Begraben: Akkon, Hl. Kreuz
Ältester Sohn des Grafen
Heinrich I. der Freigebige von der Champagne und der Marie
von Frankreich, Tochter von König
Ludwig VII.; Neffe von König Richard
I. Löwenherz von England
Lexikon des Mittelalters: Band IV Spalte 2068
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Heinrich II., Graf von Champagne und Regent des Königreiches
Jerusalem
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* 29. Juli 1166, + 10. September 1197
Akkon durch Unfall (Fenstersturz)
Begraben: Akkon, Hl. Kreuz
Ältester Sohn von Heinrich I., Graf von
Champagne, dem er 1181 nachfolgte, doch bis 1187 unter der Vormundschaft
seiner Mutter Marie de France. Er verweigerte
sich der geplanten Eheverbindung mit dem Hause HENNEGAU (eine der
beiden Töchter Balduins IV.), verlobte sich 1189 mit Ermesinde,
der Tochter Heinrichs des Blinden, und forderte - gegen BARBAROSSAS
Pläne - das Namurer und Luxemburger Erbe. Heinrich
II. nahm das Kreuz und bestimmte auf einer Versammlung seiner
Barone (Sezanne, Mai 1190) seinen noch minderjährigen Bruder Tedbald
III. zum präsumptiven Nachfolger. Als Neffe der Könige von
Frankreich und England übernahm er bis zum Eintreffen Philipp
Augusts den Oberbefehl bei der Belagerung von Akkon. Am 5. Mai
1192 heiratete er in kanonisch anfechtbarer Ehe Königin
Isabella von Jerusalem, nahm aber mit Rücksicht auf Guido
von Lusignan nicht den Königstitel an. Heinrich
II., dem seiner Mutter aus der Champagne reiche Subsidien sandte,
profitierte für seine Regentschaft von dem dreijährigen Waffenstillstand,
den Richard Löwenherz mit Saladin
geschlossen hatte Er trat dem Kapitel der Grabeskirche in der Frage der
Patriarchenwahl entgegen und vertrieb die Kolonie der Pisaner aus Akkon.
In einen Streit mit Amalrich von Lusignan
geraten, verlobte Heinrich nach dessen
Beilegung seine älteste Tochter Alix mit
Amalrichs
Sohn
Hugo,
dem künftigen König von Zypern. Heinrichs
zweite
Tochter,
Philippina, ehelichte 1215
Erard von Brienne, der daraufhin Anspruch auf die Champagne erhob.
XIV. 79. HEINRICH II., Graf von Champagne 1181,
König von Jerusalem
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* 1166, + 1197 10. IX.
Gemahlin: 1192 5. V. Isabelle, Tochter Amalrichs I. von
Anjou, Königin von Jerusalem (siehe XIV 59)
+ ca. 1208
Heinrich von Champagne
wurde 1190 Oberbefehlshaber des 3. Kreuzzuges und 1192 König von
Jerusalem zu Akkon. Er war machtlos, stritt ständig mit den Vasallen
und islamischen Fürsten, schloß 1195 Frieden mit seinem Nachfolger
Amalrich
II. von Zypern und anerkannte ihn als Erben. Er starb durch
einen Sturz aus einem Burgfenster.
Heinrich nahm am 3. Kreuzzug teil, zeichnete sich vor Akkon aus und wurde 1192 nach der Ermordung Konrads von Montferrat als englisch-französischer Gemeinschafts-Kandidat von den Baronen zum König von Jerusalem gewählt. Er erlangte indes nie die wirkliche Herrschaft über das Reich und starb infolge eines Sturzes aus dem Fenster seines Palastes.
Runciman Steven: Seite 868
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"Geschichte der Kreuzzüge"
Das plötzliche Ausscheiden Heinrichs von Champagne brachte das ganze Königreich in Verwirrung. Heinrich war überaus beliebt gewesen. Wenngleich kein Mann von überragenden natürlichen Gaben, hatte er sich doch durch seinen Takt, seine beharrliche Ausdauer und sein Vertrauen auf gute Ratgeber als ein fähiger Herrscher erwiesen, der bereit war, aus Erfahrungen zu lernen. Er hatte eine nützliche Rolle gespielt, indem er den Fortbestand des Königreiches gewährleistete.
