Margarete                                         Gräfin von Salisbury und Baronese Montagu seit 1513
-------------                                        Eventual-Erbin von England
14.8.1473 27.5.1541 hingerichtet  Letzte PLANTAGENET
                  Tower London

Einzige Tochter des Herzogs Georgs von Clarence aus dem Hause YORK und der Isabella Neville, Tochter von Graf Richard II. von Warwick; Schwester des Grafen Eduard von Warwick, Nichte der Könige Eduard IV. und Richard III. von England und Tante von König Heinrich VIII. von England

Thiele, Andreas: Tafel 209
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"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band II, Teilband 1 Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser I Westeuropa"

MARGARETE
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1473 1541 hingerichtet

1513 Gräfin von Salisbury; seit 1538 gefangengehalten
1886 selig

  oo 1491
       RICHARD DE POLE
            1504

(siehe Montagu II)


Thiele, Andreas: Tafel 189
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"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band IV Die Britische Peerage, ein Auszug"

RICHARD DE LA POLE
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   1504

Sohn Gottfried de la Pole Sir zu Medmenham ( 1475) und der Edith St. John, Tochter von Sir Oliver
Cousin 1. Grades von König Heinrich VII. Tudor über ihre Großmutter Margarete de Beauchamp
Sir de la Pole zu Medmenham
enger Vertrauter König Heinrichs VII.

  oo 1491
       MARGARETE VON ENGLAND (ANJOU-PLANTAGENET)
              1541 hingerichtet

Tochter des Herzogs Georg von Clarence und der Elisabeth Neville von Warwick
Eventual-Erbin von England
Erbin der Lordschaften Montagu, Warwick, Monthemer und der Grafschaft Salisbury (siehe dazu bei England IIIc)
letzte PLANTAGENET
Gouvernante der Königin Katharina von Aragon (= 1. Frau Heinrichs VIII.)
1513 Gräfin von Salisbury, Baroness Montagu
sie wird des Verrats verdächtigt vom mißtrauischen königlichen Cousin wegen ihrer Thronansprüche
1538/39 inhaftiert
1541 hingerichtet


Fraser Antonia: Seite 41,74,83,89,108,109,124,225,228,327,328,382,383
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"
Die sechs Frauen Heinrichs VIII."

