Eduard                                             Graf von Warwick, Lord von Montagu
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25.2.1475
26.11.1499 hingerichtet
 

Einziger Sohn des Herzogs Georgs von Clarence aus dem Hause YORK und der Isabella Neville, Tochter von Graf Richard II. von Warwick; Neffe der Könige Eduard IV. und Richard III. von England

Thiele, Andreas: Tafel 209
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"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band II, Teilband 1 Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser I Westeuropa"

EDUARD
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1475
1499

Graf von Warwick, Lord von Montagu

Eduard war der letzte legitime Sproß der ANJOU-PLANTAGENET-Familie, war körperlich zurückgeblieben und mußte als Sohn eines Hochverräters von Richard III. von der Thronfolge ausgeschlossen werden. Er wurde seit 1485 gefangengehalten. Zu seinen Gunsten fanden etliche Erhebungen statt, deshalb wurde er letztlich auf Befehl Heinrichs VII. umgebracht.


Baker Timothy:
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"Die Plantagenet"

Eine weitere drohende Gefahr für Heinrich VII. Tudor mußte ausgeräumt werden: der Sohn von Clarence, der zwar durch die Verdammung des Herzogs als Thronfolger ausfiel, was jedoch jederzeit für nichtig hätte erklärt werden könnte; dieser überlebte als der letzte legitime Nachkomme in männlicher Linie von Gottfried dem Schönen, Graf von Anjou.
Es sind nur wenige Geschichten, die trauriger sind als das Leben von Eduard Plantagenet, dem Earl von Warwick. Seine Mutter und sein jüngerer Bruder starben, als er noch im Babyalter war - sie sollen vergiftet worden sein -, sein Vater, als er drei Jahre alt war. Allein seine bloße Existenz stellte für Richard III. und Heinrich VII. eine Gefahr dar. Er lebte unter ständiger Kontrolle und wurde schließlich von Richard auf dem Lande gefangengesetzt und im Alter von 10 Jahren, direkt nach der Schlacht von Bosworth, im Tower eingekerkert. Zwei Jahre später wurde er für einen Tag freigelassen, weil Heinrich die Gerüchte um seine Person zerstreuen wollte und ihn zu diesem Zwecke durch die Straßen gehen und eine Messe in der St-Paul-Kathedrale hören ließ, wo er mit mehreren Adligen reden durfte. Anschließend mußte er für weitere 12 Jahre in den Kerker, bis eine Verschwörung zu seiner Rettung und das Drängen ausländischer Verbündeter eine öffentliche Hinrichtung ratsam erscheinen ließen. Am 19. November 1499, genau 100 Jahre und 7 Wochen nach der Absetzung Richards II., wurde Warwick in Westminster Hall abgeurteilt. Die Zeitgenossen sahen darin keinen großen Verlust. Eine Woche später wurde er auf dem Tower-Hill, dem Platz innerhalb der Festung, enthauptet. Er war für schuldig befunden worden, einen Fluchtversuch geplant zu haben. Seine tatsächliche Schuld bestand aber einzig und allein darin, dass er von Geburt aus der rechtmäßige König gewesen war. 
 

K
endall Paul Murray:
Seite 139,245,289,324,366,410,416,427,446
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"Richard III. König von England. Mythos und Wirklichkeit."