Mayer Hans Eberhard: Seite 131,135,149,163,213,218-220,222,266
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"Geschichte der Kreuzzüge"
Die vor Akkon kämpfenden Franken erhielten laufend
Zuzug, vor allem durch Heinrich von Champagne,
den Pfalzgrafen von Troyes, der als Neffe der Könige von England
und Frankreich am besten den bereits erkennbaren latenten Gegensatz im
Feldlager überbrücken konnte, der sich aus W-Europa hierhin verpflanzt
und schon vorher zu einem zwiegespaltenen Oberbefehl geführt hatte,
der jetzt Heinrich übertragen
wurde.
Wenige Tage nach der Ermordung Konrads
von Montferrat (+ 28.4.1192) heiratete Konrads
Witwe
den Grafen Heinrich von der Champagne,
der dann vom Volk von Tyrus als König akklamiert wurde, auf
Richards
Rat die Herrschaft auch annahm, wenn auch etwas widerstrebend, aber nie
den Königstitel führte, wohl weil er nie gekrönt wurde oder
weil er auf die Champagne nicht verzichten wollte. Aus der Ehe ging eine
Tochter Alice hervor, die dann illegitim
war, wenn Isabella 1190 zu Unrecht
von Humfred IV. von Toron geschieden worden war. Die Frage hielt später
wegen der Erbfolge in der Champagne ganz N-Frankreich in Atem bis schließlich
1234 Ludwig der Heilige von Frankreich
eine enorm kostspielige Regelung dieser Frage zuwege brachte.
Heinrich von der Champagne,
der aus nicht ganz klar zu erkennenden Gründen den Königstitel
nie führte, sondern sich Herr von Jerusalem nannte, war ein
Mann von diplomatischer Begabung. Er sah es (neben dem materiellen Wiederaufbau)
als seine oberste Aufgabe an, die aus der Zeit Balduins
IV. herrührenden mörderischen Spannungen in seinem
Reich zu vermindern, die so viel zum Fall Jerusalems beigetragen hatten
und als deren Exponenten die Familien MONTFERRAT
und LUSIGNAN galten. Er stützte
sich stärker auf die Genuesen und die Parteigänger des ermordeten
MONTFERRAT,
als Richard I. von England vorausgeahnt
haben mag. Heinrich
verbündete
sich zwar zunächst mit den an sich seit eh und je mit den LUSIGNANS
liierten Pisanern, vertrieb sie aber aus dem Reich, als ihre Piraterie
vor der Küste nicht aufhörte. Darüber kam es zum Bruch mit
dem Konstabler des Reichs, Amalrich von Lusignan.
Auch dieser mußte das Land verlassen und begab sich nach Zypern,
wo er 1194 seinem Bruder nachfolgte. Heinrich
hielt es jetzt für geraten, sich mit Amalrich
zu arrangieren. Bei einem Besuch in Zypern wurde eine Heirat von
Heinrichs Töchtern mit Amalrichs
Söhnen
verabredet, wofür Amalrich endlich
die Restschuld aus seines Bruders Kauf von Zypern zahlte und die Pisaner
wieder auf den Kontinent zugelassen wurden. Heinrichs
Projekt war vernünftig und hätte, wenn es durchgeführt worden
wäre, eine starke neue Dynastie begründet, doch kam schließlich
nur eine einzige Ehe zustande, und das war nicht genug, um die Ansprüche
anderer Prätendenten abzuwehren. Heinrich
versuchte auch, die königlichen Rechte gegenüber der Kirche zu
wahren. Über dem königlichen Bestätigungsrecht für
die Patriarchenwahl kam es 1194 zum Konflikt, bei dem Heinrich
aber zurückstecken mußte, nachdem er zuerst allzu scharf vorgegangen
war und die Kanoniker des Heiligen Grabes hatte einsperren lassen. Der
König starb am 10. September 1197 durch einen Sturz aus
dem Fenster, als eben die Truppen HEINRICHS
VI. als Vorboten des neuen Kreuzzuges angelangt waren.
Mohr Walter: Seite 106,108,111,116
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"Geschichte des Herzogtums Lothringen."
