Theobald I. der Betrüger                            Graf von Blois und Chartres
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    -16.1.975
 

Sohn des Vizegrafen Theobald von Tours und der Richilde von Bourges, Tochter von Graf Hugo; mütterlicherseits Urenkel von Kaiser KARLS II. DES KAHLEN
 

Lexikon des Mittelalters: Band VIII Spalte 518
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Tedbald I. Tricator (‚Thibaud le Tricheur‘), Graf von Blois, Tours, Chartres und Chateaudun
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     + 975/77

Verwandter Hugos von Arles; Sohn von Tedbald dem Älteren, Vizegraf von Tours und Blois, und Richilde, Enkelin Kaiser KARLS DES KAHLEN

oo um 944/46 Ledgarde, Tochter des Grafen Heribert II. von Vermandois

Kinder:
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Odo
Hugo
Emma

Folgte um 940 seinem Vater. Unterstützte zunächst seinen Lehensherren Hugo den Großen gegen den westfränkischen König Ludwig IV. und wurde deswegen auf der Synode von Laon (948) exkommuniziert. Seine geschickte Heiratspolitik verschaffte ihm einen Anteil am Erbe Heriberts II. von Vermandois sowie die Kontrolle über die nördliche Bretagne mit der Grafschaft Rennes. Das Machtvakuum nach dem Tode Hugos des Großen (956) nutzte er durch den Erwerb der Grafschaften Chartres und Chateaudun zum Aufbau einer selbständigen Herrschaft, die sich auch in seiner Titulatur "nutu Dei comes" niederschlug. Als er 962 eine Niederlage gegen Graf Richard I. von Rouen, einen Schwager Hugo Capets, erlitt, wandte er sich von den ROBERTINERN ab und näherte sich dem westfränkischen König Lothar an. Tedbald I. gilt als Begründer der Machtstellung des Hauses BLOIS-CHAMPAGNE.



Brandenburg Erich: Tafel 2 Seite 4
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VII. 7. LIUTGARD
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           * ca. 920, + nach 978 9.II..

Gemahl: b) vor 945 Theobald I., Graf von Blois
                                          + 975 16. I.



Werner Karl Ferdinand: Seite 462
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"Die Nachkommen Karls des Großen bis um das Jahr 1000 (1.-8. Generation) "

VII. Generation
7
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Ledgards Tod gibt Brandenburg richtig mit "nach 978 II 9", dem Datum der letzten urkundlichen Erwähnung, an. Im schon zitierten Reimser Nekrolog, in der Vatican-Handschrift Ottob. lat. 2960, fol. 67 verso, fand ich zu 6. Kal. Jun., also V 27, den Eintrag Legardis comitissa, womit auch der genaue Todestag bekannt ist. - Ledgards erste Ehe mit Herzog Wilhelm von der Normandie, irrig von Arbois angezweifelt (vgl. Lot, Hugues Capet 398 Anm. 1), blieb kinderlos und dürfte wohl nicht lange vor Wilhelms Ermordung durch die Leute des Grafen von Flandern (942 XII 17), also c 940 geschlossen worden sein. Die Zeitangabe durch Dudo von St-Quentin, der die Ehe im Zusammenhang mit Ereignissen von c 935 erwähnt, dürfte angesichts der geringen chronologischen Genauigkeit des spät schreibenden Autors kaum ins Gewicht fallen (Brandenburg datierte "935").



Theobald I. der Betrüger war Graf von Blois, Vizegraf von Tours, Lehnsherr von Rennes-Bretagne, 960 Graf von Chartres, von Chateaudun, Seigneur von Chinon, Saumur und Beaugency. Er war eine wichtige Stütze des herzoglichen Vetters Hugo des Großen von Franzien und hielt 945/46 König Ludwig IV. in Haft, den Hugo gefangengenommen hatte. Er geriet in schroffen Gegensatz zu Anjou und der Normandie wegen gleicher Interessen in der Bretgne, lag auch mit der Normandie wegen Maine in Streit und begründete verschlagen-geschickt (daher der Beiname) die Großmachtstellung des Hauses.

