Johanna (Jane) Grey                        Königin von England (1553)
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1537
12.2.1554 hingerichtet
Bradgate Tower London
 

Älteste Tochter des Marquess Heinrichs von Dorset aus dem Hause GREY und der Franziska Brandon von Suffolk, Tochter von Herzog Karl; Enkelin der Herzogin Marie Tudor von Suffolk, der Schwester von König Heinrich VIII. von England; Groß-Nichte von König Heinrich VIII. von England

Frauen der Weltgeschichte: Seite 197
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JANE GREY
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1535
1554

Als am 7. Juli 1553 die Kutsche der Lady Sidney vor dem Landhaus der Jane Grey zu Chelsea hielt, wusste die 17-jährige Jane wohl schon, welch wichtige Botschaft ihr die Schwägerin bringen würde: sie solle auf Weisung des Regentschaftsrates unverzüglich nach London zurückkehren und dort den Befehl des Königs erwarten. Dieser König, Edward VI., lag im Sterben. Das Haupt des Regentschaftsrates war der Herzog von Northumberland, ein ehrgeiziger Streber, der schon manche Köpfe hatte rollen lassen, ehe er den kränkelnden König völlig beherrschte. Als er das Ende des Königs nahen sah, hatte er eilig seinen Sohn Guilford mit Jane vermählt; sie war die Enkelin des Herzogs von Suffolk, ihre Mutter war eine Enkelin Heinrichs VII. Obwohl die Ansprüche Janes auf den englischen Königsthron also nur schwach waren, wagte es ihr Schwieger-Vater, der Herzog von Northumberland, den sterbenden Monarchen zu einem verhängnisvollen Rechtsbruch zu verleiten: Er schloss seine beiden Schwestern Maria und Elisabeth von der Thronfolge aus. Am Tage nach ihrer Ankunft in London wurde Jane Grey zur Königin von England ausgerufen. Sie empfing den Treueschwur der Lords und zog nach alter Sitte am Tage vor der Krönung mit großem Gepräge in den Tower ein. Maria, die rechtmäßige Königin, die von der Geschichte den Beinamen "die Blutige" erhielt, sammelte nach der Krönung ein Heer, zog in London ein und warf, 10 Tage nach der Thronbesteigung, Jane und ihren Gatten in den Kerker. Jane sah von einem Fenster ihrer Zelle der Hinrichtung ihres Gatten zu und bestieg dann selber, voller Todesverachtung und in erhabener Frömmigkeit, das Blutgerüst. Ihr Königstraum war ein Kurzdrama im Stile Shakespeares, dessen Großvater zu eben dieser Zeit als Bauer in Snitterfield bei Stratford saß.


Thiele, Andreas: Tafel 148
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"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band IV Die Britische Peerage, ein Auszug"

JANE GREY
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1534
1554 hingerichtet

Jane Grey, Groß-Nichte von König Heinrich VIII. Tudor, wurde 1553 auf Betreiben von Vater und Schwieger-Vater und deren Anhang Thron-Erbin und Königin von England, scheiterte bald gegen Maria Tudor ("10-Tage-Königin") und wurde mit ihrem Mann zum Tode verurteilt, was aber ausgesetzt wurde. Sie war 1553/54 im Tower inhaftiert. Jane Grey war eine hübsche, sehr gebildete und politisch durchaus ambitionierte junge Frau.

  oo 1553
       Lord GUILFORD DUDLEY
             
1554 hingerichtet

unreifer, unbedarfter Schnösel, nur Spielball des ehrgeizigen Vaters
(siehe dazu Dudley II)


Johanna Grey, eine eifrige Protestantin, wurde durch den Einfluss des Vaters und des Schwieger-Vaters vom königlichen Cousin Eduard VI. unter Umgehung seiner Halb-Schwestern Maria und Elisabeth zur Erbin bestimmt und am 10.7.1553 in London zur Königin ausgerufen. Am 19. Juli 1553 wurde sie durch ihre Cousine Maria I. verdrängt. Da sich Johanna weinend gegen die Krone gewehrt hatte, wurde sie zunächst nicht zum Tode verurteilt. Sie wurde im Tower inhaftiert und nach einem Aufstand ihres Vaters gemeinsam mit ihrem Mann hingerichtet.