Im Juli 1186 wurde dem Grafen Heinrich eine Tochter,
Ermesinde, geboren. Damit trat die Frage in ein neues Stadium, denn
das ganze Trachten des Grafen ging jetzt darauf hinaus, sein Erbe seiner
Tochter zu übermachwen und ihr einen Gemahl zu finden, der ihr diese
Erbfolge sichern konnte. Diese Persönlichkeit glaubte man im Grafen
Heinrich von der Champagne zu finden, dem er im März 1187
seine Tochter verlobte. Der Entschluß war allerdings sehr problematisch,
es stand zu erwarten, daß der Kaiser eine Nachfolge des Garfen von
der Champagne in den Reichslehen nicht zulassen werde, und außerden
hatte dieser bereits der Tochter des Grafen vom Hennegau, Jolanthe,
die Ehe versprochen. Dieser wandte sich denn auch an Kaiser
FRIEDRICH, der seinerseits feierlich versicherte, nach dem Tode
des Grafen von Namur werde er die Reichslehen nur an Balduin übertragen
und auch nicht dulden, daß im Allodialbesitz jemand aus Frankreich
nachfolge. Inzwischen kam der Graf von der Champagne nach Namur und erhielt
dort bereits die Huldigung der Vasallen. Auch Balduin war in Namur erschienen,
konnte sich aber nicht durchsetzen.
Mit diese Erfolg begab sich Balduin nach Namur, wo sein
Oheim ihn jetzt in Gegenwart einer Anzahl von Vasallen als seinen einzigen
Erben anerkannte. Er übertrug ihm sogar die Verwaltung seiner Lande
und versprach, die Verbindung zur Champagne abzubrechen und seine Tochter
Ermesinde
zurückzuverlangen, die bereits an den dortigen Hof gebracht worden
war.
Der Graf von Hennegau wurde nur dadurch gerettet, daß
der Graf von der Champagne seine begonnene Aktion nicht durchführte.
König Philipp II. schlug
eine für Balduin sehr ungünstige Teilung des Namurschen Erbes
vor. Der deutsche König wies die Übertragung auch nur irgendeines
Teiles der Grafschaft Namur an den Grafen von der Champagne zurück.
Indessen hatte auf der andern Seite der Graf von der Champagne den französischen
Vorschlag bereits rundweg abgelehnt.
Im September 1189 stand demnach eine größere
militärische Aktion zu erwarten, denn der Herzog Heinrich von Brabant
sprach sich mit dem Grafen von der Champagne zu einem gemeinsamen Handeln
ab, aber wiederum gab dieser seine Aktion auf.
Die Frage von Namur hat sich in der Folge ohne größere
Verwicklung gelöst. Graf Heinrich von der
Champagne ist im Frühjahr 1191 zum Kreuzzug aufgebrochen
und in Palästina geblieben, wo er durch die Heirat mit
Isabella, der Tochter König Amalrichs
von Jerusalem, im dortigen Königreich nachfolgte.
Gillingham John: Seite 220,225
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"Richard Löwenherz. Eine Biographie."
Inzwischen mußte Konrad
von Montferrat von seinem Glück unterrichtet werden; Richard
sandte also Graf Heinrich von der Champagne
nach Tyrus, um die Nachricht zu überbringen. Graf
Heinrich war ein vornehmer Kreuzfahrer, der sich bereits seit
fast zwei Jahren im Heiligen Land aufhielt. Als der Neffe von König
Richhard und von König Philipp
befand er sich in einer günstigen Lage, die Uneinigkeit zwischen den
angevinischen
und französischen Streitkräften beizulegen. Aus diesem Grunde
hatte er vom Zeitpunkt seiner Ankunft im Sommer 1190 an bis zum Kommen
der zwei Könige im Jahre 1191 als Kommandeur der Akkon belagernden
Armee fungiert. In den letzten paar Monaten hatte er sich eindeutig Richards
Partei angeschlossen, da er es vorzog, in Askalon zu bleiben, statt sich
mit Herzog Hugo von Burgund nach Tyrus
zurückzuziehen. Als Graf Heinrich
Tyros erreichte und seine Nachricht überbrachte, fiel Konrad
auf
die Knie und dankte Gott. Richard hatte
es eilig; so wurde vereinbart, daß Konrad
innerhalb der nächsten paar Tage in Akkon gekrönt werden sollte.