Ehlers Joachim: Seite 25,48
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"Die Kapetinger"

Unmittelbare Folge von Hugos Tod (16. oder 17. Juni 956) war die Annäherung einiger großer robertinischer Vasallen wie Tedbald von Blois und Fulko II. von Anjou an König Lothar, um für sich selbst größere Freizügigkeit zu gewinnen.
In der Grafschaft Blois (Dep. Loir-et-Cher) hatte Robert seinen Vasallen Tedbald als Vizegrafen eingesetzt, der 935 die Loire-Normannen im Berry schlagen konnte und sich damit großes Ansehen südlich der Loire erwarb. Ihm gelang es, nach dem Tode Wilhelms I. "Langschwert" von der Normandie (+ 942 dessen Witwe Liutgard zu heiraten, eine Tochter des Grafen Heribert II. von Vermandois. Die Folge war ein enges Bündnis mit seinen Schwägern, deren Herrschaftszentrum im Norden um Meaux, Soissons und Troyes lag. Während der Minderjährigkeit Hugo Capets nach 9456 erwarb Tedbald die Grafschaften Rennes, Chartres, Chateaudun und setzte in Bourges seinen Bruder als Erzbischof ein. In enger Verbindung mit dem Kloster Fleury förderte er die Kirchenreform, die sein Nachfolger Odo I. ganz im cluniazenssichen Sinne ausrichtete.

Schwager, Helmut: Seite 35,59 Anm. 291,196 Anm. 744,396
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"Graf Heribert II. von Soissons"

In der Grafschaft Blois setzte Robert einen gewissen Warnegald (+ nach 919) als Vizegrafen ein, in Chartres einen Gauzfried (904-nach 939), in Maine einen Gauzlin (904-nach 919) und in Tours den THEOBALDINER (Haus BLOIS) Theobald den Älteren (908-940), dem es zusammen mit seinem Sohn Theobald I. dem Ränkevollen/Betrüger (940-977) gelang, die Grafschaften Blois, Chartres und Chateaudun zu erwerben und so neben den FULKONEN den bedeutendsten Territorialkomplex an der Loire aufzubauen.
[In der Urkunde Herzog Hugos vom Mai 939 aus Fontaines nennt sich Theobald der Ältere selbst "Turonorum vicecomes"; doch kommt es bei Lauer, Louis, 6 mit Anm. 3, Wollasch, Berry, 43 mit Anm. 124, Arbois de Jubainville, Champagne 1, 130-136, Lepignois, Chartres 1, 432-436 sowie Lot, Tibaud, 169/73 und anderen meines Erachtens nach eindeutig zu einer Vermengung der Personen Vizegraf Theobalds des Älteren (+ 940) mit seinem Sohn Graf Theobald I. dem Ränkevollen/Betrüger (940-977)!]
[Eine Hochzeit Liutgards zu 938/40 vermelden ebenso Carro, Meaux, 67, Bourquelot, Provins, 80 und Pfeifert-Henriot, Champenois, 64, allerdings fälschlich mit Graf Theobald I. dem Ränkevollen von Chartres (+ 977)! Diese 2. Ehe Liutgards mit dem THEOBALDINER fand erst im Jahre 945 (also nach der Ermordung Wilhelms I. Ende 942) statt!]
Der posthume Schwiegersohn Graf Heriberts II., der im Jahre 945 nach der Ermordung Wilhelms I. die Witwe Liutgard (+ 970/85) heiratete, nämlich der THEOBALDINER Graf Theobald I. der Betrüger/Ränkevolle von Chartres-Tours (+ 977), tat sich ebenfalls als fähiger Verwalter hervor, indem er im Westen absetzbare Unterbeamte/"vicari" oder "praepositi", im Osten gräfliche Kastellane einsetzte.

Werner Karl Ferdinand: Seite 497,515-517
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"Die Ursprünge Frankreichs bis zum Jahr 1000"

