Schwennicke, Detlef: Europäische Stammtafeln.
Stammtafeln zur Geschichte der Europäischen Staaten. Neue Folge Band
III Teilband 1, Herzogs- und Grafenhäuser des Heiligen Römischen
Reiches und andere europäische Fürstenhäuser, Verlag von
J.A. Stargardt Marburg 1984 Tafel 110-111 -
Lexikon des Mittelalters: Band VIII Spalte 299
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SULLY
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Französische Adelsfamilie, Herren (Seigneurs) von
Sully-sur-Loire (an der Loire oberhalb von Orleans, das als ‚vicus Soliacus‘
bereits auf merowingischen Münzen erscheint und ein wichtiger Brückenort
war. Die „Miracula sancti Benedicti“ des Aimoin von Fleury (um 1005) nennen
den ersten bekannten Herrn des 'castrum', Harcenaud (10. Jh.), sowie
seinen Sohn Herbert, Vasall des Bischofs von Orleans. Die Domänen
der Herren von Sully erstreckten sich bis ins Berry: Gilon (um 1050)
besaß die (nach ihm benannten) Besitzungen 'La Chapelle' und
'Aix d'Angillon', die von den Herren von Sancerre zu Lehen gingen. Nach
1092 nannte sich Guillaume, Sohn des Grafen von Champagne (Blois),
nach den Lehen seiner Gemahlin,
Agnes de Sully und erhöhte
den sozialen Rang des Geschlechts, das nachfolgend in Heiratsverbindungen
mit den Häusern COURTENAY (Archambaud III., + 1234; Henri II.,
+ 1268) und BOURBON (Henri II., + 1248; Jean II., + 1347)
eintrat. Die jüngeren Söhne bekleideten hohe geistliche Würden:
Raoul (+ 1176) war 12. Abt von Cluny; mehrere
SULLY saßen auf dem Stuhl der Erzbischöfe von Bourges:
Henri (+ 1199, Kardinal),
Simon (+ 1233, Kardinal),
Jean (+ 1273), Guy (+1280);
Eudes (+ 1208) war Bischof von Paris..
Seit dem 13. Jh. faßte der ältere Familienzweig
Fuß im Bourbonnais (Seigneurien Orval und Montrond) und übte
Hofämter aus (Henri III., + 1344, war Bouteiller de
France); die jüngeren Zweige verankerten sich im Haut-Berry (Beaujeu,
Sancergues, Chateauneuf-sur-Cher) und Bas-Berry (Vouillon, Bussiere d'Aillac).
Die zahlreichen Lehen der älteren Linie wurden geteilt
unter die Nachkommen aus den beiden Heiraten der Marie de Sully,
die in 1. Ehe mit Guy VI. de La Tremouille (+ 1398) vermählt
war (Sully), in 2. Ehe mit dem Connetable Charles d'Albret, gefallen
1415 bei Azincourt (La Chapelle, Orval, Montrond). Das erhaltene Schloß,
das am Platz des älteren 'castrum' in hochwassersicherer Insellage
entstand und einen hohen Saalbau mit vier flankierenden Ecktürmen
umfaßt, geht wohl zurück auf Guy VI. und seinen Sohn
Georges de la Tremoille. Die Reste des Donjons (#grosse tour'),
den König Philipp II. Augustus 1217
im unteren Burghof errichten ließ, wurden kürzlich freigelegt.