Der König bewahrte die Earlwürde von Warwick für Clarences Erben und überwachte sorgfältig das Wohlergehen seiner Tochter Margarete.
Da der Abkömmling König Eduards nicht in Betracht komme und der Sohn des Herzogs von Clarence wegen Clarences Hochverrat rechtsunfähig sei, so sei Richard von Gloucester des rechtmäßige Erbe YORKS und daher auch der rechtmäßige König von England.
Im Verlauf dieses glücklichen Aufenthalts richtete Richard auf dem Schloß Sheriff Hutton eine königliche Hofhaltung ein, in der Absicht, für zwei der Hauptsprößlinge des Hauses YORK eine Residenz zu schaffen. Clarences Sohn, der junge Earl of Warwick, den Königin Anna in ihr Gefolge aufgenommen hatte, ging nun nach Sheriff Hutton, um dort in der Obhut seines Vetters John, Earl of Lincoln, des Sohnes von Richards Schwester, der Herzogin von Suffolk, zu leben.
Doch ein König muß einen Nachfolger haben. Es gab zwei Möglichkeiten: Clarences Sohn, den Earl of Warwick, und den Earl of Lincoln, den Sohn von Richards Schwester Elisabeth und des Herzogs von Suffolk. Clarences Nachkommen waren wegen der Hochverratsfolgen rechtsunfähig, aber das konnte rückgängig gemacht werden. Doch Warwick war erst zehn Jahre alt und war das, was man heute ein zurückgebliebenes Kind nennen würde.
Das Schloß Sheriff Hutton, nahe der Stadt York, barg nun viel, was vom königlichen Blut YORK übriggeblieben war: die Prinzessin Elisabeth und zweifellos eine oder mehrere ihrer Schwestern, die Earls of Warwick und of Lincoln, Lord Morley, den Gatten einer Schwester Lincolns, und vielleicht Richards unehelicher Sohn John von Gloucester.
Lambert Simmels Behauptung, er sei der wahre Sohn von Clarence, Earl of Warwick, war eine durchsichtige Maskerade, denn viele wußten sehr wohl, daß der wirkliche Earl of Warwick als Gefangener im Tower saß.
Während der König noch in Yorkshire weilte, fand jedoch in London ein aufrührerischer Versuch statt, ihn abzusetzen und den eingekerkerten Earl of Warwick auf den Thron zu bringen.
Bald darauf erdichtete Heinrich VII. eine Beschuldigung, um Clarences Sohn zu ermorden, weil er von königlichen Geblüt war, und aus dem gleichen Grunde ließ Heinrich VIII. Clarences Tochter Margarete, den Earl of Suffolk, den Herzog von Buckingham, den Marquis von Exeter und Lord Montagu hinrichten.
Welcher denkbare Beweggrund trieb die Königin-Witwe Elisabeth dazu, eine Verschwörung zu unterstützen, die, wenn sie Erfolg hatte, ihre eigene Tochter entthronen, ihre stolze Stellung als Ahne von Königen beseitigen und die Herrschaft dem Sohn von Clarence geben mußte, des Mannes, dessen Tod sie erstrebt hatte, oder dem Earl of Lincoln, dem Erben ihres Feindes Richard?

Ridley Jasper: Seite 30,135
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"Heinrich VIII. Eine Biographie."

Zur selben Zeit freilich, als Warbeck für seine Vergehen büßen mußte, ließ Heinrich Eduard Plantagenet, den Grafen von Warwick, hinrichten, nachdem er ihn 14 Jahre lang im Tower gefangengehalten hatte. Warwick war der Sohn des Herzogs von Clarence, der seinerseits ein Bruder Eduards IV. war. Sein einziges Verbechen bestand darin, ein Nachkomme Eduards III. zu sein und einen besseren Anspruch auf den Thron zu haben als Heinrich VII.
Buckinghams Schwieger-Sohn Lord Abergavenny und Henry Pole, Lord Montagu, dessen Schwester Buckinghams Sohn geheiratet hatte, wurden ebenfalls verhaftet und der Teilnahme an Buckinghams Verrat bezichtigt. Montagu war Abergavennys Schwieger-Sohn. Seine Mutter, Margaret Pole, Gräfin von Salisbury, war die Cousine Elisabeths von York, der Mutter Heinrichs VIII., und Schwester des Grafen von Warwick, den Heinrich VII. 1499 hatte hinrichten lassen.


 

Literatur:
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Baker Timothy: Die Plantagenet. in: Die großen Dynastien. Karl Müller Verlag 1996 Seite 43-64 - Kendall Paul Murray: Richard III. König von England. Mythos und Wirklichkeit. Eugen Diederichs Verlag München 1995 Seite 139,245,289,324,345,366,410,416,427,439,446 - Ridley Jasper: Heinrich VIII. Eine Biographie. Weltbild Verlag GmbH Augsburg 1995 Seite 30,135 -Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band II, Teilband 1 Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser I Westeuropa, R.G. Fischer Verlag 1993 Tafel 209 -