Nachgeborene und einzige Tochter des
Königs Jakobs
V. von
Schottland aus dem Hause STUART aus seiner 2. Ehe mit
der
Maria
von Guise, Tochter von Herzog
Claudius I.; Enkelin der Margarete Tudor von
England
Biographien zur Weltgeschichte. Lexikon:
Seite 365
**********************************
Maria Stuart, Königin von Schottland
----------------
* 7. oder 8.12.1542, †
8.2.1587
Linlithgow (Schottland) Fotheringhay
(England)
Maria Stuart erbte
bei Tod ihres Vaters Jakob V. am
14.12.1542
die Krone; ihre Mutter (Maria von
Guise † 1560)
übernahm die Regentschaft.
Maria Stuart wurde
ab 1548 am französischen Hof katholisch erzogen und im April 1558
mit dem Dauphin (ab 1559 König
Franz
II.,
† 1560) verheiratet. Sie kehrte im August 1561
nach
Schottland
zurück. Marias Herrschaft war
labil wegen der innenpolitischen Opposition der militanten Kalvinisten
unter John Knox und der
Feindschaft Elisabeths
I., die Marias von
Frankreich
bzw. Spanien unterstützten Anspruch
auf die englische Krone
fürchtete.
Marias
2. Ehe (1565 bis 1567) endete mit der Ermordung ihres Gatten Lord
Darnley;
drei Monate später heiratete sie den des Mordes verdächtigen Lord
Bothwell. Im Juni 1567 erhoben sich die protestantischen Lords
unter
dem proenglischen Earl
of Murray und setzten Maria
Stuart ab, die 1568
nach England floh. Elisabeth
internierte Maria Stuart
und anerkannte deren minderjährigen Sohn
Jakob
als schottischen König unter Murrays
Regentschaft.
Maria
Stuart konspirierte während ihrer Haft wiederholt mit
dem
Ziel, Elisabeth zu ermorden und
mit
Hilfe französischer und spanischer Truppen die Macht in England zu
übernehmen und die Gegen-Reformation durchzuführen. Ihr
Todesurteil
wurde im Oktober 1586 gefällt und drei Monate später
vollstreckt.
Als Prätendentin des in- und ausländischen katholischen
Feudaladels
wirkte Maria Stuart gegen die
nationalen
Interessen Englands.
MARIA
STUART - die Berühmte
* 5. Dezember 1542, †
8. Februar 1587
Schloß
Linlithgow Fotheringhay
Gemahlin Franz' II. (* 1544; König:
1559-1560)
Heirat: 24. April 1558 Paris
In der Schlacht von Solway Moss 1542 gegen
Heinrich
VIII. von England werden
die mit Frankreich
verbündeten
Schotten geschlagen. Kurz darauf stirbt Jakob
V. Stuart, König von
Schottland.
Er hinterläßt nur eine wenige Tage alte Tochter, die neue
Königin,
und ihre Mutter Maria, eine
Französin.
Sie stammt aus dem ultrakonservativen Haus
GUISE. Am 9.
September
1543 - mit neun Monaten - wird Maria Stuart
in Stirling zur Königin gekrönt. Ihre
Mutter
führt
die Regentschaft. Maria lebt die
ersten
Jahre mit ihren Halb-Geschwistern, aus einer ersten nichtehelichen
Verbindung
ihrs Vaters, zusammen. Als Regentin
von Schottland stellt sich Maria
von Guise natürlich gegen den von Heinrich
VIII. in England eingeführten Reformkurs. Ein
Verlobungsprojekt
mit dessen Sohn und Nachfolger Eduard VI.
scheitert. Und Maria verlobt 1548
ihre
Tochter mit dem etwa gleichaltrigen französischen
Dauphin Franz.
Maria wird
mit fünf
Jahren und acht Monaten nach Frankreich gesandt, um dort auf die Rolle
als Königin vorbereitet zu werden. Sie wird, wie die
Königs-Kinder
Frankreichs, der Mätresse des
Königs, Diane de
Poitiers,
übergeben.
