Lexikon des Mittelalters: Band VII Spalte 283
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Provins
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Stadt in der Champagne
Die erste Erwähnung des 'pagus Pruviniensis' datiert
von 802. Ein Denar KARLS DES KAHLEN trägt
die Inschrift 'Castris Pruvinis'. Von Heribert
II. von Vermandois vor 942 erworben, kam das Provinois durch
Heirat an die Grafen von Blois, die es als königliches Lehen innehatten.
Die weiblichen Mitglieder des Grafenhauses BLOIS-CHAMPAGNE besaßen
es im 11. und 12. Jh. oft als Wittum. Das Gebiet der Burg mit einem Umfang
von 950 m, errichtet auf einem Bergsporn, schloß die Kollegiatskirche
St-Quiriace ein, gegründet von Graf Odo II. vor 1032. Außerhalb
des Burgbezirkes lagen der Markt und das Hospital St-Jacques (um 1050).
Im 'Val' (Tal) bestand eine Kapelle, die während der Normanneneinfälle
Reliquien des hl. Ayoul aufnahm und 1048 von Graf Tedbald I. als
Priorat an die Abtei Montier-la-Celle zu Troyes gestiftet wurde. Anläßlich
der Erhebung der Ayoul-Reliquien (1085/96) wird erstmals eine Handelsmesse
in Provins genannt.
Der eigentliche Aufschwung ging zurück auf die Politik
des Grafen Heinrich I. ('Henri le Liberal'), der den Donjon neu
errichten und ab 1159 das KollegiatstiftSt-Quiriac wiederherstellen ließ,
aus der aber eine Gruppe von Kanonikern in das strengere Stift St-Jacques
abwanderte, dessen Hospitalfunktionen an ein neues Spital, das am Fuß
der Burg im Val lag, übergingen. Bald nach dem Tode ihres Gemahls
gründete die Gräfin Marie de Champagne
das Kollegiatstift Notre-Dame du Val.
Dank der umsichtigen Politik der Grafen kam es nicht
zu größeren Konflikten mit dem Bürgertum, das vielmehr
an der Machtausübung partizipierte. 1230 nahm Tedbald
IV. (Thibaud le Chansonnier'), der aus Provins gebürtig
war, die Errichtung eines mächtigen Mauerzugs (5 km) in Angriff; er
schloß das um einen neuen Markt vergrößerte Chatel und
das ganze Val mit ein. Doch konnte diese starke Befestigung erst
im Laufe von zwei Jahrhunderten vollendet werden. Ebenfalls 1230 gewährte
Graf Tedbald seinen Untertanen in Provins
und im Sprengel der neuen ländlichen Gemeidnen, die von Provins abhingen
('Vilois'), ein Statut, das dem von Troyes und Bar-sur-Aube folgte.