgedehnt
hatte, brachte er zweimal einen Bruder auf den Bischofsstuhl von Bourges:
Richard den Halbbruder Tedbalds, und Hugo, den Bruder des
Grafen Odo I. Den ROBERTINERN blieb
nur die Oberherrschaft über diese Gebiete, die ihnen entglitten waren.
943/45
oo 2. Luitgard von Vermandois, Tochter des Grafen
Heribert II.
915/20-27.5.978
940
1. oo Wilhelm I. Herzog von
der Normandie
-17.12.942
Kinder:
Theobald
945- 962
in einer
Fehde
Hugo Erzbischof von Bourges (969-985)
945/50-2.1.985
Emma
950-27.12.1003
968
oo Wilhelm IV. Graf von Poitou
- 995/96
Odo I.
950-12.3.996
Hildegard
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oo Burchard I. Graf von Montmorency
- um 978
Stammeltern des Hauses MONTMORENCY
Literatur:
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Brandenburg Erich: Die Nachkommen Karls des Großen
Verlag Degener & Co Neustadt an der Aisch 1998 Tafel 2 Seite 4 - Ehlers
Joachim: Die Kapetinger. W. Kohlhammer GmbH Stuttgart Berlin Köln
2000 Seite 25,48 - Pognon Edmond: Hugo Capet König von Frankreich.
Dr. Riedeler Verlag Stuttgart 1966 Seite 90,131,163 - Riche Pierre:
Die Karolinger. Eine Familie formt Europa. Deutscher Taschenbuch Verlag
GmbH & Co. KG, München 1991 Seite 308 - Schieffer Rudolf:
Die Karolinger. W. Kohlhammer GmbH Stuttgart Berlin Köln 1992 Seite
209,214 - Schwager, Helmut: Graf Heribert II. von Soissons. Verlag
Michael Lassleben Kallmünz/Opf.1994 Seite 35,59 Anm. 291,196 Anm.
744,268,357 Anm. 1271,381 Anm. 1323,396 - Werner Karl Ferdinand:
Die Nachkommen Karls des Großen bis um das Jahr 1000 (1.-8. Generation)
Band IV in: Braunfels Wolfgang: Karl der Große Lebenswerk und Nachleben.
Verlag L. Schwann Düsseldorf Seite 462 - Werner Karl Ferdinand:
Die Ursprünge Frankreichs bis zum Jahr 1000. Deutscher Taschenbuch
Verlag GmbH & Co. KG, München 1995 Seite 497,515-517 -