4. Tochter des Königs
Ferdinands II. von Aragon
aus dem Hause
BURGUND-TRASTAMARA aus seiner 1. Ehe mit
der Königin
Isabella I. von Kastilien, Tochter von König
Johann II.
Lexikon des Mittelalters: Band VI Spalte
1070
********************
2. Katharina von Aragón, Königin von
England
-------------------------------
* 15. Dezember 1485, †
7. Janar 1536
Alcalá de Henares Kimbolton
Castle, Hunts
Tochter der Katholischen Könige
1. oo (November 1501)
Arthur,
Prinz von Wales († 2. April
1502)
2. oo (Juni 1509)
Heinrich
VIII. Tudor, König von England (geschieden 23. Mai 1533).
Von ihren Eltern zur Bekräftigung
einer politischen Allianz (Vertrag von Medina del Campo 1489,1499
erneuert) mit dem englischen
Thronfolger verheiratet, wurde Katharina
von Aragón sieben
Jahre nach dem frühen Tod ihres Gatten, mit dem sie die Ehe nicht
vollzogen hatte, Gemahlin seines
jüngeren Bruders, mit dem sie eine
Tochter, die spätere
Königin Maria von
England (Maria Tudor), hatte. Berühmt wurde sie
durch ihre Scheidung, gegen die sie sich bis zuletzt sträubte und
die nur durch die Loslösung der englischen Kirche von Rom
erzwungen werden konnte.
L. Vones
Als Katharina
ihrem
ersten Kind, einem Knaben, das Leben schenkte, tanzte König
Heinrich
VIII. im
Überschwang des Glücks vor ihr
Ballett
- der 18-jährige vor der 23-jährigen spanischen Prinzessin,
der Tochter Ferdinands von Aragonien und
Isabellas
von Kastilien. Katharina war im Jahre 1502 aus politischen
Gründen
Heinrichs Bruder,
dem Prinzen
von Wales, vermählt worden; aber ihr Gatte starb schon sechs
Monate
nach der Hochzeit. Der spanische König nahm seine Tochter nicht
zurück,
der Papst gab die Dispens zur Schwager-Ehe mit Heinrich
VIII., und so wurde Katharina
die erste der sechs unglücklichen Frauen, die der gekrönte
Wüstling
verstieß oder dem Henker überantwortete. Ihr Verhängnis
begann, als zum dritten Mal ihr Neugeborenes, der dritte Knabe, der
dritte
Thronfolger, starb; nur ihr Töchterchen Mary
blieb am Leben. Kaiser
KARL V., ihr Neffe, der inzwischen den spanischen
Thron
bestiegen hatte, verkündete nach einem Besuch am Hofe Heinrichs
aller Welt, wie glücklich Katharina
sein müsse, da selbst "der Teppich zu ihren Füßen mit
Perlen
bestickt sei". Die Königin
veranstaltete Feste, sie zwang sich zur
Heiterkeit, auch als sie wusste, dass Heinrich
sie mit ihrer bildhübschen
Hofdame Anna
Boleyn
betrog. Am 8. November 1528, nach 20-jähriger Ehe,
strengte Heinrich unter nichtigem
Vorwand
vor den versammelten Räten den Ehescheidungs-Prozess an. Als der
Papst
protestierte, vollzog Heinrich VIII.
die Trennung von Rom und nahm den Titel an: "Oberstes Haupt auf Erden
der
Kirche von England und unmittelbar von Gott." Pfingsten 1533 heiratete
er Anne Boleyn.
Katharina wurde verbannt und starb drei Jahre später.
Die
neue Königin erschien zu ihrer Beisetzung mit ihren Hofdamen in
grell
leuchtendem Gelb.
Bäumler Ernst: Seite 71
*************
"Amors vergifteter Pfeil.
Kulturgeschichte
einer verschwiegenen Krankheit"
Schon bald nach seiner Krönung als
kaum 18-jähriger
heiratete
Heinrich die Witwe seines
Bruders Arthur.
Katharina von Aragonien war
sechs Jahre älter als Heinrich.
Ihre Ehe mit Arthur hatte nur vom
14.
November 1501 bis zum 2. April 1502 gedauert. Obwohl der Hof nicht an
deren
Vollzug zweifelte - der spanische Gesandte hatte sogar, wie es der
Sitte
der Zeit entsprach, "Beweise" darüber an König
Ferdinand gesandt, behauptete Katharina,
zwischen Arthur und ihr habe
niemals
eine physische Verbindung bestanden.
