Edmund                                            Lord Howard
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1478/80
19.3.1539
 

Jüngerer (3.) Sohn des Herzogs Thomas III. von Norfolk aus dem Hause HOWARD aus seiner 1. Ehe mit der Elisabeth Tilney, Erb-Tochter von Sir Friedrich zu Ashwellthorpe; Bruder von Herzog Thomas IV. von Norfolk und Vater der Königin Katharina Howard von England


Thiele, Andreas: Tafel 211a
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"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band IV Die Britische Peerage, ein Auszug"

LORD EDMUND HOWARD
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1538

Edmund Howard wurde königlicher Marschall, machte 1513 die Schlacht bei Flodden gegen Schottland mit.
Er war ein unfähiger Stutzer und Lebemann, brachte sich in größte finanzielle Schwierigkeiten und wurde nur gering geachtet.

  oo JOYCE CULPEPPER
           

Tochter und Erbin des Sir Richard Culpepper


Fraser Antonia: Seite 353-355
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"Die sechs Frauen Heinrichs VIII."

Katherine Howard wuchs in ärmlichen Verhältnissen auf, trotz des Glanzes ihrer Abkunft von den HOWARDS, die ihre königliche Abstammung von Edward I. über die MOWBRAY-Herzöge von Norfolk herleiteten. Es war in der Tat die gleiche königliche Abstammung wie bei ihrer Cousine ersten Grades, Anne Boleyn, doch wenn die beiden Mädchen auch Blutsverwandte waren (Katherines Vater und Annes Mutter waren Geschwister), sah der Hintergrund vor dem sie groß wurden, unterschiedlich aus. Vergleichen mit dem hart arbeitenden, ehrgeizigen Sir Thomas Boleyn war Lord Edmund Howard schwach und ziemlich faul, von seiner aristokratischen Herkunft daran gehindert (wie er es sah); Erfolge zu erringen, wie es niedriger Geborenen zustand. Als sein Vater bei Flodden den Oberbefehl über das englische Heer führte, schlug er sich tapfer, obgleich das Scharmützel unter seinem Kommando zu den wenigen Fehlschlägen des Unternehmens gehörte. 1515 wurde er zum Ritter geschlagen. Doch mit seine Karriere ging es niemals recht voran, bedenkt man, welche Möglichkeiten ihm offenstanden. Dies war vielleicht auf mangelnde Begeisterung des Königs für Edmunds Person zurückzuführen, vielleicht aber auch auf Fehler seiner Persönlichkeit, die diesen Mangel an Begeiserung verursachten.
Gegen Ende seines Lebens beklagte sich Lord Edmund: "Wäre ich eines armen Mannes Sohn, würde ich wohl meinen Lebensunterhalt mit meiner Hände Arbeit verdienen", statt dessen sah er sich selbst "von wenigen Freunden umgeben" und "von der Welt geschlagen". Was das Schlagen anlangte, so war seine dritte Gattin so ärgerlich auf Lord Edmund, daß sie ihn ohrfeigte. Die Arznei, die seinen Nierenstein auflösen sollte, ließ ihn die Kontrolle über die Blase verlieren. Mit den zornigen Worten: "Es ist Sache der Kinder, ins Bett zu pinkeln" schlug ihn die Ehefrau. Sein Leben war von Appellen an andere durchzogen, die ihn von seiner Armut erlösen sollten, angefangen bei Kardinal Wolsey - bis zu dem Zeitpunkt, da er gezwungen war, sich vor den gerichtlichen Schuldeneintreibern zu verstecken. 1534 wurde ihm der Posten des Oberaufsehers von Calais gewährt, möglicherweise durch den Einfluß seiner Nichte Anne Boleyn, doch aus etwas mysteriösen Gründen verlor er ihn einige Jahre später. Edmund starb kurz danach, im März 1539, also noch bevor seine Tochter Katherine an den Hof kam.
Seine wahre Bedeutung für Katherine bestand darin, sie als Mitglied eines sich rasch ausbreitenden Netzwerks von Verwandten in die Welt gesetzt zu haben. Die HOWARDS waren tatsächlich eine erstaunlich fruchtbare Familie: Lord Edmund besaß zweiundzwanzig Brüder und Schwestern, von denen neun lange genug lebten, um sich zu verheiraten. Im Jahre 1527 trug er selbst bereits für zehn Kinder Verantwortung. Einige davon scheinen Stief-Kinder gewesen zu sein, denn seine erste Gattin, Katherines Mutter Jocasta (Joyce) Culpeper, war die Witwe Ralph Leghs und hatte Kinder von diesem, als sie Lord Edmund um 1515 heiratete.
Joyce Culpepper war die Tochter Richard Culpepers aus Oxenheath in Kent. Die CULPEPERS waren eine weitverzweigte, angesehene Familie aus Kent; Joyce war eine entfernte Verwandte des Kammerherrn Thomas Culpeper im Kabinett des Königs (nicht zu verwechseln mit Joyces Bruder, der ebenfalls Thomas hieß). Als Frau Lord Edmund Howards gebar sie weitere sechs oder sieben Kinder und starb, als ihre Tochter noch sehr klein war. Es ist unmöglich zu entwirren, welche von Lord Edmunds Kindern seine leiblichen waren und welche der ersten Ehe seiner Gattin entstammten, doch ist dieser Punkt in der Geschichte Katherine Howards belanglos. Unzweifelhaft war sie ihres Vaters Tochter und stand in der Rangfolge der Familie weit unten, von Geburt an eine Mitläuferin.
Katherines Mutter war bereits gestorben und Lord Edmund Howard verheiratete sich noch zweimal. Beide Male mit Witwen: Dorothy Troyes  und Margaret Jennings (die ihn wegen seines Mißgeschicks so grausam demütigte), doch zeugte er keine weiteren Kinder mehr - und er löste auf diese Weise seine wirtschaftlichen Probleme.

