Anna von Kleve                               Königin von England
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22.9.1515
28.7.1557
                 Chelsea

2. Tochter des Herzogs Johanns III. von Jülich-Berg-Kleve und der Marie von Jülich-Berg, Tochter von Herzog Wilhelm III.


BERTELSMANN Lexikon Geschichte: Seite 50
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Anna von Kleve, englische Königin 1540
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* 22.9.1515,
28.7.1557
                      Chelsea

4. Gattin Heinrichs VIII., der die Ehe aus Enttäuschung über Annas Aussehen noch im Jahr der Heirat 1540 für nichtig erklären ließ.


Thiele, Andreas: Tafel 211
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"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band II, Teilband 1 Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser I Westeuropa"

HEINRICH VIII.
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1491
1547

  1. oo 1509-1533
            KATHARINA VON SPANIEN
            1485
1536

Tochter des Königs Ferdinand II. von Aragon und der Königin Isabella I. von Kastilien
Tante Kaiser KARLS V. und Witwe von Prinz Arthur

  2. oo 1533
            ANNA BOLEYN
                  
1536 hingerichtet

Tochter des Grafen Thomas von Wiltshire
Cousine der Katharina Howard

  3. oo 1536
           JANE SEYMOUR
                 
1537 (im Kindbett)

Tochter des Sir Johann III.
Schwester des englischen Lordprotektors Herzog Edmund von Somerset

  4. oo 1540-1540
            ANNA VON KLEVE
            1515
1557

Tochter des Herzogs Johann III. von Jülich-Berg-Kleve
grobschlächtig, pockennarbig, ohne jeden Liebreiz, aber sehr zupackend und natürlich, sie wird als "Schwester des Königs" apanagiert

Am 9.7.1540 wurde die Ehe wieder geschieden; Anna erhielt 3.000 Pfund Sterling Jahresrente und die Bezeichnung "Schwester des Königs" und lebte bis zu ihrem Tode in England.

GROSSE FRAUEN DER WELTGESCHICHTE. Tausend Biographien in Wort und Bild.: Seite 26
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ANNA VON KLEVE
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1515 16.VII.1557

Als Ende 1539, vom mächtigsten Manne Englands, Oliver Cromwell, geschickt, ein Bote in der Herzogsburg zu Cleve erschien und um ein Bild der Prinzessin Anna bat, wiegte sich die junge Herzogs-Tochter in den freundlichsten Hoffnungen. Sie wußte nichts von den Untaten des 50-jährigen Königs auf Englands Thron und begriff das kalte Spiel der Politik nicht, das soeben begonnen hatte. Ihr Vater war das Haupt der deutschen Protestanten und galt als der Erzfeind KARLS V. und so erwartete Cromwell von der Heirat seines Königs mit einer lutherischen Prinzessin, dass das Bündnis mit den deutschen protestantischen Fürsten gegen den katholischen Kaiser endlich zustande komme. Da in Cleve kein Maler zu finden war, entsandte Heinrich Meister Hans Holbein in die Schwanenburg von Cleve; er malte das züchtige Mädchenantlitz in solcher Vollendung, dass Heinrich sich in das Bild verliebte. Noch zur selben Stunde warb er um die Hand der 24-jährigen Prinzessin. War es eine Lüge, die Holbein beging, als er die Pockennarben auf dem Antlitz Annas unterschlug? Es war eine groteske Szene, als Heinrich und Anna sich zum erstenmal erblickten. Vor der Braut stand ein maßlos dicker, rotbärtiger Mann, hinkend, da er von einem Beingeschwür belästigt wurde, und er, der König und Bräutigam, war nicht minder entsetzt über die "flandrische Stute". Heinrich VIII. war nicht gewillt, diese Frau als Gemahlin anzuerkennen, und ließ sie nach der Hochzeit allein. Cromwell wurde enthauptet, die englische Kirche erklärte die Ehe für nicht vollzogen und deshalb für ungültig. Anna von Cleve war klug genug, dem König den Ehering zurückzugeben. Als "Mylady Anna von Cleve" überlebte sie ihn, der noch zweimal heiratete, um sieben Jahre.


Ridley Jasper: Seite 375
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"Heinrich VIII. Eine Biographie."

