Johanna Parker                                Viscountess Rochford
--------------------                                    Erste Hofdame und Ehrendame der Anna Boleyn
um 1510
13.2.1542 hingerichtet

Tochter des Lords Heinrich Morley

Thiele, Andreas: Tafel 37
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"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band IV Die Britische Peerage, ein Auszug"

LORD GEORG
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um 1502
1536

  oo um 1526
      JOHANNA PARKER
           
1542

Tochter des Lords Heinrich Morley
Lady of the Bedchamber von Anna Boleyn bis Katharina Howard, wird mit letzterer angeklagt und 1542 auch hingerichtet


Fraser Antonia: Seite 244,247,281,348,382,390,395
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"
Die sechs Frauen Heinrichs VIII."

Madge Shelton, die Cousine von Heinrichs Gattin Anne, kann kaum eine Fremde für ihn gewesen sein. Doch mit Hilfe ihrer Schwägerin Jane
Gräfin Rochford konnte die Königin im Herbst 1534 leicht die Verbannung ihrer Rivalin vom Hof erreichen. Die leichtfertige Madge Shelton, die der Unbekannten in der Gunst des Herrschers nachfolgte, scheint keine Bedrohung für Anne dargestellt zu haben.

Was Königin Annes Reaktion auf die eheliche Pflichterfüllung des Königs anlangte, machte sie angeblich gegenüber ihrer Schwägerin Jane Rochford eine bittere Bemerkung, die man ihr später zu ihren Ungunsten auslegte: der König könnne keine Frau befriedigen, rief sie aus, in dieser lebenswichtigen Sache bewies er weder besonderes Geschick noch Manneskraft.
Die schlimmste Aussage kam von Rochfords Ehefrau Jane, die über eine "ungehörige Vertraulichkeit" zwischen den Geschwistern berichtete. Was Jane Lady Rochford zu ihrer Aussage bewog, bleibt im Dunkeln. Ihr Vater, Lord Morley, war ein ergebener Anhänger Königin Katharinas gewesen, und sie selbst mag die Absicht gehabt haben, Katharinas Tochter Mary zu unterstützen. Andererseits kann sie auch einfach darauf gehofft haben, auf der Gewinnerseite zu bleiben (was dann auch zutraf), trotz des Nachteils der "Schuld" ihres Gatten. Wie dem auch sei, der Effekt solch schrecklicher Worte bestand darin, daß Königin Anne auf schnellstem Wege der Verdammung preisgegeben wurde.
Einige Monate später unterhielten sich die älteren ihrer englischen Hofdamen mit ihr über das Thema, darunter Lady Rutland und Jane Gräfin Rochford, Veteranninen des königlichen Schlafzimmers. Diese Frauen vermuteten, daß die Königin de facto noch "eine Jungfrau" sei. Königin Anna beschrieb als Antwort die Prozedur, die auf die früheren, energischeren Anstrengungen gefolgt waren.
Königin Katharine drängt Culpeper zu kommen, wenn Lady Rochford ihr aufwartet.
Viele wurden in die Anklage verwickelt, unter ihnen Jane Gräfin Rochford, die Gesellschafterin der Königin, und das war ein schlechtes Omen für Katharine wie schon für frühere englische Königinnen. Jane Gräfin Rochford hatte bereits ihrer Schwägerin, Königin Anne Boleyn, gedient, sie später eines inzestuösen Verhältnisses zu ihrem Mann beschuldigt und so zu deren Verurteilung beigetragen. Lady Rochford versuchte, sich selbst als unschuldige Zuschauerin darzustellen, die sich irgendwo am anderen Ende des Zimmers aufgehalten hatte, in dem die Königin sich mit Culpeper traf, ohne zu wissen, was vor sich ging. Katherine drehte ihrerseits den Spieß um und beschrieb eine Frau, sündig wie Eva, die sie beständig mit verführerischen Ideen einer Liebelei in Versuchung geführt hatte. Auch Culpeper stellte sich auf den Standpunkt, daß Lady Rochford ihn zu einer heimlichen Beziehung mit der Königin "herausgefordert" hatte. "Kleiner süßer Narr", soll Lady Rochford ihn zärtlich genannt haben, als er (Katherin zufolge) sich weigerte, ihre Treffen zu beenden, "doch Ihr [Katherine] müßt Eindruck auf die Männer machen, den sie werden auf Euch schauen". Wie schon bei der technischen Seite des Ehebruchs der Königin, ist es unmöglich, die absolute Wahrheit - und damit eine relative Schuldzuweisung - festzustellen. Allerdings läßt sich definitiv sagen, daß Lady Rochford, Königin Katherine und Culpeper auf jeweils verschiedene Weise in eine Sache verstrickt waren, die keiner von ihnen auch nur einen Augenblick hätte gutheißen sollen.
Nun kam die Reihe an Jane Rochford. Marillac erfuhr, daß sie, anders als die zitternde Katherine, "einen langen Vortrag" über ihre Verfehlungen hielt. Natürlich hatte sich eine große Zuschauermenge eingefunden, um das faszinierende Schauspiel zu betrachten. "Die beiden Damen", schrieb Johnson, "starben den gottseligsten und christlichsten Tod". Sie hatten "ihren überzeugten Glauben an Christi Blut allein" zum Ausdruck gebracht, so daß er glaubte, ihre Seelen seien nun bei Gott. "Mit gütigen Worten und standhaften Mienen baten sie alle Christen, übe rihre verdiente uund gerechte Bestrafung mit dem Tod für ihre Vergehen nachzudenken". Eine solche Strafe hatten sie durch ihr Verbrechen gegen Gott und "ebenso gefährlicherweise gegen des Königs Majestät" verdient. Katherine wie auch Lady Rochford endeten mit einem von Herzen kommenden Gebet für die Erhaltung des Königs. Angesichts Marillacs Bericht über Katherines Schwäche, muß Johnson wohl die meisten Worte aus dem Mund Lady Rochfords gehört haben, obgleich Katherines Ansichten offenbar dieselben waren. Dann wurde Lady Rochford ihrerseits auf einem Block hingerichtet, der noch feucht und schlüpfrig war vom Blut ihrer Herrin.
Die beiden Leichen - die der geköpften Königin und die der Frau, die ihr nur allzu gut, aber sicher in unkluger Weise gedient hatte - wurden wie die Anne Boleyns in die nahegelegene Kapelle St. Peter ad Vincula gebracht und dort beigesetzt.
  