Sir Richard Pole saß dem Rat der Marken von Wales vor. Mütterlicherseits mit Heinrich VII. verwandt (er hatte Prinz Arthurs entstammte dem Hochzeitsfest organisiert), fehlte ihm dennoch jener Schuß königlichen Blutes, der ihn zu ehrgeizigeren Ambitionen ermutigt hätte. Seine Frau Margaret stammte aus dem Geschlecht der PLANTAGENETS, was schon ihr Aussehen verriet:
ein lange, schmales und feingezeichnetes Gesicht mit schmalen Lippen und gebogener Nase.
Auch sie war der Königs-Familie verwandt; als Tochter des Herzogs von Clarence, Bruder Edwards IV., war Elizabeth von York ihre Cousine ersten Grades. Nach der 1499 erfolgten Hinrichtung ihres Bruders (eine dieser grausamen Säuberungsaktionen Heinrichs VII. gegen unerwünschte Thronrivalen) stand Margaret als einziges überlebendes Kind und Erbin ihres Vaters da. Anders als Königin Elizabeth und ihre Geschwister, die der Usurpation Richards III. im Wege gestanden hatten, war sie niemals für illegitim erklärt worden.
Gegenwärtig spielte Margaretes Abstammung noch keine Rolle. Heinrich VII. hatte sie in einem Anfall von Großmut mit einem seiner treuen Anhänger vermählt. Die POLE-Söhne, die vielleicht eines Tages die Ansprüche ihrer Mutter einklagen konnten, waren gerade erst geboren. Viel größere Bedeutung gewann später die unerschütterliche Freundschaft, die in Ludlow, ungeachtet des Altersunterschiedes zwischen den beiden Frauen (Katharina von Aragon) entstand - Margaret Pole war fast dreißig. Doch beide hatten denselben Charakter. Sie galten als wohlerzogen, fromm und gelehrt, von tiefer Empfindungskraft, nach außen gehorsam, doch innerlich stark.
Die Besitzungen des Edmund de la Pole wurden der aufrechten Margarete Pole, nunmehr Witwe und zur Gräfin von Salisbury ernannt, übereignet.
Zwei Tage danach wurde die neue Prinzessin, Mary Tudor, getauft und nach dem Brauch der Zeit auch sogleich gefirmt. Unter den Taufpaten befand sich Kardinal Wolsey, während Margaret Gräfin von Salisbury als Firmpatin fungierte.
Es war Königin Katharina, die Schwägerin Mary, die Herzogin von Suffolk, dazu ermunerte, das Studium der lateinischen Sprache wieder aufzunehmen. Margaret Gräfin von Salisbury, die dem Haushalt von Prinzessin Mary vorstand (ein wichtiger Posten am Hof, dem sie ihrer Abstammung von den PLANTAGENETS verdankte), erbat von Gentian Hervet eine Übersetzung des Buches De Immensa Misericordia Dei von Erasmus.
Lord Stafford wurde mit Lady Ursula Pole vermählt, die ihrerseits die Tochter Margarets Gräfin von Salisbury allzuviel königlichen YORK-Blutes in den Adern hatte. Aus zwei halben Ansprüchen einen wohlbegründeten ganzen zu schaffen, war ein Schachzug, der in Englands Geschichte wohlbekannt war.
Um die Lektion perfekt zu machen, wurde auch die Familie POLE bestraft, ein früher Beispiel der in den späteren Jahren des Königs so oft angewandten Sippenhaft. Margaret Gräfin von Salisbury wurde ihrer Stellung als Erzieherin der Prinzessin Mary enthoben, obwohl ihre "vornehme Geburt" und "viele Tugenden" (und am meisten wohl die Zuneigung des Königs für sie) ihr erlaubten, dem Kerker zu entgehen. Ihr ältester Sohn, Lord Montague, wurde jedoch in den Tower gesteckt; Arthur Pole mußte den Hof verlassen, und nach Venedig, wo der 21-jährige Reginald Pole studierte, gehen.
Die in Gnaden wiederaufgenommene quasi-königliche Margaret, Gräfin von Salisbury, wurde an dessen Spitze gestellt. So besaß Mary beides, die Gewichtigkeit und inoffizielle den Lebensstil "Ihrer prinzlichen Gnaden", wie sie nach dem Titel ihres Rates genannt wurde.
Erst im November 1533 wurde Marys Haushalt, an dessen Spitze die Gräfin von Salisbury stand, aufgelöst und sie selbst in den Hofstaat der kleinen Prinzessin Elizabeth eingegliedert.
Im Schatten des Thrones lebten jedoch zwei Familien, deren Mitglieder unzweifelhaft königlicher Herkunft waren: die COURTENAYS, an deren Spitze der Marquis von Exeter, und die POLES, deren Oberhaupt Lord Montague war, der älteste Sohn von Margaret Gräfin von Salisbury. Beide Sippen besaßen Verbindung zu Königin Katharina. Konservative, reaktionäre Politik und die Ablehnung der religiösen Reform ergaben im Verein mit königlichem Blut eine gefährliche Mischung.
Im August 1538 wurde Sir Geoffrey Pole, der zweitälteste Sohn Margarets Gräfin von Salisbury, verhaftet und in den Tower geschafft. Dort brachte man ihn zum Reden. Doch da sich der König die Auslöschung der Familie, die ihn bedrohte, in den Kopf gesetzt hatte, genügten die Aussagen, um Geoffreys ältesten Bruder, Lord Montague, sowie den Marquis von Exter einsperren zu können. Als nächstes kamen die Frauen und Kinder an die Reihe. Gertrude Marquise von Exeter und ihr zwölfjähriger Sohn, Edward Courtenay Graf von Devon, wurden im November in den Tower gebracht. Lord Montagues kleiner Junge wurde ebenso verhaftet und verschwand im Schlund des Towers, aus dem er niemals mehr entkam.
Am schockierendsten war die Gefangennahme von Margaret Gräfin von Salisbury. Jetzt "betagt und schwach", war sie vom König einst "nicht weniger verehrt worden als seine eigene Mutter", der Frömmigkeit wegen, "in der sie alt geworden war". Diese Worte würden später von ihrem Sohn, Kardinal Pole, geschrieben werden. Tatsächlich hatte die Gräfin Briefe geschrieben, in denen sie das Buch des Kardinals verurteilte, doch wieder einmal wurde das Geschwätz von Bediensteten ans Licht gezerrt, um ihr Verhör zu rechtfertigen. Die Gräfin mochte vielleicht betagt sein, doch es stellte sich heraus, daß sie keineswegs gebrechlich war. Sie stand lange, erbarmungslose, brutale Verhöre durch, manchmal den ganzen Tag, doch die Vernehmungsbeamten sahen sich gezwungen, zu berichten: "Obwohl wir sie verschiedenartig behandelten, beteuerte sie ihre Unschuld."
Es ist höchst unwahrscheinlich, daß sich die Gräfin einer Verschwörung schuldig gemacht hatte. Es stimmte zwar, daß sie hinsichtlich ihrer Religion an den alten Bräuchen festhielt, doch für eine Person, die bei der Schlacht von Bosworth zwölf Jahre alt gewesen war und die also de facto eine Überlebende des Mittelalters darstellte, war das kein Verbrechen. Über das Gebäralter längst hinaus, bedrohte sie persönlich den König überhaupt nicht. Wie der Kardinal schrieb, bestand das wahre Verbrechen dieser "höchst unschuldigen Frau" darin, "seine Blutsverwandte zu sein". Zunächst hielt man die Gräfin unter Hausarrest, und im folgenden Jahr wurde sie in den Londoner Tower überführt.
Heinrich VIII. taufte seine Reise in den Norden mit Blut. Aufgrund des windigen Vorwandes, man befürchte einen Aufstand - der Tower sollte frei von Staatsgefangenen werden - ordnete er die Hinrichtung Margarets Gräfin von Salisbury an, die schon zwei Jahre gefangensaß. Dieses Ereignis kann den Anspruch erheben, das abscheulichste Schauspiel der Grausamkeit zu sein, das je auf Wunsch des Königs ausgeführt wurde. Hier war eine Frau, die er lange wegen ihrer Frömmigkeit und ihres Anstandes geachtet hatte, die während vieler Jahre beinahe eine Mutterfigur für ihn gewesen war und die - ein erstaunliches Kunststück - ihren Weg durch die Intrigen des königlichen Labyrinths der TUDORS geschritten war, ohne zu straucheln. Lady Salisbury hatte zur Zeit ihrer Verhaftung im Novemer 1538, alle gegen sie vorgebrachten Anklagen trotz scharfer Verhöre beharrlich zurückgewiesen. Ihr Verbrechen bestand selbstverständlich darin, die Mutter eines päpstlichen Parteigängers zu sein, an dem sich der König nicht mehr rächen konnte: Kardinal Pole. Sie war niemals von einem Gericht verurteilt worden; Schuldspruch und Einziehung ihres Vermögens waren durch einen Parlamentsakt zustandegekommen. Nunmehr, am 27. Mai 1541, sagte man ihr, sie müsse sterben.
Trotz Lady Salisburys körperlicher Hinfälligkeit - sie war fast siebzig Jahre alt - hatte der Nachwuchshenker Probleme, sie zum Tode zu befördern. Er "hackte ihren Kopf und ihre Schultern in Stücke", bevor die alte Dame schließlich für tot erklärt wurde.
Ihr Tod war der letzte und blutigste Todesfall in der blutbefleckten Geschichte des Hauses CLARENCE.