Baker Timothy: Seite 43-64
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"Die Plantagenet"

Lady Jane Grey hatte nur ein kurzes, abenteuerliches Leben; es dauerte ganze 17 Jahre lang; von 1537 bis 1554. Sie war die Enkelin von Maria, der jüngeren Schwester Heinrichs VIII., die kurze Zeit mit Ludwig XII. von Frankreich und danach mit einem Mann ihrer eigenen Wahl, dem Herzog von Suffolk, verheiratet gewesen war. Obwohl vom Namen her eine GREY, war Jane in bezug auf Aussehen und Temperamt eine TUDOR. Als Thron-Erbin war sie in dem Bewusstsein erzogen worden, niemanden untertan zu sein. Während ihrer Kindheit wurde sie viel getadelt und geschlagen, ihre Zuflucht und ihr einziger Trost war die Gesellschaft ihres Privatlehrers. Sie wuchs auf mit nichts als Verachtung für ihr Milieu im Herzen und war eine mustergültige Schülerin und Protestantin. Einmal traf sie Roger Ascham an, als sie Plato las "mit soviel Begeisterung, wie wenn es sich um eine lustige Erzählung Boccacios gehandelt hätte". Im Alter von 13 Jahren sprach sie fließend Griechisch, Hebräisch und Latein sowie mehrere moderne Sprachen und korrespondierte mit den bedeutendsten Theologen Englands wie auch des Kontinents.
Die Thronbesteigung Janes beschwor eine Krise herauf, denn Prinzessin Maria war entschlossen, ihren auf dem Testament Heinrichs VIII. beruhenden Anspruch geltend zu machen. Northumberland machte den Versuch, das Land in Janes Namen zu vereinigen; da die meisten Leute aber seinem Vorhaben misstrauten, hielten sie sich absichtlich zurück und warteten lieber den Ausgang seiner Bemühungen ab. Um das Problem zu beseitigen, versuchte Northumberland Maria gefangen zunehmen; sie konnte sich ihm aber entziehen. Als ein Umschwung zugunsten der Popularität Marias eintrat, landete nicht sie, sondern Northumberland im Tower und sie besteig am 19. Juli 1553 den Thron. Obgleich Jane zum Tode verurteilt wurde, ließ sie die Königin erst ein Jahr später hinrichten, nachdem sich ihr Vater an einer Rebellion beteiligt hatte.

Ranke Leopold von: Seite 83-88
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"Geschichte Englands"

