Margarete Shelton                            Mätresse von König Heinrich VIII.
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um 1510
nach 1535

Tochter des Sir John Shelton und der Anna Boleyn, Tochter von Sir Wilhelm; Cousine der Königin Anna Boleyn von England

Fraser Antonia: Seite 242-244,271,278
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"Die sechs Frauen Heinrichs VIII."

Eins der Mädchen im Gemach der Königin, das als leichtfertig abgestempelt war, war eine gewisse Margaret (oder Madge) Shelton. Chapuys nannte sie "die Cousine ersten Grades der Konkubine", da ihre Mutter, Lady Shelton, eine Schwester Thomas Boleyns war. Lady Shelton agierte als Erzieherin ihrer Groß-Nichte, Prinzessin Elizabeth ; ihr Ehemann, Sir John Shelton, befehligte die Leibwache der Prinzessin. Madge Shelton
mag äußerst attraktiv gewesen sein. Einige Jahre später, als die berühmte Schönheit Christina von Mailand als mögliche Braut des Königs in Augenschein genommen wurde, hieß es zugunsten der Herzogin, sie "sehe Mistress Shelton sehr ähnlich", die früher zum Gefolge der Königin gehört habe, mit "Grübchen" in den Wangen, "einem sehr sanftmütigen Gesicht" und "weicher Stimme".
Madge Shelton war nicht bloß anziehend, sondern auch gesitreich und verführerisch: vielleicht in der Art Bessie Blounts, die den König immer erfreut hatte. Von Annes Standpunkt aus ware Madge jedoch ein Mädchen, das - wie grauenhaft! - "eitle Gedichte" in ihre frommen Bücher kritzelte. Ein solchermaßen verhunztes Buch kam zum Vorschein. Nachdem die Missetäterin entdeckt worden war, wies Königin Anne "sie wunderbar zurecht", weil sie "solch leichtfertige Nichtigkeiten in ihr Gebetbuch" geschrieben hatte. Es wäre nur allzu menschlich und sicher nicht unlogisch, diesen Vorfall im Zusammmenhang mit des Königs Beziehung zu Mistress Shelton zu sehen, deren Beginn Chapuys auf den Februar 1535 datiert. Jedenfalls war Madge Shelton nicht die erste junge Dame, die seit Prinzessin Elizabeths Geburts des Königs Aufmerksamkeit erregte.
Im Herbst 1534 hatte es, laut Chapuys, "eine sehr schöne junge Frau" gegeben. Sie hatte Zuneigung zur "Prinzessin" erkennen lassen -  Chapuys meinte selbstverständlich Mary, nicht Elizabeth -, was den wankelmütigen Hof ermunterte, nun ebenfalls Mary mit größerem Respekt zu behandeln. Dann tauchte Madge auf, die sich etwa ein halbes Jahr der königlichen Gunst erfreute, denn gegen Ende 1535 wandte sich der Herrscher Jane Seymour zu.

Madge Shelton, die Cousine von Heinrichs Gattin Anne, kann kaum eine Fremde für ihn gewesen sein. Doch mit Hilfe ihrer Schwägerin Jane
Gräfin Rochford konnte die Königin im Herbst 1534 leicht die Verbannung ihrer Rivalin vom Hof erreichen. Die leichtfertige Madge Shelton, die der Unbekannten in der Gunst des Herrschers nachfolgte, scheint keine Bedrohung für Anne dargestellt zu haben. Wegen der engen Verwandtschaft mit den BOLEYNS wurde verschiedentlich sogar vermutet, daß die Königin als Kupplerin für ihren Gatten tätig wurde und ihm, um ihn zu erfreuen, ihre hübsche Cousine zuführte. Hierfür stehen jedoch die Beweise aus, und solches paßt schlecht zur sprichwörtlichen Eifersucht Annes.

Einer der Höhepunkte sollte der Kampf zwischen Lord Rochford und Sir Henry Norris sein, dem Schatzmeister der Königlichen Privatschatulle und Verlobten von Madge Shelton, des Königs Ex-Favoritin.
Sir Francis Weston wurde unterstellt, er habe ein Jahr zuvor der Königin ähnliche, wenn auch vornehmere Anträge gemacht. Westons Flirt mit Madge Shelton, Königin Annes Cousine ersten Grades und mittlerweile mit Sir Henry Norris verlobt, hatte Anne verärgert, und sie wies ihn deshalb zurecht. Den wahren Ärger scheint allerdings das Mädchen selbst verursacht zu haben, das nicht nur Westons und des Königs Aufmerksamkeit erregte hatte, sondern sich auch in der Gebetsbuchaffäre töricht verhalten hatte; kurz aus einer Vielzahl von Gründen war Madge Shelton ein unzuverlässiger Charakter.
Doch interessanterweise hängt die schwerwiegendste Anklage gegen Sir Henry Norris ebenfalls mit Madge Shelton zusammen. Man nahm an, seine Verlobung mit ihr habe auf sich warten lassen wegen seiner Leidenschaft für Sheltons Herrin.
 
 
 
 
 
 

Literatur:
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Fraser Antonia: Die sechs Frauen Heinrichs VIII. Claasen Verlag GmbH Hildesheim 1995 Seite 242-244,247,263,271,278,316 - Hackett, Francis: Heinrich der Achte. Rohwolt Berlin 1936 Seite 309,312,330,332 -