Sieben Monate nach der tatsächlichen
Eheschließung,
am 31. Januar 1510, bekam Katharina
ihr erstes Kind; es starb jedoch schon bei der Geburt. Fast 12
Monate
später, am 15. Januar 1511, gebar sie Heinrich
einen Thronfolger, der aber ebenfalls nur wenige Tage
überlebte.
Den Untertanen wurde dies als Folge einer Erkältung dargestellt,
die
sich der Thronfolger angeblich bei der sehr langwierigen Taufzeremonie
zugezogen haben soll. Im Dezember 1513 wird wieder ein Sohn tot
geboren.
Ein weiterer Knabe, im Juni 1514 geboren, überlebt
ebenfalls
die Taufe nicht. Am 18. Februar 1516 erblickt eine Prinzessin
das
Licht der Welt. Sie erhält den Namen
Maria
(Mary)
und geht später als die
"Blutige" in die Geschichte ein. Auf Maria
folgen bei Katharina noch verschiedene
Fehlgeburten und ein totgeborener Sohn.
Heinrich war
nun
erst 34 Jahre alt, Katharina
hingegen
schon 40. Krankheiten und die Fehlgeburten hatten ihr arg zugesetzt;
sie
wirkte alt und verbraucht. Offensichtlich konnte sie keine weiteren
Kinder
mehr bekommen. "Sie hatte ihr bestes gegeben", bemerkt Mc Lauren, "die
arme Lady, doch die Spirochäten ihres Gemahls waren zu viel
für
sie". Schon vor Marias
Geburt trug
Heinrich sich mit
Scheidungsabsichten.
Der offizielle und wohl auch entscheidende Grund war Katharinas
Unfähigkeit den ersehnten Thronfolger zu gebären.
1536 starb Katharina,
des Königs erste Frau, in der Verbannung. Alsbald
raunten
sich die Höflinge zu, die einstige Gemahlin des Königs sei
von
Heinrich
vergiftet
worden. In Wahrheit dürfte Katharina eines
natürlichen Todes gestorben sein, möglicherweise an einem
syphilitischen
Aneurysma. Als Aneurysma bezeichnet man hierbei eine Erweiterung
der
Herzschlagader, wie sie zu den gefürchteten Spätfolgen der
Lues
gehört.
Vercors: Seite 25-33
*******
„Anna Boleyn“
Im Rahmen ihrer gegen Frankreich
gerichteten “Einkreisungspolitik”
hatte
Isabella von Kastilien ihre
16-jährige
Tochter Katharina Heinrich VII.
für seinen ältesten Sohn Arthur
zur Frau vorgeschlagen. Heinrich
hatte
ohne Zögern seine Zustimmung gegeben. Doch Arthur,
von zarter Gesundheit, machte Katharina
schon nach wenigen Monaten zur Witwe. Nichts lag näher, als sie
darauf
mit dem neuen Thronfolger zu vermählen.
Unter dem Druck der Ereignisse und um das
Bündnis
mit England zu retten, versicherte Katharina,
von ihrer Mutter bekräftigt, noch unberührt zu sein. Um ganz
sicher zu gehen, wandte sich Isabella an
den Heiligen Stuhl. Julius II.
erteilte Katharina
den
Dispens und die Verlobung konnte angesetzt werden. Das Verlöbnis
war
leicht zu lösen, denn Julius
II. hatte zwar den Dispens
erteilt,
aber ohne in Frage zu stellen, dass die Ehe zwischen ihr und Arthur
vollzogen
worden war. Heinrich VII.
ließ
seinen Sohn vor einigen kirchlichen Würdenträgern eine
Protestakte
gegen das Verlöbnis mit Katharina
unterzeichnen.
Katharina, die
seit
Arthurs Tod am englischen
Hof
lebte, wurde vom König gewissermaßen als „Kronreserve“ mit
geschmälerten
Mitteln vom Hof entfernt. Ihr Vater überließ sie ihrem
Schicksal.
Unter allerlei Vorwänden verzögerte er immer wieder die
Auszahlung
der vereinbarten Mitgift und versagte Katharina
selbst jede finanzielle Unterstützung. Nach dem Tode Philipps
des Schönen wurde sie an den Hof zurückgerufen,
gefeiert
und verwöhnt. Heinrich VII.,
der
beim Tode seines Sohnes Arthur
mit dem Gedanken gespielt hatte, Katharina
selbst zu heiraten, beabsichtigte nun, mit Katharinas
Hilfe ihre Schwester Johanna die
Wahnsinnige
zu heiraten. Durch Johannas Verhalten
zerschlug sich der Plan und Katharina
wurde wieder aus der Umgebung des Königs entfernt.
