Johanna (Jane) Seymour                  Königin von England
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um 1509
23.10.1537
 

Tochter des Sirs Johanns III. Sheriff von Somerset und Dorset aus dem Hause SEYMOUR und der Margarete Wentworth, Tochter von Sir Heinrich zu Nettlested (Nachkomme von Philippa, Tochter des Herzogs Lionel von Clarence über Elisabeth Mortimer oo Henry Percy (Hotspur) - Elisabeth Percy oo John, Lord Clifford - Mary Clifford oo Sir Philipp Wentworth - Sir Henry Wentworth)


Thiele, Andreas: Tafel 272
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"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band IV Die Britische Peerage"

JOHANNA
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1537

  oo 1536
       HEINRICH VIII., König von England
            
1547

Eltern des Königs Eduard VI.

GROSSE FRAUEN DER WELTGESCHICHTE. Tausend Biographien in Wort und Bild.: Seite 433
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JANE SEYMOUR
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Um 15091537

Während Anne Boleyn im Tower auf ihren Tod wartete, nähte die 19-jährige Tochter Johanna des Land-Edelmannes Seymour ihr Hochzeitskleid; einen Tag nach der Hinrichtung Annes vermählte sich Heinrich VIII. mit der großen, rothaarigen Jane, deren Leitspruch war: "Verpflichtet zu gehorchen und zu dienen." Der jungen Gemahlin las der König die Tragödie der unglücklichen Anne vor, eine Dichtung, die er selber geschrieben hatte. Das Parlament feierte Heinrich als starken Simson, den weisen Salomo und schönen Azalon. Ein Jahr später, während die Folterungen und Hinrichtungen nicht aufhörten, der Handel erlahmte und die Steuern stiegen und ein Aufstand Heinrich zum Vergleich mit seinen Widersachern zwang, erwartete Jane Seymour ein Kind.
Hans Holbein hat damals ihr Bildnis gemalt:
ein leeres und steifes Gesicht über Edelsteinen. Heinrich hörte täglich die Messe im Hampton Court, wohin er Jane zur Entbindung hatte bringen lassen, es waren bange Tage für ihn. Als die Ärzte erklärten, man werden nur ein Leben retten können, das der Königin oder das des Kindes, entschied er sich für das Kind. Aber Jane genas eines kräftigen Knaben; Heinrichs 21-jährige Tochter Mary, die ihm seine erste Gemahlin Katharina hinterlassen hatte, hielt den kleinen Eduard über das silberne Taufbecken; so wurde die spätere Königin Mary Tudor die "Katholische" die Patin des künftigen Verteidigers der reformierten Kirche; die 4-jährige Elisabeth, die spätere Mörderin der Maria Stuart, trug das Tauföl; Anne Boleyns greiser Vater reichte das Handtuch - eine Szene von geschichtlicher Dissonanz und erschreckender Düsternis. Am nächsten Tage starb Jane Seymour. Sie wurde in der St. Georgskapelle bestattet, wo auch Heinrich VIII. seine letzte Grabstätte finden sollte.


Johanna Seymour war von schlichter Würde und großer Anmut und Sanftmut und erreichte sogar, dass sich der König mit seiner Tochter Maria versöhnte, die er noch kurz vorher zum Bastard erklärt hatte. Sie starb wenige Tage nach der Geburt des Thronfolgers Eduard im Kindbett, vermutlich an einer Blutvergiftung.

Ihre Gestalt war eher zart gerundet und weich. Blonde Locken umspielten ein Kindergesicht mit vollen Wangen, die sich bei jeder Gelegenheit mit einem rosigen Hauch überzogen. Sie wirkte fast zerbrechlich und schutzbedürftig und ihre Bewegungen hatten etwas Linkisches. Ihre Geistesgaben blieben weit hinter den ihrer Rivalin Anna Boleyn zurück. Sie hatte Höheres im Sinn und wurde dabei von ihrem ehrgeizigen Bruder unterstützt. Am 19. Mai 1536, dem Todestag von Anna Boleyn, verlobte sich Heinrich VIII. mit Jane und eine Woche später ließ er sich mit ihr in der Schlosskirche von Whitehall trauen. Nach einer Fehlgeburt kurz nach ihrer Heirat starb sie im Kindbett, als sie im Oktober 1537 den langersehnten Thronfolger das Leben schenkte.

Ridley Jasper:
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"Heinrich VIII. Eine Biographie."

