MANOR


Lexikon des Mittelalters:
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Manor (manoir, manerium)
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Form der englischen Grundherrschaft, mit dem kontinentalen Fronhofsystem (Fronhof) vergleichbar.
Auf der Basis älterer grundherrschaftlicher Strukturen entfaltete sich das manorial system besonders seit der normannischen Eroberung (1066). An der Spitze eines einzelnen manor stand der Grundherr, der vom König oder einem anderen Lehnsherrn mit dem Land und den dazugehörigen Rechten belehnt war. Ungeachtet der vielen regionalen Unterschiede erfolgte die Bewirtschaftung eines manor nach dem gleichen Grundprinzip: Während der Grundherr einen Kernbestandteil des manors, bestehend aus dem Herrenhof mit Zubehör, unmittelbar verwaltete, wurde der übrige Teil des Landes an hörige Bauern gegen Abgaben und Frondienste ausgegeben; mit Hilfe dieser bäuerlichen Dienste bewirtschaftete der Grundherr seinen Herrenhof. Dorf und manor waren in Einzelfällen zwar identisch, wenn ein Grundherr über den Besitz eines ganzen Dorfes verfügte, doch gehörten die Bewohner eines Dorfes in der Regel mehreren Grundherren an. Nach einer Blütezeit während des 12. und 13. Jh. zerfiel das manorial system im späten 14. Jh.
W. Rösener