Maria
lernt mehrere Sprachen, schreibt Gedichte und lernt das luxuriöse
und vergnügliche Leben am Hofe kennen. Sie ist stolz, sich ihres
königlichen
Blutes bewußt. Sie ist eine impulsive Heranwachsende, die ihre
Leidenschaften
nur schwer beherrscht. Sie ist liebevoll und großzügig. Im
Alter
wird sie von sich sagen: "Ich litt lieber tausend Tode als mich
irgendwem
unterworfen zu fühlen." Andere beschreiben sie als
unüberlegt,
aufbrausend,
starrsinnig und beeinflußbar. Sie ist
sportlich, kokett, lebhaft und hübsch.
Die glänzenden Heirat findet am 24. April
1558 in
Anwesenheit des ganzen Hofes in Notre-Dame de Paris statt. Das Fest
dauert
drei Tage. Man munkelt von einem geheimen Zusatz zum Heiratsvertrag.
Sollte
Maria
kinderlos sterben, fallen ihre Rechte auf Schottland und England dem Hause
VALOIS zu.
Der Turniertod Heinrichs
II.
macht sie im Juni 1559 zur Königin
von Frankreich, das
Ableben
ihrer Mutter im Juni 1560 auch zur Königin
von Schottland.
Franz
II., ihr Gemahl,
hat weder die Zeit noch die Kraft, seiner
Mutter
Katharina die Zügel aus der
Hand
zu nehmen. Er stirbt bereits eineinhalb Jahre nach seiner Krönung
kinderlos, am 5. Dezember 1560 in Orleans. Auch
Maria
hatte keinerlei Chancen, sich gegen ihre dominante Schwieger-Mutter
durchzusetzen.
Die Onkel der
achtzehnjährigen Witwe, die GUISE,
wollen Maria umgehend an einen
neuen
Gemahl verkuppeln: den Infanten Don Carlos,
Sohn Philipps
II. von Spanien.
Aber
Katharina
verhindert dieses für das europäische wie
innenpolitische
Gleichgewicht gleichermaßen gefährliche Vorhaben. Auch mit
anderen
Prätendenten - dem neuen
König Karl
IX., Franz' II. Bruder,
dem Herzog von Anjou, dem
jungen Prinzen Conde - kommt
es zu keiner Ehe.
Maria kehrt statt dessen im Mai 1561, zum Vergnügen
ihrer
Schwieger-Mutter, politisch völlig unerfahren nach Schottland
zurück.
In den dreizehn Jahren ihrer Abwesenheit hat sich
vieles
ereignet. In England herrscht seit 1558 Elisabeth
I., und die Schotten haben 1560 durch den Vertrag von
Edinburgh
ihre Thronbesteigung anerkannt, während
Maria
ihrerseits
ihre Ansprüche aufrecht erhält. Das Parlament von Edinburgh
hat
1560 den Protestantismus zur Staatsreligion erklärt, die John Knox
eifrig predigt. Maria ist und
bleibt
katholisch. Sie umgibt sich aber, diplomatisch, mit protestantischen
Beratern.
Heiratsangebote der europäischen Höfe lehnt sie ab, um sich
am
29. Juli 1565 in der Schloßkapelle von Holyrood mit einem
schottischen
Verwandten, Heinrich Stuart,
Lord Darnley zu
vermählen,
der allerdings kein besonders starker Charakter ist. "In der Blüte
ihres Alters, geschätzt und geliebt von ihren Untertanen", bringt
sie am 19. Juni 1566 einen Sohn
zur Welt - Jakob
VI. von Schottland und künftigen
Jakob I. von England.
Zwischen Maria und
ihrem Mann entwickelt sich ein Klima der Gewalt. Maria
erlebt die Ermordung ihres Favoriten
David Rizzio, die wohl
von Darnley
angestiftet ist. Seinen Höhepunkt findet der Ehekrieg im Februar
1567,
als Darnley auf
Anstiftung Marias
und ihres neuen Favoriten Bothwell
ermordet wird. Darnley
fliegt mit seinem Haus in Kipk O'Field in die Luft. Maria
heiratet Bothwell am 15.