Im Jahre 1509 kam Heinrich
VIII.
dem väterlichen Willen nach und heiratete
Katharina
von Aragon. Nach sieben Jahren angstvollen Wartens, der
Ungewissheit
und der immer wieder enttäuschten Hoffnungen konnte man Katharina
eine gewisse Verbitterung nicht übel nehmen. Katharina
hatte für Prunk und Pracht und für die durch den Humanismus
und
die Renaissance angeregten neuen Ideen nichts übrig. Sie war in
ihrer
Jugend am ernsten spanischen Hof daran gewöhnt worden, das
Büßerhemd
der Trinitarier unter ihren königlichen Gewändern zu tragen
und
viele Stunden des Tages und der Nacht m Gebet zu verbringen, für
das
sie sich um Mitternacht und in der 4. Morgenstunde von ihrem Lager
erhob.
Trotz der charakterlichen Gegensätze des
königlichen
Paares, trotz ihrer unterschiedlichen Lebenseinstellung kann man die
ersten
Ehejahre als harmonisch bezeichnen. Heinrich
sah darüber hinweg, dass Katharina
ihn zu dominieren trachtete, sie schien seine Eskapaden stoisch
hinzunehmen.
Allerdings sollte bald spürbar werden, dass sie dafür einen
Ausgleich
suchte: Minister und Staatsbeamte, meist bürgerlicher Herkunft,
waren
die Opfer ihrer Launen, und das wurde mit den Jahren so schlimm, dass
dieser
1513 beim König Beschwerde einlegten.
Im Laufe der Jahre empfand Heinrich
ihren strengen, autoritären Charakter, ihre Versuche, ihn ganz
unter
ihren Einfluss zu bringen, als umso lästiger, als sein
persönliches
Interesse an ihr erlahmte. Katharina
war nun über 30 und durch die verschiedenen Schwangerschaften
füllig
und kinderlos geblieben. Nach einer Fehlgeburt, drei totgeborenen
Kindern
und einem in zartem Alter gestorbenen Söhnlein sah sich der
König
noch immer ohne männlichen Erben.
Während Heinrich
VIII.
Krieg auf dem Festland führte, fielen die Schotten in
Nord-England
ein. Katharina, in Abwesenheit des
Königs Regentin des Landes, ließ Truppen
ausheben
und
die unter dem Kommando des Grafen von Surrey besiegten die
Schotten
bei Flodden (9. September 1513). Als sie vor versammeltem Hof vom
König
die offizielle Anerkennung ihrer Verdienste verlangte, fühlte sich
der König schwer gekränkt, berief Kardinal Wolsey zum
Lordkanzler, der den Einfluss der Königin eindämmte. Die
Spannungen
im Eheleben des Herrscher-Paares legten sich und 1516 erblickte die
Tochter
Maria das Licht der Welt.
Im Jahre 1532 wurde Katharina
von Aragon in die Abtei von Moor, der Residenz des Abtes von
Saint-Albans, verbannt. Die Wassersucht, an der sie seit Jahren
litt, zwang sie das Bett zu hüten.
Baumann Uwe: Seite 17
*************
"Heinrich VIII. mit
Selbstzeugnissen
und Bilddokumenten."
Im September 1501 machte sich Katharina
auf den Weg nach England und landete am 2. Oktober in Plymouth. Am 14.
November wurde sie und Arthur in
der
St-Pauls-Kathedrale getraut. Am 23. Juni 1503 wurde ein Heiratsvertrag
unterzeichnet, der vorsah, dass der knapp 12-jährige Heinrich
und die 17-jährige Katharina vermählt
werden, sobald Heinrich das 15.
Lebensjahr
erreicht habe (28. Juni 1506). Bis dahin hätten die Eltern
Katharinas weitere 100.000 Kronen,
in Juwelen oder gemünzte Geld, als noch ausstehenden Teil der
Mitgift
für die erste Ehe mit Arthur
nach
England zu transferieren. Am 25. Juni 1503 erfolgte die Verlobung. Da
die
Mitgift noch nicht gezahlt wurde, erklärte Heinrich
VIII. am 27. Juni 1505, dass er den Ehevertrag nicht
anerkenne.