 
 
  
 

 um 1526
  oo Georg Boleyn Viscount Rochford
  x   1502
17.5.1536 enthauptet
 
 
 
 

Literatur:
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Baumann Uwe: Heinrich VIII. mit Selbstzeugnissen und Bilddokumenten. Rowohlt Taschenbuch Verlag GmbH 1991 Seite 119 - Fraser Antonia: Die sechs Frauen Heinrichs VIII. Claasen Verlag GmbH Hildesheim 1995 Seite 244,247,281,295,348,382,390,396,453 - Grayeff Felix: Heinrich VIII. Ein kraftvolles Leben. Wilhelm Heyne Verlag München 1961 Seite 204,224,230,296,308,314 - Hackett, Francis: Heinrich der Achte. Rohwolt Berlin 1936 Seite 282,301,303,322,439,443 - Panzer Marita A.: Englands Königinnen. Von den Tudors zu den Windsors. Verlag Friedrich Pustet Regensburg 2001 Seite 58 - Ridley Jasper: Heinrich VIII. Eine Biographie. Weltbild Verlag GmbH Augsburg 1995 Seite 406 - Smith Lacey Baldwin: Die fünfte Frau. Heinrich VIII. und Katharina Howard. Deutsche Verlagsanstalt Stuttgart 1969 - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band IV Die Britische Peerage, ein Auszug, R.G. Fischer Verlag 1996 Tafel 37 - Vercors: Anna Boleyn. 40 entscheidende Monate in Englands Geschichte Weltbild Verlag GmbH Augsburg 1995 -