Graf
Heinrich reiste ab, um Vorbereitungen für die Krönung
zu treffen. Da wurde Konrad
am 28.
April ermordet.
Konrads Tode stürzte
Akkon in Chaos. Der Herzog von Burgund versuchte, die Stadt an sich zu
reißen, doch Isabella, die behauptete
Anweisungen ihres toten Gatten auszuführen, schloß sich in der
Burg ein und sagte, sie würde die Schlüssel niemanden außer
Richard
oder
dem legal gewählten König von Jerusalem aushändigen.
Oder sollte Isabella,
die einundzwanzigjährige, zweimal verehelichte Erbin des Königreiches,
sich einem dritten Gemahl anvertrauen? Heinrich
von der Champagne wurde nun Richards
Kandidat für den Thron, und sie erkannten beide, daß so schnell
wie möglich Klarheit geschaffen werden mußte. Der beste Weg,
die politische Ungewißheit zu beenden, war, daß Heinrich
die Dame heiratete, bevor dies irgendein anderer tat - und danach sollten
die Juristen die Frage der rechtlichen Gültigkeit der Eheschließung
in Muße erörtern. Obwohl es also Anzeichen dafür gibt,
daß sowohl Richard als auch
Heinrich die Zweifel der Juristen teilten, heiratete Heinrich
am 5. Mai, eine Woche nach Konrads
Tod, die junge Witwe Isabella. Heinrich
jedoch nahm den Titel König niemals an - entweder, weil er nicht in
Jerusalem gekrönt werden konnte oder aufgrund der Bedenken über
die Gültigkeit seiner Ehe. Nach Richards
Abreise
wurde er der Herrscher des Königreichs bis 1197, als er versehentlich
rückwärts durch das offene Fenster eines hochgelegenen Zimmers
fiel und starb.
Pernoud Regine: Seite 144-147
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"Frauen zur Zeit der Kreuzzüge."
Wieder einmal stand man vor der Notwendigkeit, für
das Königreich einen Beschützer zu finden. Richard
"begab sich auf den Rat der Barone hin nach Tyrus und brachte den Grafen
Heinrich mit, um ihn mit Isabella,
der Frau des Markgrafen, zu verheiraten". Es handelte sich um den jungen
Grafen
Heinrich von der Champagne, der zwei Jahre zuvor, im Juli 1190,
in Akkon gelandet war. Er hatte alle, zum Teil schrecklichen Phasen der
Belagerung der Stadt miterlebt, besonders aber die Hungersnot während
des Winters. Kaum zwanzig Jahre war er alt, als er die Überfahrt antrat,
dem festen Vorsatz, nach Abschluß des Unternehemns in seine Heimat,
die Champagne, zurückzukehren Er war der Sohn der berühmten Maria
de Champagne, also Enkel Ludwigs VII.
und Eleonores von Aquitanien und Neffe
von Richard Löwenherz.
Der englische König mußte zunächst die
Bedenken seines Neffen ausräumen: "Der König sprach mit dem Grafen.
Er sagte ihm, die Dame, mit der er ihn verheiraten wolle, erwarte ein Kind
von dem Markgrafen, und wenn sie einen Sohn gebäre, erbe dieser die
Krone. Er [Heinrich] gab ihm zur Antwrt:
'Und ich habe dann die Dame am Hals!'" Es tat Heinrich
sicher auch leid, nicht mehr in die Champagne zurückkehren zu können.
Der König machte ihm jedoch eine Reihe von Versprechungen, vor allem
sagte er ihm alle erdenkliche Hilfe zu, sobald er nach England zurückgekehrt
wäre. Isabella wartete inzwischen
in Tyrus auf die Ankunft der Barone, die in aller Eile verständigt
worden waren. Heinrich änderte
schließlich seine Meinung, nachdem er seine zukünftige Frau
gesehen hatte, denn sie soll nach den Worten der Chronisten "weißer
als eine Perle" gewesen sein. Auch sie war anscheinend gleich von ihm begeistert.
