Lexikon des Mittelalters: Band II Spalte 1766
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Chateaudun
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Schloß und Stadt in W-Frankreich am Loir auf halbem Wege zwischen Chartres und Blois gelegen (dep. Eure-et-Loir)
Der Ortsname, erstmals im 6. Jh. erwähnt, ist zusammengesetzt
aus den synonymen Bestandteilen 'duno' (gall.) und 'castrum' und betont
damit die bedeutende startegische Lage des Ortes. Chateaudun war Vorort
eines 567 bezeugten Pagus, danach Sitz einer Grafschaft, des Dunois. Nach
567 ließ der merowingische Teilherrscher,
König Sigibert I., einen Priester
namens Promotus zum Bischof des Dunois weihen, das damit zunächst
vom Bistum Chartres abgetrennt war. Doch erreichte Bischof Pappolus von
Chartres beim Konzil von Paris (573) die Absetzung des Promotus und die
Bestätigung der Unversehrtheit seiner Diözese. Seit dem 9. Jh.
stand das Dunois zeitweilig wohl unter dem Grafen von Blesois (Blois) bzw.
des Chartrain (Chartres). Seit Anfang des 10. Jh. unterstand die Region,
und mit ihr der Vicecomes von Chateaudun, den ROBERTINERN
(späteren KAPETINGERN). Graf
Tedbald I. Tricator (Thibaut le Tricheur) von Blois nahm nach dem Tode
des ROBERTINERS Hugo der Große
Chartres und Chateaudun zwischen 956 und 960 in Besitz. Tedbalds
Familie, das bedeutende Haus BLOIS, herrschte hier in direkter Linie
bis 1218, in Seitenlinien bis 1256, danach fiel Chateaudun mit anderen
Haqusgütern der BLOIS an die Familie CHATILLON, dann
an das Haus ORLEANS. Der Herzog von
Orleans, 1498 als Ludwig XII. König
geworden, vereinigte Chateaudun mit der Krondomäne. - Schon vor Tedbald,
und dann unter den Grafen von Blois, bestand in Chateaudun die Dynastie
der Vicecomites von Chateaudun, die eine zeitlang auch die Grafschaft Perche
innehatte, und deren vicomtale Rechte im Jahre 1395 durch Verkauf an Ludwig
von Orleans übergingen.