Mai 1567 nach protestantischem Ritus,
was
Rom, die katholischen Höfe Europas und ihren Adel enstetzt. Neue
politische
und religiöse Probleme und die Folgen der Darnley-Affäre
stellen
den schottischen Adel gegen die Königin, die bei Carberry Hill
geschlagen
wird. Gefangengenommen muß sie am 26. Juli in Lochleven zugunsten
ihres Sohnes abdanken. Ihr Halb-Bruder Moray wird Regent. Maria
hat die Macht verloren. Sie kann fliehen, begeht nunmehr den Fehler,
sich
in England unter den Schutz ihrer Cousine Elisabeth
I. stellen zu wollen. Marias
Anwesenheit in England birgt aber das Risko, daß sich die starke
katholische Minderheit gegen Elisabeth
verbündet. Da Elisabeth
selbst
keine Kinder hat, könnte Maria Thronansprüche
erheben. Kurz: sie ist eine Rivalin. Achtzehn Jahre lang wird Maria
von Elisabeth deshalb in
verschiedenen
Schlössern gefangengehalten. Intrigen, Pläne zu ihrer
Befreiung,
um sie auf den Thron zu heben, Interentionen Roms, Spaniens,
Heiratsprojekte
um die Gefangene (etwa mit Don Juan d'Austria,
Barbara Blombergs und KARLS V.
Sohn)
folgen. Elisabeth mißhandelt
ihre Cousine nicht, ist sich
aber stets der Gefahr bewußt, die
sie
darstellt. Eine letzte Verschwörung im Mai 1586 führt in die
Tragödie. Das katholisch-spanische Unternehmen sieht eine Landung
von Truppen bei gleichzeitiger Erhebung der Katholiken in England, die
Befreiung Marias und die Ermordung
Elisabeths
vor. Am 20. September 1586 werden der Urheber
Babington und seine
Komplizen
hingerichtet.
Im Oktober 1586 findet in Westminster der
Prozeß
statt. Die Anklageschrift lautet: "Besagte Maria
Stuart, die Ansprüche auf den Thron des
Königreiches
England erhebt, hat Pläne ausgearbeitet und gebilligt, die zum
Ziel
hatten, die königliche Person unseres Souveräns, der
Königin
von England zu zerstören oder zu töten." Nach dieser
Beschuldigung
kann das Urteil nur auf Tod durch Enthauptung lauten. Die Könige
von
Frankreich und Spanien entsenden Botschaften, um gegen das Verdikt zu
protestieren.
Aber sind sie zu einem diplomatischen Bruch, zum Krieg bereit, um die
Verurteilte
zu retten? Auch der schottische König, ihr Sohn, protestiert, ist
aber über die Neutralisierung einer für seine dynastische
Zukunft
störenden Mutter nicht unglücklich.
Elisabeth tut
alles,
damit ihr Opfer ein Gnadengesuch unterzeichnet.
Maria, aufrecht und tapfer, lehnt das ab. Stefan Zweig
meint,
Maria
Stuart hatte weniger Angst zu sterben als
Elisabeth, sie zu töten. Dieses Ringen dauert mehrere
Monate.
Dann legt Maria Stuart am 8.
Februar
1587 mit vierunfvierzig Jahren ihren Hals auf den Richtblock. In
England
gibt es Freudentänze, in Frankreich trägt der neue
König Heinrich III. Trauer.
Die katholischen
Länder
preisen die "Märtyrer-Königin", die "Heldin des Glaubens".
Sechs
Monate nach der Hinrichtung wird sie in der Kathedrale von Peterborough
begraben. Ihr Sarg wird 1612 nach Westminster überführt. Ihr
Sohn Jakob wird
Elisabeth I. 1603 auf dem Thron nachfolgen.