Heinrich
war jung und tapfer und am Hof von Troyes herrschte eine Atmospäre,
in der sich ritterliche Tugenden entfalten konnten. Auf jeden Fall feierte
Isabella am 5. Mai ihre dritte Hochzeit,
acht Tage nach Konrads Tod - die Ereignisse
verlangten schnelle Entscheidungen. Sie war erst zwanzig Jahr alt, zärtlich,
gefühlvoll und unbekümmeert. Doch sie war auch die Erbin des
Königreichs Jerusalem; um den Fortestand dieses Königreichs zu
sichern, hattesie sich von Humfried trennen müssen, den sie seit ihrer
Kindheit liebte, danach hatte sie miterlebt, wie ihr zweiter Mann ermordet
wurde. In diesem Augenblick geboten es das Schicksal und ihre Pflicht,
einen dritten Mann zu heiraten - und wenn sie die Zukunft hätte voraussehen
können, hätte sie sich bemüht, ihn nicht zu lieben, um nicht
noch einmal leiden zu müssen.
"Ihr hättet einen schönen Empfang sehen können,
allerorts Umzüge, über die Straßen gespannte Tücher
und vor den Häusern Gefäße mit Weihrauch. Alle Leute der
Stadt, an die sechzigtausend oder mehr, kamen ihr aus Akkon in Waffen entgegen.
Die Geistlichen führten sie zur Kirche, brachten ihr Reliquien und
ließen sie das Heilige Kreuz küssen, und [Heinrich]
spendete vielen Leuten Almosen." So beschreibt der Chhronist Ambroise den
Jubel der Menge über diese neue Vermählung, die Syrien einen
würdigen Beschützer bescherte, einen, der Saladin
die Stirn bieten konnte. Es war in der Tat ein großartiges Ereignis,
eine Garantie für das Überleben des Königreichs, denn kurz
darauf wurde die kleine Maria geboren,
Konrads
Tochter, die später den Titel "Königin von Jerusalem" tragen
sollte.
Nachdem Heinrich von der Champagne
seine
Herrschaft angetreten hatte, erwies er sich trotz seines jugendlichen Alters
als "kluger, zurückhaltender und geduldiger Mann", wie sich die arabischen
Chronisten ausdrücken. Sein unerschütterlicher Mut, sein fester
Wille, unter den fränkischen Baronen Frieden zu stiften, mochten sie
noch so streitsüchtig und charakterlich verwerflich sein wie beispielsweise
Bohemund von Antiochia, schließlich seine Wachsamkeit, als er 1197
einem Angriff Malik el-Adils auf Akkon
zuvorkam, all das verschaffte ihm unumstrittene Autorität.
Etwa zur selnem Zeit kündigte sich ein Besuch an,
der in ihm manche Erinnerung an seine Familie wachrief: Margarethe,
"Königin
von Ungarn", Schwester Philipp
Augusts und Heinrichs Tante,
die den jungen König Heinrich,
wie man ihn in England nannte, geheiratet hatte und in zweiter Ehe König
Bela III. von Ungarn. Sie verspürte den Wunsch, nach Jerusalem
zu reisen, das Grab zu besuchen und sich für das Unternehmen einzusetzen,
für das der Kaiser um Unterstützung warb, da sie glaubte, er
werde das Königreich Jerusalem zurückerobern. Deshalb verkaufte
sie ihr Wittum, das ihr großen Reichtum einbrachte, nahm das Kreuz
und kam mit einer beachtlichen Schar von Rittern zusammen mit den Deutschen
nach Syrien ud nach Tyrus... Graf Heinrich begab
sich nach Tyrus, um seine Tante zu begrüßen und mit allen Ehren
zu empfangen. Nach ihrer Ankunft lebte sie nur noch acht Tage, dann starb
sie und wurde im Chor der Kirche von Tyrus beigesetzt. Sie vermachte Heinrich
ihren ganzen Besitz, denn er war ihr Neffe, der Sohn ihrer Schwester.
