Einzige Tochter des Königs
Heinrichs
VIII. von England aus dem Hause
TUDOR
aus seiner 1.Ehe mit Katharina von Aragon,
Tochter von König
Ferdinand II.
Lexikon der Renaissance: Seite 441
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Maria I., genannt die Katholische, seit 1553
Königin
von England und Irland
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* 18.12.1516, †
17.11.1558
Greenwich London
Tochter Heinrichs VIII. und Katharinas von Aragon
Maria verlor nach der Trennung Heinrichs von ihrer Mutter (1533) die privilegierte Position einer Thron-Erbin, wurde aber 1544 wieder zur Sukzession nach ihrem Halb-Bruder Eduard zugelassen. Obwohl sich Maria I. formal den Kirchengesetzen Heinrichs VIII. und Eduards VI. unterwarf, blieb sie Katholikin; auf ihre Person konzentrierte sich die Hoffnung der gegenreformatorischen Kräfte. Nach ihrer Thronbesteigung wurden die Reformationsgesetze ihrer Vorgänger annulliert, protestantische Würdenträger durch katholische abgelöst, England erneut der päpstlichen Autorität unterstellt, durch die Heirat mit Philipp II. eine dynastische Bindung an die katholische Großmacht Spanien vollzogen und mittelalterliche Bestimmungen gegen die Häresie wieder in Kraft gesetzt (zum Beispiel die Inquisition). Etwa 300 Menschen starben unter der mit der Herrschaft Marias I. verbundenen katholisch-feudalistischen Reaktion den Feuertod (unter anderem Thomas Cranmer), in der protestantischen Tradition erhielt sie den Beinamen 'die Blutige'. Der Versuch einer Gegen-Reformation in England kollidierte mit den politischen und ökonomischen Interessen des Bürgertums und der Mehrheit des Adels sowie mit der religiösen Überzeugung breiter Schichten der Bevölkerung und endete mit Marias Tod.
GROSSE FRAUEN DER WELTGESCHICHTE. Tausend
Biographien
in Wort und Bild.: Seite 316
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MARIA TUDOR
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18.II.1516 † 17.XI.1558
Maria Tudor
stammte
aus der ersten Ehe
König
Heinrichs VIII. von England mit der spanischen
Prinzessin Catarina. Die
Scheidung
der Eltern brachte den ersten Zwiespalt in die Seele des jungen
Mädchens.
Als in der zweiten Ehe Heinrichs
mit
Anna
Boleyn eine Tochter geboren wurde, zwang der König
seine
Erstgeborene, auf alle Rechte
als Erb-Prinzessin und
Thronfolgerin
zu verzichten. Lange Zeit war das Leben Marias
in Gefahr. Gegen Ende der Regierungszeit ihres Vaters wuchs die
Mißstimmung
in England gefährlich an. Die zahlreichen Justizmorde, das
skandalöse
Privatleben des Königs und das rücksichtslose Vorgehen gegen
die katholische Kirche schürten die Unruhe. Mit der Verteilung der
ungeheuren Kirchengutes an seine Günstlinge hatte Heinrich
jedoch eine neue, einflußreiche Adelsschicht
geschaffen,
die bereit war, ihre Errungenschaften bis zum letzten zu verteidigen.
Um
so erstaunlicher erschien den Zeitgenossen, dass Maria
nach
einer kurzen Übergangsperiode 1553 fast mühelos den Thron
erobern
konnte. Von tiefer Frömmigkeit beseelt, schien es ihr wie
ein
Gewissensauftrag, die unter ihrem Vater gewaltsam veränderten
kirchlichen
Verhältnisse allmählich wiederherzustellen. Als sie den Prinzen
Philipp, den Erben des von ganz England gehaßten
spanischen
Reiches, heiratete, verlor sie endgültig die Gunst ihres Volkes.
Die
Ehe war höchst unglücklich.
Philipp
verließ
seine Gemahlin bereits nach einem Jahr. Die zärtlichen,
liebevollen
Briefe seiner Gemahlin ließ er unbeantwortet; indessen erhielt er
riesige Summen Geld, Truppen und die politische Unterstützung
Englands
in den spanischen Händeln. Unter der Regierung Marias
gingen die letzten festländischen Besitzungen Englands verloren.
Sie
gilt als die unglücklichste Herrscherin auf dem britischen
Throne.
Am 19. Juli 1553 wurde Maria
I. in London zur
Königin proklamiert (1553-1558).
