Archibald II. Douglas                        6. Graf von Angus (1514-1557)
---------------------------
um 1490
1557

Ältester Sohn des Grafen Georg von Angus aus dem Hause DOUGLAS und der Elisabeth Drummond, Tochter von Lord Johann I.


www.wikipedia.de
***************

Archibald Douglas, 6. Earl of Angus
-----------------------
* 1490, Januar 1557

war ein schottischer Adeliger während der Herrschaften von Jakob V. und Maria I. Er war der Sohn von George, Master of Angus, der in der Schlacht von Flodden Field getötet wurde.

Heirat mit Margaret

1509 heiratete er Margaret, die Tochter des Earl of Bothwell. Nach ihrem Tod heiratete er 1514 die Königs-Witwe nach Jakob IV. und Regentin Margaret Tudor, die Schwester von Heinrich VIII. Die Heirat mit einer Protestantin löste innerschottische Konflikte aus, die traditionell mit Frankreich verbündete katholische Seite gewann die Kämpfe und setzte John Stuart statt Margaret Tudor als Regenten ein.

Douglas zog sich auf seinen Landsitz zurück während John Stuart Margaret in Schloss Stirling belagerte. Es gelang dem Regenten, die königlichen Kinder in seine Gewalt zu bringen, Margaret flüchtete daraufhin nach England. Douglas sah seine Frau noch einmal, als sie nach Schottland kam um Frieden mit John Stuart zu schließen.

Während der Trennung von seiner Frau hatte Douglas eine Beziehung mit der Tochter des Laird of Traquair. Margaret rächte sich für die Vernachlässigung durch ihren Ehemann indem sie Douglas' Machtbestrebungen nicht unterstützte und heimlich mit Hilfe Stuarts die Scheidung von Douglas vorantrieb. In Edinburgh behauptete sich Douglas in einem offenen Straßenkampf gegen James Hamilton, den 1. Earl of Arran, der versucht hatte den Einfluss der HAMILTON-Familie über Jakob V. auszudehnen.

Verbannung und Machteroberung

1517–1520 hielt sich Stuart in Frankreich auf und regierte von dort aus Schottland. Obwohl Douglas während der Zeit seiner Regentschaft Margaret ihre Kinder nur einmal sehen ließ, verbündete sie sich mit ihm gegen ihren Mann. Im Dezember 1521 wurde Douglas von Stuart des Hochverrats bezichtigt und unter Hausarrest nach Frankreich verbannt. 1524 floh er von dort nach London, wo Heinrich VIII. ihm Unterstützung gewährte. Am 23. November 1524 versuchte er in Edinburgh einzumarschieren, wurde aber von Margarets Truppen unter Beschuss genommen und musste sich auf Tantallon Castle zurückziehen. Von dort organisierte er eine breite Koalition schottischer Adeliger, mit deren Truppen es ihm im Februar 1525 gelang, Edinburgh zu erobern. Er berief ein Parlament ein, von dem er mit weitreichende Vollmachten ausgestattet wurde.

Vormund Jakobs

Douglas wurde im März die Vormundschaft über Jakob gewährt. Als diese im November auslief, weigerte er sich allerdings sie zurückzulegen, statt dessen verjagten seine Truppen Margaret nach England. Douglas nutzte seine Macht um seine Familienangehörigen in öffentliche Ämter einzusetzen und machte sich selbst zum Kanzler. Mehrere Versuche, den König aus der Vormundschaft seines Stief-Vaters zu befreien misslangen,
Douglas schlug unter anderem ein 10.000 Mann umfassendes Heer unter der Führung John Stewart, dem 3. Earl of Lennox. 1528 gelang es Margaret, ihre Scheidung von Douglas durchzusetzen. Sie hielt sich mit ihrem Liebhaber Henry Stewart, den sie unmittelbar nach der Scheidung heiratete, in Stirling auf, wo sie prompt von Douglas belagert wurden. Einige Wochen später gelang Jakob V. die Flucht zu seiner Mutter nach Stirling, wo er einen Anordnung erließ die es allen Mitgliedern der DOUGLAS-Familie gebot, 7 Meilen Abstand zu seiner Person einzuhalten.