Gelassen betrat Maria Stuart am 8. Februar 1587 die Halle, in der das Blutgerüst stand, und stieg erhobenen Hauptes die Stufen zum Schafott empor. So war sie im Jahre 1557 als 15-jährige Königin zum Thronwechsel Frankreichs emporgestiegen, und so wäre sie zum Thronsessel Englands geschritten, wenn andere Gestirne über ihrem Geschick gewaltet hätten. Demütig und stolz zugleich beugte sie ihr Haupt unter dem Henkersbeil, das erst nach drei Schlägen das Haupt vom Rumpf trennte. In dieser Stunde starb die Königin zweier Reiche, die Herrscherin, die auf die Königskronen von Frankreich, England und Schottland Anspruch erhoben hatte und die beinahe auch die Krone Spaniens getragen hätte. Nach dem Tode ihres 1. Gemahls, des französischen Königs Franz II., heiratete Maria, die aus dem schottischen Königs-Geschlecht der STUARTS stammte, Lord Darnley und erhob ihm zum König von Schottland. Er war einer der vielen, die ihretwillen das Leben lassen mußten. Ihr 3. Gemahl war Lord Bothwell, der Mörder Darnleys. Als sie schließlich als angebliche Mitwisserin an diesem Morde und aus religiösen Gründen zur Flucht nach England gezwungen wurde, ahnte sie nicht, dass sie damit den Weg in die Freiheit für immer hinter sich verschloß. Bei ihrer Verwandten, der Königin Elisabeth von England, fand sie nicht den erhofften Schutz; hier erwartete sie eine 19-jährige Gefangenschaft und schließlich die Verurteilung zum Tode, da man sie der Verschwörung gegen Elisabeth bezichtigte. Kein Genius, sondern ein Dämon war der ihr Leben bestimmende Geist. Eine unkontrollierte Leidenschaftlichkeit raubte ihr oft die politische Besonnenheit und Weitsicht. Mutig und ungebrochen jedoch, in wahrhaft königlicher Haltung, unterwarf sie sich dem Tod.
Kenyon J.P.: Seite 125
***********
"Die Stuart" in Die großen Dynastien:
Der zu frühe Tod
Jakobs
V. im Jahre 1542 läutete die bis dahin längste
Minderjährigkeiten-Regentschaft
ein, denn seine Tochter Maria war
damals
erst eine Woche alt. Als man ihm die Nachricht von der Geburt seiner
Tochter
übermittelte, wandte er sich ab und faßte die Geschichte
seiner
Familie mit folgenden Worten zusammen: "Sie begann mit einem Kind und
wird
mit einem Kind zu Ende gehen."
In Wirklichkeit wurde
Maria,
die Königin von Schottland (1542-1567), eine
der
berühmtesten
STUART.
Ihr Name wurde der Inbegriff für
Liebesabenteuer und
Liebesaffären.
Sie hatte eine französische
Mutter (Maria
von Guise) und wurde am
französischen Hof
großgezogen.
Nach Edinburgh kehrte sie erst im Jahre 1561 zurück, nachdem sie
bereits
eine Ehe mit König
Franz II. von
Frankreich,
der im Jahr zuvor gestorben war, hinter sich hatte. Als damit der
französische
Thron in weite Ferne gerückt war, winkte ihr gleichzeitig der von
England, denn Königin Elisabeth,
das letzte überlebende Kind Heinrichs
VIII.,
hatte verlauten lassen, sie wolle niemals heiraten. Auf diese Weise kam
Maria als Enkelin der
ältesten
Schwester Heinrichs VIII., die Margarete
hieß und mit König
Jakob IV.
von Schottland verheiratet gewesen
war, in der Erbrangfolge der nächste Platz zu.
Unglücklicherweise gelang es ihr aufgrund
ihres
überzeugten Katholizismaus nicht, sich in Schottland eine
Machtgrundlage
zu schaffen. In dem Strudel schottischer Politik bediente sie sich
zuerst
ihres weiblichen Charmes und mit Hilfe von Eheversprechen, um die
Adligen
ihres Landes gegeneinander auszuspielem. Sie warf diese Waffe aber
über
Bord sobald sie sich 1565 für Lord
Darnley entschieden
hatte.
