Lexikon des Mittelalters: Band VI Spalte 633
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Meaux
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Stadt und Bistum in der westlichen Champagne, Brie, östlich von Paris
Am Ende des 3. Jh. zogen sich die Bewohner in ein durch
den Fluß geschütztes Oppidum (9 ha) zurück. Nach der Überlieferung
wurde Meaux in der 1. Hälfte des 4. Jh. von einem Schüler des
hl. Dionysius, dem hl. Sanctinus (Saintin), chriatianisiert. Über
seinem Grabe, am linken Marneufer, wurde eine Basiliak errichtet; die erste
Bischofskirche wurde dagegen 'intra muros' erbaut. Im 7. Jh. stand das
Bistum unter dem Einfluß Columbans; der hl.Faro, Bruder des hl. Fara,
gründete als Bischof im Norden der Stadt ein Heilig-Kreuz-Kloster,
das später sein Patrozinium erhielt.
Die Normannen griffen Meaux zweimal an (862,888). Im
10. Jh. gewann Heribert II., Graf
von Vermandois, die Grafschaft Meaux infolge Heirat mit einer
Tochter des westfränkischen Königs Robert
I. Heribert übertrug Meaux seinem Sohn Robert,
der auch Graf von Troyes wurde. Damit konstituierte sich ein Grafschaftskomplex,
der den Kern des entstehenden Fürstentums Champagne bildete. Der Graf
besaß in Meaux die Befestigungsmauern und einen Teil des Stadtgebietes.
Er ließ in der Südwest-Ecke des alten Oppidums eine Burg errichten.
Um 1000 gelang es den Grafen zwar für kurze Zeit, ihre Hand auf den
'episcopatus' zulegen (Bischofswahl des hl. Gilbert), doch mußten
sie diese Vormachtstellung aufgeben, als die Grafschaften der Champagne
an das Hause BLOIS fielen. Meaux wurde wieder zum königlichen
Bistum, doch behielten die Grafen das weltliche Regalienrecht in Zeiten
der Sedisvakanz und das Spolienrecht, auf das sie erst 1125-1128 verzichteten.
Bei alledem haben die Champagne-Grafen (TEDBALDINER) die Partei
der Gregorianer unterstützt; Graf Tedbald I. förderte
1081 die Abhaltung eines Konzils unter dem päpstlichen Legaten Hugo
von Die.
Die Stadt Meaux hatte eine günstige strategische
Lageund vermochte im Kriegsfall Paris zu bedrohen, insbesondere wenn die
Grafen ihre Feindseligkeiten gegen die KAPETINGER
mit den anglonormannischen Kräften koordinierten. Daher versuchte
König Ludwig VI., die Stadt 1111
einzunehmen. In dieser Zeit war Meaux Wohnsitz zahlreicher Ritterfamilien,
die bedeutendsten waren die CORNILLON (aus einem Ortsüdlich von Meaux,
am Abfall der Brie-Hochebene), DU DONJON (wohl Inhaber des großen
Turms der Befestigung) und DE LA FERTE-ANCOUL (LAFERTE-SOUS-JOUARRE), denen
die Vicomte unterstand.