Smith Lacey Baldwin: Seite 22,26,34,45,47-48,50,53-54
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"Die fünfte Frau. Heinrich VIII. und Katharina Howard."

Katharina Howards Vater, Lord Edmund, wurde vor den Gerichtshof der Sternkammern zitiert, weil er mit seiner Stellung als Generalprofos in der Grafschaft Surrey Mißbrauch getrieben hatte. Man warf ihm vor, er habe seinen Vetter Roger Legh gegenüber einem gewissen John Scotte in einem Rechtsstreit begünstigt.
Wie weit man über die Gunst des Königs verfügen konnte, war der Maßstab des politischen Erfolges, und es zeugte von der politischen Macht und einflußreichen Stellung des dritten Herzogs von Norfolk, daß er aus der königlichen Schatzkammer ein Darlehen für seinen Bruder, Lord Edmund Howard, erwirkte.
Sir Thomas Palmer sagte einmal von Lord Edmund Howard, der ein Bruder des Herzogs und Katharinas Vater war: "Wenn er auch Herr ist, ist er doch nicht Gott."
Die geschichtliche Überlieferung geht seltsame Wege. Katharinas Vater, Lord Edmund Howard, bleibt eine recht schattenhafte Figur, deren Umrisse sich kaum im Dunkel der Geschichte erkennen lassen, aber wir wissen genau, daß der Ärmste an Nierensteinen gelitten hat. 1536 schrieb er seiner Freundin Lady Lisle einen Brief, indem er ihr für eine Arznei dankte.
Lord Edmund Howard war der dritte Sohn eines Mannes, der 23 Nachkommen zeugte, von denen zehn am Leben blieben und heirateten. Von seinem aristokratischen Blut abgesehen, hatte dieser Lord Howard wenig aufzuweisen, was ihn befähigte, den Lebenskampf mit Aussicht auf Erfolg in Angriff zu nehmen. Geldmangel konnte an sich jederzeit durch die Gunst des Königs in Reichtum umgewandelt werden, aber Edmund Howard erwies sich als merkwürdig unfähig, sich bei dem Monarchen beliebt zu machen. Er war mit Heinrich VIII. fast gleichaltrig und hätte einer seiner Günstlinge werden können, die mit ihrem König bei ritterlichen Kämpfen unermüdlich wetteiferten. Unglücklicherweise jedoch zeigte Heinrich eine entschiedene Abneigung gegen diesen HOWARD-Sprößling. Auch als die HOWARDS sich in der Schlacht von Flodden Field auszeichneten und der König den Grafen von Surrey mit dem Herzogtum Norfolk belohnte, entzog er Edmund Howard auch weiterhin seine Gunst. Katharinas Vater befehligte in der Schlacht den rechten Flügel mit 1.500 Mann aus Cheshire und Lancashire. Sein Mißgeschick blieb ihm auch hier treu, denn er war der einzige, der an diesem Tag eine Niederlage erlitt. Seine persönliche Tapferkeit war über jeden Zweifel erhaben; er stürzte zweimal vom Pferd und stand jedesmal wieder auf, um weiterzukämpfen, doch rettete nur das rechtzeitige Eingreifen von Lord Thomas Dacre den rechten Flügel vor der völligen Vernichtung. Der junge Mann wurde von seinem Vater auf dem Schlachtfeld zur Belohnung zum Ritter geschlagen, der König jedoch kargte mit seiner Gunst. Er erhob seinen Vater zum Herzog, Edmund dagegen erhielt nur eine tägliche Rente von drei Schilling, vier Pence, die nach drei Jahren unvermittelt aufhörte. Daß Edmund an sich nicht unbeliebt war, beweist die Tatsache, daß er 1537 von den Stadtvätern von Calais zum Bürgermeister gewählt wurde. Der König erklärte jedoch die Wahl für ungültig. Kurz vor seinem Tod 1539 wurde er schließlich auch seines Postens als Oberaufseher von Calais enthoben und hatte kaum noch Aussicht auf eine andere Verwendung.