Exil in England

Douglas floh auf seine Burg Tantallon. Seine Ländereien wurden konfisziert, alle Titel aberkannt. Mehrere Versuche Jakobs, die Burg einzunehmen scheiterten jedoch. Nach einiger Zeit erfolgloser Belagerung gab Douglas im Mai 1529 die Burg im Gegenzug für einen Waffenstillstand zwischen Schottland und England auf und floh zu Heinrich nach England, wo er bis 1542 blieb. Mehrfach nahm er an Feldzügen der Engländer gegen Schottland teil, auch weil Mitglieder seiner Familie, die nicht geflüchtet waren, von Jakob V. ihres Besitzes enteignet oder sogar hingerichtet wurden.

Rückkehr nach Schottland

Als Jakob V. 1542 starb kehrte Douglas nach Edinburgh zurück, seine Ländereien und Titel wurden restituiert. Heinrich VIII. trug ihm auf, die Heirat zwischen Maria Stuart und Eduard VI. voranzutreiben. 1543 handelte er den Friedens- und Heiratsvertrag zwischen England und Schottland aus. Im selben Jahr heiratete er Margaret, Tochter von Robert, Lord Maxwell.

1545 wurde Douglas wegen eines Streites mit dem Regenten James Hamilton, 2. Earl of Arran, kurzzeitig inhaftiert. Die Überfälle englischer Truppen unter Führung von Edward Seymour, die auch Douglas Ländereien betrafen, ließen Douglas erstmals die Partei der Schotten ergreifen. Er verbündete sich mit Hamilton und unterstützte Versuche, Maria Stuart mit Franz II. zu verheiraten. Im Juli 1544 wurde er zum Befehlshaber der Truppen an der Grenze zu England ernannt, 1545 schlugen seine Truppen die Engländer in der Schlacht von Ancrum Moor.

Douglas korrespondierte zwar immer noch mit Heinrich VIII., unterzeichnete aber dennoch das Gesetz, das den Friedens- und Heiratsvertrag außer Kraft setzte.

Tod

Während der Regentschaft von Maria Stuarts Mutter Marie de Guise waren sein ruheloser und ambitionierter Charakter immer wieder Grund zur Sorge, vor allem da er eine sehr große Anzahl von Männern unter Waffen hielt. Am 21. August 1547 gab er seinen Adelstitel auf, erhielt aber das Recht den Titel weiterzuvererben. Douglas starb im Januar 1557. Er hinterließ eine legitime Tochter, Margaret, die den Earl of Lennox heiratete und Mutter von Lord Darnley wurde. Douglas Neffe David wurde sein Nachfolger als 7. Earl of Angus.

Literatur

  • Kenneth O. Morgan (Hrsg.): The Oxford Illustrated History of Britain. Oxford University Press, Oxford 1984, S. 254ff ISBN 0-19-822684-5.
  • Simon Schama: A History of Britain 1. 3000 BC–AD 1603. At The Edge of The World?. BBC Books, London 2003, S. 354ff., ISBN 0-563-38497-2.


Thiele, Andreas: Tafel 68a
**************

"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band IV Die Britische Peerage, ein Auszug"