Sie setzte
sich über die Tatsache hinweg, dass England 13 Tage in Jane
Greys Namen regiert worden war. 1553 war Maria
37
Jahre alt und noch immer unverheiratet. Sie war dünn und
schmächtig,
ihr Gesicht zeigte schon die ersten Falten, hatte aber dennoch einen
jugendlichen
Ausdruck. Ihre grauen Augen waren so kurzsichtig, dass sie Bücher
oder Schriften nur entziffern konnte, wenn sie sie ganz dicht vor das
Gesicht
hielt. Dieses Gebrechen ist vermutlich auch die Ursache dafür,
dass
sie auf ihren Porträts gewöhnlich mit starrem Blick und ohne
Lächeln dargestellt ist. Sie hatte Unterricht in Französisch,
Griechisch und Latein erhalten, sprach etwas Italienisch und konnte die
spanische Sprache verstehen. Von ihrem Vater hatte sie die
Musikalität
geerbt. Trotz Krankheit war ihre Kindheit glücklich verlaufen; die
Trennung ihres Vaters von Katharina von
Aragonien
aber
stürzte sie in Verzweiflung und Einsamkeit. Nachdem sie 1534 zum
Bastard erklärt worden war, wurde ihr das Thronfolgerecht 10
Jahre
später wieder zurückgegeben, als sie nach ihrem Halb-Bruder
nächste
Erbin war. Obgleich diese Anerkennung einige Vorteile brachte, war
damit
ihr Leidensweg noch nicht beendet. Ihr katholischer Glaube hielt sie
davor
zurück, die Reformation Heinrichs
und
Eduards zu billigen. Sie gelangte mehr und mehr zu der
Überzeugung,
dass nur ihr Vetter,
Kaiser
KARL V., England "wieder in
Ordnung"
bringen könnte. Sie sah es als ihre Pflicht an, einen Sohn in die
Welt zu setzen und den Katholizismus wiedereinzuführen. Beide
Ziele
waren in ihren Gedanken mit der Person KARLS
V. verbunden, und sie war davon überzeugt, dass sie KARLS
Sohn Philipp heiraten
mußte.
Weder ihre Berater noch ihr Volk begrüßten diese Verbindung,
so dass als Alternative eine Ehe mit einem Engländer vorgetragen
wurde;
doch sie war jedoch weder bereit, die letzten
beiden Erben der PLANTAGENET,
den Earl
von Devon und Reginald,
den späteren
Kardinal
Pole, oder irgendeinen
anderen in Betracht zu ziehen. Die aus
diesem
Entschluß resultierenden Meinungsverschiedenheiten wurden bis zu
ihrem Tode nicht mehr behoben. Obgleich sie sich durchwegs als
gewissenhafte
Regentin erwies, versäumte sie es, sich in der Regierung
eine Position
zu verschaffen, nachdem ihr die Krone und die Ehe gesichert erschienen.
Als sie bei einem Aufstand im Jahre 1554 den nach London eindringenden
Rebellen unerschrocken standhielt, rettete sie damit die Situation;
ansonsten
zeigte sie aber als Monarchin nur selten Führungsqualitäten.
Die Meinung ihrer Zeitgenossen, sie sei "eine gute Frau, aber ein
schlechter
Prinz", wurde ihr gerecht. Die Leistung ihrer Regentschaft
beschränkte
sich auf die Sanierung von Verwaltung und Staatsfinanzen, die aber
schon
vor 1553 in Angriff genommen worden war.
Während Philipp
in England weilte, waren Maria und
er "niemals getrennt oder sich aus den Augen"; ihre Ehe aber blieb
kinderlos:
1555 hatte sie eine Fehlgeburt, und zwei Jahre später
erwiesen
sich ihre Hoffnungen auf eine Schwangerschaft als verfrüht. Obwohl
Philipp
niemals zum König gekrönt
wurde, war er dennoch gefürchtet, denn er nahm innerhalb der
Regierung
eine Führungsrolle ein, fachte Auseinandersetzungen an und
erstattete
seinem Vater über alle Vorgänge Bericht. Als er 1556 den
spanischen
Thron bestieg, wurde England in einen für die Spanier
vorteilhaften
Krieg verwickelt, der Maria kaum
etwas
einbrachte, jedoch Calais kostete, den letzten Stützpunkt des PLANTAGENET-Reiches
