NEWCASTLE UPON TYNE
Lexikon des Mittelalters:
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Newcastle upon Tyne
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Nordenglische Stadt (Grafschaft Northumberland
bis 1400), 17 km von der Mündung des Tyne in die Nordsee entfernt.
Die erste Brücke über den Tyne entstand 122 n. Chr. und wurde
bis ca. 1248 nicht wesentlich erneuert. Das nach dieser Brücke
benannte Kastell Pons Aelius wurde am nördlichen Ufer errichtet.
Dort siedelte sich in angelsächsischer Zeit wohl eine
Mönchsgemeinschaft an, da der Name Monkchester erscheint. Er wurde
nach 1080 durch »Newcastle upon Tyne«
ersetzt, als Robert
Courteheuse, Sohn von Wilhelm I., hier bei seiner
Rückkehr von einem schottischen Feldzug eine Burg baute. Bei der
Unterwerfung des Earldom of
Northumbria 1095 gelang Wilhelm II. Rufus die
Verteidigung der Burg Newcastle upon Tyne
mit Hilfe der normannischen Lords,
die in der Grafschaft Northumberland
über Lehen verfügten. Newcastle upon
Tyne wurde königliches Verwaltungszentrum
dieser Grafschaft. Der Ursprung der städtischen Gemeinde in Newcastle
upon Tyne liegt im dunkeln. Zweifellos
entwickelte sie sich im Schutz der Burg und der eigenen Mauern. Die
Statuten eines borough wurden
1135 verfaßt, doch gibt es keinen Beweis für die
Bestätigung durch eine königliche Urkunde. Carlisle und sechs
andere nördliche boroughs
übernahmen diese Statuten. Als die nördlichen Grafschaften in
die Hände des schottischen
Königs David I. gelangten, empfahl er die
Rechte von Newcastle upon Tyne
als Vorbild für die schottischen burhs.
Nach der Rückeroberung der Grafschaften 1157 bestätigte der englische König Heinrich II. die Freiheiten
von Newcastle upon Tyne und
ließ die Burg als Steinbau wiedererrichten. Sie blieb
während des Mittelalters in königlichen Besitz, wurde im 13.
Jh. erweitert und dann regelmäßig instand gesetzt. Im
frühen 12. Jh. war Newcastle upon Tyne
ein Handelshafen, wie die dort erhobenen Zölle zeigen. Der
prosperierende Handel sorgte in den 90-er Jahren des 13. Jh. für
einen großen Teil der Stadteinkünfte. Newcastle
upon Tyne wurde Stapelhafen mit einem Monopol
für den Export von Wolle und Fellen aus den vier nördlichen
Grafschaften und Richmondshire. Das bedeutendste Handelsgut war jedoch
die im Tagebau, in der Nähe der Stadt abgebaute Kohle, die ins
südliche England und bis nach Holland, Zeeland, Flandern und in
die Baltischen Länder verschifft wurde. Die Bürger Newcastle
upon Tynes konnten gegen den Bischof von Durham
und den Prior von
Tynemouth das Recht behaupten, Kohle auf dem Tyne zu
transportieren.
Nach 1216 stand an der Spitze des Stadtregiments ein mayor (Bürgermeister), dessen
Wahl unter Eduard I. von den Justices of Quo warranto
beansprucht wurde. Von dieser Herrschaft des Königs kaufte sich
die Stadt 1292-1294 los. Eduard
stimmte 1298 der Einbeziehung von Pandon in die Stadtbefestigung zu.
Doch geriet Newcastle upon Tyne
nach den strittigen Bürgermeisterwahlen von 1341 und 1344-1345
wieder unter königlicher Aufsicht. Schließlich wurden
Mitglieder von zwölf Handelsgilden an den künftigen Wahlen
beteiligt. Die Ämter des Bürgermeisters und der vier bailiffs
blieben in der Hand
weniger Familien der Oberschicht. Diese Oligarchie stellte auch die
Vertreter Newcastle upon Tynes
im Parliament. Heinrich III. gestattete
1234 die Vertreibung der Juden. 1400 erhielt Newcastle
upon Tyne durch Heinrich IV. den
Grafschaftsstatus und verfügte nun über einen eigenen sheriff
und Justices of the peace.
Den
schottischen Überfällen, die seit 1297 das nördliche England heimsuchten, hielten die
Stadtmauern stand. Newcastle upon Tynes
Funktion als Ausgangspunkt für englische Feldzüge nach
Schottland wirkte sich auf die Wirtschaft der Stadt vorteilhaft aus.
1377 hatte Newcastle upon Tyne
2.647 erwachsene Einwohner, eine hohe Zahl im Vergleich zur
übrigen Bevölkerung Northumberlands.
R.L. Storey