ARCHIBALD II.
----------------------
um 1490
1557

Archibald II. folgt 1514 seinem Großvater, Graf Archibald I., als Graf von Angus, Lord Abernethy, Lord Douglas von Douglasdale, Lord Bothwell, Herr zu Bonkyl und Jedburgh, Militär-Gouvernneur der Grenzen;
gerät jahrelang erbittert gegen den Regenten, Herzog Johann von Albany und erzwingt 1517-1522 und ab 1524 eine Mit-Regentschaft (vgl. Schottland IVa), wird Lord Kanzler von Schottland, war zeitweise verjagt und hält 1526-1528 seinen königlichen Stief-Sohn Jakob V. wie einen Gefangenen und regiert selbstherrlich wie ein allmächtiger Hausmeier;
gerät besonders gegen die  Frau - auch wegen deren Seitensprüngen, gegen die Sippe HAMILTON und die Linie Stuart-Lennox, die Jakob V. zu befreien versucht: Schlacht bei Linlithgow 1526 (siehe bei Schottland Vb dazu), führt viele wüste Fehden, ermordet unter anderem 1520 Johann Montgomery, den Erben der Grafschaft Eglington, in Edinburgh ("Cleanse the causeway"),
1528 kann Jakob V. fliehen und verfolgt seitdem die Gesamt-Sippe DOUGLAS mit größtem Haß, um sie zu vernichten (= Kern der berühmten Ballade von Fontane(-Loewe), wird geächtet, enterbt und verjagt,
steht 1529-1543 als königlicher Geheim-Rat in englischen Diensten, seinen Neigungen zu Intrigen und Undurchsichtigkeiten nachgehend und wird 1543 voll restituiert;
treibt zusammen mit seinem gleichaltrigen Bruder Georg weiterhin ein undurchsichtiges Doppelspiel zwischen der englischen und französischen Partei am schottischen Hofe, steht 1545 gegen den Regenten Hamilton: Schlacht bei Ancrum Moor, kämpft  aber 1547 zusammen mit ihm gegen England: Schlacht bei Pinkie (vgl. Hamilton IIa), ist auch mit der Tochter zerstritten wegen seiner 3. Ehe und ihren Erbansprüchen;
er resigniert allen Besitz 1547 an die Krone und erhält ihn mit neuen Belehnungs-Urkunden zugunsten einer salischen Erbfolge zurück, schaltet damit die Tochter aus, sichert der Familie den gesamten Besitz ("sibi et suis hae redibus mascvulis et suis assignatis quibuscumque"), ist eine schillernde Persönlichkeit seiner Zeit, zeigt viel von dem, was bei seinem berühmten Neffen, Graf Jakob III. von Morton, noch viel ausgeprägter erscheint (vgl. Douglas IIb/1), seine vielen Frauengeschichten zeigen eine weitere typische Seite seines Charakters auf.

  1. oo 1509
           MARGARETE HEPBURN
                 
1513 im Kindbett

Tochter des Grafen Patrick I. von Bothwell und der Janet Douglas (Grafen-Haus MORTON)

  2. oo 1514-1527
          MARGARETE TUDOR
                
1541

Tochter und Eventual-Erbin König Heinrichs VII. von England und der Prinzessin Elisabeth Plantagent von England
Witwe des Königs Jakob IV. von Schottland (
1513 gefallen)

  3. oo 1543
           MARGARETE MAXWELL
                
1593

Tochter des Lords Robert II. zu Carlaverock


Archibald II. Douglas eignete sich unter heftigen Kämpfen mit den anderen Großen die Regentschaft über den unmündigen Jakob V. an, mißbrauchte aber seine Gewalt in willkürlicher Weise, so dass seine Gemahlin ihn verließ und der nach Stirling geflohene Jakob V. ihn ächtete. Nach längeren Kämpfen mußte er 1528 nach England fliehen, wo er vergeblich Ränke schmiedete, um den schottischen Adel gegen den König aufzuwiegeln. Nach Jakobs V. Tode kehrte er 1543 nach Schottland zurück und wurde in seine Würden und Güter wieder eingesetzt.

Seine Schwester, Lady Janet Glamis, wurde wegen Mordes an ihrem ersten Ehemann schuldig gesprochen und im Sommer 1537 auf dem Castle Hill in Edinburgh verbrannt.
 
Fraser Antonia: Seite 84,150
*************
"Die sechs Frauen Heinrichs VIII."