Sie gebar ihm im darauffolgenden Jahr einen
Sohn; ihre Ehe aber ging
auf
spektakuläre Weise auseinander. Als Darnley 1567
auf
mysteriöse
Art und Weise umgebracht wurde, fiel der erste Verdacht auf sie. Ihre
anschließende
Flucht mit James Hepburn,
dem Earl von Bothwell, der
als
widerwärtiger Abenteurer galt, wurde als eine für die Krone
unwürdige
Tat eingestuft, worauf Maria mit
Hilfe
eines überraschenden Staatsstreiches durch ihren 1-jährigen
Sohn
ersetzt wurde, der als Jakob VI. (1567-1625) zum
König von Schottland ernannt
wurde. 1568 gelang es ihr, dem
Gewahrsam
zu entkommen und nach England zu reisen, wo sie sich lediglich eine
dauernde
Gefangennahme einhandelte. Königin
Elisabeth
war nur zu froh, die Thron-Erbin unter ihrer Kontrolle zu
haben,
die zu gefährlich war, um freigelassen zu werden; außerdem
lastete
auf Maria immer noch der noch
nicht
entkräftete Verdacht, Mörderin ihres Ehegatten zu sein. Ihr
Glaube
war natürlich Anlaß dafür, dass wegen ihr etliche
Katholiken-Aufstände
gegen Elisabeth angezettelt
wurden.
Im Jahre 1587 beugte sich die Königin schließlich dem Druck
ihres Parlamentes und ihrer Minister und ließ Maria
hinrichten.
Mahoney Irene: Seite
46,57,62,75,85,369-372
*************
"Katharina von Medici"
Die Anteilnahme Frankreichs an
schottischen Angelegenheiten
steigerte sich noch, als die Tochter Marias
von
Guise, die fünf Jahre alte schottische
Königin Maria Stuart, nach Frankreich als
die
angelobte
Braut des Dauphins gebracht wurde, um sie vor den Wirren in ihrem
eigenen
Land zu schützen. Die nächsten zehn Jahre weilte sie am
französischen
Hof unter Aufsicht ihrer Onkel,
des Herzogs von Guise und des Kardinals
von Lothringen. Von Anfang an wurde sie wie eine Art heiliges
Kind
angesehen,
fehlerfrei an Körper und Geist. "Sie ist das schönste Kind,
das
ich jemals gesehen habe", soll Heinrich II. angeblich
gesagt haben, als Maria im Oktober
1548 ankam. Vier Jahre später schrieb der Kardinal, dass sie
täglich
an Güte, Schönheit und Weisheit zunehme, und dass "der
König
Gefallen an ihr findet", während sie wiederum weiß, wie man
mit ihm umzugehen habe, "wie eine Frau von 25".
Lange vor ihrer Vermählung mit dem Dauphin
hatte
Maria
Stuart - hübsch, intelligent, gebieterisch,
und unter sorgfältiger Obhut ihrer Onkel - das Gleichgewicht am
Hof
ins Wanken gebracht. "Die Königin der Schotten und ihr Haus ...
geben
am Hof den Ausschlag", schrieb der englische Gesandte im Winter 1551.
Nach dem Tode Heinrichs
II.
war
seine ihm seit 15 Monaten angetraute Gemahlin, ihm in so mancher
Hinsicht
überlegen, unfähig, ihn zu trösten, denn
Maria
Stuart, weiß wie der Tod, schien durch die
plötzliche
Wende der Dinge verwirrt. Die Tage der Ungewißheit hatten beide
an
den Rand der Erschöpfung gebracht, während sie mit Furcht und
Bestürzung auf die Krone warteten, die auf sie übergehen
sollte.
Sogar die schlanke, lyrische Anmut der
jungen Königin blieb während der Krönung nicht
unbeeindruckt,
denn einige Wochen vorher ging unter den Gesandten das Gerede, Maria
Stuarts Gesundheit wäre angegriffen. "Die junge
Königin
leidet am Schwindsucht; sie hat nicht mehr lange zu leben",
hatte
der toskanische Gesandte Ricasoli
nach Florenz berichtet.
