Durfte sich als Abkömmling des Hauses SULLY
'Vetter' der Grafen von Champagne, der Könige von Frankreich und England
nennen; sein älterer Bruder Henri de Sully war Zisterzienser
und Erzbischof von Bourges (1183-1199). Odo de Sully leitete vorbildlich
seine Diözese, konnte aber während seiner kurzen Amtszeit bei
König Philippp II. Augustus und
dem Episkopat nicht die hohe Autorität seines großen Vorgängers
erreichen. Unter Odo de Sully predigte Fulco von Neuilly, Schüler
von Petrus Cantor, für eine Hebung der Moral und für den 4. Kreuzzug.
1198 und 1199 bemühte sich Odo de Sully gemeinsam mit dem päpstlichen
Legaten Petrus von Capua um Abschaffung des großen Narrenfestes von
Notre-Dame, das wegen seiner Tumulte und unsittlichen Ausschweifungen Anstoß
erregte. Der Bischof gab dagegen dem Fest der Beschneidung Christi (1.
Januar) eine würdige Gestalt. 1207 führte er im Bistum Paris
das Fest des von Papst Alexander III. am 18. Januar 1174 kanonisierten
heiligen Bernhard von Claircvaux ein.
Um 1208 promulgierte Odo de Sully die erühmten
Synodalstatuten, die das IV. Laterankonzil (1215) und die Diözesangesetzgebung
im westlichen Europa nachhaltig beeinflussen sollten. Sie enthalten insbesonders
Vorschriften über die Abhaltung der Synoden, die Verwaltung der Sakramente,
das Leben der Geistlichen und die administrative und seelsorgerische Tätigkeit
in den Pfarreien.