Heinrich VIII. hatte in seiner Thronfolgeordnung die Nachkommen seiner älteren nach Schottland vermählten Schwester als Fremde übergangen, die Nachkommen der jüngeren, Maria von Suffolk, aber nach seinen eigenen Kindern als erbberechtigt anerkannt. Die ältere Tochter Marias, Frances, war mit Heinrich Grey von Dorset, der schon den Titel von Suffolk erlangt hatte, vermählt und hatte drei Töchter, von denen die älteste Johanna Grey war. Eben auf diese, mit der der Herzog von Northumberland einen seiner Söhne vermählte, richtete er nun die Aufmerksamkeit des Königs und bewog ihn, sie seinen Schwestern vorzuziehen. Nicht eigentlich auf sie selbst jedoch so sehr, als auf ihre männlichen Nachkommen ging die ursprüngliche Absicht Eduards VI. Noch hatte bisher nie eine Königin kraft eigenen Rechts in England regiert, und auch jetzt wollte man das vermeiden. Eduard verordnete, dass, wenn er selbst ohne männliche Nachkommen sterbe, die männlichen Erben der Lady Frances, und wenn auch sie deren keine hinterlasse, die der Lady Johanna nachfolgen sollten. Er hoffte noch zu erleben, dass ein solcher 18 Jahre alt würde, in welchem derselbe die Regierung unmittelbar nach ihm antreten könne. Träte sein Tod früher ein, so solle einstweilen Johanna selbst nicht als Königin, sondern als Regentin die Verwaltung führen, jedoch gebunden an einen noch von ihm einzusetzenden Regierungsrat.
Allein die Krankheit Eduards VI. entwickelte sich rascher, als man gemeint hatte. In dem letzten Augenblick wurde er noch bewogen, nicht den männlichen Erben der Lady Johanna, sondern ihr selbst und ihren männlichen Erben die Nachfolge zuzusprechen.
Lady Johanna Grey hatte bisher ihre Tage in den Studien zugebracht. Denn Vater und Mutter waren streng und fanden immer etwas an ihr zu tadeln; ruhige Stunden innerer Genugtuung dagegen gewährte ihr der Unterricht eines immer gleich wohlwollenden Lehrers, der sie in die Gelehrsamkeit und in die Beschäftigung mit der Literatur einführte: über ihrem Plato sitzend, vermisste sie die Jagdlust nicht, deren andere im Park pflegten. Sie lebte auch in ihrem ehelichen Verhältnis, das sie nicht eben glücklich machte, noch in dieser von der Welt abgewandten Sinnesweise, als sie eines Tages nach Sion beschieden wurde, wo sie eine große und glänzende Versammlung fand. Noch wusste sie nichts vom Tode des Königs. Wie wurde ihr zumute, als man ihr eröffnete, Eduard VI. sei gestorben; damit das Reich vor dem papistischen Glauben und der Regierung seiner beiden nicht guten Schwestern gesichert werde, habe er sie, Lady Johanna, zu seiner Erbin erklärt und als nun die Großwürdenträger des Reiches ihre Knie senkten und sie als ihre Königin verehrten. Zuweilen hatte man ihr schon von ihrem Anrecht an den Thron geredet, doch hatte sie nicht viel darauf geachtet. Als es jetzt damit Ernst wurde, wurde ihre ganze Seele davon übernommen; sie stürzte zu Boden und brach in heftige Tränen aus. Ob ihr ein volles Recht zur Krone zustehe, konnte sie nicht beurteilen: was sie fühlte, war ihre Unfähigkeit, zu regieren. Den nächsten Tag begab sie sich zu Wasser nach dem Tower und nahm die Huldigungen an, die man ihr darbrachte. Die Herolde verkündeten ihre Thronbesteigung in der Hauptstadt.
Indem die zugunsten von Johanna Grey versuchte Kombination auf starken popularen Widerstand stieß, brach sie, von oben her, in sich selbst zusammen. Wenn die neue Königin ein so gutes Recht hatte, wie man ihr sagte, so wollte sie es mit niemandem teilen, auch nicht mit ihrem Gemahl. Sie wolle nicht als eine Kreatur der DUDLEYS und als ein Werkzeug ihres Ehrgeizes erscheinen; nur zum Herzog wolle sie ihn ernennen, nicht als König neben sich krönen lassen. Man erkennt darin ihren hohen Begriff vom Königtum und seinem göttlichen Recht; aber man begreift auch, dass der Zwiespalt, der hierüber in der Familie ausbrach, auf die Mitglieder des geheimen Rates einwirken musste, von denen doch nur einige mit Northumberland vollkommen einverstanden waren, die übrigen allein dem Übergewicht seiner Macht nachgegeben hatten. Indem der Herzog bewaffneten Zuzug von London erwartete, trat daselbst ein vollkommener Umschwung ein: auf Veranlassung des geheimen Rates wurde Maria als Königin ausgerufen und ihm selbst die Aufforderung zugefertigt, sich ihr zu unterwerfen. Schon hatte die Flotte, welche die Flucht Marias zu verhindern bestimmt war, für sich erklärt, die Truppen, welche in den Grafschaften aufgeboten worden, um sie zu bekämpfen, traten auf ihre Seite; im Feldlager Northumberlands gewann dieselbe Meinung die Oberhand. Der Herzog fühlte sich nicht fähig, ihr zu widerstehen. Er ließ sich von ihr selbst ergreifen, wie die anderen. Man erlebte das außerordentliche Schauspiel, dass der Mann, welcher ausgezogen war, um Maria zu vernichten, jetzt in seinem Lager ihre Thronbesteigung verkünden ließ. Er hat den Herold begleitet und den Namen Maria selbst ausgerufen. Wie sich auch der Herzog anstellte, er konnte weder seine Freiheit noch sein Leben retten. Bald darauf zog Maria unter dem Zujauchzen des Volkes in London ein. Johanna Grey blieb als Gefangene im Tower, den sie als Königin betreten hatte.
Nach der Niederschlagung des Aufstandes von Sir Thomas Wyatt, bekam Maria jetzt Anlass, sich der northumbrischen Faktion vollends zu entledigen. Johanna Grey, deren Name wenigstens genannt worden war, ihr Vater Suffolk, ihr Oheim Thomas Grey wurden hingerichtet, wie denn auch Wyatt und eine große Zahl der Gefangenen ihre Rebellion mit dem Leben büßten.
 
 
 
 

 21.5.1553
  oo Lord Guilford Dudley
      1530
12.2.1554 hingerichtet
 
 
 
 

Literatur:
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Baker Timothy: Die Plantagenet in Die großen Dynastien, Karl Müller Verlag 1996 Seite 43-64 - Fraser Antonia: Die sechs Frauen Heinrichs VIII. Claasen Verlag GmbH Hildesheim 1995 Seite 407,452,454,456,457,459 -
GROSSE FRAUEN DER WELTGESCHICHTE. Tausend Biographien in Wort und Bild. Neuer Kaiser Verlag 1987 Seite 197 - Lavater-Sloman Mary: Elisabeth I. Herrin der Meere, Gustav Lübbe Verlag GmbH Bergisch Gladbach 1988 Seite 106,108,110,120 - Neale John E. Elisabeth I. Königin von England. Eugen Diederischs Verlag München 1994 Seite 31,35,36,46,65,453 - Panzer Marita A.: Englands Königinnen. Von den Tudors zu den Windsors. Verlag Friedrich Pustet Regensburg 2001 Seite 9, 10,12,65,66-73,95,96 - Tamussino Ursula: Maria von Ungarn. Ein Leben im Dienst der Casa de Austria Verlag Styria Graz Wien Köln 1998 Seite 257 - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band IV Die Britische Peerage, ein Auszug, R.G. Fischer Verlag 1996 Tafel 148 - Wende Peter: Englische Könige und Königinnen. Von Heinrich VIII. bis Elisabeth II. Verlag C.H. Beck München 1998 Seite 53,58,63,77 -