Roucy
 

Lexikon des Mittelalters: Band VII Spalte 1058
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Roucy
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Grafschaft in N-Frankreich (dep. Aisne, cant. Laon)

Zunächst Teil eines Fiscus, der von Pippin II. zugunsten der Kirche von Reims aufgegliedert wurde. Die Domäne wurde von KARL DEM KAHLEN, der hier 851 ein Placitum generale (Reichsversammlung) abhielt, wieder in Königsbesitz zurückgeführt. Ludwig IV. Transmarinus ließ seinen Waffengefährten Rainald, einen aus dem Anjou stammenden Grafen, hier eine Burg errichten (948). Von Rainald und seiner Gemahlin Alberada, einer Tochter aus der 1. Ehe der LIUDOLFINGERIN Gerberga mit Giselbert von Lotharingien, stammte das erste Grafenhaus von Roucy ab; ihm gehörten in der ersten Generation folgende Geschwister an:
Giselbert von Roucy
Ermentrude, Gemahlin des Grafen Alberich von Macon, dann des Grafen Ott-Wilhelm von Burgund
Bruno, Bischof von Langres
in der folgenden Generation ist zu nennen Ebulus, Sohn von Giselbert und 1022-1023 Erzbischof von Reims, mit dem das Haus im Mannesstamm erlosch.
Ebulus hatte, bevor er in den Klerus eintrat, Beatrix von Hennegau, Enkelin von Hugo Capet, geheiratet, die ihm zwei Töchter gebar. Die ältere, Adela, vermählte sich mit Graf Hilduin III. von Ramerupt, der 1060 in Roucy ein der Abtei Marmoutier unterstehendes Priotrat gründete. Hilduin III. war Ahnherr eines Hauses, dessen namhaftestes Mitglied sein Sohn Ebulus II. war; er nahm 1073 in Spanien an der Reconquista teil und heiratet in Italien eine Tochter von Robert Guiscard, Sibylle. Eine Schwester von Ebulus II., Felicia, wurde als 2. Gattin von Sancho I. Ramirez 1070 Königin von Aragon. Das zweite Grafenhaus von Roucy erlosch im Mannesstamm mit dem Tode Johanns I. (1200.
Von Eustachia, der Schwester Johanns I., und ihrem Gemahl Robert von Pierrepont-Montaigu stammte das dritte Grafenhaus ab, das durch Heirat Johanns IV. die Grafschaft Braine erwarb. Johann V. fiel 1346 bei Crecy, Johann VI., der letzte Graf, 1415 bei Azincourt.
Am Beginn des vierten Grafenhauses standen Johanna (Jeanne), die Tochter von Johann VI., und ihr Gemahl Robert I. von Saarbrücken, Herr (Damoiseau) von Commercy. Diese Familie erlosch 1525 im Mannesstamm mit Amey I., dessen drei Schwestern das Erbe zersatückelten.