in Frankreich. Die Wiedereinführung des katholischen Glaubens
traf auf Widerstand, dennoch wurden die Maßnahmen, die England
wieder
dem Gehorsam des Papstes unterstellen sollten, von übereifrigen
Untertanen
durchgesetzt, und zwar ohne dass - wie sowohl von Maria
als
auch von Kardinal Pole befürwortet - den
Andersgläubigen
mit Toleranz begegnet wurde. Obgleich die Verfolgung hier harmloser war
als auf dem Kontinent, schreckte die Verbrennung von Protestanten doch
viele Glaubenssympathisanten ab und richtete bezüglich der
Entwicklung
des Katholizismus großen Schaden an. Die Ernennung ihrer
protestantischen
Halb-Schwester als Thronfolgerin vor ihrem Tod am 17. November 1558
stellte ein Eingeständnis ihres Scheiterns dar, war aber
gleichzeitig
auch eine letzte Demonstration ihres Willens, weil damit - in
Bestätigung
der Absichten ihres Vaters - Maria,
Königin von Schottland,
ausgeschlossen wurde, die
viele
als nächste Königin von England sehen wollten. Wie groß
auch ihre Fehler gewesen sein mögen, Maria
Tudor rettete den Thron für ihre nächste
Anverwandte
und verzögerte damit die Vereinigung der beiden Kronen um weitere
45 Jahre.
Bäumler Ernst: Seite 75-76
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"Amors vergifteter Pfeil"
Eduards Schwester
Maria,
Tochter Heinrichs VIII. aus 1. Ehe
mit Katharina von Aragonien, hat
kaum
weniger blutige Spuren in der Historie Englands hinterlassen. Dabei
hatte
sie, deren Jugend von der Scheidung der Eltern umschattete war,
keineswegs
ihre Regierung als die "Blutige"
begonnen. Von ständigen Verschwörungen
bedroht und vom Ziel besessen, das Land in den Schoß der
katholischen
Kirche zurückzuführen, verwandelte die zunächst so milde
Maria
sich erst allmählich in eine Tyrannin, der Menschenleben nichts
bedeuteten.
Marias Liebe galt
Prinz
Philipp von Spanien,
dem späteren
Philipp II.,
Sohn Kaiser KARLS
V. Gegen
den Willen von Staatsrat und Parlament, die einen Engländer als
ihren
Gemahl sehen wollten, heiratete sie 1554 Philipp.
An Kaiser
KARL, der, wie vermutlich auch Philipp
selbst, vor allem den politischen Vorteil dieser Verbindung in Rechnung
setzte, schrieb sie: "Ich bin glücklicher, als ich sagen kann,
weil
ich in dem König, meinem Gemahl, täglich so große
Tugend
und Vollkommenheit entdecke, dass ich nicht aufhöre, von Gott die
Gnade zu erbitten, ihm zu gefallen."
Was viele Engländer befürchtet hatten,
traf
ein: die verliebte Maria ließ
sich von der neuen Verwandtschaft in einen Krieg gegen Frankreich
verwickeln,
der unglücklich endete und die Königin
den alten englischen
Stützpunkt
auf dem europäischen Festland kostete, Calais.
Auch Kinder konnte die alternde Maria
nicht gebären. So war Philipp wohl
nicht allzu traurig, dass ihn nach 13 Monaten Aufenthalt in England
dringende
Familiengeschäfte wieder auf den Kontinent riefen. Von dort kehrte
er nicht zurück. Am 17. November 1558 starb seine Frau. Ihrer
Nachfolgerin Elisabeth, die sie
vorher
wegen Verdachts des Hochverrats mehrmals hatte einsperren lassen,
schickte
Maria
vor
den Tod noch die Kronjuwelen.
Die Todesursache Königin
Marias wurde - wie so häufig in jenen Jahrhunderten -
nur
ungenau angegeben. Die Ärzte sprachen damals von einem
unerklärlichen
Fieber, von Wassersucht und einem "Zuviel an schwarzer
Galle".
McLaurin sieht es in
seinen 'Post-Mortem'-Studien anders; "Jeder Arzt",
so schreibt er, "der ihr Porträt mit dem runzligen, gefurchten und
frühzeitig gealterten Antlitz sieht, würde wahrscheinlich
sagen:
eine Frau mit angeborener Syphilis, besonders, wenn er die
Geschichte
Heinrichs
VIII. kennt." Auch die starke Kurzsichtigkeit von Maria
Tudor , die möglicherweise, wie Sir Clifford Albutt
vermutet,
auf eine sogenannte interstitielle Keratitis zurückzuführen
ist,
deutet nach Mc Laurin
auf das verhängnisvolle Krankheitserbe. Eine
solche Schädigung der Hornhaut des Auges gehört zu den
häufig
beobachteten Symptomen einerangeborenen
Syphilis.