 
Auf einer Rundreise im Jahre 1535 begegnete Johanna Heinrich VIII. im Hause ihres Vaters in Wolf Hall. Er kannte sie bereits, denn sie war als Hofdame Katharinas und Annas am Hofe gewesen. Laut Chapuys war sie von mittlerer Größe, nicht besonders schön und ziemlich blass. In Aussehen und Charakter unterschied sie sich offenbar beträchtlich von Anna. Nach den Maßstäben des 16. Jahrhunderts war sie nicht mehr jung; sie war 26 und noch immer nicht verheiratet. Nach Heinrichs Besuch in Wolf Hall kehrte sie mit ihrem Bruder Eduard an den Hof zurück. In der Folgezeit machte ihr der König den Hof. Zweifellos ging Ende Januar nach der Fehlgeburt Annas das Gerücht um, Heinrich wolle Anna sobald wie möglich loswerden und Johanna Seymour heiraten. Johanna weigerte sich wie zuvor Anna, Heinrichs Geliebte zu werden. Ende März berichtete Lady Exeter Chapuys, Heinrich habe einen Boten mit einem Brief und einem Beutel voller Goldmünzen von York Place zu Johanna nach Greenwich geschickt. Johanna sei niedergekniet, als sie den Brief empfangen habe, und habe ihn geküsst. Dies war das korrekte Verhalten, wenn  man einen Brief vom König bekam. Sie weigerte sich jedoch, das Geldgeschenk anzunehmen. Sie bat den Boten, es Heinrich zurückzubringen und ihm auszurichten, sie sei eine Dame aus gutem Hause und wolle lieber tausend Tode sterben als ihre Ehre verlieren. Wenn Heinrich ihr Geld schenken wolle, solle er damit bis zu ihrer Verlobung warten und einen Ehevertrag zu ihren Gunsten schließen. Als Heinrich das hörte, verliebte er sich noch mehr in sie. Er pries ihre Tugend und erklärte, er werde den Beweis für die Aufrichtigkeit seiner Liebe zu ihr erbringen, indem er nur in Gegenwart eines Familienmitgliedes zu ihr spreche. Lady Exeter erzählte Chapuys, Johanna habe Umgang mit einer Gruppe von Höflingen, die Heinrich sehr nahe stünden und Anna hassten. Die Höflinge hätten Johanna geraten, sich Heinrichs Wünschen nicht eher zu beugen, als bis er sie zur Königin gemacht habe, und Johanna sei damit vollkommen einverstanden. Sie hätten ihr auch erklärt, sie solle Heinrich wissen lassen, wie sehr seine Untertanen die Ehe mit Anna missbilligten.
Am 3. März wurde Johannas Bruder Eduard zum königlichen Kammerherrn ernannt. Am Tag der Hinrichtung Annas gewährte Cramner Heinrich einen Dispens, damit er Johanna heiraten konnte. Das war notwendig, weil sowohl Johanna wie Heinrich von Eduard III. abstammten und entfernte Verwandte waren. Am nächsten Tag kam Johanna heimlich auf einer Barke nach Whitehall, und sie und Heinrich schlossen einen vorläufigen Ehevertrag. Zehn Tage später, am 30. Mai, heirateten sie heimlich. Am gleichen Tag ernannte Heinrich Johannas Bruder Eduard zum Viscount Beauchamp. Der Öffentlichkeit stellte er Johanna erst am 7. Juni als seine Königin vor, als sie gemeinsam mit großem Pomp in einer Barke von Greenwich nach Whitehall fuhren.
Im Sommer 1537 brach in London die Pest aus und Heinrich brachte die schwangere Johanna nach Guilford. Im September, als der Termin der Niederkunft näherrückte, zog Johanna mit einer kleinen Schar von Dienern nach Hampton Court. Am 12. Oktober brachte Königin Johanna einen Sohn zur Welt. Sie wurde durch einen Kaiserschnitt entbunden, das Kind war gesund und blieb am Leben. Zwölf Tage nach der Geburt starb Königin Johanna, vermutlich an Blutvergiftung. Ihr Leichnam war über zwei Wochen in ihrem Gemach in Hampton Court aufgebahrt, während die Bischöfe abwechselnd Messen lasen. Am 12. November wurde der Leichnam in einer Prozession von Hampton Court nach Windsor überführt.
In England glaubte man allgemein, Heinrich sei über Johannas Tod zutiefst bekümmert. Hierfür gibt es allerdings keine Hinweise. Der Glaube, er habe Johanna Seymour mehr geliebt als ihre beiden Vorgängerinnen und sei über ihren Tod untröstlich gewesen, scheint lediglich auf der Tatsache zu beruhen, dass er sich weder von ihr scheiden noch sie enthaupten ließ.
 

 

30.5.1536
   oo 3. Heinrich VIII. König von England
           28.6.1491
21.8.1547
 
 
 
 

Kinder:

  Fehlgeburt
  1536

  Eduard VI. König von England
  12.10.1537
6.7.1553




Literatur:
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Baumann Uwe: Heinrich VIII. mit Selbstzeugnissen und Bilddokumenten. Rowohlt Taschenbuch Verlag GmbH 1991 Seite 102,105,108,112,134, 107 - Fraser Antonia: Die sechs Frauen Heinrichs VIII. Claasen Verlag GmbH Hildesheim 1995 Seite 7-10,208,242,243,250,251-316,319,323, 327,329,333,336,338,341,343,351-353,359,360,365,368,371,372,378,379,393,399,406,410,411,427,428,435,441,442,456,464,469,470,472,475, 477-480 - Grayeff Felix: Heinrich VIII. Ein kraftvolles Leben. Wilhelm Heyne Verlag München 1961 Seite 204,210,223,227,235,256,257,258, 259,293,300,308,312,314,320,323,325,329,336,349 - GROSSE FRAUEN DER WELTGESCHICHTE. Tausend Biographien in Wort und Bild. Neuer Kaiser Verlag 1987 Seite 433 - Mattigny, Garret: Katharina von Aragon. W. Kohlhammer Verlag Stuttgart 1962 Seite 447 - Panzer Marita A.: Englands Königinnen. Von den Tudors zu den Windsors. Verlag Friedrich Pustet Regensburg 2001 Seite 40,41,42-46,76,94 - Ridley Jasper: Heinrich VIII. Eine Biographie. Weltbild Verlag GmbH Augsburg 1995 Seite 278,293,299,301,336,339 - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band IV Die Britische Peerage, ein Auszug, R.G. Fischer Verlag 1996 Tafel 272 - Vercors: Anna Boleyn. 40 entscheidende Monate in Englands Geschichte Weltbild Verlag GmbH Augsburg 1995 - Wende Peter: Englische Könige und Königinnen. Von Heinrich VIII. bis Elisabeth II. Verlag C.H. Beck München 1998 Seite 30,40,44,47,49,77 -