Der französische Hof mit seiner Vorliebe
für
schöne Frauen rechnete es sich als Stolz und Freude an, den Thron
der Königin durch ein Mädchen geziert zu sehen, das als eines
der schönsten in Europa galt. Ihre Schönheit war
dergestalt,
dass sie "die Sonne verdunkelt", schrieb Brantone und fügte hinzu:
"Und was ihren Geist anbelangt, so suchte er seinesgleichen."
Schon im November des vorausgegangenen Jahres
hatte Killigrew
an Elisabeth von England
geschrieben,
dass der junge König und die Königin ihren feierlichen Einzug
in Chatellerault unter einem karmesinrotem Damast mit den darauf
gestickten
Wappen von England, Frankreich und Schottland gehalten und den Titel Franciscus
et Maria, Dei
gratia, Rex
et
regina Franciae, Scotiae, Angliae, et
Hiberniae
gebraucht hätten. Im folgenden Frühjahr ging eine weitere
Depesche
nach England, die Maria Stuarts anmaßendes
Verhalten beschrieb: "Sie hat sich in Ansprachen, von
Zeremonienmeistern,
in Schriftstücken, Siegeln und bei Widmungen auf Triumphzügen
und von Herolden als Königin von England titulieren
lassen."
Maria Stuart
tat
trotz ihrer zerbrechlichen Gesundheit was sie konnte, um ihren
todkranken
Gatten zu pflegen. Nach dessen Tode wurde sie jetzt selbst, nachdem sie
17 Monate Königin gewesen war, in die Ecke gedrängt.
Zweifellos
weinte sie um eine verlorene Krone und wegen einer ungewissen Zukunft,
aber es ist sicher nicht übertrieben, anzunehmen, dass sie auch um
einen dahingegangenen und ihr zugetanen Gefährten weinte, der
für
kurze Zeit ihr Gemahl gewesen war. Es wäre töricht, aus ihrer
Ehe eine Romanze oder gar eine Leidenschaft zu machen, aber Maria
und Franz hatten eine kleine Weile
ihres Lebens miteinander verbracht. Es besteht keinerlei Anlaß zu
glauben, dass Marias Schluchzen,
das
ihre Zeitgenossen beobachtete hatten, etwa nicht aufrichtig gewesen sei.
Nach dem Tode Franz' II.
war sie von Frankreich in See gestochen, um die Herrschaft im "eigenen
Land" anzutreten. Damals, kaum 19 Jahre alt, hatte sie sich nach
Schottland
eingeschifft mit der ganzen Arroganz der Jugend, stolz auf
ihre
Schönheit und Anmut, die Tragödie des vorzeitigen Todes
ihres
Gatten überstrahlt von Gedanken an zukünftigen Ruhm. Es war
ein
Ruhm, der sich ihr freilich ständig entziehen sollte. Von Anfang
an
stand ihre Art im krassen Widerspruch zu der ihrer berockten
schottischen
Höflinge. Sie hielten sie für überheblich,
eitel,
herrisch;
sie war halb französisch - und sie war katholisch. In einem von
der
Theologie des John Knox beherrschten Landes waren dies erhebliche
Nachteile.
Sie war außerdem (obwohl ihre Bewunderer dies niemals zugeben
wollten)
ein wenig töricht. Sie hatte sich vorgenommen, Königin
nach französischer Art zu sein, und ihr
autokratisches Gebaren
wirkte oft abweisend auf diejenigen, die vorhatten, ihr die Wahrheit zu
sagen, und ließ sie oft in die Netze derjenigen gehen, die ihr
schmeicheln
wollten. Sie beging sehr viel Fehler, zwiespältig und schlecht
beraten
fiel sie von einer Torheit in die andere. Sie war wahrscheinlich weder
bösartig noch unfehlbar. Wäre sie keine Königin gewesen,
so hätte es sicher in jenen Tagen ausgereicht, würde sie ihr
Gemahl von Zeit zu Zeit angefahren oder unter Hausarrest gestellt
haben,
sobald ihre Launen für ihr besseres Ich die Vorhand gewannen.