Die Normannen schickten ihn aber zu Hugo dem Großen zurück, der ihn seinem Vasallen Tedbald Graf von Blois und Vizegraf von Tours übergab. Für Ludwigs Heimkehr zur Königin forderte Hugo von Gerberga die Auslieferung der Stadt Laon.
Die ehemaligen Vizegrafen, deren Aufstieg zur Grafenwürde bereits erörtert wurde, haben die für sie günstige Gelegenheit reichlich ausgenützt. Sie schufen sich eine selbstämndigere, quasi fürstliche Stellung, wobei sie ihre Gebiete auf Kosten des Herzogs und der Kirche erweiterten. So brachte Tedbald I. von Blois vor 960 die Grafschaft und die Stadt Chartres in seine Gewalt. Auf einen Schlag beendete er die politischen Machtansprüche des Bischofs und die direkten Herrschaftsrecht der ROBERTINER über die Grafschaft. In der Folge begegnet man den Vizegrafen von Chartres, im Jahre 937 noch Vasall des Herzogs, in Lehnsabhängigkeit vom Hause BLOIS. Den gleichen Erfolg hatte Tedbald offenbar in der benachbarten Grafschaft Chateaudun, wo der Vizegraf im Jahr 960 ein Vasall des Hauses BLOIS und mit dem Geschlecht der Herren von Chinon verwandt war. Auch diese Familie war aus der robertinischen Lehnsabhängigkeit in die des Hauses BLOIS übergegangen. Der schwere Rückschlag für die Macht der ROBERTINER war nicht mehr als eine Episode in der spektakulären Laufbahn dieses Tedbald, dem spätere legenhafte Quellen den Beinamen Tricator ("der Täuscher") gegeben haben: Um Chartres in seine Gewalt zu bekommen, habe er den Normannen Harding hintergangen. Diese für die politischen und verfassungsmäßigen Veränderungen exemplarische Karriere hatte auch beträchtliche Auswirkungen auf die politische Landkarte des mittelalterlichen Frankreich. Das mächtige Fürstentum von Blois und Champagne-Brie, das im 12. Jahrhundert für die KAPETINGER so bedrohlich war, geht letztlich auf Tedbald zurück. Der Vater dieses Helden, Tedbald der Ältere, war von vornehmer fränkisch-burgundischer Abstammung und verwandt mit dem marchio Hugo von Arles, seit 926 König von Italien. Zu Beginn der 10. Jahrhunderts erschien er an der unteren Loire und wurde sofort zum Vizegrafen von Tours ernannt (vor 908), wenig später dann zum Vizegrafen von Blois. Tedbald I., der ihn um 940 nachfolgte, war Graf von Blois. Er kämpfte für Hugo den Großen in Francien, wo seine Familie über ausgedehnten Besitz verfügte. Er war dort, wie schon erwähnt, der Kerkermeister Ludwigs IV. und der Verteidiger von Laon gegen die Truppen des Königs und der OTTONEN. Zu dieser Zeit hatte er schon den ersten Schritt zur politischen Selbständigkeit getan: Die Söhne Heriberts II. gaben ihr Einverständnis zu seiner Eheschließung mit ihrer Schwester Lietgard, der Witwe Wilhelms von der Normandie. So konnte er sich im Jahre 946 einen Anteil an der Erbschaft Heriberts sichern, durch den er ein direkter Vasall des KAROLINGER-Königs wurde. Zugleich ist zu beobachten, daß Tedbald eine Heiratspolitik betrieb, die der herausragenden Stellung seines Hauses entsprach; er verheiratete seine Schwester mit Alan II. Barbetorte, dem Herzog der Bretagne. Dieser unterstellte kurz vor seinem Tod sein Land und seinen sehr jungen Sohn Drogo denm Schutz und der Obhut Tedbalds. Seine Schwester vermählte Tedbald in zweiter Ehe mit seinem Verbündeten, Graf Fulko II. dem Guten von Anjou. Zugleich übertrug er ihm die Aufsicht über seinen Neffen Drogo und die Kontrolle über die südliche Bretagne mit der beherrschenden Grafschaft Nantes. Für sich behielt er den Norden der Bretagne, dessen wichtigste Grafschaft Rennes war. Für dieses Übereinkommen hatte Tedbald eine beträchtliche Geldsumme erhalten. Er wandte sie für den Bau sehr fester steinerner Türme, die zu den ersten großen "Donjons" (Wohntürme, lat. dominatio) gehören: Er errichtete sie in Blois, Saumur und Chinon, außerdem in Chartres und Chateaudun, nachdem er diese beiden Städte übernommen hatte.
Während des "Interregnums" der ROBERTINER trafen sich die beiden verbündeten Grafen Tedbald und Fulco im Jahre 958 in Verron, an der Grenze ihrer beiden Gebiete, mit Großen und Bischöfen der Bretagne. Sie gaben sich die Titel "Grafen von Gottes Gnaden" und "durch das Geschenk Gottes Herrscher und Verwalter dieses Reiches". Noch im September 960 trafen sich die Grafen Tedbald von Blois, Gauzfrid I. Graumantel von Anjou, soeben Nachfolger Fulcos geworden, und Hugo von Le Mans in Rivarennes bei Tours, um Probleme des Landes zu beraten.
Hugo Capet, der im selben Jahr durch königliche Verleihung endlich die Titel und Rechte seines Vaters zurückerhielt, konnte nie vollständig wiedergewinnen, was er damals in Neustrien verloren hatte. Er stand neuen "Fürsten" gegenüber, die eigene Vasallengrafen hatten: das Haus BLOIS in Rennes, das Haus ANJOU in Nantes. Zugleich waren diese Männer selber Kronvasallen und Vasallen anderer Fürsten., so Gauzfrid von Anjou, wegen seines Lehen Loudon ein einflußreicher Gefolgsmann am Hof des Herzogs von Aquitanien.
Wie bedeutend die politischen Veränderungen waren, machen auch die Urkunden sehr deutlich, die sich die Kirchen von weltlichen Großen ausstellen ließen. Für die Zeit vor 956 sind neunzehn Urkunden der ROBERTINER überliefert gegenüber fünfzehn von allen Grafen und Vizegrafen zusammen; nach 956 lautet das Verhältnis sieben zu dreiundvierzig. Aber auch der Wortlaut der Urkunden ändert sich. Die neuen Fürsten verwendeten den Stil der Königskanzlei und den pluralis maiestatis, denn ihre Urkunden galten als Privilegien anstelle königlicher Verleihungen. Auch ihr Handzeichen in Kreuzesform wurde statt der Unterzeichnung durch den robertinischen Herzog bei der Bestätigung von Rechten und Besitzungen anerkannt. Entsprechend den Wünschen der neuen Fürsten und nicht mehr nach denen des Königs oder des Herzogs wurden jetzt Bischöfe und Äbte ernannt oder vielmehr "gewählt". Der Graf von Anjou leitete die Wahlen in Angers, während der Graf von Blois und Tours seinen Druck auf das Erzbistum von Tours ausübte. Nachdem er seinen Einfluß auch auf dass nördliche Berry ausgedehnt hatte, brachte er zweimal einen Bruder auf den Bischofsstuhl von Bourges: Richard den Halbbruder Tedbalds, und Hugo, den Bruder des Grafen Odo I. Den ROBERTINERN blieb nur die Oberherrschaft über diese Gebiete, die ihnen entglitten waren.
 