Auch von Königin Margaret von Schottland, seiner älteren Schwester, konnte sich der König kaum etwas versprechen. Ein Jahr nach dem Tod James IV. bei Flodden hatte sie heimlich den schottischen Adligen Archibald Douglas, Graf von Angus, geheiratet. Entweder handelte sie aus Liebe - er war jung und gutaussehend - oder, um Douglas gegen den franzosenfreundlichen John Stewart, Herzog von Albany, zu unterstützen. Dieser politische Schachzug führte jedoch nicht zum Ziel. Als Cousin ersten Grades des verstorbenen Königs stand der Herzog in der schottischen Thronfolge direkt hinter den beiden Söhnen James' IV., obwohl er in Frankreich aufgewachsen war und sich als Untertan des französischen Königs betrachtete. Jetzt sicherte er sich sowohl die Regentschaft über das Königreich. Königin Margaret floh nach Northumberland, wo sie im Oktober 1515 eine Tochter von Angus zur Welt brachte - Lady Margaret Douglas. Im Frühjahr 1516 reiste die Königin nach Süden und lebte ab Mai am englischen Hof in Greenwich.
Das beste Beispiel hierfür bot Königin Margaret von Schottland, die ältere Schwester Heinrichs VIII. Als ihre zweite Ehe mit dem Grafen von Angus scheiterte, reichte sie ein kompliziertes Scheidungsbegehren ein, in dem sie behauptete, die Heirat habe zu Lebzeiten ihres ersten Gatten stattgefunden und sei daher Bigamie. Tatsächlich jedoch hatte die Königin Angus 1514 völlig legal geheiratet - nach dem Tod James IV. bei Flodden 1513. König Heinrich erging sich in ironischen Bemerkungen über das Betragen seiner Schwester, für das er ihre "Gelüste" verantwortlich machte. Im Dezember 1524 hieß es von Königin Margaret, sie sei "so in Narrheit verblendet, ihren unzüchtigen Appetit zu stillen, daß es sie nicht kümmert, was sie tut". Kardinal Wolsey wurde gebeten, sie an die Stellung ihrer gemeinsamen Tochter mit Angus zu erinnern, Lady Margaret Douglas. Pflichtgemäß bat er die schottische Königin, aus "natürlicher Liebe, zärtlichem Mitgefühl und mütterlicher Freundlichkeit" von weiterem "verleumderischen" Vorgehen abzusehen, denn sie "beflecke die Ehre eines so liebenswerten Geschöpfs [= Lady Margaret]" und verschaffe ihrer Tochter "den Ruf  einer Niedriggeborenen": Doch Königin Margaret setzte ihre Scheidung durch und heiratete Methven 1527.


 
 

   1509
  1. oo Margarete Hepburn, Tochter des Grafen Patrick I. von Bothwell
           um 1490/95
1513

 1514-1527
  2. oo 2. Margarete Tudor von England, Tochter König Heinrichs VII.
               29.11.1489
18.10.1541

     1543
  3. oo Margarete Maxwell, Tochter des Lords Robert II. zu Carlaverock
               
1593
 
 
 
 

Kinder:
2. Ehe
 
  Margarete Douglas
  18.10.1515
9.3.1578

 6.7.1544
  oo Matthäus II. Stuart 4. Graf von Lennox
       um 1516
4.9.1571 ermordet

illegitim

  Johanna Douglas
      
 

  oo Patrick Ruthven Lord Dirletoun
          
um 1566

  Georg Bischof von Dunkeld-Moray
      
um 1590
 
 
 
 
 
 
 

Literatur:
-----------
Fraser Antonia: Die sechs Frauen Heinrichs VIII. Claasen Verlag GmbH Hildesheim 1995 Seite 84,150,228 - Panzer Marita A.: Englands Königinnen. Von den Tudors zu den Windsors. Verlag Friedrich Pustet Regensburg 2001 Seite 101 - Ridley Jasper: Heinrich VIII. Eine Biographie. Weltbild Verlag GmbH Augsburg 1995 Seite 96,132,160-161,192,213,413,416-417,424,427,434  - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band II, Teilband 1 Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser I Westeuropa, R.G. Fischer Verlag 1993  Tafel 210a - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band IV Die Britische Peerage, ein Auszug, R.G. Fischer Verlag 1996 Tafel 68a - Wende Peter: Englische Könige und Königinnen. Von Heinrich VIII. bis Elisabeth II. Verlag C.H. Beck München 1998 Seite 30,97 -