Heinrich von der Champagne
hatte übrigens kaum Gelegenheit, das Erbe seiner Tante, der Königin
von Ungarn zu genießen. Ein absurder Unfall setzte den Hoffnungen,
die das fränkische Srien mit seiner Regentschaft erband, ein jähes
Ende. Am 10. September 1197, während einer Versammlung mit
den Baronen in dem großen Saal seiner Residenz in Akkon, lehnte sich
Heinrich
von der Champagne unvorsichtigerweise an das etwas lockere "Gitter"
eines Fensters, fiel kopfüber in den Hof hinunter und erlitt
einen Schädelbruch. Er war auf der Stelle tot, ebenso wie sein
Lieblingsgefährte, der Zwerg Scharlach, der den Sturz seines Herrn
aufhalten wollte und mitgerissen wurde.
Alle Chronisten berichten von der allgemeinen Bestürzung:
"Sein Tod war ein schwerer Schlag für die Christen des Königreiches
Jerusalem, denn er war ein freundlicher und kluger Mann und hätte
dem Königreich durch seinen guten Charakter großen Nutzen gebracht,
wenn er länger gelebt hätte. Heinrich
von der Champagne wurde in der Heiligkreuzkirche in Akkon beigesetzt.
5.5.1192
oo 3. Isabella I. von Jerusalem, Tochter des Königs
Amalrich I.
1171- nach 1.4.1205
Kinder:
Alice, Regentin von Zypern und Jerusalem, Prätendentin
der Champagne
um 1193- 1246
1208
1. oo Hugo I. König von Zypern, ihr Stiefbruder
1195-10.1.1218
1225
2. oo Bohemund V. Fürst von Antiochia
- 1229 - 1252
1240
3. oo Rudolf Graf von Soissons, Regent von
Jerusalem 1240-1244
- nach 1247
Philippine, Prätendentin der Champagne
um 1195- 1250
um 1214
oo Erard III. von Brienne Seigneur de Rameru
um 1195-
1250
Marie von Champagne
-
Literatur:
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Brandenburg Erich: Die Nachkommen Karls des Großen
Verlag Degener & Co Neustadt an der Aisch 1998 Tafel 8 Seite 17 - Csendes,
Peter: Heinrich VI., Wissenschaftliche Buchgemeinschaft Wiesbaden 1993,
Seite 71,122,199,200 - Die Staufer im Süden. Sizilien und das
Reich, hg. von Theo Kölzer, Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1996,
Seite 66,67 - Ehlers Joachim: Die Kapetinger. W. Kohlhammer GmbH
Stuttgart Berlin Köln 2000 Seite 135,136 - Gillingham John:
Richard Löwenherz. Eine Biographie. Classen Verlag GmbH Düsseldorf
1981 Seite 220,225,228,231 - Mayer, Hans Eberhard: Geschichte der
Kreuzzüge, Verlag W. Kohlhammer GmbH 1995 Seite 131,135,149,163,213,218-220,222,266
- Mohr Walter: Geschichte des Herzogtums Lothringen. Verlag "Die
Mitte" Saarbrücken 1974 Seite 106 - Pernoud Regine: Der Abenteurer
auf dem Thron. Richard Löwenherz König von England. Diedrichs
Verlag München 1994 Seite 185,187,246 - Pernoud Regine: Frauen
zur Zeit der Kreuzzüge Verlag Herder Freiburg im Breisgau 1995 Seite
144-147 - Runciman, Steven: Geschichte der Kreuzzüge, Sonderausgabe
in 1 Band Verlag H.C. Beck München 1978, Seite 800, 803,828,837,839,839-840,846-847,857,861,863,865,867,868-869
- Toeche, Theodor: Kaiser Heinrich VI. Wissenschaftliche Buchgesellschaft
Darmstadt 1965, Seite 254,296,279,476 - Winkelmann, Eduard: Jahrbücher
der Deutschen Geschichte, Philipp von Schwaben und Otto IV. von Braunschweig
2. Buch Verlag von Duncker & Humblot Leipzig 1873, Seite 455 -