1514 bekommt er vom königlichen Schatzmeister hundert Pfund ausbezahlt, um sich für Turniere anläßlich der Hochzeit von Heinrichs Schwester mit Ludwig XII. von Frankreich auszustaffieren. Gelegentlich zog ihn die Regierung auch zu weniger glanzvollen aber nützlicheren Pflichten heran. Er erhielt verschiedene Aufträge zur Aufrechterhaltung des Friedens, und man bezahlte ihm drei Jahre lang ein Gehalt von zwanzig Schilling für die "Ergreifung von Dieben". Kurze Zeit profitierte er auch davon, daß seine Familie am Hof zu noch höheren Ehren gelangte, als seine Nichte Anna Boleyn von 1528-1536 ihren Einfluß auf den König ausübte und seine Gunst lenkte. Er bekam im April 1531 den Posten eines Oberaufsehers über Calais und vier Jahre später brachte er auf Veranlassung der Königin und seines Bruders, des Herzogs von Norfolk, den widerstrebenden König dazu, ihm das Hab und Gut des verurteilten Verbrechers Master Skell zu überlassen. Die Ironie des Schicksals wollte es, daß er starb, kurz bevor seine Tochter Katharina das errang, worum er sich sein Leben lang vergeblich bemüht hatte, die Gunst des Königs.
Die LEGHS scheinen Edmund nichts Gutes zugetraut zu haben, und seine Schwieger-Mutter, Dame Isabel Legh, gab sich die größte Mühe, ihm das Verfügungsrecht über das Erbe seiner Frau zu nehmen, und bestimmte, daß ihre Tochter ihr gesamtes Erbteil an Ländereien nur unter der Bedingung ausgehändigt bekäme, "daß ihr Gatte alle Länderein, welche zu dem Erbteil meiner Tochter in der Grafschaft Kent aus dem Besitz ihres Vaters Richard Culpeper und ihres Bruders Thomas Culpeper gehören, wieder herausgeben wird, so daß sie ihren Erben zufallen".
Nur aufs Heiraten verstand sich Edmund. Er scheint das Talent seines Clans geerbt zu haben, sich Frauen von edler Geburt und großem Vermögen auszusuchen. Wenn man Edmunds geringe Aussichten auf eine Karriere bedenkt, hat er sich dreimal außerordentlich gut verheiratet, denn jeder seiner Gemahlinnen brachte diesem nimmersatten HOWARD Ländereien und Reichtum mit in die Ehe. Seine erste Ehe, die einzige, aus der Nachkommen hervorgingen, schloß er mit Jocasta Culpeper, der reichen Witwe Ralph Leghs und Mit-Erbin Sir Richard Culpepers von Aylesford in Kent. Bei Mistress Jocasta konnte zwar wohl kaum von jugendlichen Reizen die Rede sein, da sie erheblich älter als ihr Gatte war und bei ihrer Heirat nahezu dreißig Jahre gezählt haben muß. Außerdem heiratete Edmund eine ganze Familie mit, denn seine Frau brachte wenigstens zwei, möglicherweise auch fünf Kinder von ihrem ersten Gemahl mit in die Ehe. Was dieser HOWARD-Braut jedoch an äußerer Schönheit vielleicht abging, machte sie durch ihren Reichtum wett, denn sowohl die LEGHS als auch die CULPEPERS verfügten über ausgedehnte Güter in Kent, Surrey und Sussex.
Vermutlich fand die Hochzeit um das Jahr 1514 statt, da es höchst unwahrscheinlich ist, daß Edmund, der nur der dritte Sohn des Grafen von Surrey war, eine so ungeheuer respektable und vermögende Dame verführen konnte. Lord Edmund konnte sich später noch zweimal verheiraten, zuerst mit Dorothy Troyes, einer ebenfalls reichen Witwe mit acht Kindern, und dann nach 1532 mit Margaret, der Witwe Nicholas Jennings.



     1515
  1. oo 2. Joyce Culpepper, Erb-Tochter des Sir Richard Culpeper und der Isabel Worsley
               1480 1525/27

  2. oo
2. Dorothy Troyes
                    
um 1532

  3. oo 2. Margaret Jennings
                   



 

 
 

Kinder:
1. Ehe

  Marie Howard
      
† 

  oo Edmund Trafford Sir zu Trafford
           
1590

  Katharina Howard
  um 1520
13.2.1542 hingerichtet

  Margarete Howard
       

  oo Thomas Arundel Sir zu Wardour
           
1553 hingerichtet
 
 
 
 
 
 
Literatur:
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Fraser Antonia: Die sechs Frauen Heinrichs VIII. Claasen Verlag GmbH Hildesheim 1995 Seite 353,354 - Hackett, Francis: Heinrich der Achte. Rohwolt Berlin 1936 Seite124,408 - Smith Lacey Baldwin: Die fünfte Frau. Heinrich VIII. und Katharina Howard. Deutsche Verlagsanstalt Stuttgart 1969 Seite 22 - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band IV Die Britische Peerage, ein Auszug, R.G. Fischer Verlag 1996 Tafel 211a -