Königinnen sind unglücklicherweise nicht
so
leicht lenkbar. Verantwortlich gemacht für die Ermordung ihres
zweiten
Gemahls und zwangsweise vom dritten geschieden war sie im Vertrauen
darauf
nach England geflohen, dass ihre Base
Elisabeth
sie vor ihren aufsässigen Untertanen retten würde. Statt
dessen
erlitt sie eine Haft von 19 Jahren Dauer und war in dieser Zeit
unaufhörlich
in Verschwörungen verwickelt, um ihre Freiheit wiederzuerlangen -
Verschwörungen, die ganz unvermeidlich Elisabeths
Stellung
bedrohten. Im Zusammenhang mit der Babington-Verschwörung im Jahre
1586 wurde sie schließlich des Hochverrats für
schuldig
befunden und trotz des einhelligen Widerstandes der katholischen
Christenheit
hingerichtet.
Im Juli 1586 hatte Maria,
die nicht wünschte, dass der Thron auf ihren protestantischen Sohn
überging, Philipp II. von Spanien durch
Mendoza schon davon in Kenntnis setzen lassen, dass sie, wenn er zu
ihrer
"Unterstützung" entschlossen sei, "meine Nachfolgerechte auf die
Krone
abtreten und testamentarisch auf den König, Ihren Herrn,
übergehen"
lassen würde. Es war ein ungewöhnliches Versprechen, noch
außergewöhnlicher,
wenn man sich vergegenwärtigt, dass die Krone, auf die sie
anspielte,
ja nicht nur die von Schottland, sondern auch die von England war.
Infolgedessen
betrachtete sich Philipp nach Marias
Tod als der rechtmäßige Erbe des englischen Thrones.
DAS NEUE vom 11.12.1999
Maria Stuart
Sie heiratet den Mörder ihres Mannes
Als blutjunge Witwe des französischen
Thronerben Franz II. kehrt sie, erst 17 Jahre alt,
nach
Schottland
zurück. Vorbei die glanzreichen Tage am Hof von Paris. Maria
Stuart, Königin von
Schottland, starrt hinaus
in
düsteres Hochmoor und trübe Regentage, Reiten und
Bogenschießen
sind ihr neuer Zeitvertreib.
Das ändert sich, als sie dem 19-jährigen
Lord
Henry Darnley begegnet,
einem jungen Mann mit kultivierten
Umgangsformen,
femininen Gesichtszügen und imposanter Statur.
Maria Stuart,
selbst
mit 1,80 Metern ungewöhnlich groß, findet Gefallen an diesem
Mann, der so vorzüglich auf der Laute spielen und
französische
Gedichte vorlesen kann. Pläne ihres Bruders, sie mit dem spanischen
Thronerben Don Carlos zu verheiraten, ignoriert sie.
Sie
will
nur einen: Lord Darnley. Sie bittet Königin
Elizabeth I. von England, deren Günstling Darnley ist,
um die Einwilligung. Doch Elizabeth
wittert Verrat: Will die Schottin etwa auch die englische Krone an sich
reißen? Antrag abgelehnt.
Maria Stuart setzt
ihren Kopf durch: Ohne Elizabeths Einwilligung,
ohne das Einverständnis ihres Bruders heiratet sie am 29. Juli
1565
auf Holroyd Castle ihren geliebten Lord
Darnley. Schon bald
verblaßt
der Glanz. Darnley
entpuppt sich als eitel und auch ziemlich
beschränkt,
vielleicht auch eine Folge der vielen durchzechten Nächte. Maria
erkennt:
Sie hat nicht das große Los gezogen, sondern eine Niete. Von der
sie das Schicksal allerdings schnell befreit: Mit 21 kommt Lord Darnley
auf mysteriöse Weise ums Leben.
Unter Verdacht, der Mörder zu sein,
gerät der
Earl of Bothwell. Maria
heiratet
ihn trotzdem - nur drei Monate nach Darnleys Tod.
Unmöglich, findet
der
schottische Adel und verbündet sich gegen das skandalöse
Paar.