Verwandtschaft
mit Philipp von Spanien
Ferdinand II. König
von Aragon oo Isabella I. Königin
von Kastilien
10.3.1452
†
23.1.1516
22.4.1451 †
26.11.1504
----------------------------+--------------------
Johanna die
Wahnsinnige
Katharina von Aragon
6.11.1479 †
13.4.1555
15.12.1485 † 7.1.1536
oo Philipp I. König von Kastilien
2. oo 1. Heinrich VIII. König von England
22.7.1478 †
25.9.1504
28.6.1491 † 28.1.1547
---
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Kaiser KARL
V.
Maria I. Tudor Königin
von England
24.2.1500 †
21.9.1558
18.2.1516 † 17.11.1558
oo Isabella von Portugal
4.10.1503 † 1.5.1539
---
Philipp II. König
von Spanien
------------------ oo
21.5.1527
†
13.9.1598
Literatur:
Verlag
Traugott Bautz
-----------
Baker Timothy: Die Plantagenet in Die
großen
Dynastien, Karl Müller Verlag 1996 Seite 43-64 - Bäumler
Ernst: Amors vergifteter Pfeil. Kulturgeschichte einer verschwiegenen
Krankheit,
R. Piper GnbH & Co. KG, München 1989 Seite 75-76 - Brouwer
Johan: Johanna die Wahnsinnige. Glanz und Elend einer spanischen
Königin.
Eugen Diederichs Verlag München 1995 Seite 183 - Ferdinandy
Michael de: Philipp II. Bechtermünz Verlag Augsburg 1996 Seite
28,136,180-184,224,234,264,363,366
- Fraser Antonia: Die sechs Frauen Heinrichs VIII. Claasen
Verlag
GmbH Hildesheim 1995 Seite 9-483 - Giardini Cesare: Don Carlos.
Infant von Spanien. Eugen Diederichs Verlag München 1994 Seite 5,
72,80,84,94,99,128
-
Grayeff Felix: Heinrich VIII.
Ein kraftvolles
Leben.
Wilhelm Heyne Verlag München 1961 Seite 91-351 - GROSSE FRAUEN DER WELTGESCHICHTE. Tausend
Biographien
in Wort und Bild. Neuer Kaiser Verlag 1987 Seite 316 - Jurewitz-Freischmidt Sylvia: Die Herrinnen der
Loire-Schlösser.
Königinnen und Mätressen um den Lilienthron. Casimir Katz
Verlag,
Gernsbach 1996 Seite 192,250 -
Lavater-Sloman Mary: Elisabeth I.
Herrin der Meere, Gustav Lübbe Verlag GmbH Bergisch Gladbach 1988
- Neale John E. Elisabeth I. Königin von England. Eugen
Diederischs
Verlag München 1994 Seite 13-456 - Mahoney Irene:
Katharina
von Medici. Königin von Frankreich. Eugen Diederichs Verlag
München
1994 Seite 46,49 - Panzer Marita A.: Englands Königinnen.
Von den Tudors zu den Windsors. Verlag Friedrich Pustet Regensburg 2001
Seite 9,12,26-30,34,39,40,43,46,53,54,60,61,66-70,72-92,93,94,96-99 - Ridley
Jasper: Heinrich VIII. Eine Biographie. Weltbild Verlag
GmbH Augsburg 1995 Seite 86,97,120,142,149,157,166,170,180,247,252,264,
285-286,294,296,303-305,362,387,409,465 - Schreiber Hermann:
Die
Stuarts. Genie und Unstern einer königlichen Familie.
Bechtermünz
Verlag GmbH Eltville am Rhein 1995 Seite 16,24,26,31,39,68 - Tamussino
Ursula: Margarete von Österreich. Diplomatin der Renaissance
Verlag
Styria Graz Wien Köln 1995 Seite 187,217,227,243,255,287 - Tamussino
Ursula: Maria von Ungarn. Ein Leben im Dienst der Casa de Austria
Verlag
Styria Graz Wien Köln 1998 Seite 160,230,250,257,261,
265,274,285,305
- Treffer Gerd: Franz I. von Frankreich Herrscher und
Mäzen
Verlag Friedrich Pustet Regensburg 1993 Seite 110,130,174 - Vercors:
Anna Boleyn. 40 entscheidende Monate in Englands Geschichte Weltbild
Verlag
GmbH Augsburg 1995 -
Wende Peter: Englische Könige und
Königinnen.
Von Heinrich VIII. bis Elisabeth II. Verlag C.H. Beck München 1998
Seite 30,36,39,42,45,47,49,57-75,77-80,85 -