 
 
 

 943/45
  oo 2. Luitgard von Vermandois, Tochter des Grafen Heribert II.
          915/20-27.5.978

        940
     1. oo Wilhelm I. Herzog von der Normandie
                    -17.12.942
 
 
 
 

Kinder:

  Theobald
  945-   962
         in einer Fehde

  Hugo Erzbischof von Bourges (969-985)
  945/50-2.1.985

  Emma
  950-27.12.1003

 968
  oo Wilhelm IV. Graf von Poitou
             -   995/96

  Odo I.
  950-12.3.996

  Hildegard
       -

  oo Burchard I. Graf von Montmorency
             - um 978

  Stammeltern des Hauses MONTMORENCY
 
 
 
 

Literatur:
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Brandenburg Erich: Die Nachkommen Karls des Großen Verlag Degener & Co Neustadt an der Aisch 1998 Tafel 2 Seite 4 - Ehlers Joachim: Die Kapetinger. W. Kohlhammer GmbH Stuttgart Berlin Köln 2000 Seite 25,48 - Pognon Edmond: Hugo Capet König von Frankreich. Dr. Riedeler Verlag Stuttgart 1966 Seite 90,131,163 - Riche Pierre: Die Karolinger. Eine Familie formt Europa. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG, München 1991 Seite 308 - Schieffer Rudolf: Die Karolinger. W. Kohlhammer GmbH Stuttgart Berlin Köln 1992 Seite 209,214 - Schwager, Helmut: Graf Heribert II. von Soissons. Verlag Michael Lassleben Kallmünz/Opf.1994 Seite 35,59 Anm. 291,196 Anm. 744,268,357 Anm. 1271,381 Anm. 1323,396 - Werner Karl Ferdinand: Die Nachkommen Karls des Großen bis um das Jahr 1000 (1.-8. Generation) Band IV in: Braunfels Wolfgang: Karl der Große Lebenswerk und Nachleben. Verlag L. Schwann Düsseldorf Seite 462 - Werner Karl Ferdinand: Die Ursprünge Frankreichs bis zum Jahr 1000. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG, München 1995 Seite 497,515-517 -