Anna von Kleve reiste nach der Unterzeichnung eines Ehevertrages mit einem Gefolge von 263 Personen und 228 Pferden von Düsseldorf nach Calais, wo sie Mitte Dezember 1539 eintraf. Da Heinrich so viel über ihre Schönheit gehört hatte, eilte er am Neujahrstag verkleidet nach Rochester, um seine Braut vor der offiziellen Begegnung zu sehen. Er war jedoch außerordentlich enttäuscht, denn Anna war alles andere als eine Schönheit. Es fehlte ihr an guten Umgangsformen, und sie war für den Hof eines großen Königs nicht passend gekleidet. Als Heinrich am nächsten Tag nach Greenwich zurückkehrte, erklärte er Crommwell, er könne Anna nicht ausstehen. Am 3. Januar 1540 ritt er in Begleitung von 5.000 bis 6.000 Reitern nach Shooters Hill, um Anna zu begrüßen. Obwohl er eigentlich die Heirat verhindern wollte, stimmte er am 5. Januar zu, dass die Trauung am folgenden Tage in Greenwich stattfinden solle. Laut Heinrich wurde die Ehe nie vollzogen. Obwohl er jede oder jede zweite Nacht bei Anna schlief, sagte er später, er habe sie als ebenso gute Jungfrau verlassen, wie er sie vorgefunden habe. Er habe ihren Leib und ihre Brüste befühlt und sei sicher, dass sie überhaupt keine Jungfrau mehr gewesen sei.
Heinrich ließ Material für eine Scheidung zusammentragen und ließ die Ehe auf ihre Gültigkeit prüfen. Er legte eine mit eigener Hand geschriebene Erklärung vor, nach der er der Heirat mit Anna von Kleve in erster Linie im Vertrauen darauf zugestimmt hatte, "dadurch einen sicheren Freund zu gewinnen, weil ich damals sowohl dem Kaiser und Frankreich als auch dem Bischof von Rom mißtraute, und weil ich so viel über ihre außergewöhnliche Schönheit und Tugend gehört hatte". Aber als er sie das erste Mal in Rochester gesehen habe, "da gefiel sie mir überhaupt nicht, das versichere ich Euch, und sie war ganz anders, als man sie mir geschildert hatte, dass es mir lieber gewesen wäre, sie wäre nie nach England gekommen". Heinrich behauptete, er habe Anna nicht aus freien Stücken geheiratet und die Ehe sei ungültig, weil das Einverständnis zwischen den Partnern fehle.
Zum Beweis seiner Behauptung nannte er außer Lord Southampton und Sir Anthony Browne auch Lord Essex als Zeugen, "weil ich keinen Zweifel habe, dass er seine Seele nicht der Verdammnis preisgeben, sondern die Wahrheit sagen wird, nun da er weiß, dass er durch Parlamentsbeschluß zum Tode verurteilt ist". Weiter behauptete Heinrich, er sei nicht in der Lage gewesen, die Ehe mit Anna zu vollziehen. Dies wurde von seinem Arzt Dr. Butts bestätigt, der erklärte, Heinrich habe in den Monaten seiner Ehe mit Anna nächtliche Samenergüsse gehabt, was beweise, dass er während dieser Zeit nicht mit einer Frau geschlafen habe. Angesichts der Beweiskraft dieser Aussage entschied die Konvokation, dass die Ehe ungültig sei und es Heinrich und Anna freistehe, sich wieder zu verheiraten.
Anna willigte in die Scheidung ein und war bereit, in England zu bleiben, Heinrichs Abfindung anzunehmen und ihrem Bruder, dem Herzog von Kleve, zu schreiben, dass sie mit dieser Lösung einverstanden sei. Heinrich schenkte ihr zwei Wohnsitze, einen in Richmond und einen in Bletchingley in Surrey, und manchmal besuchte er sie in Richmond. Außerdem schenkte er ihr Ländereien, die er zuvor Cromwell gegeben hatte und die an Heinrich zurückgefallen waren, als Cromwells Besitz durch Parlamentsbeschluß eingezogen wurde.

 
 
 

6.1.1540
  oo 4. Heinrich VIII. König von England
  x      28.6.1491
21.8.1547




Literatur:
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Baumann Uwe: Heinrich VIII. mit Selbstzeugnissen und Bilddokumenten. Rowohlt Taschenbuch Verlag GmbH 1991 Seite 115,118 - BERTELSMANN Lexikon Geschichte 1991 Seite 50 - Fraser Antonia: Die sechs Frauen Heinrichs VIII. Claasen Verlag GmbH Hildesheim 1995 Seite 7,8-11,316,317-396,399-403,410,411,413,414,416,431,432,441,450,451,458-465,469,470,472,476,477,481 - Grayeff Felix: Heinrich VIII. Ein kraftvolles Leben. Wilhelm Heyne Verlag München 1961 Seite 265,273,277,283,292,294,311,326,342,348 - GROSSE FRAUEN DER WELTGESCHICHTE. Tausend Biographien in Wort und Bild. Neuer Kaiser Verlag 1987 Seite 26 - Mattigny, Garret: Katharina von Aragon. W. Kohlhammer Verlag Stuttgart 1962 Seite 447 - Panzer Marita A.: Englands Königinnen. Von den Tudors zu den Windsors. Verlag Friedrich Pustet Regensburg 2001 Seite 10,47-53,55,56,77,180 - Ridley Jasper: Heinrich VIII. Eine Biographie. Weltbild Verlag GmbH Augsburg 1995 Seite 375 -
Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band II, Teilband 1 Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser I Westeuropa, R.G. Fischer Verlag 1993 Tafel 211 - Wende Peter: Englische Könige und Königinnen. Von Heinrich VIII. bis Elisabeth II. Verlag C.H. Beck München 1998 Seite 30,43 -