Niemand dachte offensichtlich auch an Katharina,
die umgeben von ihrem kleinen spanischen Hofstaat in Durham House mehr
schlecht als recht ihr Leben fristete, da ihr Heinrich
VII. auch den Unterhalt, der ihr als Witwe Arthurs
eigentlich
zustand, immer weiter gekürzt und schließlich sogar ganz
vorenthalten
hatte.
14.11.1501
1. oo Arthur Prinz von Wales
x 1486 † 2.4.1502
3.6.1509
2. oo Heinrich VIII. König von England
28.6.1491 †
21.8.1547
Kinder:
2. Ehe
Tochter
31.1.1510 † 31.1.1510
Heinrich
1.1.1511 †
21.2.1511
Sohn
Dezember 1513 (Oktober 1513 Fehl- oder
Totgeburt)
totgeboren
Sohn
Juni 1514 † Juni 1514/Mai 1515
Maria
I. Königin von England
18.2.1516 † 17.11.1558
Tochter
18.11.1518 †
Es folgten Katharina, verschiedene
Fehlgeburten und am
10.11.1518 ein totgeborener Sohn. Nach 1518 folgten keine
Schwangerschaften
mehr.
Literatur:
------------
Baumann Uwe: Heinrich VIII. mit
Selbstzeugnissen
und Bilddokumenten. Rowohlt Taschenbuch Verlag GmbH 1991 Seite 17 -
Bäumler Ernst: Amors
vergifteter Pfeil.
Kulturgeschichte
einer verschwiegenen Krankheit, R. Piper GnbH & Co. KG,
München
1989 Seite 71 -
Brandi Karl: Kaiser Karl V. Werden und
Schicksal
einer Persönlichkeit und eines Weltreiches. F. Bruckmann Verlag
München
1938 Seite 101,228,239,302, 309,321 - Brouwer
Johan: Johanna die Wahnsinnige. Glanz
und
Elend einer spanischen Königin. Eugen Diederichs Verlag
München
1995 Seite 14,25,39,72,105,152,154,192 - Fraser
Antonia: Die sechs Frauen Heinrichs
VIII.
Claasen Verlag GmbH Hildesheim 1995 Seite 7-484 - Grayeff Felix: Heinrich VIII. Ein kraftvolles
Leben.
Wilhelm Heyne Verlag München 1961 Seite
16,19,30,40,51,59,66,71,84,87,91,95,106,143,151,155,
166,170,173,176,183,187,188,193,195,199,200,202,203-213,215,216,228,229,231,241,264,335
- GROSSE FRAUEN DER WELTGESCHICHTE.
Tausend
Biographien
in Wort und Bild. Neuer Kaiser Verlag 1987 Seite
257 -
Leicht Hans: Isabella von Kastilien.
Königin
am Vorabend der spanischen Weltmacht. Verlag Friedrich Pustet
Regensburg
1994 Seite 58,195,248,254 - Mattigny,
Garret: Katharina von Aragon. W.
Kohlhammer
Verlag Stuttgart 1962 - Neale John E.:
Elisabeth I. Königin von
England.
Eugen Diederischs Verlag München 1994 Seite 9-15-19,43,62,453,455
- Panzer Marita A.: Englands
Königinnen.
Von
den Tudors zu den Windsors. Verlag Friedrich Pustet Regensburg 2001
Seite 20,22-34,35,37,38,40,43,64,66,72,74-76,91,93,118 - Perez Joseph: Ferdinand und Isabella:
Spaniens
Katholische Könige. Eugen Diederichs Verlag München 1995
Seite 250 - Ridley Jasper: Heinrich
VIII. Eine
Biographie.
Weltbild Verlag GmbH Augsburg 1995 Seite 14-303 - Tamussino Ursula: Maria von Ungarn. Ein Leben
im
Dienst der Casa de Austria Verlag Styria Graz Wien Köln 1998 Seite
139,141,159,204,222,257 - Thiele,
Andreas: Erzählende
genealogische
Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band II, Teilband 1
Europäische
Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser I Westeuropa, R.G.
Fischer
Verlag 1993 Tafel 167a,211 - Vercors: Anna Boleyn. 40 entscheidende Monate
in
Englands Geschichte Weltbild Verlag GmbH Augsburg 1995 Seite 25-33 - Wende
Peter: Englische Könige und
Königinnen.
Von Heinrich VIII. bis Elisabeth II. Verlag C.H. Beck München 1998
Seite 15,30,32,36,38,41,47,60,62,75,78 - Wittlin, A. St.: Isabella.
Begründerin der Weltmacht Spanien. Eugen Rentsch Verlag
Erlenbach-Zürich und Leipzig -