1491

  oo Richard Sir de la Pole zu Medmenham
       um 1470 1504

 
 
 

Kinder:

  Reginald de la Pole
 
3.3.1500 17.11.1558 

  Gottfried, Lord Montagu
  um 1495 1558

  Heinrich Sir zu Medmenham
 
um 1493 9.12.1538 hingerichtet

  Ursula de la Pole
  um 1500/04 1570

  oo Heinrich I. Stafford, Baron Stafford
       1501 1563
 
 
 
 

Literatur:
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Fraser Antonia: Die sechs Frauen Heinrichs VIII. Claasen Verlag GmbH Hildesheim 1995 Seite 41,43,74,83,89,108,109,124,200,225,228,253, 293,327,328,355,362,382,383,393,395 - Grayeff Felix: Heinrich VIII. Ein kraftvolles Leben. Wilhelm Heyne Verlag München 1961 Seite 264 - Hackett, Francis: Heinrich der Achte. Rohwolt Berlin 1936 Seite 394,475 - Kendall Paul Murray: Richard III. König von England. Mythos und Wirklichkeit. Eugen Diederichs Verlag München 1995 Seite 140 - Mattigny, Garret: Katharina von Aragon. W. Kohlhammer Verlag Stuttgart 1962 Seite 244,389,417,423-425 - Ridley Jasper: Heinrich VIII. Eine Biographie. Weltbild Verlag GmbH Augsburg 1995 Seite 316,368,394 - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band II, Teilband 1 Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser I Westeuropa, R.G. Fischer Verlag 1993 Tafel 209 - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band IV Die Britische Peerage, ein Auszug, R.G. Fischer Verlag 1996 Tafel 189 -