Bothwell flieht, Maria begibt sich
nach England. Ein Fehler. Denn Königin
Elizabeth
läßt sie festsetzen, nach 18 Jahren Haft wird Maria
Stuart enthauptet. Offizieller Grund: Beteiligung am Tod
ihres
Gatten, Lord Darnley.
24.4.1558
1. oo Franz II. König von Frankreich
x
19.1.1544 †
5.12.1560
29.7.1565
2. oo Heinrich Stuart Lord Darnley
7.2.1545 † 10.2.1567
15.5.1567
3. oo Jakob Hepburn Graf von Bothwell
x 1536 † 14.4.1578
Kinder:
2. Ehe
Jakob
VI. (I.) König von
Schottland und England
19.6.1566 † 27.3.1625
Literatur:
------------
Ferdinandy Michael de: Philipp II.
Bechtermünz
Verlag Augsburg 1996 Seite 136,186,194,204,240,285,363,373,403 - Fraser
Antonia: Die sechs Frauen Heinrichs VIII. Claasen Verlag GmbH
Hildesheim
1995 Seite 116,404,405,419,452,474,476,483 - Grayeff Felix: Heinrich VIII. Ein kraftvolles
Leben.
Wilhelm Heyne Verlag München 1961 Seite 14,66,260,321 - Hartmann Peter
Claus:
Französische Könige und Kaiser der Neuzeit. Von Ludwig XII.
bis
Napoleon III. 1498-1870. Verlag C. H. Beck München 1994 Seite
77,91,102
- Jurewitz-Freischmidt Sylvia: Die Herrinnen der
Loire-Schlösser.
Königinnen und Mätressen um den Lilienthron. Casimir Katz
Verlag,
Gernsbach 1996 Seite 223,231,249-251,256, 259,267,271-274,356,395,412 -
Kenyon John Philipps: Die
Stuart in: Die
großen
Dynastien. Karl Müller Verlag 1996 Seite 125-138 - Lavater-Sloman
Mary: Elisabeth I. Herrin der Meere, Gustav Lübbe Verlag GmbH
Bergisch
Gladbach 1988 - Mahoney Irene: Katharina von Medici.
Königin
von Frankreich. Eugen Diederichs Verlag München 1994 Seite
46,57,62,73,75,85,89,105,164,166,281, 369-372,409
- Neale John E. Elisabeth I. Königin von England. Eugen
Diederischs
Verlag München 1994 Seite 99-456 - Panzer Marita A.: Englands Königinnen.
Von
den Tudors zu den Windsors. Verlag Friedrich Pustet Regensburg 2001
Seite 100-104,115 - Ridley
Jasper: Heinrich
VIII. Eine Biographie. Weltbild Verlag GmbH Augsburg 1995 Seite
97,340,414-415,417,424
- Schreiber Hermann: Die Stuarts. Genie und Unstern einer
königlichen
Familie. Bechtermünz Verlag GmbH Eltville am Rhein 1995 Seite
17,23-78,79,89,91,93,236,316
- Taillander Saint-Rene Madeleine Marie Louise: Heinrich IV.
Der
Hugenotte auf Frankreichs Thron. Eugen Diederichs Verlag München
1995
Seite 12,14,22,25,109,147,158,224,311,351,368,373 - Tamussino
Ursula:
Maria von Ungarn. Ein Leben im Dienst der Casa de Austria Verlag Styria
Graz Wien Köln 1998 Seite 143,205 - Treffer Gerd: Die
französischen
Königinnen. Von Bertrada bis Marie Antoinette (8.-18. Jahrhundert)
Verlag Friedrich Pustet Regensburg 1996 Seite 256-259 - Treffer
Gerd: Franz I. von Frankreich Herrscher und Mäzen Verlag Friedrich
Pustet Regensburg 1993 Seite 296, 311 -
Wende Peter: Englische Könige und
Königinnen.
Von Heinrich VIII. bis Elisabeth II. Verlag C.H. Beck München 1998
Seite 47,50,56,78,83,87,94,97,102 -